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Marlis Funk schrieb uns am 25.08.2010
Thema: Katharina Iskandar: Mit den Augen eines Kindes
Anja Lundholms Biographie "Geordnete Verhältnisse" ist ein Appell an die Menschlichkeit

Anja Lundholm Geordnete Verhältnisse

Dieses Buch hat mich auf die Fährte der Anja L.gebracht. Eine Frau, deren Leben ich jetzt in allen Büchern verfolgt habe und immer wieder staunend stehe: Konnte ein Mensch das aushalten? Gern hätte ich sie persönlich kennengelernt. Ich schrieb ihr einen Brief, auf den ich keine Antwort mehr erhielt, weil sie gerade verstorben war. Die Beschreibungen ihrer Kindheit mit diesem Vatermonster umwerfend und ebenso ihre Beschreibungen, Erlebnisse im KZ Ravensbrück und im Innsbrucker Gestapgefängnis. Hut ab vor diesem Menschen, der den Glauben an die Menschen dennoch nicht verloren hatte.

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robert schrieb uns am 14.08.2010
Thema: Wilhelm Scharf: Das Bergwerk von Falun
Ein Text- und Bildband über eine alte Geschichte mit immer neuen Aspekten

Sie haben schon recht: nämlich dass diese Leiche immer und immer wieder neu auftaucht "mit immer neuen Aspekten". Es würde mich nicht wundern, wenn sie bald ein neues Gesicht trägt. Aber ansonsten: Eine Klasse-Geschichte geschrieben von Hebel. Lesenswert oder ein Muss!

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Thassilo Unser schrieb uns am 06.08.2010
Thema: Albert Coers: Breite Tiefe
Burkhard Meyer-Sickendiek verteidigt das Grübeln gegen seine Verächter

In der Tiefe verlaufen

Die vorliegende Rezension Albert Coers entspricht wohl eher einer wohlwollenden Buchempfehlung als einer kritischen Besprechung und Wertung einer literaturwissenschaftlichen Veröffenlichung. Die These Meyer-Sickendieks von der psychologischen Pathologisierung des Grübelns als Motor depressiver Verstimmungen im späten 19.Jahrhundert ist so widersinnig, dass sie nicht unreflektiert hingenommen werden kann. Eine Krankheit entsteht doch nicht erst durch die Entdeckung ihrer Ursachen und Wirkungsmechanismen, sondern sie besteht ja wohl schon vorher und unabhängig von medizinischen Erkenntnissen. Ein eigenartiger Paradigmenwechsel: wissenschaftliche Erkenntnis pathologisiert. Die Psychologen sind demnach die Verursacher bipolarer
geistiger Störungen welche aus dem Grübeln erwachsen. Genauso wenig nachvollziehbar ist die These vom Verlust über das Grübeln zu erzählen. Literatur funktioniert doch überhaupt nicht ohne die Beschreibung des tiefsinnigen Nachdenkens der handelnden Personen und der daraus entstehenden Emotionen und Motive ihrer Handlungen. Die literarische Gegenwart widerspricht der wundersamen Behauptung Meyer-Sickendieks, durch die Patologisierung des Grübelns sei die Fähigkeit vom und über das Grübeln zu schreiben verloren gegangen. Es scheint, Meyer-Sickendiek hat sich in der Tiefe des "Emotional Turn" verlaufen.

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Stefan Neuhaus schrieb uns am 03.08.2010
Thema: Julia Ilgner: Aber für das Neue sollen wir eigentlich Schreiben!
Bernhard Viel unterzieht Fontane einer historischen Lektüre, aber ist sie auch innovativ?

Sehr geehrte Frau Ilgner,
vielen Dank für die informative, abwägende und fundierte Rezension, die kritischen Bemerkungen dürften wohl mehr als zutreffend sein. Ohne das Buch zu kennen, scheint mir die Arbeit in ihrer Anlage, also der Vergleich dieser beiden Romane doch ganz falsch zu sein. Fontanes "Vor dem Sturm" ist aus meiner Sicht vielmehr ein Antikriegsroman, der nationale Mythenbildung unterläuft und einer fundamentalen Kritik unterzieht, insofern also das genaue Gegenteil von Dahns Trivialroman (den Gegensatz literarisch innovativ bei Fontane und trivial bei Dahn kann man auch an der Sprache und dem Aufbau hervorragend zeigen).
Beste Grüße
Stefan Neuhaus (Universität Innsbruck)

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Litchfield & Schmitz schrieb uns am 29.07.2010
Thema: Jan Süselbeck: Von Ausnahmeboten und Wortsturmführern
Der Zweite Weltkrieg war fast zu Ende, als die Thyssen-Tochter Margit von Batthyány noch einmal so richtig feiern ließ. Über einen Sammelband zu Elfriede Jelineks Stück „Rechnitz (Der Würgeengel)“

Ausser den von Ihnen bereits empfohlenen Büchern zu diesem Thema wäre da natürlich auch noch unser Buch über die Thyssen-Dynastie http://amzn.to/9kp4Xz - das Produkt einer 14 Jahre dauernden Nachforschungsarbeit, welches die Rechnitz-Debatte anstiess.

Wir heissen insbesondere Herrn Süselbeck's Worte seiner Einschätzung des Beitrags von Wolfgang Benz sehr willkommen.

David R L Litchfield & Caroline Schmitz
www.davidrllitchfield.com

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Heinz-J. Schönhals schrieb uns am 19.07.2010
Thema: Ursula Homann: Richard Wagner als Vorläufer der Nazis?
Jens Malte Fischer über Wagners Antisemitismus

Eine Verteidigung des Menschen Richard Wagner!

Wagners Antisemitismus muss etwas anderes gewesen sein als der Rassismus Hitlers und der Nazis. Ein echter Antisemit will mit Juden nichts zu tun haben. Wagner hingegen hatte Umgang mit Juden: In Paris verkehrte er mit Heine, Halévi und Meyerbeer, in Deutschland zählten zu seinen Freunden musikliebende und musikausübende Juden. Zwar hat er sich Meyerbeer gegenüber später ungerecht verhalten; erst recht ungerecht waren dann seine aggressiven Pauschalurteile in "Das Judentum in der Musik", und man mag hieraus mit Recht den Schluss ziehen, dass Richard Wagner als Mensch einen etwas bedenklichen Charakter hatte. Ich würde das unter die Rubrik "menschliche Schwächen" einordnen.
Heute begeht man aber den Fehler, den Komponisten wegen dieser menschlichen Schwäche zu verteufeln, weil man unsinniger Weise eine Verbindung von ihm zu Hitler zieht. Mit Hitlers Judenhass hatte Wagners Einstellung zu den Juden nichts zu tun. Ein Judenhasser hat doch keine jüdischen Freunde! Wagner aber hatte sie: In seinem Hause verkehrten der jüdisch-russische Pianist Rubinstein und der jüdische Dirigent Lévi! Letzterer wohnte sogar bei den Wagners, und Richard Wagner bestand darauf, dass er die Uraufführung seines Parsifals dirigierte. Handelt so ein Antisemit? Gegenüber Lévi äußerte er einmal massive Kritik an den Hamburger "Bankjuden". Lévi antwortete, er, Wagner, "nubbele“ an seiner Seele (s. Cosima Wagners Tagebücher). Gerade hier wird die spezifische Art der wagnerschen Haltung zu den Juden deutlich. Es ist ein Hass auf materialistisch eingestellte Juden, im Grunde ein Hass auf den Materialismus schlechthin, auf die Reduzierung des menschlichen Strebens auf Geldverdienen und Geldvermehrung. So etwas war ihm, dem Idealisten und Kunstjünger, ein Gräuel. Diesen Materialismus sah Wagner offenbar im Judentum verkörpert (im 19. Jahrhundert hegte man noch das Vorurteil, die Juden, jahrhundertelang auf Geldgeschäfte beschränkt, seien Materialisten und deshalb zur Kunst nicht fähig). Dieser Hass richtete sich aber auf das Judentum als eine abstrakte Größe, nicht auf einzelne Juden, die Wagner als Diener und Jünger der Kunst entgegentraten. Gegen die hatte er nichts, im Gegenteil: er mochte sie. So sehen wir einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Antisemiten Hitler und dem „Antisemiten“ Wagner: Hitler hasste jeden Juden ohne Ausnahme, Wagner nur diejenigen, welche für ihn den Materialismus verkörperten.

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ALDO HAESLER schrieb uns am 11.07.2010
Thema: Galina Hristeva: Die Vulkane des Marxismus sind noch nicht erloschen
Emil Walter-Busch hat die „Geschichte der Frankfurter Schule“ aufgeschrieben

Man hätte gerne gewusst, was dieses Buch nach Jay, Dubiel, Wiggershaus, Demirovic, Therborn, Wheatland, Claussen usw. usf. noch zusätzlich leisten dürfte? Aus der Rezension wird ersichtlich, dass sich 1. Walter-Busch mit dem problematischen Legat Weils auseinandersetzt, 2. vor allem durch Vorsicht glänzt. Mit Verlaub, das ist doch ein bisschen wenig.

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Karl-Günter Zelle schrieb uns am 07.07.2010
Thema: Klaus-Jürgen Bremm: Allenfalls Indifferenz
Karl-Günter Zelle stellt „Hitlers zweifelnde Elite“ vor: Goebbels, Göring und Himmler hatten jedoch nichts gegen die Vernichtungspolitik ihres „Führers“

Replik des Autors: Stimmt dieser Bericht?
Replik von Karl-Günter Zelle, Autor von: „Hitlers zweifelnde Elite: Goebbels – Göring – Himmler – Speer“ zur Rezension von Klaus-Jürgen Bremm


Wer ist der Rezensent
Klaus-Jürgen Bremm ist Militärhistoriker mit einem Lehrauftrag an der Universität Osnabrück. Zu seinen Forschungsgebieten gehört nicht das Dritte Reich.
Ein Verriss steht ihm natürlich frei, aber was er über den Inhalt berichtet, sollte schon stimmen. Einige Beispiele:

Was ist dieses Buch?
Bremm: Aber lassen sich der Nationalsozialismus und seine Jahrhundertverbrechen tatsächlich durch angeblich allgemein gültige psychologische
Mechanismen erklären?
Nein, den Nationalsozialismus insgesamt erklären will dieses Buch nicht. Das wäre allzu kühn.
Es geht vielmehr darum, wie vier der mächtigsten Anhänger Hitlers ihren „Führer“ sahen, wie sie an ihn glaubten und wie sie an ihm zweifelten: Dennoch füllten sie ihre offizielle Rolle aus und folgten Hitler bis zum Schluss – mit Einschränkungen. Das erzeugte erhebliche innere Spannungen. Die Folgen waren bizarr: es kam zu massiven Fehlwahrnehmungen und zu Illusionen, die sich mit klarer Erkenntnis der Wirklichkeit abwechseln konnten. Und hier hilft Psychologie, das zu verstehen.

Die Zweifel
Bremm: Denn erstens waren die Zweifel an Hitlers Führungsfähigkeiten, sieht man einmal von der Endphase des Krieges ab, durchaus nicht prägend für das Verhalten seiner höchsten Paladine. Vor allem aber waren es eben nicht grundsätzliche Vorbehalte gegenüber der rassistischen Politik des Völkermordes, die Goebbels, Göring, Himmler oder Speer irgendwann auf vorsichtige Distanz zu ihrem geliebten Führer gehen ließ, sondern ausschließlich Fragen technischer Natur.
Es geht um mehr als die Endphase des Krieges. Goebbels erste Zweifel an seinem „Führer“ stammen von 1926, Görings von 1938. Und es geht nicht nur um Verhalten, ‒ das wurde in der Tat vielfach untersucht ‒ sondern um innere Fragen nach dessen Sinnhaftigkeit. Auch handelt es sich nicht um „Fragen technischer Natur“, sondern darum, ob der Glauben an Hitler als den heil- und siegbringenden „Führer“ Bestand haben konnte.
Die Zweifel betrafen kaum die ungeheuren Verbrechen des Nationalsozialismus, dies sieht Bremm richtig. Aber es bleibt genug. Einige Beispiele: Für den jungen Goebbels ging es zum Beispiel darum, ob auf dem Boden Russlands ein riesiges deutsches Kolonialreich zu errichten war – die Zweifel hieran waren dauerhaft nicht zu beschwichtigen. Und Göring musste in der Sudetenkrise erkennen, dass Hitler einen großen Krieg nicht scheute. Er wusste, dieser war nicht zu gewinnen. Dennoch befahl er ein gigantisches und illusorisches Rüstungsprogramm. Lösen konnte er diesen und vergleichbare Konflikte nie. Er versuchte, auszuweichen.

Der Verräter Himmler
Bremm: Wie aber der umtriebige und skrupellose Schöpfer einer krakenartigen Organisation von Massenmördern und Henkersknechten, die ganz Europa für ein halbes Jahrzehnt in Angst und Schrecken versetzt hatte, tatsächlich glauben konnte, er würde in einer von den Alliierten bestimmten Nachkriegsordnung noch eine politische Rolle spielen, ist auch bereits von Peter Longerich ausführlich untersucht worden.
Nein: Longerich sieht Himmler erst ab März 1945 auf der Suche nach einer neuen Rolle in einem Deutschland nach Hitler. Tatsächlich begann diese schon viel früher. Longerich untersucht auch nicht Himmlers früh einsetzende Zweifel an einem deutschen „Endsieg“, nicht sein Dulden des Widerstandes, nicht seine vielfältigen Friedensfühler zu den westlichen Alliierten und nicht die als Vorleistung gedachten Häftlingsfreilassungen. Dieses Agieren auf zwei widersprechenden Ebenen wird hier erstmals im Zusammenhang dargestellt.

Der Lügner Speer
Bremm; [k:]Zelle […] will auch nicht das bisher in der Forschung bestehende Bild des Rüstungsministers [Speer] als geschickter Lügner vor dem Nürnberger Tribunal gelten lassen.[:k]
Speers Auslassungen und Verschleierungen, nicht nur beim Nürnberger Prozess, werden ausführlich behandelt, hier wird nichts beschönigt. Aber eine biographische Studie sollte sich nicht mit diesem Aspekt begnügen. Vielmehr wird dargestellt, zu welchen inneren Konflikten und Widersprüchen Speers enge Bindung an Hitler führte. Noch in den langen Jahren der Haft sah er sich an Hitler gebunden und verabscheute ihn gleichzeitig wegen seiner millionenfachen Mordtaten.

Wo bleiben die Dämonen?
Bremm: Diesen moralischen Graben ebnet der Autor jedoch mit seinem psychologisierenden Ansatz wieder ein, da er versucht, das Verhalten seiner Protagonisten mittels des bekannten Schemas der kognitiven Dissonanz zu entdämonisieren.
Das Böse erscheint oft nicht im dämonischen Gewand. Hannah Arendt hat dies verstört, als sie Adolf Eichmann beobachtete und sie sprach dann von der „Banalität des Bösen“. Bremm kennt offensichtlich nicht die Täter- und Genozidforschung. Vorwerfen will ich ihm das nicht, Aber er hätte sich in meinem Buch informieren können, auch und gerade über die so wichtige moralische Frage. Der „moralische Graben“ ist an der richtigen Stelle zu ziehen.

Eine andere Rezension
Glücklicherweise gibt es auch eine andere Meinung (Martin Moll in: ZRG 126 (2009) (http://www.koeblergerhard.de/ZRG128Internetrezensionen2011/ZelleKarl-Guenter-HitlerszweifelndeElite.htm). Moll stellt fest, dass das Werk in gelungener Weise eine Forschungslücke schließt: der „Hitler-Mythos“ (Ian Kershaw) aus Sicht der engsten Anhänger.

Karl-Günter Zelle

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Bastian Gottmann schrieb uns am 06.07.2010
Thema: Dirk Kaesler: Wie lange geht das noch „gut“?
Schulden erdrosseln unsere Zukunft

Hier noch ein Bericht der ARD zum Thema:

http://www.youtube.com/watch?v=xQB4krhXXSU

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Helmut Schwarzer schrieb uns am 29.06.2010
Thema: Anton Philipp Knittel: Kaleidoskop eines Landes
Hugo Claus’ opus magnum „Der Kummer von Belgien“ in einer neuen Übersetzung

Warum Herr Knittel sich die Muehe macht, eine Besprechung vorzulegen, ist mir unverstaendlich. Er ist offenbar nicht in der Lage, die neue Uebersetzung zu beurteilen oder zu rechtfertigen.
Der Leser hat doch wohl das Recht, zu erfahren, warum er sie kaufen soll, wenn er die Erstuebersetzung bereits erworben hat.

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sandra schrieb uns am 26.06.2010
Thema: Thorsten Schulte: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht
Zum ersten Todestag von Michael Jackson am 25. Juni 2010

Sehr geehrter Herr Schulte,

vielen herzlichen Dank für Ihren schönen und vor allem ehrlichen und wahren Bericht über Michael Jackson.
Leider gibt es nicht allzu viele Menschen, die den Künstler und Menschen verstanden haben. Die meisten machen sich noch nicht einmal die Mühe, es zu versuchen. Sie glauben den Quatsch, der üblicherweise über die Medien verbreitet wird. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass jemand die Wahrheit auch öffentlich ausspricht.
Obwohl mir beim Lesen Ihres Artikels mal wieder die Tränen in die Augen geschossen sind, bin ich trotzdem sehr dankbar dafür.
Hoffentlich werden wir noch viel von Ihnen zu lesen bekommen!

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Tina schrieb uns am 26.06.2010
Thema: Thorsten Schulte: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht
Zum ersten Todestag von Michael Jackson am 25. Juni 2010

Lieber Herr Schulte,
Ihr Bericht treibt mir die Tränen in die Augen. Nur wenige konnten ihn so sehen und sein Leben mit wenigen aber aussagekräftigen Worten beschreiben, wie Sie es hier taten.
Danke für diese Wärme.

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Gabi schrieb uns am 26.06.2010
Thema: Thorsten Schulte: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht
Zum ersten Todestag von Michael Jackson am 25. Juni 2010

Lieber Herr Schulte,

ich bin den Tränen nah. Selten kommt es vor, einen Artikel wie Ihren zu lesen. In vielen Artikeln wird Michael Jackson übelst beleidigt. Das hat er nicht verdient.
Ihr Bericht ist dagegen eine Wohltat. Vielen Dank dafür!

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nicole schrieb uns am 26.06.2010
Thema: Thorsten Schulte: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht
Zum ersten Todestag von Michael Jackson am 25. Juni 2010

Guten Morgen !

Ich habe heute durch Zufall Ihren Bericht über MJ gelesen und muss ganz ehrlich sagen, das ich nicht fassen kann, was Sie geschrieben haben !
Endlich, endlich, endlich.... hat jemand (also Sie :)) es begriffen, das MJ nicht nur aus Nasen-OP`s, Schlafmitteln oder div. anderer Tabletten, Kinderschänderprozessen, Balkonszenen usw. besteht.

MJ war einer der größten Künstler die wir je hatten. Und ihm kann und wird keiner das Wasser reichen können.
Leider sehen die Menschen an MJ immer nur das Negative.
Jeder von uns hat negative Seiten, aber bei ihm wurden sie immer besonders hervorgehoben. Zumal diese "negativen Seiten" oft aus der Luft gegriffen waren, bzw. widerlegt werden konnten
(siehe Prozesse 1993 + 2005).
Hierzu wurde niemals im nachhinein Stellung bezogen, die MJ "wieder" ins rechte Licht rückten. Obwohl er nichts schlimmes gemacht hatte!

Er war kein heiliger. Nein ! MJ war ein Mensch wie Du und Ich, aber das haben bis heute viele Leute noch nicht verstanden. Diese tun mir leid, weil sie etwas in ihrem Leben verpasst haben.
MJ wollte "nur", das man sich liebt und in Frieden lebt und somit die Welt ein bischen besser macht.
Das ist doch eigentlich nicht schwer zu verstehen :)

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und bedanke mich nochmals für ihren schönen Bericht.

.... was sagt MJ`s Anwalt Tom Mesereau auf seiner Homepage: The man´s innosent, He always was.
(Der Mann ist unschuldig. Er war es immer)

It´s all for love
L.O.V.E.
Nicole

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Martina Kainz schrieb uns am 24.06.2010
Thema: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht/Von Thorsten Schulte

Ich möchte mich beim Herrn Thorsten Schulte herzlich bedanken für diesen tollen Text/Beitrag "Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht". Es tut dem Herzen gut, wenn jemand über Michael Jackson schreibt, ohne ihn gleich durch das Kakao zu ziehen.
Und leider haben Michael Jackson oft die falschen Reporter Interwieut, die sein Leben ruinieret haben. Beim Thorsten Schulte wäre er sicher gut aufgehoben. Ich freu mich über Autoren, die auch die andere Seite - also dem Menschen Michael Jackson, nicht nur dem Entertainer - ansprechen. Michael liebte die Menschen und wollte auch nur einfach geliebt zu werden, er war schließlich auch nur ein Mensch. Das haben viele vergessen. Viele haben ihn verletzt, aber Michael ist immer wieder aufgestanden und
weiter gekämpft. Er war ein großartiger Vater. Hat es jemand interessiert? Nein. Hat jemand über die Spenden nachgedacht? Nein. Von Michael Jackson können sich viele eine große Scheibe abschneiden, ...auch was Eltern sein heißt. Es tut der Seele gut, wenn das auch jemand sieht und aufzeigt. Michael Jackson war eingentlich nicht der Freak!, die anderen sind das, die hoffe ich, von lauter schlechten Gewissen nicht mehr schlafen können....., aber solche Menschen haben gar kein Gewissen.
Es bringt mir Tränen in die Augen, ich bin nicht so stark, wie Michael Jackson um es mit einem Lächeln zu verdecken.
Danke Herr Schulte.
Ich werde eine Kerze Morgen anzünden.
Martina Kainz

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Carola Piefke-Camgöz schrieb uns am 24.06.2010
Thema: Thorsten Schulte: Lächeln, auch wenn das Herz zerbricht
Zum ersten Todestag von Michael Jackson am 25. Juni 2010

Sehr geehrter Herr Schulte,

als ein großer Michael Jackson Fan,
möchte ich mich sehr herzlich für Ihren Nachruf bedanken.

In den vergangenen 20 Jahren habe ich mich daran gewöhnt, das
nur negative Artikel und Beiträge über Michael verfasst werden.
Umso erstaunter (und erfreut) war ich, als ich Ihren Nachruf entdeckte.

Sie haben vieles genau auf den Punkt gebracht.
Treffendere Worte hätte man nicht finden können.
Vielen Dank dafür!

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Helmut Schwarzer schrieb uns am 15.06.2010
Thema: Michael Grisko: Gebrochene Biografie
Manfred Flügge hat das Leben Heinrich Manns vor dem Hintergrund eines atemberaubenden geschichtlichen Panoramas nacherzählt

Zum Ersten: eine Besprechung vier Jahre nach Erscheinen des Buches?
Zum Zweiten: der Skandal, dass ein renommierter Verlag wie Rowohlt eine ueber 500 Seiten starke Biografie ohne jegliches Register anbietet, wird beinahe dadurch uebertroffen, dass der Rezensent diesen eklatanten Tatbestand glatt ignoriert.

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Lena Waider schrieb uns am 14.06.2010
Thema: Andrea Geier: Stellt ihn vom Platz!
Eine rote Karte für Volker Zastrows geschlechterpolitische Rhetorik der Diffamierung

Ich finde, man sollte den Beitrag von Andrea Geier löschen, da er gegen Artikel 5 des GGs verstößt und damit verfassungswidrig ist. Gerade im Schlussabschnitt wird dazu aufgerufen, Volker Zastrow zu entlassen bzw. an der weiteren Ausübung seines Berufs zu hindern.

Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sagte Rosa Luxemburg dereinst. Dieses Prinzip haben Gleichheitsfeministinnen schon allzu oft missachtet, ganz eklatant im Fall Eva Herman, der fristlos gekündigt wurde, obwohl sie lediglich auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam gemacht hatte. Geschickt wurde eine Äußerung von ihr mit Nazi-Gedankengut in Verbindung gebracht, dabei distanzierte sich diese ganz klar davon:
"Und wir müssen vor allem das Bild
der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…"

Inhaltlich ist der Artikel gleichfalls schwach. Ihm fehlt ein Mindestmaß an sachlich logischer Argumentation. Aber das ist Frau Geiers Sache. Mich stört vor allem die darin zum Ausdruck kommende verfassungswidrige Grundhaltung.

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Angelika Bender schrieb uns am 14.06.2010
Thema: Peter Mohr: Wörter als Schutzschild
Ulla Hahns vorzüglicher Roman "Das verborgene Wort"


Nach dem Buch " Das verborgene Wort" habe jetzt auch das Buch "Aufbruch" gelesen.Beide Bücher haben mich sehr angesprochen. Sie haben für mich, 50er Jahrgang, einen großen Wiedererkennungswert.
Auch ich kam mir in meinem kleinstädtischen Umfeld oft fremd vor, zum Glück hatte ich Eltern die mich unterstützten, auch wenn sie mich nicht immer verstanden. Hoffentlich schreibt Ulla Hahn noch weitere Fortsetzungen, ich warte schon darauf!

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Carmen W. Weikell schrieb uns am 01.06.2010
Thema: Dirk Kaesler: Insgesamt eine gute Gesellschaft
Deutschlands oft missachtete Selbstverständlichkeiten

Warum twittert Dirk Kaesler eigentlich, zumal als einziger, seine Belanglosigkeiten direkt auf Literaturkritik? Es ist mir egal, was es über mich aussagt, daß ich mir, wenn ich doch mal wieder drauf gelandet bin, oftmals alles andere als sicher bin, wie ich bestimmte Passagen seines genüsslichen Sich-selbst-zur-Schau-Stellens einschätzen sollte: als gewitzt-provokant oder aber doch als ungewollt kompromittierend. Ah: Kaesler regt also - immer noch - zum Nachdenken an! Auch darüber, was der Pensionär wohl davon hält, daß Gerichte bisweilen Klagen von Touristen abgewiesen haben, die aufgrund aufdringlich bettelnder Straßenkinder oder verdreckter Erwachsener ihr Reiseerlebnis getrübt und den Reiseveranstalter in der Pflicht zu finanzieller Entschädigung sahen.
Also Herr Kaesler: Bleim' se doch zukünftig einfach daheim! Denn dann kann Sie der (vorübergehende) Verlust des deutschen Wesens auch nicht schmerzen. Und einen Grund, sich an diesem zu erfreuen (und sich in der Folge darüber auszulassen), finden Sie bestimmt sogar ohne jemandem die Backe - zum Schmatz - hinhalten zu müssen. Und vielleicht eröffnet die Soziologie sogar bessere, nämlich distinguiertere, knappere, dabei weniger klischeeüberfrachtete Möglichkeiten zu sagen, daß es zu Hause eben doch immer am allerschönsten is'? Oder zumindest die Psychologie? Die sollte auf jeden Fall etwas zu gesteigertem Mitteilungs- und Detailgenauigkeitsbedürfnis in Bezug auf öffentliche Toiletten und Bidets sagen können.

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Klaus-Jürgen Bremm schrieb uns am 21.05.2010
Thema: Re: Klaus-Jürgen Bremm: Eine verschleiernde Mischung aus islamischer Religionskunde und politischer Programmatik
Lamya Kaddors Entwurf eines liberalen Islam überzeugt nicht

Frau Kaddor sollte in meiner Besprechung keineswegs als Wegweiserin der islamischen Parallelgesellschaft charakterisiert werden, wie M. Kalluk es in seinem Leserbrief kritisiert, sondern es ging mir lediglich darum zu zeigen, dass auch ihr scheinbar aufgeklärter Weg nicht zum genannten Ziel führen kann.
Gewiss hat M. Kaluk recht, dass sich hinsichtlich der Gewaltaussagen das AT und der Koran nichts nehmen (weshalb er aber das NT der Christen in diesem Zusammenhang erwähnt, bleibt mir schleierhaft).
Das große Problem besteht m. E. darin, dass heutzutage moderne Europärer sich in ihrer Lebenspraxis kaum noch um diese antiken Texte kümmern, sondern deren Exegese den Theologen oder Philologen überlassen. Wohl aber kleben offenbar Muslime,
selbst wenn sich sich modern geben wie Frau Kaddor, offenbar noch an jeder Zeile dieses frühmittelalterlichen Konvults religiöser Texte und Hassaussagen. Das aber kann ich nicht modern nennen und passt auch tatsächlich nicht in unsere Welt.
Wenn M. Kalauk weiterhin in seinem Brief hinsichtlich der endlich auf den Weg gebrachten Frauenemanzipation in modernen europäischen Gesellschaften von einem majoritären Menschenbild spricht, entlarvt er sich selbst nur als Chauvinisten, der mit seiner Formulierung doch unterstellt, es könne sich mit anderen Majoritäten irgendwann einmal wieder ein ihm offenbar genehmeres Geschlechterverhältnis einstellen.
Wie wenig M. Kaluk selbst in unserer moderner und aufgeklärten Gesellschaft angekommen zu sein scheint, zeigt sich auch in seiner Forderung, dass Muslime ihre Sichtweisen vortragen dürfen, ohne dass es im Plenung zu dem kommt, was er als Empörung diffamiert, wohl aber eher berechtigte Kritik genannt werden sollte.
Mit derartigen Selbstimmunisierungsansprüchen begibt er sich aber auf das Niveau der hiesigen Islamverbände.
Entlarvend ist auch seine Rede von der Aufnahmegesellschaft, die angeblich ein Identitätsdefizit zu beklagen habe. Abgesehen davon, dass diese abgründige These die Muslime zu nützlichen Idioten einer auf Selbstabgrenzung angewiesenen Gesellschaft degradiert, wäre noch anzumerken, dass sich die europäischen Gesellschaften nicht als Aufnahmegesellschaften und damit als Funktion einer islamischen  Einwanderung definieren lassen sollten.
Schon diese Wortwahl von M. Kalauk spricht für einen geistigen Imperialismus, der offenbar typisch für seine so genannte Religion ist, auch wenn sie im Gewande scheinbarer Mäßigung daherkommt.

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Manfred Jobst schrieb uns am 06.05.2010
Thema: Lars Korten: Überlegungen zur textorientierten Spannungsanalyse
Anlässlich einer Lektüre von Adalbert Stifters „Der Nachsommer“

Sehr geehrter Herr Korten,

danke für Ihren Beitrag zu Adalbert Stifters ´Nachsommer´.

"Mit ‚Langeweile‘ kann folglich kaum die Beschaffenheit eines Textes bezeichnet werden, sondern nur ein auf die Lektüre bezogenes subjektives Leserempfinden. Wird vice versa ‚Spannung‘ beschrieben als „Wirkungsdisposition von Texten, die mit Techniken verzögerter Wunscherfüllung gemischte Lust- und Unlustgefühle der Ungewißheit hervorrufen“ (Thomas Anz), dann ist zwar die (auch als ‚Antizipation’ verstandene) „Ungewißheit“ ein objektivierbares Merkmal, muss aber gleichzeitig an den jeweiligen Leser rückgekoppelt werden, auf den ein Text so wirkt, anders wirkt oder nicht wirkt. Texte haben also keine objektivierbare
„Wirkungsdisposition“, sondern sind bloß auf objektivierbar beschreibungsfähige Weise strukturiert, entfalten aber unterschiedliche Wirkungen auf unterschiedlich empfindende Leser. "

Ein (in den verschollenen Handschriften Lichtenbergs gefundener) Aphorismus fiel mir ein: ´Wenn ein Buch und zwei Köpfe zusammenstoßen, muss es nicht allemal mindestens zwei Meinungen geben.´
Und dass ´die Beschaffenheit eines Textes´ nicht als ´Langeweile´ ´bezeichnet werden kann´, das hat in einer luziden Analyse des Stifter-Romans Wolfgang Matz gezeigt in seinem Buch: ´1857. Flaubert, Baudelaire, Stifter.´ Frankfurt (Fischer Verl.) 2007.
Ich habe bei Ihren Ansatz - und dem von Thomas Anz, bei aller Wertschätzung! -  ein bisschen das Problem, dass die Textanalyse zu kurz kommt. Ich weiß wohl, dass der Analysierende den Blick auf sich selbst, verbunden mit der Frage, ´warum gerade diese Analyse?´, nicht vergessen sollte!

Mit freundlichem Gruß,
Manfred Jobst

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Matthias Leidig schrieb uns am 25.04.2010
Thema: Jan Süselbeck: Fotoalbum für Wehrsport-Fans
Nils Fabiansson hat Schauplätze von Ernst Jüngers Kriegstagebuch "In Stahlgewittern" aufgesucht

Schon seltsam. Herr Süselbeck denunziert schon mal vorab alle potentiellen Leser des Buches als geistige Wehrsporthelden. Diese harsche Kritik untermauert er aber in keiner Weise durch den Text des vorliegenden Buches. Statt dessen drängt sich leider der starke Verdacht auf, dass er das Buch nicht gelesen hat - warum sonst würde er so lange das Verlags-Programm kritisieren und sich mit Bildarrangement aufhalten. Eine fundierte kritische Lesung von Fabianssons Buch ist vielleicht notwendig - Herr Süselbeck aber liefert sie gar nicht. Schade.

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Georg Sieber schrieb uns am 13.04.2010
Thema: Dirk Kaesler: Darf es einen „Handel mit der Gerechtigkeit“ geben?
Eine schleichende Kulturrevolution

„Die schleichende Kulturrevolution?“

Dirk Kaesler ist ein unerbittlicher Beobachter – da hilft es der Revolution wenig, wenn sie statt des artgerechten Sturmschrittes den tückischen Schleichgang einlegt. Sehr zu Recht misstraut Kaesler dem gerichtlichen Deal, der hierzulande erst neuerdings eine Art von gesetzlicher Anerkennung findet (§ 257c StPO) - und eben auch in bestimmten Fällen den Genugtuungsinteressen des Opfers entgegenstehen kann.

Differenzierung und Ausdehnung der von einer Straftat ausgelösten Interessenlagen berühren allerdings die Rechtslogik zu geringfügig, als dass ein Durchbruch des Systems zu befürchten(oder zu erhoffen)wäre. Überdies stehen dem möglichen Vorteil für das Opfer erhebliche
Nachteile für die Rechtssprechung selber gegenüber. Der größte Nachteil dürfte hier in der Stärkung des Geständnisses liegen. Ausgerechnet das tatsächlich von subjektiven Einflüssen unkontrollierbar verformte Geständnis wird im Deal zur konkreten Währung, die sogar in Teilsummen handelbar ist. Wer auch nur eine einzige Geständnisgenese miterlebt hat, muss sich angesichts dieser Aufwertung die Augen reiben.  

Es ist vorstellbar, dass der stringente Vollzug der sperrigen StPO von Beteiligten als so belastend wahrgenommen wird, dass ihnen verständigungsbedingte Abstriche bei der Wahrheitsfindung leicht hinnehmbar erscheinen. Die Mitwirkung eines Opfers oder der Schöffen an der Verständigung wird aber wohl noch belastender werden als der konventionelle StPO-Vollzug. Eine entsprechende gesetzliche Regelung würde wahrscheinlich dazu führen, dass die Revolution über kurz oder lang vom Schleichgang dann doch in den Rückwärtsgang schaltet.

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Rolf Löchel schrieb uns am 10.04.2010
Thema: Re: Rolf Löchel: Zukunftsweisende Ruine
Daniel Kothenschulte hat sich Fritz Langs restaurierten Science-Fiction-Klassiker „Metropolis“ angeschaut

Lieber Herr Kothenschulte,
haben Sie zunächst einmal vielen Dank für Ihre Mail! Nun steht es mir ja wirklich nicht zu, Ihnen Ratschläge zu erteilen. Doch möchte ich auch nicht die Unhöflichkeit begehen, Ihre Frage unbeantwortet zu lassen. Daher hier also ein kleiner Vorschlag: Vielleicht wäre es möglich in einer kurzen Parenthese die eigene Distanz zu derlei Formulierungen zum Ausdruck zu bringen. Auch könnte es im Falle eines Zitates hilfreich sein, sich nicht darauf zu beschränken, in einer Fußnote auf die Quelle zu verweisen, sondern es (und somit die unliebsame Formulierung) in Anführungszeichen zu setzen.
Mit den besten Grüßen
Rolf Löchel

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Monika Thiel schrieb uns am 10.04.2010
Thema: Stefan Mesch: Das Gute und das Schlechte und von beidem zuviel
Wiglaf Droste ätzt: "Wir sägen uns die Beine ab und sehen aus wie Gregor Gysi"

hallo aus berlin,

ich kann mich ihren worten nur anschließen: der titel verspricht viel mehr als das buch letztlich hergibt. ich hatte das bändchen im urlaub dabei und war dankbar, dass ich mehrere andere bücher im koffer hatte.

es passiert mir sehr selten, dass ich ein buch nicht ganz zu ende lese, aber hier habe ich etwa nach der hälfte aufgehört.

mit sonnigen grüßen aus berlin

monika thiel

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Daniel Kothenschulte schrieb uns am 04.04.2010
Thema: Rolf Löchel: Zukunftsweisende Ruine
Daniel Kothenschulte hat sich Fritz Langs restaurierten Science-Fiction-Klassiker „Metropolis“ angeschaut

Lieber Herr Löchel,

vielen Dank fürs Lesen des Metropolis-Büchleins,
. "Aller Zeiten" ist wahrlich kein schöner Ausdruck, deshalb wird er von mir auch nur indirekt verwendet, wenn ihn andere gebrauchen, und auch das nur zwei mal:
"Kurz vor der Premiere von „Metropolis 2010“ bei den Berliner Filmfestspielen wurde James Camerons utopischer Blockbuster „Avatar“ rechnerisch zum erfolgreichsten Film aller Zeiten gekürt." (Zum Beipsiel hier:http://news.softpedia.com/news/Avatar-Sinks-Titanic-Is-Officially-Biggest-Movie-of-All-Times-133185.shtml )

Der zweite Fall enthält sogar das direkte Zitat: "Im Jahre 2004 wurde von einer von der britischen Zeitung „The Guradian“ unter Naturwissenschaftlern
durch geführten Umfrage zum besten Science-Fiction-Film aller Zeiten gewählt." (Scientists Vote Blade Runner best sci-fi film of All Time).

Was würden Sie denn vorschlagen, wenn in den Quellen ein unliebsamer Audruck steht? Weglassen?
Aber trotzdem vielen Dank, solche Hinweise sind oft Gold wert. Einmal hat mich ein Leser auf meine unbedachte Verwendung des Wortes "Vehikel" hingewiesen, habe ich nie mehr benutzt.

Liebe Grüße
Daniel Kothenschulte

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Martin Overath schrieb uns am 03.04.2010
Thema: Dirk Kaesler: Darf es einen „Handel mit der Gerechtigkeit“ geben?
Eine schleichende Kulturrevolution

Leidtragende der "Verständigung" (= new deal) nach § 257c StPO sind die Schöffen, auch wenn sie an den Absprachen beteiligt werden. Mit fehlenden Aktenkenntnissen degenerieren sie zu Statisten der frühzeitigen Flurgerichtsbarkeit. Was nicht verständigungsfähig ist, wird mit dem bisherigen "Rechtsgespräch" ausgehandelt.

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Dr. Mohammed Khallouk schrieb uns am 02.04.2010
Thema: Klaus-Jürgen Bremm: Eine verschleiernde Mischung aus islamischer Religionskunde und politischer Programmatik
Lamya Kaddors Entwurf eines liberalen Islam überzeugt nicht

Dieser einseitige und in der Grundtendenz abwertende Rezensionsbeitrag sagt mehr über den Autor und sein verzerrtes Bild vom Islam und von muslimischen Immigranten aus als über das rezensierte Buch. Dieses Bild wird von Kaddors Buch und den darin gegebenen Positionen der Autorin offenbar so nicht bestätigt, so dass er geradezu nach Belegen sucht, welche die Autorin und bekennende Muslimin Kaddor als "Wegweiserin der Parallelgesellschaft" charakterisieren. Es ist für ihn innerlich offenbar schwer einleuchtend, dass der Islam mittlerweile eine Realität in der deutschen Gesellschaft darstellt und Muslime sich trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer Religionspraxis als Deutsche Patrioten verstehen.
In seinem Bewusstsein ist offenbar nur derjenige
muslimische Immigrant in Deutschland "integriert", der auf jegliche Symbolik seiner religiösen Tradition verzichtet und in seinem Lebensstil die Majorität nachahmt.  "Moderner Islam" bedeutete demnach nichts anderes als die öffentliche Distanzierung von der eigenen, als "nicht deutsch" verstandenen Religion. In der Tat bestehen Passagen im Koran, die mit dem gegenwärtigen majoritären Menschenbild (z.B. hinsichtlich Geschlechterrollen) in der Bundesrepublik schwer vereinbar erscheinen. Gerade vor diesem Hintergrund erweist sich Kaddors Anspruch einer zeitgemäßen Auslegung des Islam als redlich und angebracht. Andernfalls müssten sich Juden und Christen auch patriarchalisch klingende Bibelpassagen vorhalten lassen und ihre Religion wäre mit den Maßstäben des deutschen Grundgesetzes prinzipiell unvereinbar.
Der Stil und das gesamte Niveau des Beitrages zeigen vielmehr, dass in Teilen der Aufnahmegesellschaft ein Identitätsdefizit herrscht, den man durch Abgrenzung gegenüber der anderen Kultur auszugleichen sucht und dafür nach Belegen aus literarischen Quellen sogenannter Muslime Ausschau hält. Dies erklärt auch das ungeheure Medieninteresse für Autorinnen wie Necla Kelek und Seyran Ates, die ihre nicht repräsentativen Randpositionen in jeglichen Talkshows präsentieren können.
Erst wenn auch die schweigende Majorität gebildeter und aufgeklärter Muslime ohne Empörungen aus dem Publikum ihre Sichtweisen  öffentlich darlegen können, wie dies Frau Kaddor für sich bansprucht, ist ein Wertedialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen erfolgversprechend und die Integration ein zweckorientierter Prozess, der sowohl von muslimischen Immigranten als auch der Aufnahmegesellschaft ausgeht.

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Stephan B.Marti schrieb uns am 30.03.2010
Thema: Georg Patzer: Opfer und wehrloser Täter zugleich
Martin Suter erzählt in seinem neuen Roman von einem tamilischen Liebes-Koch

Seit Tellkamp bei einem regionalen Autor, seit Hegemann bei einem anonymen Blogger klaute, nachdem Brecht sich zum Oberklauer mauserte (allerdings als Ausdruck eines politischen Programms mit Konsequenzen für die ästhetische Produktionsweise - bei Brecht hatte der Klau noch Grösse), glaub ich nicht mehr an sehr viele Zufälle, umso mehr an "Anregungen" in der Literaturszene - jedenfalls will ich so eine Merkwürdigkeit erwähnen, sie droht sonst gänzlich unterzugehen - mag dadurch jeder Glauben können, was er will .- , nämlich dass der Züricher Regional-Autor Ernst Solèr in seinem letzen Krimi "Staub im Paradies" (2009)  - Solèr verstarb kurz vor dessen Erscheinung, 2008 - , die Tamilen-Szene von Zürich mit einem tamilischen Kellner als Helden bestückte - der Züricher Welt-Autor Suter bestückte sein Buch ebenfalls mit der Tamilen-Szene von Zürich allerdings mit einem tamilischen Hilfskoch  - gut, Kommisar Staub ist die Haupt-Figur in Solèrs Staub-Romanen- die muss man ja nicht mitkopieren, erst recht nicht Suter, der muss ja gar nichts  - ich fände es trotzdem nett, sollte "Der Koch"  diesem "Kellner" aus der gleichen Szene die eine und andere Inspiration verdanken -dass er das mit Dank vermerkt und nicht mit Verschweigen... so dass der Kellner nicht nur für den "Koch" der dumme, stumme Lieferant... - allenfalls kann dann der geneigte Leser, die geneigte Leserin selber befinden, welcher von beiden Autoren mit unseren Gastro-Tamilen und ihrer Szenerie in Zürich und im Heimatland  besser, origineller zu Rande gekommen ist. Sollte die Meinung überwiegen, es sei nicht Solèr's, es sei Suters Roman - dann hätte sich die Aneigung von Solèr ja gelohnt, egal, ob sie jemals zugegeben wird oder nie stattgefunden hat.

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Markus Schneemann schrieb uns am 27.03.2010
Thema: Carolina Kapraun: Ein Dichter wird kanonisch
Markus Mays, Peter Goßens’ und Jürgen Lehmanns Celan-Handbuch ist klar strukturiert und zeugt von der Heterogenität bisheriger Deutungsansätze

Carolina Kapraun erwähnt in ihrer Rezension korrekt die Herkunft Celans als "eines Autors aus der Bukowina". Zum Abschluss lässt sie sich allerdings zu einer Vereinnahmung in einen wie auch immer gearteten Kanon hinreissen, indem sie schreibt, das besprochene Celan-Handbuch demonstriere den Stellenwert "eines in seiner Bedeutung nicht zu überschätzenden deutschen Dichters." Celan ist kein deutscher Dichter. Er lebte nie in Deutschland, und war nie deutscher Staatsbürger. Er schrieb in seiner Muttersprache, die deutsch war. Dies war ja gerade das zentrale Thema seiner Existenz, schreiben zu müssen in der Sprache der Mörder seiner Familie und seiner Heimat. Weniger existentiell bedeutend, aber ebenso verfehlt wäre es wohl auch, Dürrenmatt und Bernhard als deutsche Dichter zu bezeichnen.

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Wiemer schrieb uns am 27.03.2010
Thema: Jürgen Weber: Von Witwen und anderen Weisen
Wie die italienische Professorin Benedetta Crateri uns den französischen Hof schmackhaft macht

Sehr geehrte Damen und Herren

ich habe das Buch von Frau Craveri nur zum Teil gelesen. Die einige Seiten, die Königin Maria Leszczynska von Frankreich gewidmet wurden, zeigen, dass die Autorin nicht gründlich recherchiert hat und dass sie das damalige Leben aus der Sicht der heutigen Frau interpretiert.

Und so schreibt sie:

1. "Stanislaus Leszczynski gehörte nicht dem Hochadel" - das stimmt nicht. Familie Leszczynski, eine Magnatenfamilie, also hoch adlig und reich, hat über viele Generationen eine ganz wichtige Rolle im Königreich Polen-Litauen gespielt. Vertreter dieser Familie waren wichtige Minister, Feldherren, Kardinalen usw.

2. "Familie Leszczynski lebte 16 Jahre in
Weißenburg" - sie waren da ab März 1719 bis Mai 1725, also nicht ganz 6 Jahre.

3."Mit den  Eltern von Ludwig XV. starben im Jahr 1712 beide seine Brüder." - nur eine Starb 1712, der andere war schon seit 7 Jahren tot.

4. "...Maria konnte überhaupt nicht die erotischen Bedürfnisse ihres Mannes befriedigen" - mein Güte! Damalige Mädchen, vor allem hoch adlige Mädchen wurden in Keuschheit erzogen. Sie sollten gar nicht auf die Idee kommen, dass es Erotik gibt.

5.Frau Ceraveri gibt sogar der Königin Maria sogar Ratschläge:  Maria sollte das Leben ihre Vorgängerinnen auf dem französischen Thron studieren, um zu wissen, wie sie mit ihrem Mann umgehen soll. Dio buono, segnora Ceraveti! Ludwig XIV. war seine Frau schon wenige Wochen nach der Hochzeit untreu. Abwechselnd mit den Mätressen war seine Frau  schwanger.  Musste akzeptieren die Legalisierung seine Bastarde. Die Ehe von Ludwig XIII. funktionierte gar nicht. Ludwik XIV. kam zur Welt 23 Jahre nach der Hochzeit seiner Eltern. Ludwig XIII. war unsterblich verliebt in Louise da La Fayette, die anstatt seine Mätresse zu werden, ins Kloster ging.
6. "Im Jahre 1765 dufte Maria ihren Vater in Luneville besuchen und das Land, dessen Herrscher er jetzt war, sehen" - Stanislasusa 1744 und danach auch des Öfteren.
7. "Es war von Maria ein großer Fehler, sich in dem königlichen Ehemann zu verlieben" - ich kommentiere den Satz lieber nicht.

Es handelt sich hier nur um 10 Seiten dieses Buches, auf den ich 18 historische Unstimmigkeiten und andere Kommentare (z.B. Pkt.7) oder Ratschläge (z.B. Pkt.5). Ich bin neugierig was die anderen 309 Seiten vor sich geben.

Es sind in den letzten Jahren ganz viele ähnliche Bücher entstanden. Könige und Mätressen, Königinnen und ihre Liebhaber und, und, und. Leider oft sehr oberflächlich recherchiert.

MfG
Iwona Wiemer

4.

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Reinhold Czarny schrieb uns am 22.03.2010
Thema: Ursula Homann: Sie waren einst in Galizien-Bukowina zu Hause
Ein Sammelband über bekannte und unbekannte Dichter und Schriftsteller

Betr.: das Buch von H.C.Rump,
Abgesehen von einigen Fehlern bei den örtlichen Angaben zu den Nationalhäusern in Czernowitz finde ich die Einteilung der Schriftsteller und Dichter nicht in Ordnung.
Auf der einen Seite zählt man Dichter/Schriftsteller wie Rezzori als Altösterreicher,  Rose Ausländer als deutschsprachig schreibende Jüdin und Olga Kobylanska als Ukrainerin auf.
Das stimmt aber so nicht, denn es waren alle 3 Altösterreicher, nur war ihre Nationalität eine andere. Ich erinnere an das Interview von Frau Zuckermann (im Film von Hr. Koepp), wo sie sagte, obwohl sie die österreichische , rumänische, russische und ukrainische Staatsbürgerschaft hatte, fühlt sie sich als
Österreicher!!
Das bezieht sich zwar auf das fühlen, aber bei den Schriftstellern ist es eine Tatsache gewesen. Alle, die bis zum Zusammenbruch der Donaumonarchie geboren wurden, waren Österreicher, egal welcher Nationalität!
Das kommt in diesem Buch aber nicht zum Ausdruck.
Dann hätte man auch schreiben können,sie waren alle Rumänen, denn das war ihre Zwangs-Staatsbürgerschaft nach 1918.
Auch wurde Olga Kobylanska in Gura Humora geboren und nicht in Gora Humora.
Olga Kobylanska bekannte sich auch nicht wie angegeben zum Sowjetstaat, sie wurde dafür mißbraucht, wie es auch Prof. Pantchuk im Film über Czernowitz zum Ausdruck brachte, denn er kannte sie persönlich sehr gut und zur Zeit der Sowjets war sie gar nicht mehr im Stande etwas zu sagen, denn sie war gelähmt und geistig nicht in der Lage zu irgend etwas Stellung zu beziehen.
Bei der Herkunft ihrer Mutter gibt es unterschiedliche Angaben. Prof. Pantchuk spricht von einer polnischen Mutter, in anderen Angaben wird auf ein polnisch-deutsches Geschlecht (Werner) hingewiesen. Das sollte dann auch hier seine Beachtung finden.

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Bernhard S. Elias schrieb uns am 19.03.2010
Thema: Winfried Stanzick: Der libanesische Bürgerkrieg aus der Sicht eines Kindes
„Rubas Geheimnis“ ist Nathalie Abi-Ezzi überzeugendes Debüt über ihr Heimatland

Sehr geehrter Herr Stanzick,

vielen Dank für Ihre Reszension, die mich auf das Buch neugierig gemacht hat und welches ich noch heute kaufen werde.

Nicht bedanken möchte ich mich für Ihren deprimierenden Schlusssatz: zwar hatte ich (Jahrgang 1968) das Glück, Beirut am Vorabend des Bürgerkrieges in Richtung Deutschland verlassen zu können, doch seit meinen regelmäßigen Besuchen seit 1996 versprüre ich im Libanon und in Beirut einen größeren Lebenswillen und eine größere Lebenslust - von der Lebensqualität ganz zu schweigen - als in allen Städten und Regionen, in denen ich seitdem in Deutschland gelebt habe, sei es Köln, München, Stuttgart, Frankfurt oder Berlin.
/> Gerne lade ich Sie daher ein, sich ein persönliches Bild vom Libanon heute zu machen. Vielleicht gelingt es, die leider immer noch geradezu stereotypen Bilder des Landes als Bürgerkriegsnation sukzessive durch die farben- und lebensfrohe Realität zu ersetzen. Das würde dem Land, das eines der größten Freiheitsgrade der Welt besitzt, helfen, sich auch mental aus der Umklammerung sowohl der Geschichte als auch der äußeren politischen Kräft zu lösen.

Mit freundlichen Grüßen


Bernhard S. Elias

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Prof. Dr. Hans Otto Horch schrieb uns am 16.03.2010
Thema: Fabian Kettner: Ist die Postmoderne ein Reflex auf den Holocaust?
Über Veronika Zangls Studie „Poetik nach dem Holocaust. Erinnerungen – Tatsachen – Geschichten.“

Ich habe selten klügere Überlegungen zum Verhältnis von Shoah und Postmoderne gelesen. Dies gilt insbesondere auch für das Problem, inwieweit postmoderne Theorie dem Gegenstand Gewalt antut - nicht zuletzt durch einen abstrakten Nominalstil, der von vornherein auf die Möglichkeit von sehr konkreter, unmittelbar "berührender" Text-Leser-Kommunikation verzichtet. Wenn heutzutage die Geisteswissenschaften einen niedrigen Stellenwert in der Welt der Wissenschaft haben, liegt es ohne Zweifel vor allem daran, dass sie sich durch ihren überkandidelten akademischen Stil selbst gegenüber einer interessierten allgemeinen Öffentlichkeit abschotten.

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gittakohl schrieb uns am 03.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie
Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik

Ganz offenbar hatte Herr Löhr ja auch nicht die Absicht, eine Rezension zu dem Werk von Helene Hegemann zu schreiben, sondern uns die Grundlagen der Literaturkritik zu erklären. Und das ist – zugegeben ein bisschen sehr akademisch und mit zu viel Seminargeruch – auch angekommen. Die romantisch geprägte Literaturkritik haben die Strukturalisten für tot erklärt, wir sind im Poststrukturalismus angekommen und begreifen uns endlich als das, was wir sind: gesellschaftliche Produkte, immer schon im „Verweisungszusammenhang“, in einem wie auch immer gearteten Kontext. Man kann sich mit Goethe fragen, was an diesem Wicht Mensch/Autor denn schon original zu nennen sei. Bis hierhin bin ich einverstanden.
„…und man kann immer noch der Meinung sein, dass jeder Text –
wenn es ein guter Text ist – immer auch zumindest einen Hauch von persönlicher Inspiration und Originalität enthält.“
Danke, Herr Löhr, dass sie uns das noch zugestehen!  Und vielleicht darf es ja auch ein kleines bisschen mehr als „ein Hauch“ sein?  Das beißt sich dann keineswegs damit, dass der Autor nach wie vor in irgendwelchen „Kontexten“ steht und aus dieser Position heraus natürlich schreibt. Ich halte den Tatbestand  übrigens für trivial und eigentlich bedarf er keiner längeren Erörterung. Das war´s schon; doch  da offenbar von einigen Lesern  eine präzise Wertung zu Hegemanns Werk von Ihnen, Herr Löhr, erwartet wurde, Sie sich jedoch nicht so recht aufs „Glatteis“ wagten: („Ob es der Autorin Hegemann gelungen ist, die Welt verständlicher zu machen, darüber lässt sich streiten. Ihr Verfahren, andere fiktionale Texte zu übernehmen und fortzuschreiben, ist jedoch legitim.“)  und wir ja nun weiter darüber streiten dürfen, gebe ich also meinen Senf dazu: Helene Hegemann ist es auf jeden Fall gelungen, mir die Welt ein wenig verwirrender zu machen. Und das halte ich für „origineller“, als sie mir – wie schon so viele andere Autoren es ja vermocht haben – verständlicher zu machen.

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Johannes Molitor schrieb uns am 02.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie
Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik

Eine arg verwunderliche Rezension. Oder eben keine Rezension. Auch wenn Herr Löhr glaubt, einen 'Skandal der Literaturkritik' konstatieren zu müssen, hätte ich doch gern auch ein bisschen was übers eigentlich zu rezensierenden Buch erfahren. Etwa, ob Herr Löhr es für lesenswert hält oder nicht. Leider Fehlanzeige.
Auch verwunderlich, mit welcher Gewissheit der Rezensent post- oder sonstwie strukturalistische Theorien als quasi wissenschaftlich festgeschriebene Erkenntnisse versteht. Statt 'Autor-Gott' Roland Barthes als Gott? Jeder Literaturkritiker hat demnach so zu schreiben, als komme er gerade aus einem Mittelseminar über Barthes?
  "Tatsache ist aber die Erkenntnis, dass kein Autor ein Werk vollständig aus sich
heraus schöpfen kann, da er schon immer in einem sprachlichen, sozialen und kulturellen Verweisungszusammenhang steht."  Aber natürlich, das hat man schon immer gewusst? Aber ist deshalb z.B. Barthes kein Autor mehr? Sicher hat er auch Geld für seine Bücher nicht verschmäht?
  Schon gar nicht kann man von daher - so modern man sich auch gerieren mag - ein Plagiat als Teil des 'Verweisungszusammenhangs erklären.

Ja, schon eine verwunderliche Rezension.

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