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Christian Wieser schrieb uns am 16.05.2013
Thema: Michael Kurzmeier: Die Eiswüste der Großstadt
Im Roman „Nicht im Traum“ von Robert Kleindienst gelingt es nicht, beide Handlungsorte glaubhaft zu verbinden

Michael Kurzmeier führt in seiner Kritik an, dass ihm erst im Mittelteil des Romans  klargeworden ist, dass der Protagonist von „Nicht im Traum“, Simon Selander, schlafwandelt. Bereits im ersten Kapitel aber kehrt Selander augenfällig von einer nächtlichen Schlafwandelphase in seine Wohnung zurück und schlafwandelt auch einige Kapitel später, jedoch ohne dass das Wort bis dato im Roman erwähnt wurde (erst im Kapitel „Hinter dem Schlaf“ taucht das Wort „schlafwandeln“ erstmalig auf).

Dagegen will Kurzmeier bereits vor der Hälfte des Buches eindeutig erkannt haben, dass Selander Sterbehilfe an seiner Frau leistete. Woher er aber mit Sicherheit schon so früh wissen konnte, dass Selander seine Frau durch eine Manipulation des
Morphinperfusors getötet hat - die Szene wird erst im vorletzten und letzten Kapitel des Buches beschrieben - kommt nicht zur Sprache. Kein Wort der Erwähnung findet leider auch die sich textlich und stilistisch markant abhebende, in mehreren Kapiteln angewandte und damit als zentrales Element für den Roman zu bezeichnende Technik Kleindiensts, mit der er die Schlafwandelphasen seines Protagonisten beschreibt. Diese atmosphärisch dichten Passagen werden kursiv, im Gegensatz zum restlichen Roman im Präsens sowie in einer Sprache abgehandelt, die anscheinend an Audiodeskriptionen bei Filmen angelehnt ist (möglicherweise in Analogie zur Symptomatik  von Schlafwandlern, deren Blick während Schlafwandelphasen bekanntlich starr ist).

Die laut Kurzmeier durchgängig nicht vorhandene Spannung sehe ich in dem Roman jedenfalls sehr wohl, da es Kleindienst versteht, sich von einem Kapitel zum nächsten subtil an die zentralen Themen Darmkrebs, Sterbehilfe, Abschied und Andenken heranzutasten, was besonders mit der collageartigen literarischen Technik gelingt.

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Anna Maria Lanthaler schrieb uns am 11.05.2013
Thema: Michael Kurzmeier: Die Eiswüste der Großstadt
Im Roman „Nicht im Traum“ von Robert Kleindienst gelingt es nicht, beide Handlungsorte glaubhaft zu verbinden

Bei allem Respekt, den ich der Literaturkritik zolle, aber ich finde es befremdlich und geringschätzig dem Werk eines Schriftstellers gegenüber, wenn dessen Ende bzw. möglicher Höhepunkt wie in gegebenem Fall verraten wird, zumal der Roman „Nicht im Traum“ im Klappentext mit einem „dunklen Geheimnis, das ans Licht kommt“, angekündigt wird und damit neugierig macht. Nicht nur, dass Kurzmeier gleich im zweiten Absatz die willentliche Tötung der krebskranken Frau des Protagonisten bekannt gibt, gegen Ende führt er darüber hinaus auch noch die exakte Art der Tötung an („nämlich dass Selander seine komatöse Frau durch eine Manipulation des Morphiumperfusors wie vereinbart getötet hat“).

Die Kritik wird mich zwar nicht
davon abhalten, das Buch trotzdem zu lesen (zumal ich bereits einige sehr positive Kritiken über Kleindiensts Roman gelesen habe, z.B. http://www.literaturhaus.at/index.php?id=9838), jedoch unter geänderten Vorzeichen - es ist nur ein schwacher Trost, dass für Kurzmeier das Ende des Romans schon vor der Hälfte des Buches eindeutig herauszulesen war und er ohnehin keine Spannung im Roman finden konnte.

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Franz Siepe schrieb uns am 08.05.2013
Thema: Luise F. Pusch: Das Gendern ist des Müllers Lust
Wie der Feminismus den Duden bereichert

Es ist immer wieder ein großes Vergnügen, die Texte von Frau Pusch zu lesen. Eine Frage diesmal: Sie schreibt: " Immerhin wurde das Buch der Bücher bereits erfolgreich gegendert zur „Bibel in gerechter Sprache“. "
Ich habe einmal gehört, daß man den "Teufel" und den "Satan" in der "Bibel in gerechter Sprache" nicht gegendert hat, so daß keine "Teufelin" und auch keine "Satanin" vorkommt. Bin ich da möglicherweise einer Fehlinformation aufgesessen?

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Philipp Joos schrieb uns am 07.05.2013
Thema: Josef Bordat: Judentum ins Abseits?
Haut ab! Alfred Bodenheimers Rekonstruktion des Erregungsphänomens „Beschneidung“ ist zugleich ein kluges Plädoyer für ein friedliches Zusammenleben in Europa

Meines Erachtens braucht eine Parteischrift nicht auch noch eine parteiliche Rezension, die sich als "Literaturkritik" ausgibt. Zumal wenn in der besprochenen Literatur und der "Kritik" keine weiterführenden Gedanken zu finden sind. Um dieses Epitheton zu verdienen, müsste die Rez., wenn sie sich verständlicherweise von fremder Polemik fernhalten will, wenigstens die innerjüdischen Gegenthesen referieren. Denn die sind gewichtig. Sonst manövriert man sein Judentum wirklich ins Abseits.

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Luise F. Pusch schrieb uns am 30.04.2013
Thema: Rolf Löchel: Ein schwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang
Susanne Balmer entdeckt vier Narrative im weiblichen Entwicklungsroman

Danke für die interessante Rezension eines sicher wichtigen Buchs. Das "Evolutionsnarrativ" - "Entwicklung als Evolution" - kommt mir allerdings tautologisch vor.

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Bernd Willimek schrieb uns am 20.04.2013
Thema: Geret Luhr: Was sie schon immer über das Verhältnis von Tönen und Emotionen wissen wollten
Robert Jourdain und die Frage, wie Musik im Kopf entsteht und wirkt

Zum Thema "Musik und Emotionen" verweise ich auf den fünfteiligen Artikel "Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik". Er wurde letzte Woche im Online-Magazin "musik heute" publiziert und kann unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden:
http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/
Bernd Willimek

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Finn schrieb uns am 04.04.2013
Thema: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Darf ich noch etwas ergänzen? Ich habe gerade noch einmal das Kriegstagebuch von dem Pazifisten und Nazi-Gegner Kurt Kretschmann ("Und da leben Sie noch. Erinnerungen") durchgeschaut. Er beschreibt einige Situationen, die auch der Film zeigt - nur viel drastischer. Die Kälte und das furchtbare Frieren im Winter, z.B. am 4. März 1942 sind es noch 42 Grad unter Null. Den ständigen Hunger - so kochen sich die Soldaten Sauerampfer, um ein bisschen was im Magen zu haben. Die Toten und Verletzten. Die furchtbaren Zustände in den Bunkern. Hier ein Beispiel:
"4. Januar 1943. Unsere Männer leben in unaussprechlichem Dreck. Die Bunker, tief im Schnee vergraben und oft von den Stürmen der Nacht verweht, sind das Primitivste, was ich auf diesem
Gebiet kennenlernte. Die Unterkünfte sind Erdhöhlen, angefüllt mit Lumpen und frierenden Soldaten. Wenn ich bei Impfungen und Kontrollen durch die Kompanien gehe, bin ich zum Schluss wie betäubt. Um dem unterträglichen Leben zu entgehen, greifen manche Soldaten zur Selbstverstümmelung. Ein besonders krasser Fall trug sich vor kurzem zu, als ein Unteroffizier seine linke Hand inn Wasser tauchte und dem Frost bis zum Erfrieren aussetzte. Der Arzt, den ich um seine Meinung fragte, antwortete mir: 'Die Menschen sind auf Grund der fürchterlichen Lebensbedingungen nicht mehr bei klarem Verstand'"
Weiter schreibt er, dass Selbstverstümmelungen nicht selten vorkamen und daher Strafen bis zum Erschießen angedroht wurden. Er berichtet auch von Kriegsverbrechen und der furchtbaren Lage der Zivilisten.
Es lohnt sich, solche Soldatentagebücher zur lesen, um ein wesentlich realistischeres Bild zu bekommen, als es in einem solchen Film präsentiert wird. Auch Wolfgang Borchert ist eine interessante Lektüre.

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Finn schrieb uns am 30.03.2013
Thema: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Ihre Kritik kann ich nicht nachvollziehen.
Nur ein paar wenige Punkte: Schweren Herzens muss ich in diesem Fall der Bild-Zeitung recht geben, dass die Rote Armee zunächst (fast) keine Gefangenen gemacht hat. In den ersten beiden Jahren haben nur 10 % überlebt, in der Regel wurden die Kriegsgefangenen sofort getötet, oft davor gefoltert. Die nachrückender deutschen Soldaten fanden nicht selten ihre Leichen in verstümmelter Form vor - dazu gibt es zahlreiche Zeugenaussagen und sogar Filmaufnahmen. Erst als dann sehr viele Gefangene gemacht wurden, wurde ein System entwickelt, um sie zu versorgen. Dann haben tatsächlich viele überlebt.
Das Prinzip der sog. Wechselrahmung klingt zwar wissenschaftlich, ist aber schon bei Harald Welzer und Co
alles andere als schlüssig. Es bleibt bei einer bloßen Behauptung, sie können aber in keinem einzigen Fall (!) nachweisen, dass die Befragten etwas aus Filmen erzählen und nicht etwas, was sie tatsächlich erlebt haben. Vergewaltigungen, Leichen an den Straßen usw. hat es nun mal tatsächlich gegeben. Nun sind die Autoren keine Historiker, trotzdem hätten sie ruhig mal die Fachliteratur hinzuziehen können, bevor sie einfach etwas behaupten.
Genauso ist es z.B. eine nicht seltene physiologische Reaktion, dass man sich bei extremer Angst in die Hosen macht. Kommt sicher häufig in Kriegssituationen vor - das braucht man nicht von Remarque abschreiben.
Völlig unverständlich ist mir, dass Sie sich darüber beschweren, dass am Schluss das zerstörte Berlin gezeigt wird. Jeder weiß, dass die Innenstadt von Berlin zerstört war, wie viele andere deutsche Städte. Wer es nicht glaubt, kann sich ja mal die Luftaufnahmen der Alliierten anschauen. Und die deutschen Freunde treffen sich am Schluss nun mal in Berlin und nicht in Warschau. Hätte man es, entgegen jeder historischen Wahrheit, unzerstört zeigen sollen??

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Jens Prausnitz schrieb uns am 29.03.2013
Thema: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Fantastische Analyse, die mich mit neuen Gedanken und Argumenten versorgt, um den Schaden, den dieser Dreiteiler angerichtet hat, wenigstens ansatzweise in Diskussionen zu begrenzen. Vielen Dank!

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Gottfried Scherer schrieb uns am 29.03.2013 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Die Kritik ist sehr argumentativ und treffend, weil der Filmtitel ja eben nicht ein Einzelschicksal anzeigt, sondern unterstellt, dass dass unsere Mütter und Väter in etwa so gewesen seien. Sie sollen wohl so gewesen sein, damit wir uns wohler fühlen sollen. Allerdings wird Schuld nicht vererbt, wenn man das Erbe nicht antritt. Warum wird immer wieder daran gearbeitet, Unrecht für Recht oder doch als nicht ganz so schlimm auszugeben?

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Annalisa Kreimeyer schrieb uns am 28.03.2013
Thema: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Vielen Dank für diese herausragend präzise Kritik, die alles gekonnt auf den Punkt bringt, was ich beim Ansehen empfunden habe.

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Claus Hornung schrieb uns am 27.03.2013
Thema: Jan Süselbeck: Fünf Freunde
Nico Hofmann hat es wieder getan: Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg

Sehr geehrter Herr Süselbeck,

diese Kritik bringt vieles auf den Punkt, was ich ebenfalls beim Anschauen der Serie dachte. Angefangen mit dem mit "Shalom" grüßenden jüdischen Freund in der Clique. Spätestens als die deutschen Soldaten entgegen jeder Wahrscheinlichkeit den MG-Schützen nicht direkt erschossen haben, wurde mir klar, dass diese Serie sich nicht mit dem Ruhm bekleckern wird, dem man ihr schon im Vorfeld zuschrieb.
Ganz abgesehen davon, dass diese Szene mich wie Sie an "Private Ryan" erinnerte. Ebenso wie die, wo die länger eingesetzten Soldaten nicht den Namen eines Neuankömmlings wissen wollen, weil er ohnehin bald stirbt, an eine Szene in "Band of Brothers".

Sie haben
recht: dieser Film ist in vielen Teilen unrealistisch und oft sehr bemüht.

Allerdings widerspreche ich in einem Punkt heftig.
Denn ein Film darf zeigen, dass es auch "gute" Deutsche gab, oder welche, die sich zumindest zwiespältig verhielten - so wie beispielsweise in "Schindlers Liste".
Und es ist auch nicht Aufgabe eines Films über deutsche Frontsoldaten überall darauf hin zu weisen, welche Verbrechen außerdem noch stattgefunden haben.Schließlich muss auch keine Dokumentation über die Verbrechen an den russischen Kriegsgefangenen gleichzeitig alle Grausamkeiten Stalins ansprechen. Jeder historische Film, jeder historische Romandreht sich schließlich um einen bestimmten Abschnitt oder um bestimmte Personen - willkürlich vom Autor ausgewählt.

Entscheidend ist: ein solcher Film sollte sich an die Realitäten halten und nicht so plump erzählt werden wie in diesem Fall.

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Roberta Gado schrieb uns am 19.03.2013
Thema: Georg Patzer: Eine Massenorgie und die Liebe zu einer Ziege
Andrea Camilleri schreibt zu viel und zu wenig Gutes, wie seine Romane „Der Hirtenjunge“ und „Die Sekte der Engel“ zeigen

Hallo!
Die Leser sind gewöhnt, dass oft der Kritiker über die Übersetzung nicht spricht, und das ist ehrlicherweise manchmal auch schwierig. Aber in diesem Fall, wo zwei Romane des selben Autors, der dazu noch sehr eingenartig in seiner Sprache schreibt, von zwei unterschiedlichen Übersetzer übertragen wurden, wäre nach meiner Meinung ein Kommentar darüber und über die unterschiedlichen "Stimmen" nötig und interessant gewesen.

Schöne Grüße
Roberta Gado

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Bernd Willimek schrieb uns am 15.03.2013
Thema: Geret Luhr: Was sie schon immer über das Verhältnis von Tönen und Emotionen wissen wollten
Robert Jourdain und die Frage, wie Musik im Kopf entsteht und wirkt

Musik und Emotionen

Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage, wie Musik Emotionen erzeugt, dürfte die Tatsache sein, dass sich Zuordnungen von musikalischen Elementen und Emotionen nie ganz eindeutig festlegen lassen. Die Lösung dieses Problems ist die Strebetendenz-Theorie. Sie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt. Das gleiche passiert auch, wenn wir einen spannenden Film anschauen und uns mit den Willensvorgängen unserer Lieblingsfigur identifizieren. Auch hier erzeugt erst der Vorgang der Identifikation Emotionen.
Weil
dieser Umweg der Emotionen über Willensvorgänge nicht erkannt wurde, scheiterten auch alle musikpsychologischen und neurologischen Versuche, die Frage nach der Ursache der Emotionen in der Musik, zu beantworten.  Man könnte dabei an einen Menschen denken , der einen Fernsehapparat aufschraubt und darin mit einer Lupe nach den Emotionen sucht, die er zuvor beim Ansehen eines Films empfunden hatte.

Doch wie kann Musik Willensvorgänge vermitteln? Diese Willensvorgänge haben etwas mit dem zu tun, was alte Musiktheoretiker mit "Vorhalt", "Leitton" oder "Strebetendenz" bezeichnet haben. Wenn wir diese musikalischen Erscheinungen gedanklich in ihr Gegenteil umkehren (der Ton strebt fort - ich will, dass der Ton bleibt), dann haben wir in etwa den Willensinhalt gefunden, mit dem sich der Musikhörer identifiziert.  In der Praxis wird dann alles noch etwas komplizierter, so dass sich auch differenziertere Willensvorgänge musikalisch darstellen lassen.
Weitere Informationen erhalten Sie über den kostenlosen Download der E-Books der Universität München "Musik und Emotionen - Studien zur Strebetendenz-Theorie".

Bernd Willimek

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Henrike Schmidt schrieb uns am 02.03.2013
Thema: Tobias Schmidt: Verloren an der Oberfläche
Dagmar Burkhart versucht das Phänomen „Hautgedächtnis“ zu analysieren – und scheitert

Dagmar Burkharts Buch über das Hautgedächtnis ist ein kluges Werk und eine inspirierende Lektüre, von leichter Hand geschrieben und mit einer überwältigenden Fülle an Beispielen, historischen Rückblenden und literarischen Fundstücken. Nach wiederholter Lektüre kann ich die in der Rezension geäußerte Kritik nicht nachvollziehen. Die Autorin geht in ihrer Darstellung bewusst eine Reihe von Risiken ein, nämlich die einer populären, leicht verständlichen und gut lesbaren Sprache einerseits, einer Einbeziehung unterschiedlicher Gegenstandsbereiche, von der Philosophie über die Literatur bis hin zur medialen Gegenwartskultur andererseits. Dabei setzt sie innerhalb ihres Themenfelds, der Haut als Kommunikationsmittel und Gedächtnisort, spannende neue Akzente. Insbesondere die vom Rezensenten kritisierte Überblendung von Haut-Falten und Narben im direkten Wortsinne und ihrer metaphorischen Übertragung auf ‚das Angesicht’ der Erde eröffnet im wahrsten Sinne des Wortes neue Einsichten. Zumal dieser thematische Weitsprung theoretisch und methodologisch in den einleitenden Vorbemerkungen sorgfältig vorbereit ist. Die Haut als Organ des Menschen wird eingebettet in kosmologische Weltmodelle, mit der Kleidung als zweiter, der Behausung als dritter und der Erde bzw. dem Kosmos als vierter Haut. Die Vielfalt an Beobachtungen und Einzel-Lektüren ist also in ein tragfähiges und kohärentes Konzept eingebettet, will man es denn sehen. Das extravagante Detail, für das die Autorin sicherlich eine Vorliebe hegt, ist immer in ein sicheres Wissen um die historischen und theoretischen Kontexte eingebettet. Wissenschaft muss das Populäre durchaus nicht scheuen. Und Semiotik ist nicht nur da drin, wo Signifikant drauf steht. Sondern da, wo zeichenbasierte Kommunikationsprozesse analysiert werden. In ansprechender und klarer Sprache, mit schönen und illustrativen Bildern.

Henrike Schmidt

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Hans-Christian Rump schrieb uns am 28.02.2013
Thema: Ursula Homann: Sie waren einst in Galizien-Bukowina zu Hause
Ein Sammelband über bekannte und unbekannte Dichter und Schriftsteller

Juden verschiedener Sprache haben in der übergroßen Mehrheit doch ein Zusammengehörigkeitsgefühl - egal, ob sie religiös gebunden sind oder nicht.

Dies soll meine Unterscheidung zwischen(deutschsprachigen) "Altösterreichern" und deutsch- bzw, polnisch-sprachigen etc. Juden ausdrücken.

Im Übrigen sind aufmerksame Leser immer willkommen, wenn sie sachliche Fehler entdecken.

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Dirk Schneekluth schrieb uns am 24.02.2013
Thema: Andrea Geier: Stellt ihn vom Platz!
Eine rote Karte für Volker Zastrows geschlechterpolitische Rhetorik der Diffamierung

Sehr geehrte Frau Geier,
herzlichen Glückwunsch zu Ihrem äußerst geistreichen, gelungenem Artikel. Ich bin durch ein weiteres grobes Foul von Herrn Zastrow (heute erschienen in der F.A.S. 24.02.13 "Zu Zweit") auf Sie aufmerksam geworden.
Vielen Dank

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Martin Kuhn schrieb uns am 02.02.2013 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Laslo Scholtze: Schneller, geiler, depressiver
Byung-Chul Han erklärt die „Agonie des Eros“ als Folge einer narzisstisch-erschöpften Konsumgesellschaft

das stimmt nicht, eine verleumdung. Ich sass eine zeit lang in hans lehrveranstaltungen. die waren immer inspirierend und viele studenten haben teilgenommen.

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Dirk Kaesler schrieb uns am 25.01.2013
Thema: Dirk Kaesler: Vergeblich erhoffte Max Weber einen Neubeginn
Ein weiterer Briefband der Max Weber-Gesamtausgabe erschienen

P.S. Soeben werde ich darüber informiert, dass der Brief, der mir von privater Seite zum Kauf angeboten wurde, kein Brief an Carl Schmitt ist, sondern der Brief Max Webers an den Professor für Rechtswissenschaft der Handelshochschule Berlin, Paul Eltzbacher, vom 18. Oktober 1911, wie er in der MWG II/7 abgedruckt wurde (S. 299f.)

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Thomas Dau schrieb uns am 22.01.2013
Thema: Dieter Lamping: Kafkas Weltruhm
Eine Skizze

Lieber Herr Lamping, vielen Dank für den kenntnisreichen Beitrag. Ich betrachte die literaturkritik.de als bestes Gegenstück in Deutschland zur TLS, die wohl den Goldstandard für Publikationen dieser Art darstellt.
In diesem Sinne eine keineswegs beckmesserische Bemerkung: den
Namen Klaus Wagenbach habe ich bei ihnen vermißt.
Beste Grüße
T.Dau

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Gerhard Jeske schrieb uns am 20.01.2013
Thema: Tobias Dennehy: Im Krebsgang wider das Vergessen
Günter Grass' Untergang des Flüchtlingsschiffes "Wilhelm Gustloff" zwischen Fiktion und Realität, Gegenwart und Vergangenheit

Gerhard Jeske Hamburg
Der totale Seekrieg: trifft auch die Wilhelm Gustloff
Zum Beispiel: Eine Seemine kann nichts erkennen, sie versenkt jedes Schiff, eben auch Lazarettschiffe, gibt es da einen Unterschied zwischen einer Mine, einer Bombe oder einem Torpedo? Nur der Erfolg zählt im Krieg, nicht die Moral.

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Wolfgang Kuhn schrieb uns am 08.01.2013
Thema: Sabine teHeesen: Freude am fremden Volk
Erich Scheurmann in der Maske des Papalagi

Liebe Frau teHeesen,
in und  seit den 80ern war ich mehrmals auf verschiedenen Südsee-Inseln wie Fiji, Tonga, Cook, Tahiti. Das Buch "Papalagi" aus den 20ern ist natürlich mittlerweile etwas angestaubt, aber es trifft die Mentalität  der Südsee-Insulaner immer noch recht gut. Ich habe es erst nach Abschluß meiner Südsee-Reisen entdeckt und gelesen, aber sofort als passend und zutreffend empfunden.

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Doris Heinze schrieb uns am 04.01.2013
Thema: Ursula Homann: Was weiß man heute noch von Arnold Zweig?
Aus Anlass seines 120. Geburtstages

Durch Zufall fand ich diesen Beitrag aus dem Jahre 2007. Jetzt sind es sicher noch weniger geworden, die den Schriftsteller Zweig kennen (lernen wollen) bzw. lesen.
Da ich meine Ausbildung in der DDR erfuhr und später als Lehrerin arbeitete, habe ich Zweig sehr gern gelesen,  und in meinem Bücherregal stehen zahlreiche Titel des Autors. Ich hoffe sehr, daß die Erben meiner Bibliothek irgend wann noch einmal zu diesen Büchern greifen.
Übrigens habe ich deshalb zu Zweig gegoogelt, weil ich etwas zu seinem Sohn Michael finden wollte. Über dessen trauriges Nachkriegsschicksal las ich in dem Feuchtwanger-Roman von Klaus Modick "Sunset".

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Martin Wagner schrieb uns am 25.12.2012
Thema: Andreas Baumann: Tod zerwebt
Edlef Köppens Montageroman "Heeresbericht" - ein vergessenes Buch über den Ersten Weltkrieg

Sehr geehrter Herr Baumann,

in Anlehnung an Ihre Besprechung, Kritik, ja was eigentlich?, möchte man ausrufen: Ziel verfehlt, Roman zerredt!

Fällt es so schwer, anhand eines zugegebenermaßen komplexen und schwierigen Werks, sich zu einem klaren Urteil zu bekennen und mit eindeutigen Formulierungen auf Stärken und Schwächen von Köppens Roman einzugehen? Und sich am Ende zu einem klaren Urteil aufzuraffen?

Wo Köppen klar und eindeutig ist, ist in Ihrer Kritik nichts als zerredendes Gerede. An keiner Stelle wird einem klar worauf Sie mit Ihrer Kritik hinauswollen. Sehr schade eigentlich. Noch lese ich das Buch, bin fast durch damit und stark beeindruckt. Die schrittweise Entwicklung der Hauptfigur bleibt trotz
der manchmal recht anstrengenden Montagetechnik schlüssig und nachvollziehbar. Manches Mal versetzt einen der offene Kontrast zwischen offizieller Propaganda und tatsächlichem Soldatenleben in Wut und Verzweiflung. Der Terror des Stellungskrieges wird nachfühlbar, insbesondere da wo "der Feind trommelt".

Es hätte nichts geschadet darüber auch etwas in Ihrer Kritik zu lesen, denn nach der Lektüre Ihrer Besprechung hätte ich mich wohl kaum für dieses großartige Stück Zeitgeschichte interessiert.

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Michael Roloff schrieb uns am 05.12.2012
Thema: Peter Mohr: Ein streitbarer Individualist
Zum 70. Geburtstag des Schriftstellers Peter Handke

Einige Sachen stimmen bei Peter Mohrs Artikel überhaupt nicht.
1
Handke ist halb farbblind geboren - manchmal dann wieder nicht - und wundert sich in DER LEHRE DER ST. VICTOIRE darüber ob dies erblich ist. Deswegen kein Führerschein, und das viele Bus Fahren.

2
Die Princeton Rede - ich war da - war vorher geprobt. Vide FC Delius vor kurzer Zeit, im Cicero, der das beobachtet hat, und Handke meinte kaum Grass noch Weiss, die ihm nachher auf die Schulten klopften. Ich selbst saß neben Erich Kuby, den ich aus Hamburg kannte, zu der Zeit als Handke seinen Angriff, auch in den selben Worten, wiederholte als Hans Werner Richter ihn an die Richtlinien der Gruppe erinnerte - keine Generalangriffe, nur Kritik an spezifischen Texten - also
hätte er eigentlich nur über den vorhergehenden Peter Piwitt reden sollen.

3
Unter den gennnanten Schauspielerinnen sollte man Marie Colbin, langjährige Lebensgefährtin in Salzburg nicht vergesse, schon darum weil sie einen berühmten Angriff auf den Kerl machte zur Zeit seiner Serben Verteidigung um 1993.

4
Handkes Nähe zu Jugoslawien stammt erstens ab von seiner Slowenischen Abstammung  mütterlicherseits, und dass seine Stücke schon ganz früh,
lang vor Milosevic, in Belgrad aufgeführt wurden, und dass er seinen
Roman, DIE HORNISSEN auf der jetzt Kroatischen Insel Krk/ Cordula schrieb,
und auch viel in der Gegend herum wanderte.

http://handke-magazin.blogspot.com/2012/11/seventieth-birthday-celebration.html

http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name

http://www.roloff.freehosting.net/index.html

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Philipp Joos schrieb uns am 03.12.2012
Thema: Laslo Scholtze: Schneller, geiler, depressiver
Byung-Chul Han erklärt die „Agonie des Eros“ als Folge einer narzisstisch-erschöpften Konsumgesellschaft

Ich habe mich von Han auch kurz blenden lassen. Einige Zeit denkt man schon, hinter dem exotischen Namen stehe eine denkerische Tradition, die mit ihren Momentaufnahmen ein verfremdendes Licht auf unsere Verhältnisse werfen könnte. Denkste! Das einzig Faszinierende - und damit an andere koreanische Phänomene Erinnernde - ist die skrupellose marktförmige Verbiegung der gängigen Feuilletonmoden. Verzeihung, aber das war mein Eindruck. Über die Gründe seiner Thesen erfährt man nichts, sie haben keine Tiefendimension hinter den Formeln, er kann sie nicht plausibel machen und reagiert auf Kritik aggressiv. So muss es auch nicht verwundern, dass sich, wie ich höre, im bisherigen Job fast alle Studenten abgewandt und gegen ihn protestiert haben.

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Matthias Attig schrieb uns am 26.11.2012
Thema: Jonas Engelmann: "Alles was ich will, ist, nichts mit euch zu tun haben."
Karl-Eckhard Carius plädiert für eine angemessenere Würdigung Rolf Dieter Brinkmanns

Ein Gespräch mit Prof. Karl-Eckhard Carius veranlasst mich, die kritischen Bemerkungen, die ich hier vorgetragen habe, zurückzuziehen; ich habe jetzt verstanden, dass er mit seiner Plastik die Montagetechnik Brinkmanns in einem anderen Medium weiterdenkt und durch solche Transfiguration die gesellschaftspolitische Sprengkraft eines formalen Prinzips nutzbar macht, das nichts weniger als ästhetizistische Spielerei oder Idiosynkrasie, sondern vielmehr kongenialer Ausdruck einer zersplitternden Wirklichkeit ist. Die Plastik soll die Beschädigungen der Gesellschaft im öffentlichen Raum selbst zur Anschauung bringen und sie dabei zugleich produktiv zum Organon der künstlerischen Absicht machen; auf diese Weise wird sie nicht bloß dem Brinkmannschen Erbe, sondern dem Postulat der ästhetischen Integrität, wie es etwa Adorno formuliert, gerecht. Einem solchen Vorhaben zolle ich ausdrücklich Respekt.

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