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Norbert Mecklenburg schrieb uns am 26.04.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Norbert Mecklenburg: Zeugnis, Empathie, Trauer
Kritische Notizen zu Literatur über den türkischen Genozid an den Armeniern

Die Wut des Briefschreibers, dessen Buch ich negativ bewertet habe, ist verständlich. Seine beiden sachbezogenen Hinweise sind aber falsch: 1. 'Aghet' bzw. 'Aghed' wird auch von namhaften Forschern wie Marc Nichanian ("Writers of Disaster"), den ich in meinem Essay erwähne, verwendet. 2. Seine Behauptungen über die Balakians sind falsch. Um das einzusehen, hätte er nur Peter Balakians "Black Dog of Fate" lesen müssen.

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Penyamin Ehmalian schrieb uns am 25.04.2015
Thema: Norbert Mecklenburg: Zeugnis, Empathie, Trauer
Kritische Notizen zu Literatur über den türkischen Genozid an den Armeniern

An Herrn Norbert Mecklenburg,
es ist immer das gleiche Spiel von denjenigen, die denken, sie können über uns Armeniern Begriffe erfinden über unseren Köpfen hinaus. Was bedeutet den Aghet-Literatur? Es gibt für uns kein Aghet-Literatur oder Aghet-Thema.
Aghet bedeutet "Katastrophe", darunter sind auch Naturkatastrophen zu verstehen. Die Überlebenden des Völkermords nannten - weil es damals das Begriff Genozid nicht gab -  den Völkermord von 1915 "Medz Yeghern" und das bedeutet "Große Verbrechen". Ein Verbrechen geschieht immer durch Menschenhand.
Irgendwann vor Jahren benutzte auch der U.S. Präsident Obama den Begriff "Medz Yeghern" und die türkischen Journalisten
der armenischen Wochenzeitung "Agos" in Istanbul übersetzten es auf türkisch als "Büyük Felaket - Große Katastophe". Jahre danach lief ein Dokumentation im deutschen Fernsehen mit dem Titel "Aghet - Ein Völkermord". Ich begreife nicht was das alles sein soll? Und Sie, Herr Mecklenburg, denken wohl auch, ohne sich darüber gründlich zu informieren, dürfen Sie Begriffe benutzen wie es Ihnen beliebt. Im westlichen Welt sitzt ja schon seit jahrhunderten  die Gedanke fest, dass man  mit den Armeniern tun kann was man will.
In Ihrem Artikel sind viele falsche Informationen vorhanden: Diran Balakian war zu keiner Zeit der Großvater von Peter Balakian, der hieß nämlich Grigoris Balakian und wurde 1915 selber deportiert. Sein in armenisch verfasstes Buch "Armenische Golgotha", wobei er als deportierte seine Erlebnisse zu Papier brachte, ist meiner Überzeugung nach einer der besten über den Medz Yeghern. Es ist ein Meisterwerk, es ist herzzerreißend. In Ihrem Artikel meinen Sie wohl den Diran Kelekian, er war ein Arzt, Grigoris Balakian war ein Geistlicher.
Über mein Buch schreiben Sie dass es oberflächlich, künstlich und durch Geschwätzigkeit umfangreicher autobiografischer Migrationsroman ist. Ihrer nicht zutreffenden Meinung aller Ehren. Doch, Sie schreiben ja selber, dass es ein Migrationsroman ist, und das stimmt. Es ist auch ein Liebesroman und ein Roman gegen Rassismus, das ich am eigenen Leib im türkischen Militär erlebt habe. Sie haben mein Buch wahrscheinlich nicht durchgelesen.Ich habe darin den Völkermord im zusammenhang mit den weltpolitischen Ereignissen erwähnt. Ich könnte ausführlicher schreiben, es sind über dieses Thema viele Artikel von mir veröffentlicht worden, doch das war nicht das alleinige Thema des Buches. Dass Sie aber mein autobiografischer Roman als "geschwätzig" bezeichnen, überzeugt mich davon, dass ihre ganze Artikel geschwätzig ist und dass Sie denken, sich Ihrer akademischen Titel versteckend,alles erlauben dürfen.
Ihre ganze Artikel ist darüber hinaus heuchlerisch, doppelmoralisch, literarisch nichts Wert für mich. Und der Gipfel ist, dass Sie am Schluss schreiben: "Dass allein durch diesen Gestus Literatur, die zum Aghet-Gedenken beiträgt, humanes Gewicht erhält, ist die Überzeugung, die dem vorligenden Essay zugrunde liegt."
Darüber lachen selbst die Hühner und ich erlaube Ihnen, mich über mein Grammatik und Rechtschreibung auszulachen. Glauben Sie mir, alles was Sie denken und schreiben interresiert mich nicht im geringsten.

Penyamin Ehmalian

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Felix Sprang schrieb uns am 15.04.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Felix Sprang: Geist ruht nicht aus
Neue Sonettübersetzungen von Claus Eckermann und Alexander Giese

Lieber Herr Gutsch,

ganz herzlichen Dank für Ihren Leserbrief. Ich hatte mit Absicht das etwas vage "gut siebzig" verwendet, da eine genaue Zählung der Gesamtübersetzungen mit Schwierigkeiten verbunden ist: einige sind im Selbstverlag erschienen, einige wurden verändert wieder aufgelegt. Aber das wissen Sie besser als ich. Auf die Übersetzung von Frank Günther sind wir natürlich schon alle gespannt. Und vielen Dank, dass Sie mich - und die Leser - auf das Enstehungsdatum von Alexander Gieses jetzt publizierter Übersetzung aufmerksam gemacht haben.

Mit herzlichem Gruß

Felix Sprang

Sind Sie im April in Berlin auf den Shakespeare-Tagen?

Mit freundlichen
Grüßen

Felix Sprang

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Dr. Karl Corino schrieb uns am 12.04.2015
Thema: Peter Mohr: Gralshüter des Sozialismus
Vor 100 Jahren wurde der Schriftsteller Stephan Hermlin geboren

Der Artikel von Peter Mohr ist im Allgemeinen recht informativ, transportiert aber immer noch eine Reihe von Mythen.
Dazu gehört, Hermlin sei der Sohn großbürgerlich-wohlhabender Eltern. Der Vater David Leder hatte bis zu seiner Internierung als feindlicher Ausländer während des I. Weltkriegs laut Chemnitzer Adressbuch ein Geschäft für Woll- und Baumwollabfälle. Der staatlich eingesetzte kommisarische Verwalter teilte der Mutter Hermlins, Lola Leder, während der Kriegsjahre so wenig Geld zu, dass sie ihm drohte, ins Wasser zu gehen. Ungerührt stellte er ihr frei, dies zu tun (Bericht von Hermlins Schwester Ruth Frenkel). So also sah die großbürgerliche Herkunft Hermlins aus.
Zu den von Peter Mohr transportierten
Mythen gehört auch der Eintritt Hermlins in die KPD. Bezeugt ist durch die Schwester Ruth Frenkel und durch Hermlins Jugendfreund Hobsbawm, dass Hermlin in den frühen 30er Jahren Mitglied des Sozialistischen Schülerbunds war. Von seiner Schwester dafür geworben warb er auch Hobsbawm und veröffentlichte in der Zeitschrift dieses SSB "Der Schulkampf". Wegen eines Artikels vom Januar 1932 wurde er vom Gymnasium relegiert. Die Verfolgten des Naziregimes in der DDR konnten in  einem Gutachten aus dem Jahre 1957 keine Verbindung Hermlins mit der KPD in  den Jahren 1933 - 36 feststellen.
Zu den Mythen Hermlins gehört weiterhin, seine Beziehung zu Honecker stamme aus dem gemeinsamen antifaschististen Widerstand. Wie die Verfolgten des Naziregimes in einem Gutachten von 1957 feststellten, habe ihre Recherche ergeben, dass Hermlin  bis zur Emigration 1936  n i c h t "am organisierten Kampf gegen den Faschismus teilnahm". Die Beziehung zu Honecker stammte nach dessen Erinnerung aus Begegnungen bei der FDJ in den  späten 40er Jahren. Wegen dieses ausdrücklichen Nicht-Engagements ist es logisch, dass die VdN die Verleihung eines Ordens an Hermlin für antifaschistische Verdienste ablehnte.

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Dr. Peter Hamel schrieb uns am 06.04.2015
Thema: Walter Delabar: Untergangsgeschichten
Hans-Jürgen Schmelzer schreibt mit „Meines Vaters Felder. Biografie einer Landwirtsfamilie“ seine Familiengeschichte

Durch Zufall habe ich dieses Buch auf Mallorca in die Hand bekommen und danach nicht mehr los gelassen. Das Buch ist gut, spannend und sehr authentisch! Viele Belege werden dazu beigebracht. Der ziemliche Verriss dieses Buches durch einen "Literaturkritiker" Walter Delabar, der einmal wieder alles besser weiß, ist unfair und typisch für einen Spätnachkriegsgeborenen, der unfähig ist, sich in die damalige nationalsozialistischen Randbedingungen und Bedrohungen hineinzuversetzen. Und absolut unsachliche Vorwürfe über Judenverfolgungsignoranz passen natürlich perfekt dazu. Dagegen hat der Autor alle Aspekte dieser schwierigen Zeit geschildert und miterlebt, bis zum bitteren Ende des Krieges als Siebenjähriger auf der Flucht.  Also, das Buch ist sehr empfehlenswert und eben auch für die Jugend!

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Wulf Segebrecht schrieb uns am 03.04.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Sehr geschätzter Herr Delabar, da stimmt etwas nicht mit Ihrem Nippesbefund. Noch nie wurden doch so viele Gedichte öffentlich bekannt gemacht, gelesen und diskutiert wie heute. Schauen Sie auch gelegentlich ins Internet? Und das ist alles durchaus nicht nur gefühlig und erkenntnisverweigernd. Auch in der herkömmlichen Form des gedruckten Buches gibt es ja außerordentlich erfolgreiche Lyrikbände: Ulla Hahn beispielsweise oder Robert Gernhardt. Dass freilich, aufs Ganze gesehen, Gedichtbände im Buchhandel nur eine „Nebenrolle“ spielen, ist weder verwunderlich noch empörend: Kaufen Sie denn regelmäßig Gedichtbände einzelner Autoren? Anthologien dagegen erscheinen durchaus in hohen Auflagen (Conrady, Detering, Hahn, Reiners u.a.). Und dass Lyrik in der Presse „nahezu unsichtbar“ sei, kann man nun wirklich nicht sagen. Sie wird vielmehr vergleichsweise (nimmt man nämlich ihren Anteil an der Gesamtproduktion der Bücher zum Maßstab) in der Presse geradezu bevorzugt durch Gedichtabdrucke, Rezensionen und Interpretationen. In diesen Beiträgen wird immer wieder darüber nachgedacht, warum man dieses oder jenes Gedicht lesen sollte, und gefragt, wozu Lyrik eigentlich gut ist. Die Antworten fallen notwendigerweise sehr verschieden aus, was Sie ja auch erwähnen. Aber auch die Erwartungen an Lyrik sind höchst verschieden und nicht ohne weiteres und von vornherein verwerflich. Lassen Sie uns also weiter darüber reden als Verächter oder als Apologeten der Lyrik, die sich nun einmal nicht über einen Leisten schlagen lässt.

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Wolfram Malte Fues, Prof. Dr. phil. schrieb uns am 31.03.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Lieber Herr Kollege Delabar

was wollen Sie denn nun eigentlich? Gar keine Lyrik? Eine andere Lyrik? Falls ja, was genau für eine? Benn und Brecht noch mal, aber in die Welt- und Gesellschafts-Sicht des bürgerlichen Realismus ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verpackt?

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Ron Winkler schrieb uns am 31.03.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Sehr geehrter Professor Delabar,
darf ich erfahren, auf welche Textkenntnis sich Ihre Betrachtungen stützen? Je mehr ich schaue, desto stärker habe ich den Eindruck, Sie stützen sich allein auf allgemeine Extrapolationen feuilletonistischer Perspektiven und medialer Hitzigkeit. Ich lese leider viele Allgemeinplätze, etwa "Was ist aus all dem geworden, was in der Lyrik vor allem Spaß gemacht und Erkenntnis gebracht hat?" Ich sehe sehr, dass dieses durchaus zu finden ist. Auch Welthaltigkeit, auch Denkweltreichhaltigkeit.
Mit freundlichen Grüßen, Ron Winkler

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Bernd Willimek schrieb uns am 22.03.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Geret Luhr: Was sie schon immer über das Verhältnis von Tönen und Emotionen wissen wollten
Robert Jourdain und die Frage, wie Musik im Kopf entsteht und wirkt

Zur Strebetendenz-Theorie gibt es jetzt einen Wikipedia-Artikel:

http://www.de.wikipedia.org/wiki/Daniela_Willimek

Bernd Willimek

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Jürgen Gutsch schrieb uns am 11.03.2015
Thema: Felix Sprang: Geist ruht nicht aus
Neue Sonettübersetzungen von Claus Eckermann und Alexander Giese

Nur ein kleiner Nachtrag zur Statistik, lieber Herr Sprang, der auch Ihre Verwunderung über die Jugendlichkeit des 92-jährigen Alexander Giese etwas erklärt. Alexander Gieses Übersetzung entstand vor 1975, also vor 40 Jahren, und erschien in einem Privatdruck in ebendiesem Jahr. Ich weiß nicht, wieviele Exemplare es gab, die großen Bibliotheken kennen das Buch nicht, ich hab auch nur ein Zufallsexemplar im Antiquariat gefunden. Eigentlich jung war Giese auch damals nicht mehr, 54, aber doch jünger als heute. Unter den Gesamtübersetzungen der Sonette ins Deutsche ist Gieses Arbeit die Nummer 49 zwischen Carl Korth (auch diese nur als Privatdruck) und Martin Flörchinger. Der alte Text von Alexander Giese ist nicht identisch mit dem neuen von 2013, es gibt zahlreiche Veränderungen, leider nicht nur Verbesserungen - und offensichtlich nicht nur solche, die auf Herrn Giese selbst zurückgehen. - Claus Eckermanns Übersetzung erschien 2012 und ist die Nummer 73 der Gesamtübersetzungen, Markus Marti liegt mit 71 und 72 davor, denn er hat das Werk ja zweimal übersetzt (siehe http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14810. Inzwischen stehen wir bei Nummer 76 (Eric Boerner, Hans Singer, Bernd Jähnig), in Wahrheit aber eigentlich schon bei Nummer 79, denn die Übersetzungen von Thomas Eichhorn, Frank Günther und Rolf Zumbühl liegen, wie ich weiß, fertig in der Schublade, sind nur noch nicht publiziert. Ich würde mich nicht wundern, wenn auch das nur eine zu geringe Gesamtzahl wäre, denn nichts als die Bibel wurde häufiger ins Deutsche übersetzt - und das in nur gut 200 Jahren, während die Bibel immerhin ins Althochdeutsche hinunterreicht.
Mir herzlichem Gruß, Jürgen Gutsch (jgutsch[at]arcor.de)

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Holger Jablonka schrieb uns am 23.02.2015
Thema: Jörg Bernardy: Gehirn in der Cloud
Über digitale Revolutionen in Gutenberg-Form

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

ich möchte nur kurz klarstellen, daß es ein Mythos ist, daß das Internet nicht vergessen würde. Wer kennt noch geocities? AOL-Homepages? Man kann einiges via archive.org nachschlagen, doch: einmal aus dem Netz, ist es auch aus der Suchmaschine. So weiß man oft gar nicht, wie die Adresse der inzwischen gelöschten Seiten lauten. Nur wer "live" miterlebt hat, daß diese Seiten verschwanden, kennt deren Adresse. Oder YouTube. Wie oft löscht ein Diksussionsteilnehmer seinen Kanal oder auch nur seine Videos, und es sei denn, jemand hat sie heruntergeladen, sind sie für immer weg. Also: das Internet vergisst. Hätten Goethe und Schiller damals in die Tasten gehauen und E-Mails
geschrieben, es gäbe ihren Briefwechsel heute nicht mehr. Man sollte daher nicht zu verrückt werden und das Internet -- gemeint ist eh nur das Web -- nicht über den grünen Klee loben. Es ist eben ein Medium unter vielen -- und nicht das beste.

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Nicolas Dierks schrieb uns am 18.02.2015
Thema: Gabriele Wix: Mehr oder minder kreisförmige Markierungen
Über Ludwig Wittgensteins Scheitern am Medium des Buchs

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mich sehr über Ihre Rezension des Wittgenstein-Bandes "Kulturen und Werte" gefreut. Nur eine kleine Richtigstellung: Neben dem Tractatus hat Wittgenstein zu Lebzeiten noch ein weiteres Buch veröffentlicht: Das "Wörterbuch für Volksschulen" (vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein).

Das Buch ist zwar philosophisch wenig relevant, aber ein "Buch" ist es doch.

Mit freundlichen Grüßen,

Nicolas Dierks

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Ulrich Klappstein schrieb uns am 15.02.2015
Thema: Anne Amend-Söchting: Originalgetreu und innovativ
Eike Schönfelds Neuübersetzung von Charles Dickens’ „Christmas Carol“ hat das Zeug, die Leser des 21. Jahrhunderts zu erreichen

Betr.: Da eine – vermutlich innovativere – Übertragung von Heiko Postma aus dem Jahre 2006 zurzeit vergriffen ist

Das ist eine Fehlinformation! Die Übersetzung ist im jmb Verlag Hannover
immer noch erhältlich.

Ulrich Klappstein

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Arndt Frommann , Beim Paulskloster 15, 28203 Bremen schrieb uns am 04.01.2015
Thema: Walter Delabar: Guter und braver Soldat
Jaroslav Hašeks „Švejk“ liegt in einer Neuübersetzung vor, die vieles ändert. Nur die Absurdität des Kriegs bleibt, wie sie war

Sehr geehrter Herr Delabar,
gerade halte ich die neue Schwejk-Übersetzung in den Händen, deren Nachwort, Übersetzungshinweise und Kommentare ich schon mit großem Interesse verschlungen hatte, bevor ich mich nun - auszugsweise - an die neue Fassung von Herrn Brousek machte.
Der Schwejk - also in der Fassung von Frau Reiner - ist eines meiner Lieblingsbücher, schon über Jahrzehnte. So war meine Vorfreude auf eine weitere, auf andere Weise erbauliche Neulektüre groß. Aber ebenso ist es meine Enttäuschung nach Lektüre einiger ausgewählter Kapitel. Wenn mein erster Eindruck sich bestätigen sollte, ist diese Ausgabe sprachlich kein Gewinn. Die Tatsache allein, dass der Schwejk ein gutes Umgangstschechisch spricht,
während der ihn umgebende österreich-deutsche Militärwahnsinn ein radebrechendes Tschechisch, kann meines Erachtens nicht allein die Aufhebung des "böhmmakelnden" Sprechstils von Schwejk (also Reiner) rechtfertigen. Eine kraftvolle, bilderreiche altertümliche Sprache des deutschen Sprachraums vor dem Vergessen bewahrt zu haben und damit einen wesentlichen Teil der untergegangenen k.u.k. Monarchie erscheint mir geradezu als ein zusätzlicher Verdienst der Übersetzerin, ja mehr noch: ein Geniestreich. Wir Leser wissen ja, dass man den Schwejk aufgrund dieses verrotteten Staatsgebildes untergehende Monarchie zwingt, im Umgang mit den Deutschen nicht seine Sprache zu sprechen. Und so behält eben - und das ist die Entscheidung von der Reiner - der Schwejk diese, ihn eigentlich diskriminierenden Sprache bei, ohne dabei seine "sprachliche" und seine sonstige Würde zu verlieren. Er richtet sich geradezu gemütlich darin ein. Wir Leser sind uns mit ihm einig, dass es eine Scheingemütlichkeit ist. Wenn Tucholsky von der unmöglichen Übersetzung spricht, bei der uns wer weiß wie viel vom Sprachwitz des Originals verloren geht, so kann ich mir nicht vorstellen, dass der die neue Übersetzung im Umgangsdeutsch als kongenial beurteilt hätte. Wie dem auch sei, ich hatte vor Jahren, als ich in Pension ging, die Idee, dass man den Reiner-Schwejk mit einem ausführlichen Glossar, Übersetzungskommentar und einem Nachwort herausgeben müsste. Aber dafür wäre der Markt wohl nicht da gewesen. Aus dem Internet erfahre ich nun, dass der Verlag an einer  neuen umgangssprachlichen Übersetzung interessiert war, weil er Chancen gesehen hat, dies Ausgabe auf der Welle des hundertsten Jahrestages des 1.Weltkriegs gut verkaufen zu können. Der Übersetzer ist kein Literat, sondern Berufsrichter, der seine Übersetzungsproben bis dahin vergeblich an Verlage geschickt hatte. Spät, erst 2013 erhielt er den Auftrag, innerhalb kurzer Zeit die 1000 Seiten zu übersetzen. Er hat sie direkt in sein Richter-Diktiergerät aus dem Tschechischen übertragen. Wenn das stimmt, kann das Ergebnis eigentlich nicht befriedigend ausfallen. Ich denke an die neue, so überaus sorgfältige Übersetzung der Madame Bovary. Die ist wirklich ein literarischer Leckerbissen.    
Zum Schluss das Beispiel einer schlechten Neuübersetzung aus dem Kapitel 9 "Schwejk im Garnisonsarrest" (Brousek-Ausgabe S.99): Die im Militärgefängnis einsitzenden "Unterhosen"-Gefangenen stehen vor der Kanzel des Feldkurats, um dessen Predigt zu hören. Reiner übersetzt: "Er verstand es so schön, von der unendlichen Gnade Gottes zu faseln, die  
v e r l o t t e r t e n Arrestanten und  e n t e h r t e n  Männer geistig zu erbauen." In der neuen Übersetzung heißt es: "Er konnte so schön von der unendlichen Güte Gottes faseln und so die  v e r k o m m e n e n  Arrestanten und  d i e s e  M ä n n e r  o h n e   E h r e  geistig
erbauen." Nie würde Schwejk seine Mitgehangenen ehrlos oder verlottert nennen. Im Gegenteil: das ganze Drumherum ist eben mit diesen Worten genau beschrieben.
Was halten Sie von meinen Überlegungen? Vielleicht täusche ich mich ja auf die Länge. Aber, ehrlich gesagt, mir ist die Lust vergangen, den mir vertrauten Schwejk und seine Sprache in ein gutes und geglättetes Umgangsdeutsch übertragen zu lesen. Haben Sie es getan?
Ich würde mich über eine Antwort freuen, und sei sie noch so kurz.
Mit herzlichen Grüßen
Arndt Frommann

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Udo Austermann schrieb uns am 26.12.2014
Thema: Alexandra Pontzen: Politikberatung gegen Hitlerdeutschland
Zur deutschen Neuauflage von Sebastian Haffners "Germany: Jekyll & Hyde"

Die Kürzung in der Erstausgabe und deren Begründung war für mich, als ich das Buch damals kaufte, hochgradig ärgerlich.
Muss ich jetzt das Buch tatsächlich noch einmal kaufen um, es handelt sich wohl höchstens um ein bis zwei Seiten, das fehlende nachzulesen?

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wotzka christiane schrieb uns am 20.12.2014
Thema: Thomas Hummitzsch: Absicht Integration
Die junge Türkin Inci Y. erzählt in ihrem zweiten Buch "Erzähl mir nix von Unterschicht" vor ihrer Absicht und ihrem Scheitern, in der deutschen Gesellschaft anzukommen

Sehr geehrter Herr Hummitzsch,  ich habe im Zuge der Vorbereitung auf einen Vortrag uber den Islam in Deutschland das Buch von Inci Y.  gelesen.  Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel geweint habe. Ich möchte sie gern kennen lernen. Ihr helfen. Mit ihr reden.  Ich bin Unternehmerin und kann auch hier vielleicht etwas für sie tun. Ich wäre Ihnen unendlich dankbar, wenn Sie ihr meine Kontakt Daten übermitteln. Anhand der Mail Adresse kommt man auf meine Website.  Ich habe ein Kaffee Haus in Berlin Mitte.  Mit herzlichem Dank im voraus verbleibt Christiane

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Monica Cantieni schrieb uns am 11.12.2014
Thema: Behrang Samsami: Führerschein für Ihre Glück
Güzin Kar hat mit ihrem Roman „Hüsnü, hilf!“ einen verblüffenden Ratgeber geschrieben

... und Hüsnü ist weiterhin DIE Hilfe für geplagte Schweizer und viellecht nun auch internationale Seelen und zwar online bei SRF Schweizer Radio und Fernsehen: http://m.srf.ch/kultur/im-fokus/huesnue-hilft

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Heino Petersen schrieb uns am 11.12.2014
Thema: Behrang Samsami: Führerschein für Ihre Glück
Güzin Kar hat mit ihrem Roman „Hüsnü, hilf!“ einen verblüffenden Ratgeber geschrieben

Schönen guten Tag Herr Samsami
Eine mich sehr ansprechende Rezension über das Buch von Güzin Kar, deren lustige Schreibe mir seit Jahren gefällt und mit der ich auf Facebook befreundet sein darf. Das Buch "muss" ich wohl kaufen.
Dies sagt Ihnen mit freundlichem Gruss Heino Petersen

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mag.elisabeth pein schrieb uns am 09.12.2014
Thema: Herbert Fuchs: Sprachmagie
Zu Friederike Mayröckers Alterswerk aus Anlass ihres 90. Geburtstags

Lieber Herr Fuchs, ein wunderbarer Artikel, allerdings mit einem kleinen Fehler. Deinzendorf ist nicht Mayröckers Heimatdorf, sie hat dort nur viele Kindheitssommer verbracht. Unsere Mayröcker Gesellschaft, deren Vizepräsidentin ich bin, hat dort vor zwei Jahren eine große sehr schöne Lesung mit F.M. gemacht. Sie hat es aber sehr bedauert, dass es in den Medien immer wieder so dargestellt wird, als wäre sie dort geboren, sie ist Wienerin.
Herzlicher Gruß
Mag. Elisabeth Pein

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Gerd Frank schrieb uns am 06.12.2014
Thema: Georg Patzer: Behäbige Schwaben
Felix Huby langweilt mit seinem neuen Krimi

Selten habe ich mich über eine "Kritik" so geärgert wie über diese - deshalb muss ich unbedingt ein paar Worte dazu sagen. "Langeweile" hat dieser Kritiker empfunden, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Huby ist ein ausgezeichneter Autor und ich würde mir wünschen, dass es noch mehrere von seiner Sorte gäbe. Dass die Sätze vollständig seien, wird hier bemängelt - ja Gottseidank sind sie das. Schließlich leben wir in Zeiten, in denen das sogenannte DUMMDEUTSCH geschätzt und verherrlicht wird und in denen gerade die unvollständigen Sätze fröhliche Urständ' feiern. Es ist schon paradox: Wenn da mal einer auf korrektes und sauberes Deutsch achtet, dann wird er verunglimpft. Ich kann nur sagen "traurig, traurig, traurig"... Und der "gute" Herr Patzer sollte doch mal selbst einen Krimi schreiben. Mal sehen, was es dann zu sagen gibt.

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Karl Wilhelm Goebel schrieb uns am 02.12.2014
Thema: Bernd Blaschke: Immer Kredit, nie Substanz
Felix Martins Ideen- und Mediengeschichte des Geldes erklärt den sozialen Schmierstoff und seine Krisen

Fantastisch, dass nun endlich die wahre Geschichte des "Geldes" auf den Tisch kommt, denn fast die gesamte Bevölkerung sieht "Geld" als Realwert, als etwas, was mit einem Berg Reis zu vergleichen sei. Tatsächlich ist es eine Art von Schmiermittel und keineswegs vom Monopoligeld so weit entfernt, wie uns böse Banker vermitteln wollen. Und dann ERSCHAFFENE  Krediträume entwickeln, in denen sie "Buchgelder" separat ohne Wissen der Vertrauenden kursieren lassen...Die Kontrolleure kontrollieren in Wahrheit nichts. Wertpapiere gibt es nicht.

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halina bendkowski schrieb uns am 24.11.2014
Thema: Rolf Löchel: Radikal und skandalös
Julia Korbik fordert in „Stand up“ feministische AnfängerInnen und Fortgeschrittene auf, sich zu erheben

ich finde die Unterscheidung und Differenzierung von Rolf Löschel, was  den sex positiven oder sex negativen  Pornografie-Berzug betrifft sehr gut analysiert. Das ärgert mich schon seit langem, mir vorwerfen zu lassen, ich sei sex-negativ. weil ich das Frauen-und Männerbild in der kommerziellen Pornografie einfach zum Kotzen, also negativ finde. Danke also!
HB

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Carsten Jakobi schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Peter Mohr: Zufall oder Fortune
Zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Hans-Magnus Enzensberger erscheint sein autobiografischer Band „Tumult“

Und, ich ergänze die Bemerkung von Wulf Segebrecht, zumindest ungenau ist es, wenn behauptet wird, dass sich Enzensberger in „jüngerer Vergangenheit“ historischen Stoffen zugewandt habe. "Der arglose Deserteur" (1958), "Die Träumer des Absoluten" (1962/63), "Der kurze Sommer der Anarchie" (1972), "Mausoleum" (1975) lassen ein kontinuierliches Interesse an der Vergangenheit und an der Vergangenheit der Zukunft erkennen.

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Guido Kohlbecher schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Matthias Schlieker: Der weiße Fleck des Lebens
Das Erste Gebot in Elias Canettis „Das Buch gegen den Tod“: Du sollst nicht sterben

Canettis  allen Rezensenten recht absurd vorkommender lebenslanger fanatischer Kampf  gegen unsere Sterblichkeit verrät einen Mangel an logischer Stringenz und einen streng tabuisierten blinden Fleck bei ihnen  allen. Denn es ist eine unredliche Ausflucht aus der eigenen Verantwortung, wenn auf die unüberwindliche Naturgegebenheit des Todes verwiesen wird, gegen den eben (noch?) kein Kraut gewachsen sei. Nun, wenn schon kein Kraut - aber da wäre doch ein ethischer Willensentschluss denkbar, der einfach auf die Reproduktion von neuem Leben verzichtete und damit dem Tod jede weitere  Beute vorenthielte. Wie rechtfertigen denn eigentlich alle Eltern  ihr mit der (immer unerbetenen) Geburt verhängtes, jederzeit von der Natur oder Menschenhand vollstreckbares Todesurteil für das Kind,  zusätzlich zu allen sonstigen mit dem Dasein verbundenen Leiden?

Übrigens fand ich Canettis viele Notate nie besonders einfalls- und geistreich. Man ist rasch von ihrer Eintönigkeit und nie näher plausibel gemachten Apodiktik gelangweilt.
Der Stil ist meist flach und ungenau: kein Vergleich mit dem herrlichen Lichtenberg oder auch Jean Paul. Von diesem sei als Kontrastbeispiel zitiert: „Die Zeit ist nichts als ein Tod mit sanftern, dünnern Sicheln.“

Mit freundlichen Grüßen,
Guido Kohlbecher

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Wulf Segebrecht schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Peter Mohr: Zufall oder Fortune
Zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Hans-Magnus Enzensberger erscheint sein autobiografischer Band „Tumult“

Das ist keine Rezension. Über den "Tumult" erfährt man fast nichts. Und was sonst über Enzensberger gesagt wird, ist bekannt. Schade!

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