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halina bendkowski schrieb uns am 24.11.2014
Thema: Rolf Löchel: Radikal und skandalös
Julia Korbik fordert in „Stand up“ feministische AnfängerInnen und Fortgeschrittene auf, sich zu erheben

ich finde die Unterscheidung und Differenzierung von Rolf Löschel, was  den sex positiven oder sex negativen  Pornografie-Berzug betrifft sehr gut analysiert. Das ärgert mich schon seit langem, mir vorwerfen zu lassen, ich sei sex-negativ. weil ich das Frauen-und Männerbild in der kommerziellen Pornografie einfach zum Kotzen, also negativ finde. Danke also!
HB

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Carsten Jakobi schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Peter Mohr: Zufall oder Fortune
Zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Hans-Magnus Enzensberger erscheint sein autobiografischer Band „Tumult“

Und, ich ergänze die Bemerkung von Wulf Segebrecht, zumindest ungenau ist es, wenn behauptet wird, dass sich Enzensberger in „jüngerer Vergangenheit“ historischen Stoffen zugewandt habe. "Der arglose Deserteur" (1958), "Die Träumer des Absoluten" (1962/63), "Der kurze Sommer der Anarchie" (1972), "Mausoleum" (1975) lassen ein kontinuierliches Interesse an der Vergangenheit und an der Vergangenheit der Zukunft erkennen.

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Guido Kohlbecher schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Matthias Schlieker: Der weiße Fleck des Lebens
Das Erste Gebot in Elias Canettis „Das Buch gegen den Tod“: Du sollst nicht sterben

Canettis  allen Rezensenten recht absurd vorkommender lebenslanger fanatischer Kampf  gegen unsere Sterblichkeit verrät einen Mangel an logischer Stringenz und einen streng tabuisierten blinden Fleck bei ihnen  allen. Denn es ist eine unredliche Ausflucht aus der eigenen Verantwortung, wenn auf die unüberwindliche Naturgegebenheit des Todes verwiesen wird, gegen den eben (noch?) kein Kraut gewachsen sei. Nun, wenn schon kein Kraut - aber da wäre doch ein ethischer Willensentschluss denkbar, der einfach auf die Reproduktion von neuem Leben verzichtete und damit dem Tod jede weitere  Beute vorenthielte. Wie rechtfertigen denn eigentlich alle Eltern  ihr mit der (immer unerbetenen) Geburt verhängtes, jederzeit von der Natur oder Menschenhand vollstreckbares Todesurteil für das Kind,  zusätzlich zu allen sonstigen mit dem Dasein verbundenen Leiden?

Übrigens fand ich Canettis viele Notate nie besonders einfalls- und geistreich. Man ist rasch von ihrer Eintönigkeit und nie näher plausibel gemachten Apodiktik gelangweilt.
Der Stil ist meist flach und ungenau: kein Vergleich mit dem herrlichen Lichtenberg oder auch Jean Paul. Von diesem sei als Kontrastbeispiel zitiert: „Die Zeit ist nichts als ein Tod mit sanftern, dünnern Sicheln.“

Mit freundlichen Grüßen,
Guido Kohlbecher

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Wulf Segebrecht schrieb uns am 18.11.2014
Thema: Peter Mohr: Zufall oder Fortune
Zum 85. Geburtstag des Schriftstellers Hans-Magnus Enzensberger erscheint sein autobiografischer Band „Tumult“

Das ist keine Rezension. Über den "Tumult" erfährt man fast nichts. Und was sonst über Enzensberger gesagt wird, ist bekannt. Schade!

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Thorsten Schulte schrieb uns am 12.10.2014
Thema: Erhard Jöst: Verdiente Verrisse?
Bernhard Schlinks Roman „Die Frau auf der Treppe“ in der Kritik

Man kann sich wundern, welche Sendungen im Fernsehen die höchsten Einschaltquoten erlangen. Man kann sich ebenso wundern, welche Bücher gerne gekauft werden. Doch Erhard Jöst wundert sich, weshalb ein erfolgreiches Buch negative Kritiken erhalten kann. Wer so schnell die Bestsellerliste emporsteigt, der muss gut sein. Jöst möchte das Buch loben und versucht es auch. Schnell scheint der Rezensent gemerkt zu haben, dass sein Ziel schwer zu erreichen ist. Er erkennt eine „Gratwanderung entlang der Grenze zum Kitsch“. Jöst kritisiert, dass es nur „ansatzweise gesellschaftskritische Diskussionen“ gibt. Er kritisiert die mangelhafte Glaubwürdigkeit des historischen Kontexts. Jöst kritisiert „die Figurenzeichnung, die Handlungskonstruktion“ und kommt dennoch zum Schluss, dass der Erfolgsautor all diese Kritik nicht verdient hat. Er kritisiert die Kritiken und kritisiert selbst. Das klingt wie Verzweiflung. Erhard Jöst hat sein Ziel nicht erreicht. Er sollte einsehen, dass es – wie er selbst zitiert – nur ein Buch ist, das höchstens „gefällig zu unterhalten weiß“.

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Bernd A. Laska schrieb uns am 15.08.2014
Thema: Roman Halfmann: Weltprozess nach dem Hiatus
Über Peter Sloterdijks „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Über das anti-genealogische Experiment der Moderne“

Nachdem ich gut ein Dutzend Besprechungen des Buches gesehen habe, stelle ich an der vorstehenden von Halfmann eine bemerkenswerte Besonderheit fest: sie ist die bisher einzige, in der der Name Stirner fällt. Bemerkenswert ist dies, weil Stirner der Autor ist, mit dem sich Sloterdijk in diesem Buch am intensivsten befasst (452-470), der Autor, auf den er mit  vielerlei labyrinthischen Umwegen zusteuert, um ihn am Ende als den einzigen zum Thema einschlägigen Denker herauszustellen: Bereits bei Stirner, in dessen 1845 erschienenem Werk "Der Einzige und sein Eigentum", so Sloterdijk, "erreicht das schreckliche Kind der Neuzeit seine Reflexionsgestalt." (468) Halfmann geht auf diese zentrale These des Buches nicht ein. Deshalb mögen ein paar ergänzende Hinweise von Nutzen sein.

Was wurde aus dieser Reflexionsgestalt in den folgenden gut eineinhalb Jahrhunderten? Wurde sie als solche erkannt? Wurde sie weiterentwickelt? Sloterdijk hält sich da an ein Werk, dessen Autor beansprucht, die Rezeptionsgeschichte von Stirners "Einzigem" in Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gegenwart dargestellt zu haben, auf rund 1000 Seiten: Alexander Stulpe, "Die Gesichter des Einzigen" (2010). Sloterdijk zitiert zustimmend, welche Gesichter, welche "Masken moderner Subjektivität" laut Stulpe dem "Einzigen", dem "schrecklichen Kind der Neuzeit", zur Auswahl standen und stehen: "Anarchist, Übermensch, Psychopath, Sozialist, Kleinbürger, Intellektueller, Faschist, Genie, Paranoiker, Bohemien, Satanist, Existentialist, Individualist, Terrorist, Mittelständler, Totalitarismus-Kritiker, Solipsist, Prophet, Nihilist, Metaphysiker." (469) Es gibt wohl noch weitere. Demokrat etwa? Eine Note fügt Sloterdijk hinzu: "Die Gutmenschenverspottung auf deutschem Boden beginnt im Herbst 1844." (469) Gehören also die Gutmenschen nicht zu den schrecklichen Kindern der Neuzeit?

Der Clou bei Stulpes Gewaltakt ist die Methode. Er arbeitet, da sich explizite Stirner-Anhänger historisch kaum finden lassen, fast ausschliesslich mit Hilfe der "Askription". Schon Friedrich Engels schob um 1890 den um die Gunst der Arbeiterschaft konkurrierenden Anarchisten den geächteten Stirner per Zuschreibung unter, mit Erfolg: allenthalben wird Stirner noch heute Anarchist genannt. Der Marxist Hans G. Helms erklärte dann 1966 ("Die Ideologie der anonymen Gesellschaft", 600 S.) ebenso unbelegt Stirner zum heimlichen Erzideologen von  Faschisten und Nationalsozialisten - und auch von deren Erben im damaligen Westdeutschland. Auch er hatte damit insofern  Erfolg, dass nicht wenige ihn ernst nehmen, darunter auch Sloterdijk (465f). Und 2010 askribiert Stulpe allen möglichen Figuren (s.o.) Stirnerianismus und stempelt den  grassierenden Pseudoindividualismus des Westens zu unbewusstem  Kryptostirnerianismus. Den Mangel an Belegen erklärt er so: "Stirner ist heute vergessen, weil der Einzige selbstverständlich geworden ist." (zit. 469 n.)

Sloterdijk nimmt nun bereitwillig an, dass Stulpe in seinem "breitangelegten Werk" diese "These" ausgiebig "entfaltet " hat. Doch diese These steht gegen alle ideenhistorische Evidenz. Das 20. Jahrhundert wurde nun mal, was Sloterdijk mit Stulpe völlig ausblendet, ganz offenkundig ideologisch nicht von Stirner geprägt, sondern von seinen massenwirksamen Intimfeinden Marx und Nietzsche. Die Pointe des Vorgehens von Sloterdijk liegt dann darin, dass er zwar intuitiv Stirner als Schlüsselfigur der "Neuzeit" resp. "Aufklärung" wahrgenommen, ihn aber zum säkularen Bösen, zu einer Art Fürst der Finsternis stilisiert hat. Anders interpretiert, böte Stirner jedoch den Schlüssel zum Verständnis des historischen Vorgangs, den Sloterdijk ins Visier nehmen wollte: die Selbstsabotage der Aufklärung, deren Resultat einem mit den "schrecklichen Kindern" ins Auge springt.

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Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 12.08.2014
Thema: Roman Halfmann: Weltprozess nach dem Hiatus
Über Peter Sloterdijks „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit. Über das anti-genealogische Experiment der Moderne“

So könnte man wohl nahezu alle Schriften Sloterdijks überschreiben: "Achselzucken des Zyniker". Das ist es, was Sloterdijk seinen Lesern zumutet: Denn, was nützt es, wenn er was Richtiges denkt, oder gar, wie hier etwas Wichtiges feststellt, wenn die meisten es überhaupt nicht verstehen bzw. nachvollziehen können. Warum hängt er nicht, endlich menschenfreundlich geworden, am Ende seine Texte eine allgemein verständliche Zusammenfassung an.

Man sollte Bücher, die die Allgemeinheit dringend angehen und die aus purer Eitelkeit des Autors (fast) niemand verstehen kann, überhaupt nicht veröffentlichen.

Denn das Thema ist eines der wichtigste unserer Zeit: Es ist, als ginge ein Riss durch einen Erdteil und
man könnte die Kommunikation nicht mehr herstellen - und das Auseinanderdriften hat obendrein eine unglaubliche, nie zuvor erreichte Geschwindigkeit.

Das alles wird noch insofern auf die Spitze getrieben, dass kaum jemand diesen Riss realisiert. Eigentlich müssten ja sonst wenigstens leichte Panik und Rettungsversuche aufkommen. Stattdessen lebt man einfach so weiter wie immer. Denn auch Sloterdijk hat ja in dieser Hinsicht nichts Ersprießliches anzubieten.

Ingeborg Gollwitzer

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Johannes Molitor schrieb uns am 30.06.2014
Thema: Redaktion literaturkritik.de: Das Versagen der Eliten angesichts des Ersten Weltkriegs: Heinrich Manns unterschätzter Roman „Der Kopf“ in einer von Michael Stark bearbeiteten Studienausgabe

Keine Rezension? Ist oder war Heinrich Mann denn ein regelmäßiger Mitarbeiter von literaturkritik.de? Oder ein Angehöriger der Universität?
Schön, ich weiß schon, dass es um Herausgeber Michael Stark geht. Aber wieso des Herausgebers wegen auf eine Einschätzung des Romans verzichtet werden muss, will mir nicht in den Kopf. Es sei denn, man fürchtet, die doch wohl unvermeidbar negative Bewertung der 'Kopf'-Arbeit (eine Art Strafe für den Leser) könne zur kritischen Frage an  den Herausgeber führen: War das wirklich nötig?

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Renate Schauer schrieb uns am 24.06.2014
Thema: Luise F. Pusch: Die Kunst des Weglassens
Eine furchtbare Kurzbiografie über Stefan Zweig

Mich würde brennend interessieren, was die Redaktion des Hörbuch Hamburg zu ihrem Text sagt! "Glättungskünstler" haben gelegentlich die Vision, nirgends anecken zu wollen ... Aber hier ist das nicht erklärlich.
Renate Schauer

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Joseph Plichart schrieb uns am 21.06.2014
Thema: Jan Süselbeck: Halluzination eines philosophischen Rätsels
Peter Trawny und das deutsche Feuilleton wundern sich über Martin Heideggers Antisemitismus

Als ehemalige Student François Fédiers möchte ich den Vergleich mit dem sogenannten "‚sekundären‘ Antisemitismus" widersprechen. Alle die, die den Heidegger-Experten François Fédier persönlich kennengelernt haben, wissen dass er ein Gegner des Antisemitismus ist. Dieser Vergleich beruht bestimmt auf einem Missverständnis. Im Artikel der "Zeit" sprach Fédier nicht von einer "Kritik am Judentum" sondern von "Erwähnung des Wortes Judentum" in den Schwarzen Heften. Nach seiner Meinung gibt es eigentlich bei Heidegger keine direkte Kritik am Judentum. Nur habe er Juden und Kommunisten im Zusammenhang mit einer Kritik an jedem Dogmatismus gleichgesetzt. Heidegger habe ausdrücklich in den Schwarzen Heften erklärt, seine Aussage habe mit Antisemitismus nichts zu tun, und diesen „töricht“ und „verwerflich“ genannt.

Mit freundlichen Grüssen
Joseph Plichart

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Gil schrieb uns am 16.06.2014
Thema: Johannes Schmidt: Meister der Miniatur
Über Tobias Prempers absurd-schönen Erzählband „Durch Bäume hindurch“

Wunderschön geschrieben ^^
Habe eine Rezension bei Google zu diesem Buch gesucht und bin hier rauf gestoßen.
Hat mich mehr als nur überrascht und nach den Zweifeln die ich eben noch hatte bin ich mir jetzt sicher, dass es wohl lesenswert ist.
Werde es morgen gleich in der Buchhandlung suchen,allein die beiden Stellen die hier erwähnt wurden gehen unter die Haut.

Frohes Schaffen weiterhin!

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Volker Heigenmooser schrieb uns am 02.06.2014
Thema: Monika Grosche: Lebensgefühl einer Kriegsjugend
Rechtzeitig bevor sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, veröffentlichte der Wallstein Verlag mit „Jahrgang 1902“ ein heute nahezu vergessenes Anti-Kriegsbuch aus dem Jahr 1928

Danke für den Hinweis auf ein wichtiges Buch, Ernst Glaesers "Jahrgang 1902".
Ernst Glaeser eine ideologische Wendung zu unterstellen, scheint mir allerdings etwas verkürzt zu sein. Woher hat die Rezensentin diese Information? Vom Herausgeber Christian Klein? Dann hätte sie das schreiben sollen.
Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass die Gründe für die Rückkehr Ernst Glaesers aus dem Exil in der Schweiz ins nationalsozialistische Deutschland noch der genaueren Analyse bedürfen. Seine Sicht hat er übrigens im Roman "Glanz und Elend der Deutschen" beschrieben und dort das Verhalten seiner Romanfigur, die ebenso wie der Autor ins Kriegsdeutschland zurückgekehrt war, zu erklären versucht. Wichtig wäre
in diesem Zusammenhang die Rolle der Kommunisten zu untersuchen, die gerade auch im Exil mit ihnen nonkonforme Emigranten durchaus wirkungsvoll attackierten. Zu diesen Attackierten gehörte z. B. auch der mit Glaeser im Kontakt stehende (befreundete?) Bernard von Brentano, der ein ähnliches Schicksal wie Glaeser hatte.
Freundliche Grüße
Volker Heigenmooser

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