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Krieg der Wörter

Die Kulturkonfliktslüge

von Jürgen Wertheimer

Buchcover: Jürgen Wertheimer: Krieg der Wörter

Verlag LiteraturWissenschaft.de (TransMIT)
Marburg an der Lahn 2003
252 Seiten, broschiert
ISBN 3-936134-05-7

2. überarbeitete und mit einem Nachwort ergänzte Auflage 2006.

Preis: EUR 14,00

Das Buch will mit einem Vorurteil aufräumen, das meint, es gäbe eine Wirklichkeit der Dinge und eine Wirklichkeit der Sprache, die beide eindeutig voneinander zu trennen sind. Die Kulturkriege zeigen erschreckend, dass der Krieg im Kopf über den Krieg der Wörter zum Krieg der Waffen wird: Symbole, Mythen, Geschichten, Gedichte bereiten das Schlachtfeld. Sprache ist der Transmissionsriemen von Kultur, aber auch von 'kulturell' legitimierter Barbarei. Die Genozide des 20. Jahrhunderts zeigen dies auf erschreckend klare Weise.

Peter Turrini in "profil": einfach, scharfsinnig, faszinierend... Lesen Sie das Buch "Krieg der Wörter"!

Julia Kospach in "profil": Wertheimer tritt an zum Kampf gegen Samuel Huntingtons populäre These des unabwendbaren Konflikts der Kulturen, des "Clash of Civilizations". [...] Die große Leistung von Wertheimers Buch besteht darin, eine lange und ungeheuer diverse Reihe von literarischen Texten auf ihren politischen Gehalt zu überprüfen...


 
 

Über das Buch

Das Buch will mit einem Vorurteil aufräumen, das meint, es gäbe eine Wirklichkeit der Dinge und eine Wirklichkeit der Sprache, die beide eindeutig voneinander zu trennen sind. Die Kulturkriege zeigen erschreckend, dass der Krieg im Kopf über den Krieg der Wörter zum Krieg der Waffen wird: Symbole, Mythen, Geschichten, Gedichte bereiten das Schlachtfeld. Sprache ist der Transmissionsriemen von Kultur, aber auch von "kulturell" legitimierter Barbarei. Die Genozide des 20. Jahrhunderts zeigen dies auf erschreckend klare Weise.

Mit dieser Erkenntnis ist auch ein möglicher Weg aus dem Dilemma gewiesen. Wenn Kriegsgefühle kommunikativ hergestellt werden können, müsste es - zumal in modernen Kommunikationsgesellschaften - auch möglich sein, Deeskalationsgefühle zu kommunizieren. Präventiv den Sprach- und Wirklichkeitsverfälschern zuvorzukommen, scheint effizienter, als ihnen post factum militärisch hinterher zu hecheln. Das eher essayistisch-polemisch als fachwissenschaftlich geschriebene Buch will keine Spezialisten ansprechen, sondern alle, die an pragmatischer politischer, kultureller und sozialer Gestaltungs- und Erziehungsarbeit ohne globale Ethik und Weltreligionsmission interessiert sind. Es gilt die Formel von Amos Oz. "We can live together as Men or die together as Fools."

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Über den Autor

Jürgen Wertheimer ist Professor für Germanistik und Komparatistik an der Universität Tübingen mit den Arbeitsschwerpunkten: Dialog in der Aufklärung, Kulturkonflikte in Texten und Europäische Literaturen. Professuren in München, Bamberg und Metz. Seit 1991 an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen.

Er ist Herausgeber der Tübinger Celan-Ausgabe (Suhrkamp), seit 1992 Mitherausgeber der komparatistischen Zeitschrift arcadia. Im Verlag C.H. Beck erschienen: "Don Juan und Blaubart. Erotische Serientäter in der Literatur" (1999) und "Strategien der Verdummung. Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft" (2001; hg. mit Peter V. Zima)

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Vorbemerkungen

Zugegeben: Dieses Buch mag Baufehler und Defekte, Schlaglöcher und Defizite haben. Den Fehler, sich jenseits der Wirklichkeit zu befinden, hat es nicht. Und die Wirklichkeit sieht anders aus als ethische Kommissionen und wissenschaftliche Kongresse sie sich wünschen. Die größten Lügen haben die längsten Beine, und je durchschaubarer sie zu sein scheinen, umso stärker ist ihre Durchschlagskraft. Eine der dreistesten: es gäbe sogenannte "Kulturkriege", den "clash of civilisations". Die Wahrheit ist: Es gibt Kulturkrieger. Konfrontationsstrategen, die selbst Kulturen dazu verwenden, um daraus Kriege herzustellen und auf Kosten anderer und zum Vorteil kleiner "Eliten" durchzuführen. In der Regel finden Massaker an und von Vielen, die sich nicht kennen statt, zum Nutzen von Wenigen, die sich kennen.

Mit ein paar Jahren Abstand gesehen erinnert man sich kaum noch der Anlässe für Gemetzel und Säuberungsaktionen, die Hunderttausende und Millionen das Leben kosteten: Libanon, Palästina, Sarajewo, die Chiapas in Mexiko, die UÇK in Mazedonien, ETA im Baskenland, Sinn Féin in Nordirland, Kosovo, Ruanda, Osttimor, die Kurden, Judenverfolgungen in Deutschland, Taliban-Milizen in Afghanistan, Religionskriege in Indien ... Die Liste ist endlos. Unterm Strich stehen in allen Fällen zufällige Tote und verschwundene Täter. Und lange bevor Blut floss, begann der Krieg der Wörter.

Die Welt der Kulturen, der Literatur steht deshalb im Schnittpunkt dieser Überlegungen, weil sie oft das Material, den Stoff liefert, aus dem später Fakten gemacht werden. Literatur ahmt seit je Wirklichkeit nach. Doch das Umgekehrte ist nicht weniger zutreffend, - besonders im Kriegsfall. Denn fast jeder dieser späteren Kriege wird auf dem Schlachtfeld der Wörter vorexerziert und vorgespielt. In dieser Phase geschehen die unsichtbaren Verbrechen, fließen Fakten und Fiktionen, Politik und Poesie ineinander, werden unzusammengehörige Partikel in eine gedankliche Linie gestellt, werden Maßstäbe verschoben, Klischees bedient, werden Widersprüchlichkeiten, Unstimmigkeiten, Ambivalenzen, aus denen das Alltagsleben besteht, systematisch getilgt. Jeder ethischen Säuberung geht eine sprachliche Absonderung voraus.

Aus diesem Thema kommt keiner mit philologisch "sauberen Händen" heraus. Ganz abgesehen davon, dass die zentralen ökonomischen und machtpolitischen Hintergründe hier nicht ausgeleuchtet werden können. Widersprüchlichkeiten, Unausgewogenheiten und Überschneidungen sind unvermeidlich und jede Behauptung eines geschlossenen theoretischen Konzepts, einer eindeutigen Lösungsperspektive ist nur der nächste Schritt im Katastrophenszenarium. Huntingtons Schema des unabwendbaren Konflikts mit dem Islam etwa hat die mentalen Weichen gestellt, um jene "Achse des Bösen" zu montieren, auf der wir derzeit in einen heillosen "Kreuzzug" rollen.

Dieses Buch will der Mechanik der Weltbilder etwas entgegensetzen. Etwas offenbar ganz und gar Unglaubliches, Subversives: den Blick für die alltägliche, banale Wirklichkeit des Einzelnen. Ohne den Metaphernsalat der übergeordneten Bedeutungen, der aus einer Gewohnheit eine Tradition, aus der Tradition eine Kultur, aus einer Kultur eine Kultur werden lässt.

Tübingen, Februar 2003

Jürgen Wertheimer

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Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

I. Teil: How to commit a Genocide

1. The Day After
2. Anleitung zum Völkermord
3. Kriegsbeschwörung und gute Worte
4. Friedenshetzer und Zeichensetzer
5. Gegen-Maßnahmen
6. Den anderen erfinden. Sich selbst vertuschen.
7. Gemischte Gefühle
8. Kollektive "Identität" - der Tanz um goldene Kälber
9. Irrtümer und Fälschungen: Lessings Nathan.
10. Sprachverzicht und Lesefehler

II. Teil: Lügen-Geschichte(n)

1. Galizien oder: Zerbrochene Illusionen
2. "Die Brücke über die Drina": Verbindung oder Bastion?
3. Tödlicher Kitsch und hohle Symbole
4. Brücke - Festung - Bibliothek: "Urbanozid" und "Memozid"
5. "Kakanien" oder EU? Eine Endlosdebatte

III. Teil: Wie bringt man elf Millionen Menschen um? - Der deutsche Sonderweg

1. Hep! Hep! Hep! - Das böse Märchen von der deutsch-jüdischen Symbiose
2. Der "Kampf" um Eindeutigkeit
3. Zwischen Ghetto und Exil
4. Nachspiel: "Endlösung"

IV. Teil: Gegenlektüren und Topographien

1. "Den Mythos lesen lernen" - Gebrauch und Missbrauch von Geschichte(n)
2. Gefälschte Fälschungen und wahre Wahrheiten: Lessings Verwirrspiel
3. Muslimische Gegenlektüre
4. Jerusalem: Stadt aus Papier
5. Stadtbilder: Barcelona - die Organisation von Verschiedenartigkeit
6. Berlin: Werkstatt wofür?

V. Teil: Präventionen

1. Planstellen gegen Potentaten
2. Tausend Satanische Verse
3. "Konflikt-Entschärfung": Wie?
4. Check List: "How to prevent a Genocide"

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Veröffentlichungen

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