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Wolfram Malte Fues, Prof. Dr. phil. schrieb uns am 15.07.2015
Thema: Jacqueline Thör: In die Wiege gelegt
Ein Blick auf die (Sprach-)Arbeit Nora Gomringers, die der Einladung von Sandra Kegel nach Klagenfurt folgt

Felix Philipp Ingold scheint mit seiner scharfen Kritik am Tun und Lassen heutiger Literatur-Jurys ("volltext" 3/2014) je länger je deutlicher Recht zu bekommen. Nora Gomringer ist eine geübte und geschickte Performerin; zieht man von ihren Texten die Performance ab, bleibt mittelmässige bis schlechte Lyrik übrig. Die Damen und Herren in Klagenfurt müssen allmählich nicht nur von allen guten Geistern, sondern auch vom Geist verlassen sein.

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Edhofer Peter schrieb uns am 28.06.2015
Thema: Stefan Jäger: Egger ging durch’s Gebirg
„Ein ganzes Leben“ auf 150 Seiten: Robert Seethaler ist mit seinem kurzen Roman ein kleines Meisterwerk gelungen

Nein, das ist kein guter Roman:
- sprachlich nich, z.B. der leise fallende Schnee (was soll er sonst tun?), der prasselnde Ofen o.ä.
- inhaltlich nicht: er schildert ein falsches Leben im falschen und will wohl so die Leser zur Anpassung an die Austeritätspolitik auch in der BRD
anregen (die Stoa war immer schon reaktionär).
Nein, das ist ein erzreaktionärer Roman.
MfG Peter Edhofer

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marianne brentzel schrieb uns am 23.06.2015
Thema: Friederike Gösweiner: Apokalypse-Elegie
Valerie Fritschs zweitem Roman „Winters Garten“ fehlt es an thematischem Gehalt und sprachlicher Präzision

Danke für den präzisen Beitrag zu einem verschwommenen, irgendwie auch unpassenden Apokalypse-verschnitt. Es gab so viele positive Rezensionen, dass ich mit wachsendem Erstaunen  das Buch selbst gelesen habe und gar nicht begeistert war.
Es ist gut, dann eine so klare Einschätzung zu finden.

Marianne Brentzel

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aldo haesler schrieb uns am 22.06.2015
Thema: Gunnar Kaiser: Nichts als Gerede
David Graeber und Tomáš Sedláček verkennen das Wesen des herrschenden Systems – folglich gehen ihre Analyse und ihre Lösungsvorschläge fehl

Dass das rezensierte "Buch" ein typisch editorisches Machwerk ist, gedruckt, um fette Zahlen zu produzieren und einmal mehr jeden Zahnarzt über das voranschreitende Chaos zu erbauen, scheint ausser Zweifel zu sein. Es ist Gerede, wie Kaiser zu Recht sagt. Doch seine Kritik greift genauso kurz, wie das kritisierte Machwerk und vieleicht noch kürzer. Er assimiliert kurzerhand Kapitalismus mit freiem Markt, hält also den Grossdenkern des Chaos' vor, eine solche Freiheit kritiklos vorauszusetzen und damit gegen den Kapitalismus zu wettern. Doch, so frei sei der Markt gar nicht, sagt uns Kaiser. Er legt Zahlen vor, welche attestieren sollten, dass es vielmehr der Staat sei, der den ganzen Unfug anrichte und benützt dazu einen willkommenen Begriff: Korporatismus. Der Eindruck entsteht, hier ereifere sich ein zu kurz Gekommener, der auch gerne sein Sandkorn in die Krisendebatte geworfen hätte, nur sei da kein Hanser-Verlag gewesen, der ihm seine Ideen abgenommen hätte. Dem könnte man ohne weiteres mit anderen Zahlen erwidern, und mit Fakten, die heute, Montag, 22. Juni, wo es einmal mehr Griechenland an den Kragen geht, mit gleichem Recht gezückt werden können wie die seinen. Dass womöglich doch die Finanzwelt bestimmend sein könnte, und nicht der Staat, darauf kommt der Autor mit keiner Silbe zu sprechen. Schlägt er den Machern Graeber & Sedlacek, ihr Gerede marktkonform zu verschachern, so ist sein eigenes Gerede nicht einmal der Rede wert.

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Cornelia Lange schrieb uns am 18.06.2015
Thema: Angela Lorenz-Ridderbecks: Zwischen historischem Roman, Geschichtserzählung und zynischem Märchen
Passend zur 25-Jahrfeier des Mauerfalls: Ken Folletts „Kinder der Freiheit“

Hallo!

Ich lese gerade Ken Follets Roman "Sturz der Titanen", nachdem ich "Kinder der Freiheit" begeistert gelesen habe.

Ich würde mich sehr gerne an einem Diskussionsforum zur Thematik beteiligen.

Ihre Kritik, Frau Lorenz-Ridderbecks, kann ich so nicht ganz teilen. Ich finde, Ken Follet schreibt faszinierend und in einem sehr guten, leicht verständlichen Stil. Jedenfalls kein Vergleich zu E.L. James´ "Shades of Grey" - einfach nur grauenhaft schlechter Stil...

Ich finde auch, dass Ken Follett hervorragend recherchiert hat, im Bezug zur Historik, sodass die Fakten aus der Geschichte sich brilliant mit seinen erfundenen Figuren vermischen.

Jedoch hätte ich ihm selbst
am liebsten geschrieben, dass die Recherche über das Leben in der DDR ziemlich unzureichend war. Denn vieles war ganz anders. Ich wage sogar zu behaupten, dass ein Mensch, der nie in der DDR gewesen ist und/ oder dort gelebt hat, sich kein realistisches Bild darüber machen kann.

Dennoch alle von mir bisher gelesenen Romane von ihm sind faszinierend für Menschen, die sich für Geschichte einschließlich der Deutschlands interessieren, und helfen dabei, sich ein ganz neues Bild über die Geschehnisse zu machen, besonders denjenigen, denen die allumfassende Sichtweise durch eine totalitäres Regime verwehrt wurde. Sie helfen auch, Einblicke in politische Denkweisen zu gewinnen.

Wenn ich darin lese, fühle ich mich zurück versetzt in diese Zeiten.

Mit freundlichem Gruß

Cornelia Lange

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Beatrice Alder schrieb uns am 16.06.2015
Thema: Oliver Pfohlmann: Silberblick und Liebeskegel
„Beschädigte Schönheit“: Lorenz Jäger legt eine „Ästhetik des Handicaps“ vor

.... eigentlich... könnte dieser Denkansatz einen wichtigen Beitrag zur Reflektion über die menschliche Unvollkommenheit bilden, wäre da nicht die ausschliessliche Optik des Begehrens und erst noch nur jene der männlichen Vereinnahmung.
Beatrice Alder, Buchhändlerin und Politikerin, Basel

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Prof. Dr. Norbert Mecklenburg schrieb uns am 14.06.2015
Thema: Thomas Anz: Dante und Heidegger
Zur Juni-Ausgabe von literaturkritik.de. Mit Anmerkungen zur Situation wissenschaftlicher Mitarbeiter an deutschen Universitäten und unserer Zeitschrift – aus gegebenem Anlass

Bestürzt und – über unsere Hochschulgermanisten-Zunft – beschämt lese ich die Mitteilung von Thomas Anz, Jan Süselbeck, ein Jahrzehnt lang, als Nachfolger von Lutz Hagestedt, der es vom Verlagslektor zum Ordinarius geschafft hat, Redaktionsleiter von „literaturkritik.de“, promovierter und habilitierter Germanist, in seiner Wissenschaftler-Generation ein herausragender produktiver und kritischer Kopf, sei seit einem Monat „arbeitslos“. Was kann einer mehr tun, um eine gesicherte akademische Stelle an einer deutschen Uni zu erhalten, als eine glänzende Diss über Arno Schmidt, eine bahnbrechende literatur- und medienwissenschaftliche Habilschrift über Kriegsdarstellung zu schreiben, Bücher über literarische Topographien der Gegenwart, Generationengeschichte im Spiegel der  modernen Literatur herauszugeben, zahlreiche philologische und 350 (!) literaturkritische Aufsätze zu publizieren? Thomas Anz macht dafür eine „unverantwortliche Personalpolitik an deutschen Hochschulen“ verantwortlich. Es könnte noch hinzukommen, dass die Mentalität vieler derzeitig über Nachwuchsstellen verfügender Germanisten nicht gerade dem entgegenkommt, was Jan Süselbeck vorbildlich wie wenige andere repräsentiert: Germanistik nicht als „Wissenschaft des nicht Wissenswerten“, als philologischer Elfenbeinturm oder akademisches Karrierefeld, sondern als öffentliche, eingreifende Wissenschaft, die ein praktisches und kritisches Erkenntnisinteresse verantwortlich wahrnimmt. Es wäre zu wünschen, dass diejenigen unter unseren KollegInnen, die sich solch ein Erkenntnisinteresse nicht haben wegmachen lassen, verantwortlich und solidarisch darum bemühten, Jan Süselbeck der Uni-Germanistik zu erhalten.

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Brigitte Beyer schrieb uns am 12.06.2015
Thema: Niels Penke: Parasit Hoffnung
Lena Andersson Roman „Widerrechtliche Besitznahme“ über die Illusionen einer einseitigen Liebe

Lena Andersson, Widerrechtliche Inbesitznahme, altes Thema, nix neues, da gibt es tiefergehende Literatur, aber gut geschrieben! Wieso bekommt man für ein solches Allerweltsthema einen Preis ? Oder gerade darum ? Weil es Mainstream-(Anti-)Frauenliteraur bedient ? Die Charaktere wie gehabt: der egomanische Künstler, die pseudoemanzipierte intellektuelle Schleimspurschnecke, das nette Muse-chen. Gehts noch eine Spur weniger klischeehaft ? Das erinnert mich leider an meine Mutter (Jahrgang 1929), die kolportierte, dass sie im Unterricht zum Thema Goethe und die Frauen (immerhin !) gelernt hatte: "Der brauchte das". Jaja, das künstlerische Genie. Hermann Hesse häts gefreut.

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Andreas Solbach schrieb uns am 09.06.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Andreas Solbach: Bekannte Unbekannte
Eine neue kritische Ausgabe von Christine Lavants Gedichten

Sehr geehrter Herr Hofer
Vielen Dank für Ihre Präzisierung.

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Lukas Hofer schrieb uns am 09.06.2015
Thema: Andreas Solbach: Bekannte Unbekannte
Eine neue kritische Ausgabe von Christine Lavants Gedichten

S.g. Herr Solbach!                                                      Als ein an Literatur interessierter Kärntner möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die von Ihnen in dem Artikel "Bekannte Unbekannte" besprochene Dichterin Christine Lavant, anders als Sie behaupten, ihr Pseudonym nicht nach dem Tal ihrer Heimatgegend, sondern nach dem durch dieses Tal fließenden, etwa 72 km langen Gewässer wählte. So trägt auch die 1989 bei Ammann, Zürich, verlegte Lavant-Biographie Ingeborg Teuffenbachs, einer der Porträtierten besonders nahestehenden Freundin, den Titel: "Gerufen nach dem Fluss".

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Christoph Schmitz schrieb uns am 03.06.2015
Thema: Sebastian Schreull: Was tun mit Heidegger?
Zum 83. Band der Gesamtausgabe, den Heidegger-Jahrbüchern 4 und 5 sowie dem Heidegger-Handbuch unter Berücksichtigung der Debatte um die „Schwarzen Hefte“

Heidegger ist nicht leicht zu lesen und, wenn man sich doch die Mühe macht, nicht für jeden leicht zu ertragen. Der aufmerksame Leser ist nicht auf die krassen Formulierungen der "Schwarzen Hefte" angewiesen, um Heidegger als politisch bedenklich, ja manchmal gar als ekelhaft zu entlarven. Selbst einem dem "principle of charity" verschreibenen Leser fällt es schwer, den "Brief über den Humanismus" als in irgendeiner Form gelungene Apologie der Verstrickungen in den Nationalsozialismus zu lesen: Seltsam irrational auflodernder Nationalismus macht diesen Text zu einem Zeugen der Vermählung politischer Blindheit und philosophischem (Pseudo-?)Tiefsinns, deren Rechtfertigung das eigentliche Vergehen erst spürbar macht.
/> Sebastian Schreulls Sammelrezension zur Debatte um Heidegger lädt ein, diesen und andere haarsträubende Äußerungen mit Bedacht zu kritisieren und ein umfassendes philosophisches Werk, dessen Wirkung unbestreitbar sein dürfte, nicht aus Gründen feuillitonistischer Marktschreierei ad acta zu legen.

Diesem Ansinnen des Autors kann ich nur zustimmen. Denn Pauschalurteile sollten niemals akademisches Werkzeug sein, da macht die Philosophie keine Ausnahme. Es überrascht zwar nicht, in der Presse auf radikale Forderungen im Umgang mit problematischen Denkern zu stoßen, allerdings bleibt auf das wirkungslose Verpuffen derselben zu hoffen. Denn die nicht abbrechende Debatte um die Rolle Heideggers im Nationalsozialismus und des Nationalsozialismus im Heidegger läuft an verschiedenen Aspekten fehl, die ich dem Aufsatz Schreulls unter kurzen Stichworten hinzufügen möchte:

Heidegger vs. "Heidegger"

Die Frage, inwieweit nun der Nationalsozialismus oder diesem verwandte Gedankenelemente Teil des Heideggerschen Textkorpus sein, ist eine schwer zu beantwortende Frage, die auch nach Veröffentlichung der "Schwarzen Hefte" wohl nicht eindeutig geklärt werden kann. Schuld daran ist neben der schwierigen Sprache dieser Schriften auch ein systematisches Problem: das Verhältnis von Autor und Werk.

Die Dichotomie zwischen beiden Begriffen ist ein in der Literaturwissenschaft wohlbekanntes Problem, dessen schärfste Analyse aus der Feder Foucaults stammt. Das Problem bezeichnet die Unstimmigkeiten, die sich ergeben, wenn man einem Autor (als Person) einen gewissen Textkorpus zuschreibt und beides aneinander abgleichen will. "Goethe zu lesen und zu interpretieren" ist ein gängiger Ausdruck. Werk und Autor als eine solche Einheit zu sehen, wie wir es nicht nur in der alltäglichen Kommunikation, sondern auch in der akademischen stets postulieren, ist aus verschiedenen Gründen problematisch: Was ist Teil des Werkes, was nicht? Wie kann man einem Autor überhaubt die Urheberschaft eines Textes einwandfrei zuschreiben? Was bedeutet es überhaupt, einen Text im Hinblick auf die Intention des Autors zu interpretieren?

Genau diese Fragen stellen sich speziell bei der Diskussion um Heidegger, sind aber im allgemeinen Ursprung vieler Verwirrungen im Gebiet der Geschichte der Philosophie. Wann benutzen wir einen Autornamen als Abkürzung für einen bestimmten Textkorpus, wann aber verwechseln wir dies mit der aktuellen Person des Autors? Der Kurzschluss, jeden Text Heideggers als Beleg für seine nationalsozialistische Gesinnung zu sehen, scheint in diesem theoretischen Dilemma seinen Ursprung zu haben. Es ist zwar aus philosophischen Gründen geboten, einem Text zunächst seine Kohärenz zu unterstellen, dieses hermeneutische Prinzip aber auf ein Gesamtwerk auszuweiten, dass im Laufe von mehreren Jahrzehnten entstanden ist, scheint bestenfalls naiv. Das gilt nicht nur für Heidegger, sondern auch für Arbeiten zu anderen Philosophen und ihren Werken. Es erscheint jedesmal etwas seltsam, wenn jemand die "Kritik der reinen Vernunft" entschlüsselt zu haben glaubt, weil er in einem Jahre später verfassten Text Kants eine Fußnote entdeckt hat, die das wirkliche Verständnis der reinen Apperzeption ermöglicht. Tatsächlich stellen sich solche Fragen gar nicht, denn es geht nicht um das, was Kant gedacht hat. Das ist unmöglich zu rekonstruieren und wissenschaftlich höchst irrelevant. Die Frage sollte vielmehr sein, welche philosophischen Implikationen das "Ich: muss alle meine Gedanken begleiten können" überhaupt hat.

Für Heidegger gilt das ebenfalls: Natürlich glaubt man nun mit Bemerkungen aus den "Schwarzen Heften", endlich einen einfachen Schlüssel für das Werk namens "Heidegger" gefunden zu haben, vertauscht aber in dieser Annahme Autorenname und Textbezeichnung. Damit begeht man nicht nur einen methodischen Fehler, sondern man beraubt sich auch der mächtigsten Waffe, die man gegen jedwede nationalsozialistische "Theorie" besitzt: Sie argumentativ zu negieren.

Argumentative Armut

Schreull zeigt in seinem Text sehr schön, wie erleichtert viele scheinen, Heidegger nun endlich ruhigen Gewissens ignorieren zu können. Bei genauerem Bedenken jedoch ist eine solche Herangehensweise ein Nackenschlag für jedweden aufklärerischen Anspruch. Denn die Frage, ob sich aus den verschiedenen Schriften Heideggers totalitäres Gedankengut herauslesen lasse, ist keine triviale. Sie zielt auf das Herz einer jeden Schrift Heideggers und stellt eine hermeneutische Herausforderung dar, die nicht einfach zu meistern ist. Gefordert ist eine sachliche Auseinandersetzung mit Heideggers Argumenten, seiner Aufassung der "Seinsvergessenheit" der abendländischen Metaphysik und die seltsame, manchmal naiv anmutende Sehnsucht nach einer ursprünglichen "Lichtung des Seins".

Tiefe Einsicht in das Wesen der (deutschen) Sprache paart sich oft mit einer erschreckenden Naivität hinsichtlich der aus Sprachspielen gewonnen "Erkenntnisse". Sicherlich, Heideggers Neigung zu ungewohnten Umformulierungen und sein Spiel mit morphologischen Formen verspricht tiefe Einsicht in Begriffe und Verhältnisse zwischen diesen, die wir mit der Alltagssprache nicht leicht fassen können. Doch dieser Heideggersche Trick ist nicht immer überzeugend und bleibt manchmal nicht nur leer, sondern in seiner Abhängigkeit von bestimmten grammatikalischen Mustern der deutschen Sprache auch oft abhängig von seinem sprachlichen Kontext.

Ob diese möglichen Anlässe zur Kritik an "Heidegger" allerdings auch einen möglicherweise faschistoiden Grundton dieser Schriften herausarbeiten können, sei dahin gestellt und kompetenteren Vertretern des Fachs überlassen. Klar ist aber, dass eine Auseinandersetzung, die sich mit einer Verurteilung und anschließender Degradierung begnügt, keine antifaschistische Arbeit leistet, sondern diese vielmehr verweigert. Denn wenn "Heideggers" Denken tatsächlich zu solchen Folgerungen führt oder führen kann, ist es entscheidend, die jeweiligen Wegmarken aufzuzeigen und argumentativ zu entlarven.

Die schlichte Missachtung jeglicher als faschistoid zu bezeichnender Literatur ist dahingehend gefährlich, dass der Missachtende ihr im Moment der Begegnung keinerlei argumentative Gegnerschaft bieten kann und daher nur die kalte, stumme Stirn zu zeigen imstande ist. Das scheint einer Kapitulation näherzukommen als dem erhofften Widerstand.

Eine ernste Kritik an Heidegger kann zeigen, dass Philosophie als Wissenschaft von den Bedingungen des Menschseins nicht unpolitisch sein kann, sondern sich ihren Implikationen stellen können muss. In diesem Sinne ist Philosophie stets in der Welt. Und damit müssen wir umgehen.

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Norbert Mecklenburg schrieb uns am 26.04.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Norbert Mecklenburg: Zeugnis, Empathie, Trauer
Kritische Notizen zu Literatur über den türkischen Genozid an den Armeniern

Die Wut des Briefschreibers, dessen Buch ich negativ bewertet habe, ist verständlich. Seine beiden sachbezogenen Hinweise sind aber falsch: 1. 'Aghet' bzw. 'Aghed' wird auch von namhaften Forschern wie Marc Nichanian ("Writers of Disaster"), den ich in meinem Essay erwähne, verwendet. 2. Seine Behauptungen über die Balakians sind falsch. Um das einzusehen, hätte er nur Peter Balakians "Black Dog of Fate" lesen müssen.

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Penyamin Ehmalian schrieb uns am 25.04.2015
Thema: Norbert Mecklenburg: Zeugnis, Empathie, Trauer
Kritische Notizen zu Literatur über den türkischen Genozid an den Armeniern

An Herrn Norbert Mecklenburg,
es ist immer das gleiche Spiel von denjenigen, die denken, sie können über uns Armeniern Begriffe erfinden über unseren Köpfen hinaus. Was bedeutet den Aghet-Literatur? Es gibt für uns kein Aghet-Literatur oder Aghet-Thema.
Aghet bedeutet "Katastrophe", darunter sind auch Naturkatastrophen zu verstehen. Die Überlebenden des Völkermords nannten - weil es damals das Begriff Genozid nicht gab -  den Völkermord von 1915 "Medz Yeghern" und das bedeutet "Große Verbrechen". Ein Verbrechen geschieht immer durch Menschenhand.
Irgendwann vor Jahren benutzte auch der U.S. Präsident Obama den Begriff "Medz Yeghern" und die türkischen Journalisten
der armenischen Wochenzeitung "Agos" in Istanbul übersetzten es auf türkisch als "Büyük Felaket - Große Katastophe". Jahre danach lief ein Dokumentation im deutschen Fernsehen mit dem Titel "Aghet - Ein Völkermord". Ich begreife nicht was das alles sein soll? Und Sie, Herr Mecklenburg, denken wohl auch, ohne sich darüber gründlich zu informieren, dürfen Sie Begriffe benutzen wie es Ihnen beliebt. Im westlichen Welt sitzt ja schon seit jahrhunderten  die Gedanke fest, dass man  mit den Armeniern tun kann was man will.
In Ihrem Artikel sind viele falsche Informationen vorhanden: Diran Balakian war zu keiner Zeit der Großvater von Peter Balakian, der hieß nämlich Grigoris Balakian und wurde 1915 selber deportiert. Sein in armenisch verfasstes Buch "Armenische Golgotha", wobei er als deportierte seine Erlebnisse zu Papier brachte, ist meiner Überzeugung nach einer der besten über den Medz Yeghern. Es ist ein Meisterwerk, es ist herzzerreißend. In Ihrem Artikel meinen Sie wohl den Diran Kelekian, er war ein Arzt, Grigoris Balakian war ein Geistlicher.
Über mein Buch schreiben Sie dass es oberflächlich, künstlich und durch Geschwätzigkeit umfangreicher autobiografischer Migrationsroman ist. Ihrer nicht zutreffenden Meinung aller Ehren. Doch, Sie schreiben ja selber, dass es ein Migrationsroman ist, und das stimmt. Es ist auch ein Liebesroman und ein Roman gegen Rassismus, das ich am eigenen Leib im türkischen Militär erlebt habe. Sie haben mein Buch wahrscheinlich nicht durchgelesen.Ich habe darin den Völkermord im zusammenhang mit den weltpolitischen Ereignissen erwähnt. Ich könnte ausführlicher schreiben, es sind über dieses Thema viele Artikel von mir veröffentlicht worden, doch das war nicht das alleinige Thema des Buches. Dass Sie aber mein autobiografischer Roman als "geschwätzig" bezeichnen, überzeugt mich davon, dass ihre ganze Artikel geschwätzig ist und dass Sie denken, sich Ihrer akademischen Titel versteckend,alles erlauben dürfen.
Ihre ganze Artikel ist darüber hinaus heuchlerisch, doppelmoralisch, literarisch nichts Wert für mich. Und der Gipfel ist, dass Sie am Schluss schreiben: "Dass allein durch diesen Gestus Literatur, die zum Aghet-Gedenken beiträgt, humanes Gewicht erhält, ist die Überzeugung, die dem vorligenden Essay zugrunde liegt."
Darüber lachen selbst die Hühner und ich erlaube Ihnen, mich über mein Grammatik und Rechtschreibung auszulachen. Glauben Sie mir, alles was Sie denken und schreiben interresiert mich nicht im geringsten.

Penyamin Ehmalian

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Felix Sprang schrieb uns am 15.04.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Felix Sprang: Geist ruht nicht aus
Neue Sonettübersetzungen von Claus Eckermann und Alexander Giese

Lieber Herr Gutsch,

ganz herzlichen Dank für Ihren Leserbrief. Ich hatte mit Absicht das etwas vage "gut siebzig" verwendet, da eine genaue Zählung der Gesamtübersetzungen mit Schwierigkeiten verbunden ist: einige sind im Selbstverlag erschienen, einige wurden verändert wieder aufgelegt. Aber das wissen Sie besser als ich. Auf die Übersetzung von Frank Günther sind wir natürlich schon alle gespannt. Und vielen Dank, dass Sie mich - und die Leser - auf das Enstehungsdatum von Alexander Gieses jetzt publizierter Übersetzung aufmerksam gemacht haben.

Mit herzlichem Gruß

Felix Sprang

Sind Sie im April in Berlin auf den Shakespeare-Tagen?

Mit freundlichen
Grüßen

Felix Sprang

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Dr. Karl Corino schrieb uns am 12.04.2015
Thema: Peter Mohr: Gralshüter des Sozialismus
Vor 100 Jahren wurde der Schriftsteller Stephan Hermlin geboren

Der Artikel von Peter Mohr ist im Allgemeinen recht informativ, transportiert aber immer noch eine Reihe von Mythen.
Dazu gehört, Hermlin sei der Sohn großbürgerlich-wohlhabender Eltern. Der Vater David Leder hatte bis zu seiner Internierung als feindlicher Ausländer während des I. Weltkriegs laut Chemnitzer Adressbuch ein Geschäft für Woll- und Baumwollabfälle. Der staatlich eingesetzte kommisarische Verwalter teilte der Mutter Hermlins, Lola Leder, während der Kriegsjahre so wenig Geld zu, dass sie ihm drohte, ins Wasser zu gehen. Ungerührt stellte er ihr frei, dies zu tun (Bericht von Hermlins Schwester Ruth Frenkel). So also sah die großbürgerliche Herkunft Hermlins aus.
Zu den von Peter Mohr transportierten
Mythen gehört auch der Eintritt Hermlins in die KPD. Bezeugt ist durch die Schwester Ruth Frenkel und durch Hermlins Jugendfreund Hobsbawm, dass Hermlin in den frühen 30er Jahren Mitglied des Sozialistischen Schülerbunds war. Von seiner Schwester dafür geworben warb er auch Hobsbawm und veröffentlichte in der Zeitschrift dieses SSB "Der Schulkampf". Wegen eines Artikels vom Januar 1932 wurde er vom Gymnasium relegiert. Die Verfolgten des Naziregimes in der DDR konnten in  einem Gutachten aus dem Jahre 1957 keine Verbindung Hermlins mit der KPD in  den Jahren 1933 - 36 feststellen.
Zu den Mythen Hermlins gehört weiterhin, seine Beziehung zu Honecker stamme aus dem gemeinsamen antifaschististen Widerstand. Wie die Verfolgten des Naziregimes in einem Gutachten von 1957 feststellten, habe ihre Recherche ergeben, dass Hermlin  bis zur Emigration 1936  n i c h t "am organisierten Kampf gegen den Faschismus teilnahm". Die Beziehung zu Honecker stammte nach dessen Erinnerung aus Begegnungen bei der FDJ in den  späten 40er Jahren. Wegen dieses ausdrücklichen Nicht-Engagements ist es logisch, dass die VdN die Verleihung eines Ordens an Hermlin für antifaschistische Verdienste ablehnte.

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Dr. Peter Hamel schrieb uns am 06.04.2015
Thema: Walter Delabar: Untergangsgeschichten
Hans-Jürgen Schmelzer schreibt mit „Meines Vaters Felder. Biografie einer Landwirtsfamilie“ seine Familiengeschichte

Durch Zufall habe ich dieses Buch auf Mallorca in die Hand bekommen und danach nicht mehr los gelassen. Das Buch ist gut, spannend und sehr authentisch! Viele Belege werden dazu beigebracht. Der ziemliche Verriss dieses Buches durch einen "Literaturkritiker" Walter Delabar, der einmal wieder alles besser weiß, ist unfair und typisch für einen Spätnachkriegsgeborenen, der unfähig ist, sich in die damalige nationalsozialistischen Randbedingungen und Bedrohungen hineinzuversetzen. Und absolut unsachliche Vorwürfe über Judenverfolgungsignoranz passen natürlich perfekt dazu. Dagegen hat der Autor alle Aspekte dieser schwierigen Zeit geschildert und miterlebt, bis zum bitteren Ende des Krieges als Siebenjähriger auf der Flucht.  Also, das Buch ist sehr empfehlenswert und eben auch für die Jugend!

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Wulf Segebrecht schrieb uns am 03.04.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Sehr geschätzter Herr Delabar, da stimmt etwas nicht mit Ihrem Nippesbefund. Noch nie wurden doch so viele Gedichte öffentlich bekannt gemacht, gelesen und diskutiert wie heute. Schauen Sie auch gelegentlich ins Internet? Und das ist alles durchaus nicht nur gefühlig und erkenntnisverweigernd. Auch in der herkömmlichen Form des gedruckten Buches gibt es ja außerordentlich erfolgreiche Lyrikbände: Ulla Hahn beispielsweise oder Robert Gernhardt. Dass freilich, aufs Ganze gesehen, Gedichtbände im Buchhandel nur eine „Nebenrolle“ spielen, ist weder verwunderlich noch empörend: Kaufen Sie denn regelmäßig Gedichtbände einzelner Autoren? Anthologien dagegen erscheinen durchaus in hohen Auflagen (Conrady, Detering, Hahn, Reiners u.a.). Und dass Lyrik in der Presse „nahezu unsichtbar“ sei, kann man nun wirklich nicht sagen. Sie wird vielmehr vergleichsweise (nimmt man nämlich ihren Anteil an der Gesamtproduktion der Bücher zum Maßstab) in der Presse geradezu bevorzugt durch Gedichtabdrucke, Rezensionen und Interpretationen. In diesen Beiträgen wird immer wieder darüber nachgedacht, warum man dieses oder jenes Gedicht lesen sollte, und gefragt, wozu Lyrik eigentlich gut ist. Die Antworten fallen notwendigerweise sehr verschieden aus, was Sie ja auch erwähnen. Aber auch die Erwartungen an Lyrik sind höchst verschieden und nicht ohne weiteres und von vornherein verwerflich. Lassen Sie uns also weiter darüber reden als Verächter oder als Apologeten der Lyrik, die sich nun einmal nicht über einen Leisten schlagen lässt.

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Wolfram Malte Fues, Prof. Dr. phil. schrieb uns am 31.03.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Lieber Herr Kollege Delabar

was wollen Sie denn nun eigentlich? Gar keine Lyrik? Eine andere Lyrik? Falls ja, was genau für eine? Benn und Brecht noch mal, aber in die Welt- und Gesellschafts-Sicht des bürgerlichen Realismus ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verpackt?

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Ron Winkler schrieb uns am 31.03.2015
Thema: Walter Delabar: Platz auf dem Nippesregal
Jan Wagner erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Rubrik Schöne Literatur – aber was bringt das der Lyrik?

Sehr geehrter Professor Delabar,
darf ich erfahren, auf welche Textkenntnis sich Ihre Betrachtungen stützen? Je mehr ich schaue, desto stärker habe ich den Eindruck, Sie stützen sich allein auf allgemeine Extrapolationen feuilletonistischer Perspektiven und medialer Hitzigkeit. Ich lese leider viele Allgemeinplätze, etwa "Was ist aus all dem geworden, was in der Lyrik vor allem Spaß gemacht und Erkenntnis gebracht hat?" Ich sehe sehr, dass dieses durchaus zu finden ist. Auch Welthaltigkeit, auch Denkweltreichhaltigkeit.
Mit freundlichen Grüßen, Ron Winkler

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Bernd Willimek schrieb uns am 22.03.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Geret Luhr: Was sie schon immer über das Verhältnis von Tönen und Emotionen wissen wollten
Robert Jourdain und die Frage, wie Musik im Kopf entsteht und wirkt

Zur Strebetendenz-Theorie gibt es jetzt einen Wikipedia-Artikel:

http://www.de.wikipedia.org/wiki/Daniela_Willimek

Bernd Willimek

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Jürgen Gutsch schrieb uns am 11.03.2015
Thema: Felix Sprang: Geist ruht nicht aus
Neue Sonettübersetzungen von Claus Eckermann und Alexander Giese

Nur ein kleiner Nachtrag zur Statistik, lieber Herr Sprang, der auch Ihre Verwunderung über die Jugendlichkeit des 92-jährigen Alexander Giese etwas erklärt. Alexander Gieses Übersetzung entstand vor 1975, also vor 40 Jahren, und erschien in einem Privatdruck in ebendiesem Jahr. Ich weiß nicht, wieviele Exemplare es gab, die großen Bibliotheken kennen das Buch nicht, ich hab auch nur ein Zufallsexemplar im Antiquariat gefunden. Eigentlich jung war Giese auch damals nicht mehr, 54, aber doch jünger als heute. Unter den Gesamtübersetzungen der Sonette ins Deutsche ist Gieses Arbeit die Nummer 49 zwischen Carl Korth (auch diese nur als Privatdruck) und Martin Flörchinger. Der alte Text von Alexander Giese ist nicht identisch mit dem neuen von 2013, es gibt zahlreiche Veränderungen, leider nicht nur Verbesserungen - und offensichtlich nicht nur solche, die auf Herrn Giese selbst zurückgehen. - Claus Eckermanns Übersetzung erschien 2012 und ist die Nummer 73 der Gesamtübersetzungen, Markus Marti liegt mit 71 und 72 davor, denn er hat das Werk ja zweimal übersetzt (siehe http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=14810. Inzwischen stehen wir bei Nummer 76 (Eric Boerner, Hans Singer, Bernd Jähnig), in Wahrheit aber eigentlich schon bei Nummer 79, denn die Übersetzungen von Thomas Eichhorn, Frank Günther und Rolf Zumbühl liegen, wie ich weiß, fertig in der Schublade, sind nur noch nicht publiziert. Ich würde mich nicht wundern, wenn auch das nur eine zu geringe Gesamtzahl wäre, denn nichts als die Bibel wurde häufiger ins Deutsche übersetzt - und das in nur gut 200 Jahren, während die Bibel immerhin ins Althochdeutsche hinunterreicht.
Mir herzlichem Gruß, Jürgen Gutsch (jgutsch[at]arcor.de)

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Holger Jablonka schrieb uns am 23.02.2015
Thema: Jörg Bernardy: Gehirn in der Cloud
Über digitale Revolutionen in Gutenberg-Form

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

ich möchte nur kurz klarstellen, daß es ein Mythos ist, daß das Internet nicht vergessen würde. Wer kennt noch geocities? AOL-Homepages? Man kann einiges via archive.org nachschlagen, doch: einmal aus dem Netz, ist es auch aus der Suchmaschine. So weiß man oft gar nicht, wie die Adresse der inzwischen gelöschten Seiten lauten. Nur wer "live" miterlebt hat, daß diese Seiten verschwanden, kennt deren Adresse. Oder YouTube. Wie oft löscht ein Diksussionsteilnehmer seinen Kanal oder auch nur seine Videos, und es sei denn, jemand hat sie heruntergeladen, sind sie für immer weg. Also: das Internet vergisst. Hätten Goethe und Schiller damals in die Tasten gehauen und E-Mails
geschrieben, es gäbe ihren Briefwechsel heute nicht mehr. Man sollte daher nicht zu verrückt werden und das Internet -- gemeint ist eh nur das Web -- nicht über den grünen Klee loben. Es ist eben ein Medium unter vielen -- und nicht das beste.

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Nicolas Dierks schrieb uns am 18.02.2015
Thema: Gabriele Wix: Mehr oder minder kreisförmige Markierungen
Über Ludwig Wittgensteins Scheitern am Medium des Buchs

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mich sehr über Ihre Rezension des Wittgenstein-Bandes "Kulturen und Werte" gefreut. Nur eine kleine Richtigstellung: Neben dem Tractatus hat Wittgenstein zu Lebzeiten noch ein weiteres Buch veröffentlicht: Das "Wörterbuch für Volksschulen" (vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein).

Das Buch ist zwar philosophisch wenig relevant, aber ein "Buch" ist es doch.

Mit freundlichen Grüßen,

Nicolas Dierks

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Ulrich Klappstein schrieb uns am 15.02.2015
Thema: Anne Amend-Söchting: Originalgetreu und innovativ
Eike Schönfelds Neuübersetzung von Charles Dickens’ „Christmas Carol“ hat das Zeug, die Leser des 21. Jahrhunderts zu erreichen

Betr.: Da eine – vermutlich innovativere – Übertragung von Heiko Postma aus dem Jahre 2006 zurzeit vergriffen ist

Das ist eine Fehlinformation! Die Übersetzung ist im jmb Verlag Hannover
immer noch erhältlich.

Ulrich Klappstein

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