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Tobias Schmidt schrieb uns am 10.04.2014
Thema: Regina Roßbach: Komparatistik für Anfänger?
Die neue Auflage von Angelika Corbineau-Hoffmanns „Einführung in die Komparatistik“ wurde trotz zunehmender Didaktisierung in den Geisteswissenschaften nur geringfügig verändert – ein kleines Aufbegehren gegen den Vereinfachungstrend?

Ich möchte Regina Roßbach dahingehend zustimmen, dass das Buch von Corbineau-Hoffmann als Einführung für Erstsemester durchaus geeignet ist. Die Frage ist nur: Für welche Erstsemester ist diese Einführung wirklich geeignet? Allgemein von Interesse ist der überaus wichtige Nachvollzug der Fachgeschichte. Das spricht eindeutig für das Buch. Und dennoch ist es unbestritten, dass in Leipzig, wo Angelika Corbineau-Hoffmann lehrt, eine andere Komparatistik betrieben wird (wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann) als beispielsweise in Erfurt (wo ich in AVL promoviere), oder auch in Konstanz, München oder Berlin. Nicht überall wo AVL gelehrt wird, spielen Konzepte wie Imagologie, Thematologie oder der Künstevergleich jene Rolle, die Corbineau-Hoffmann diesen zuweist. Dafür spricht etwa die von Regina Roßbach kritisierte Marginalisierung der Intertextualität oder auch das Schweigen über ganz aktuelle Forschungsansätze etwa an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft und Medien- bzw. Filmwissenschaft. Und wie steht es mit den nicht-klassischen Literaturformen wie Comics oder Mangas? Auch hierzu bezieht Corbineau-Hoffmann keine Stellung. Das lässt zurecht daran zweifeln, ob Angelika Corbineau-Hoffmann die von ihr für das Fach Komparatistik/AVL in Anschlag gebrachte Offenheit selbst einlöst und praktiziert. Sprechendes Zeugnis darüber geben die stellenweise sehr ironischen Bemerkungen Corbineau-Hoffmanns zu Entwicklungen, die offenbar ihrer Vorstellung von Komparatistik widerstreben. Mit allem Recht kann man sagen, dass Angelika Corbineau-Hoffmann eine von ihr präferierte konservative Komparatistik gegen allzu grelle Einflüsterungen aus Nachbarwissenschaften verteidigen möchte. Offenheit wäre das nicht. Und ob das dem Fach wirklich hilft, weiterhin kreativ und innovativ zu sein wie in seinen Anfängen, bleibt fraglich.

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okapinski schrieb uns am 18.03.2014
Thema: Urte Helduser: Monstrenbeschwörung und Antifeminismus
Zu Sibylle Lewitscharoffs Dresdener Rede

Ich stimme der grundsätzlichen Kritik an der Dresdener Rede zu, möchte jedoch zu bedenken geben:

1. Der Verweis von Frau Lewitscharoff auf die 'höhere Gewalt' ist genauso subjektiv wie die Argumentation von Frau Helduser, oder meint sie einen objektiven Standpunkt zu vertreten? (objektive Standpunkte werden seit der französichen Revolution nur noch von Religionen eingenommen.)

2. Die Begriffe 'Missbildung', Fehlbildung' und 'Behinderung' werden im allgemeinen Sprachgebrauch ebenso wie in der Wissenschaft keineswegs eindeutig gebraucht.

3. Der Slogan "Mein Bauch gehört mir" erscheint mir ziemlich übergriffig, denn Kinder - egal welchen Alters - 'gehören' niemandem; auch rechtlich bleibt die Abtreibung
zwar meistens straffrei, aber immer rechtswidrig.

okapinski

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Lothar Englert schrieb uns am 12.03.2014
Thema: Miriam Strieder: Kreuzzüge, Hanse und steife Brise
„Friesisch Blau“ von Lothar Englert vergibt viel Mittelalter-Flair

Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich bin der Autor des Romans, den Frau Strieder in der vorliegenden Rezension beurteilt hat. Eine Äußerung zu den inhaltlichen Anmerkungen der Rezensentin erübrigt sich aus meiner Sicht. Einen Punkt möchte ich allerdings aufgreifen. Frau Strieder beklagt Fehler in Orthographie und Interpunktion, und in der Tat, diese kommen trotz Lektorat immer wieder vor, sie sind ein(offenbar kaum vermeidbares)Mysterium. Frau Strieder selbst ist nicht frei davon, etwa dann, wenn sie von "Emdenern" spricht,die es ebensowenig gibt wie es "Bremener".
Mit freundlichem Gruß
Ihr Lothar Englert

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Wilfried Hoffer schrieb uns am 24.02.2014
Thema: Beat Mazenauer: Kein Koloss an Standhaftigkeit
György Dalos blickt in „Der Fall des Ökonomen“ zurück auf eine vielleicht typische, aber wenig glanzvolle Biografie im realen Sozialismus

Hallo,
habe gerade Ihre "Kritik" des ungarischen Romans Der Fall des Ökonomen gelesen und die kritik vermisst; das ist nichts weiter als eine Nacherzählung, schade.
MfG
WH

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Jürgen Kiel schrieb uns am 14.02.2014
Thema: Sascha Seiler: Was liest die Welt? – USA
Die amerikanische Literatur zeigt sich in letzter Zeit wieder von ihrer innovativen Seite – wie ein Blick auf gegenwärtige Tendenzen unterstreicht

Vielen Dank für diesen klaren, konzisen Überblick. Eine Debatte à la David Shields wünschte ich mir für den deutschen Literaturbetrieb.

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Klaus Modick schrieb uns am 12.02.2014 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Lutz Hagestedt: Gebe, o Gott! daß sie wenigstens lustig wird, meine Klage
Martin Rectors Anthologie der LiteraTour Nord

Sehr geehrter Herr Prof. Hagestedt,
ich kann mich zwar gut an Gernhardts Auftrittt erinnern, zumal am Vorabend bei mir zu Hause feuchtfröhlich getagt wurde, kann mich aber nicht an eine solche Aussage von mir erinnern, die ja im Kontext auch völlig widersinnig gewesen wäre: Wie hätte ich über Eilerts Erfolg lamentieren sollen, wenn ich als Mitbegründer der Literatour Nord und als Jurymitglied selber maßgeblich daran beteiligt gewesen war, dass Eilert eingeladen wurde und den Preis bekam? Zudem galt Eilert gar nicht als Oldenburger, sondern als Frankfurter Autor, und verstand sich auch selber so. Gernhardt muss da irgendetwas falsch verstanden oder falsch wiedergegeben haben. In Ihrer Rezension müsste es also korrekt in etwa so heißen:
Robert Gernhardt behauptete später, Klaus Modick hätte geklagt ...

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Lutz Hagestedt schrieb uns am 10.02.2014 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Lutz Hagestedt: Gebe, o Gott! daß sie wenigstens lustig wird, meine Klage
Martin Rectors Anthologie der LiteraTour Nord

Lieber Herr Modick,
Gernhardt schreibt:
"Beim dritten Durchgang [scil. der LiteraTour Nord] trat auch Klaus Modick an, mit dem Roman "Der Flügel"; gestern sprach er voller Bitterkeit darüber, dass Eilert bereits den Oldenburg-Bonus abgegriffen habe, in der Nachfolge sei er - der Oldenburger - durchgefallen, auch deswegen, weil seine Lesung zu viel Erfolg gehabt habe: Das kann doch nichts sein, wenn die Leute das so gut finden..."
Soweit Gernhardt (S. 59 der Anthologie).
Herzlich grüßt Ihr Lutz Hagestedt

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Klaus Modick schrieb uns am 06.02.2014
Thema: Lutz Hagestedt: Gebe, o Gott! daß sie wenigstens lustig wird, meine Klage
Martin Rectors Anthologie der LiteraTour Nord

Lutz Hagestedt behauptet: "Klaus Modick beispielsweise klagte, dass Bernd Eilert ihm zuvorgekommen und den 'Oldenburg-Bonus abgegriffen' habe." Diese Behauptung ist nicht nur falsch, sondern schon deshalb absurd, weil ich selbst Mitglied der Jury war, die Bernd Eilert den Preis der Literatour-Nord zusprach, und ich habe auch für Eilert gestimmt. Ich wüsste gern, wie Herr Hagestedt zu seiner falschen Behauptung kommt.

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Angelika von Aufseß schrieb uns am 30.01.2014
Thema: Patrick Wichmann: Schmollwinkel und Hort von Details und Banalitäten
Michael Maar widmet sich in „Heute bedeckt und kühl“ dem Genre des Tagebuchs

Das Buch von Paul Maar habe ich mit ähnlich großem Vergnügen gelesen wie Herr Wichmann. Ich  stöbere gern in fremden Tagebüchern, schreibe selbst Tagebuch und neuerdings auch über das Tagebuchschreiben. Da MUSS es mich ärgern, wenn der lobenden Rezension nochmal fix eine Prise Entwertung beigemischt wird: "Sicher, Michael Maars Tagebuch-Hommage „Heute bedeckt und kühl“ – übrigens nach einem Eintrag von Thomas Mann – ist keine große Literatur. Letztlich ist sie nur eine skizzenartige Übersicht über verschiedenste Tagebücher und auch stilistisch mag es hier und da manchmal rumpeln..." Muss das Fähnchen der großen Literatur denn immer hochgehalten werden? Ich habe jedenfalls die Erbse unter den Daunendecken nicht bemerkt und schließe daraus, dass ich keine Prinzessin bin. Schade.

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Johanes Molitor schrieb uns am 22.01.2014
Thema: Susanne Fischer: Arno Schmidt – Sagn Se mal, könnse den eigentlich noch lesen?
Ein informeller Bericht aus der Bargfelder Arbeitstube zum 100. Geburtstag des Autors

Vielen Dank, Frau Fischer,

für Ihre gutgelaunten Klagen über den Umgang mit A.S.-Lesern oder Nicht-mehr-Lesern. Ich kann Ihnen die Schwierigkeit gut nachempfinden, bei den ewig-gleichen Fragen und Scherzen höflich zu bleiben. Sie erinnern mich an meine Mühen bei ähnlichem, wenngleich sehr profanem Fall, als ich Dutzende Male nach dem Erwerb unsres ersten Hundes hören musste: 'Sind Sie auf den Hund gekommen.'

Dennoch meine herzliche Bitte, die 'Troglodyten', zu denen ich im Grunde auch gehöre, milde zu behandeln. Immerhin ist es jedes Mal ein andrer, der fragt, und nicht einer, der immer wieder dasselbe wissen will. Und da fällt mir denn doch Arno Schmidt ein mit seinen Wiederholungen: hundertfach 'Nackt' statt 'Nacht',
tausendfach Verschreibungen wie 'HerausgebeRin' etc usw ......

Können Sie das eigentlich noch lesen?

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Frank Heibert schrieb uns am 03.01.2014
Thema: Jens Zwernemann: Unschärfen und Unsicherheiten
In den Erzählungen aus „Der Engel Esmeralda“ zeichnet Don DeLillo eine Welt ohne Sicherheiten

Lieber Jens Zwernemann,
vom Verlag erhielt ich (mit dem üblichen Rezensionenpaket) auch Ihre Besprechung "Unschärfen und Unsicherheiten". Ich mag Rezensionen mit komplexen und differenzierten Beschreibungen und Einschätzungen des Gegenstandes, und Ihr Artikel ist über weite Strecken so. Sie legen die Latte Ihrer Kriterien hoch, man merkt, es geht Ihnen um scharfes Denken und um Präzision in der Betrachtung eines so reich changierenden künstlerischen Gegenstandes wie Literatur.
Dass Sie auch Kritisches zu DeLillo und einzelnen seiner Geschichten sagen, finde ich grundsätzlich gut, und natürlich sind jedem seine Geschmacksurteile unbenommen. Trotzdem werden Sie hoffentlich nachvollziehen können, dass Sie mit dem vorletzten
Absatz Ihren eigenen Kriterien untreu werden. Sie monieren gelegentliche "sprachliche Fehlgriffe" und "abgeschmackte Lebensweisheiten" -- das ist Ihre Meinung, gern; mit der Einleitung "fraglos" setzen Sie sie allerdings absolut. Man mag es als unelegant oder vom hohen Kritikerross herab gesagt empfinden, sei's drum. Nun der Einschub "oder auch seinem Übersetzer" (es geht darum, wem es nicht gelingt, die monierten Schwächen zu vermeiden); das ist erst einmal unpräzise. Soll es heißen, beiden gelingt es nicht, die Auswahl ist da, mal so, mal so? Oder soll es heißen: Ich kann's nicht genau sagen, ob nicht vielleicht auch der Übersetzer dran schuld war, ich hab's nicht überprüft, aber sicherheitshalber sag ich mal, es muss ja nicht der Autor gewesen sein?
In ersterem Fall wünschte man sich ein Beispiel, das erkennbar übersetzerisch schwach ist. (Das folgende Beispiel ist es nicht; offensichtlich stört Sie da der Gedanke, und der stammt von DeLillo, daran kann kein Übersetzer der Welt etwas ändern.) Wenn Sie also das Erstere meinten, kriegt der Übersetzer einen beiläufigen Tritt ohne Begründung. Wenn Sie das Letztere meinten, aber erst recht -- denn der zugrundeliegende Gedanke, dass natürlich auch Übersetzer Fehler machen können, ist banal und bekannt. Wenn Sie den Gedanken nicht belegen (oder nicht belegen können, weil nicht nachgeprüft), streuen Sie beim Leser nur Misstrauen und Skepsis gegenüber der gesamten Übersetzung, und da dies die einzige Stelle ist, an der Sie die Übersetzung erwähnen, erst recht -- und das, ohne den Kasus überhaupt nachgeprüft zu haben?
Und schließlich fragt man sich natürlich, ob der Anteil an diesem Band, der Ihnen sprachlich gefallen hat, denn vielleicht auch was mit dem Übersetzer zu tun hat und erwähnenswert wäre. DeLillo ist ja nun kein Fall für Google-Translate, sondern schon anspruchsvoll. Aber so weit scheint Ihr Interesse an der Frage nicht zu gehen. Es erschöpft sich in besagtem vorsorglichem unbelegtem beiläufigem Fußtritt. Zusammen mit dem, was ich eben mit Ihrer Haltung von hohen Ansprüchen (und hohem Ross) ansprach, entsteht ein Eindruck, der Ihnen vielleicht nicht lieb ist und den Sie in Zukunft vielleicht vermeiden wollen.
Mit besten Grüßen, vielleicht höre ich ja direkt von Ihnen,
Frank Heibert (der nur im bibliografischen Block namentlich genannte Übersetzer)

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Michael Roloff schrieb uns am 05.12.2013
Thema: Max Beck: Phraseologie eines Psychoanalytikers
Tilmann Mosers Versuch einer psychoanalytischen Lektüre bekannter Romane scheitert

Allow me to comment in English and focus on one instance where Dr. Moser (an ex-author of mine, in translation, YEARS OF APPRENTICESHIP ON THE COUCH) focuses on a character in a novel: Gregor Keuschnig of DIE STUNDE DER WAHREN EMPFINDUNG. There is nothing particularly wrong nor original in categorizing this suicidally panicked character as a "border line" case - after all, Handke, induces a similar state in his reader, and the book, artistically, can be regarded, in Benjamin's words "the  work of art is the death mask of the experience.'  Handke, who makes it a point to avoid easy categorizations, does not describe or try to explain what if any origin of his state of mind - as a matter of fact, so what if Keuschnig had run around calling himself a border line case? He might have had a laugh in as much as that would have helped! Or even if he had realized that the reason he is in this state of mind, most immediately, without going  back to the the character's whatever childhood traumata, "it's because the bitch left me and now I have to take for a child." The point is, the character is wounded, as a matte of fact, Moser is eager to help the author, whose way of dealing  with a crisis, that lasted several years, was to ... write it out of his system, and not leave it on the couch! (which Handke actually sought out briefly, vide GEWICHT DER WELT). Keuschnig is unlikely to be helped if he told himself, accurately, I am suffering from a narcissistic wound, typhus of the soul let's call it, perhaps naming helps a little, but it is not the cure! Without going to the length that I did, who was Handke's first English language translator, and who knew him during that critical period,  but only subsequently trained as a psychoanalyst  who then devoted himself to "the Handke case"

http://analytic-comments.blogspot.com/2009/09/peter-hhandke-wounded-love-child.html
http://analytic-comments.blogspot.com/2009/06/fugueing-section-from-part-ii-of-psycho.html

    Dr. Moser limits himself very justly to the matter of the character in the book, but as a sensitive analyst, of course knows that the book derives from the depths of its author's being, and that the "Moment" , Keuschnig's salvation is when he realizes that he loves his child, and since children are invested with our narcissism that he doesn't detest himself completely, and that his child needs him. Fortunately, therefore, the story has a sentimental background, and I am also troubled by the reviewers weird grammatical gloominess! in the event he knows what we mean by gloomy grammarians in Amerika.

--
MICHAEL ROLOFF

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Raul Laub schrieb uns am 04.12.2013
Thema: Julia Schöll: Dekonstruktionen
Zu Yahya Elsaghes Studie über Thomas Mann und das "Deutsche"

Sehr geehrte Frau Schöll

Ich finde Ihre Rezension seltsam, aus zwei Gründen: (1) Sie behaupten, Dinge besser zu wissen als Elsaghe. Die Reichsgründung ist Ihrer Meinung nach nicht 1871 vollzogen worden, sondern hat Wurzeln in den Kriegen mit Napoleons Frankreich. Selbst wenn es so wäre, worüber man streiten könnte, kann Elsaghe für seine Arbeit über Mann sich das Datum 1871 als Zäsur wählen, ohne dass Sie ihm deshalb einen Fehler vorwerfen könnten. (2) Die größtmögliche Distanz, die sie Elsaghe attestieren, scheint Ihnen ein falscher Zugang zu Mann. Ich finde ihn wissenschaftlich angemessenen und produktiv.

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Jerome Vilm schrieb uns am 24.11.2013 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Rolf Löchel: Wo der Wurm drin ist
Frank Schätzings nur an Umfang gewichtiger Wissenschaftsroman "Der Schwarm"

1. Was ist falsch daran, einen geisteswissenschaftlichen Standpunkt einzunehmen? Schliesslich erhebt dieses Buch den Anspruch Literatur zu sein. Wieso sollte man nicht auf Qualität bestehen? Sonst denken die Leute noch, es gäbe keinen Unterschied zwischen Thomas Mann und Schätzing.

2. Wer glaubt dieses Buch sei gut, sollte unbedingt Fred Hoyle's "The Black Cloud" lesen. Es ist dasselbe, nur meisterhaft geschrieben. Vergleicht zuerst, redet danach!

3. Was mich bei Schätzing geärgert hat:
-Dialoge und Klischees wie in einem Rosamunde Pilcher Film. Ok, es ist ein Unterhaltungsroman, aber wieso müssen diese schlecht geschrieben sein? Dass dies einem weniger belesenem Menschen nicht auffällt, ändert nichts
an der Tatsache dass es so ist! Ihr habt Besseres verdient.
-Die Art und Weise wie Spannung erzeugt wird: Immer dasselbe...kurz vor dem Höhepunkt ist das Kapitel zu Ende und man wird durch einen Szenwechsel auf die Folter gespannt. Ein guter Autor benutzt dieses Mittel vielleicht ein Mal, aber nicht systematisch.
-Die Fäkalsprache: Sollten Bücher nicht zum Besseren erziehen?

4. Ich gönne allen Leuten, die Freude an dem Buch hatten, ihre positive Erfahrung. Aber denkt an Werke, die ihr in eurer Kindheit gut gefunden habt und später nicht mehr. Um bessere Kunstwerke geniessen zu können, muss man Kritiken offen entgegennehmen.

5. Wieso ich dann das Buch zu Ende gelesen habe? Weil die Grundidee gut ist, die Ausführung leider nicht.

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Roland Girtler schrieb uns am 17.11.2013
Thema: Dirk Kaesler: Wenig Max Weber, sehr viel Roland Girtler
Der Wiener Randkulturforscher erinnert sich an sich selbst

Replik auf Dirk Käslers Kritik an meinem Buch „Max Weber in Wien“- Lit-Verlag
Auch  Herr Käsler irrt sich !

Dirk Käsler ist ein Kollege, mit dem mich seit unserer gemeinsamen Arbeit am Institut für Soziologie der Universität München freundschaftliche Beziehungen verbinden.
Herr Käsler,  der Max Weber-Spezialist,  bezeichnet in seiner Kritik mein Buch u.a. als „Machwerk“. Dazu gestatte ich mir ein paar Bemerkungen:
1. In meinem Buch versuche ich, den Aufenthalt Max Webers in Wien im Sommersemester 1918 zu beschreiben. Er wohnte in dieser Zeit in der Pension Baltic im 8. Bezirk Wiens in der Skodagasse, die in die Alserstraße  einmündet.  Max Weber schwärmt
von dieser Pension und von der Gegend, in der er wohnt.  
2. Schräg gegenüber dieser Pension stand früher das Gasthaus „Zum Goldenen Hirschen“ (Alserstraße 33). Dieses Gasthaus wurde um 1970 umgebaut, aus ihm wurde das Institut für Soziologie, es blieb dort bis 2002, ehe es übersiedelt wurde.  
3. Ich glaube, es gibt so etwas wie einen „Genius Loci“ , also einen „Geist“, der typisch für Wien und vor allem für den 8. Bezirk Wiens ist, der an das Universitätsviertel anschließt.  Ich fand es daher sehr spannend, dem Leben des Soziologen Max Webers in Wien im Jahre 1918 nachzuspüren und ebenso das Leben am früheren Institut für Soziologie einige Jahrzehnte danach zu beschreiben, und beides miteinander zu verquicken.
4. Herr Käsler meint,  in meinem Buch wäre nicht viel Neues über Max Weber in Wien zu lesen. Er hätte sehen müssen, dass ich einige neue Perspektiven für die Weber-Forschung einbringe. So ist neu in meinem Buch u.a. die genaue (!) Beschreibung der Pension Baltic, in der Max Weber gewohnt hat. Ich suchte die Pension auf, ließ mir einige Zimmer zeigen, die dem Zimmer, das Max  Weber beschrieben hat, gleichen. Ich machte Fotos vom Garten, in den Max Weber mit Freude gesehen hat, und u.a. auch vom Stiegenhaus der Pension, das sich seit 1919 nicht verändert haben dürfte.
5. Auch habe ich Dokumente, die sich auf Max Weber beziehen und die in meinem Buch wiedergegeben werden, als erster im Staatsarchiv aufgefunden und ausgehoben.
6. Das Wirtshaus „Zum Goldenen Hirschen“, an dessen Stelle später das Institut für Soziologie wurde,  war zur Zeit Max Webers ein beliebtes Gasthaus. In diesem Wirtshaus waren bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts oft Studenten, darunter ich, zu Gast. Ich bin mir sicher, dass auch Max Weber – er besuchte gerne mit Studenten Gasthäuser, wie seine Frau schreibt -  manchmal im „Goldenen Hirschen“ sein Bier mit Studenten getrunken hat, zumal er gegenüber wohnte.  Herr Käsler widerspricht dem und meint, es wäre ein anderes Gasthaus gewesen, nämlich das zum „Silbernen Brunnen“.  Ich habe nie bestritten, dass Weber auch dieses Gasthaus aufgesucht hat. Ich glaube lediglich, dass er ebenso im „Goldenen Hirschen“ war.    Freilich hat Herr Käsler recht, wenn er meint, der „Goldene Hirsch“  sei nicht das Gasthaus „Silberner Brunnen“.  Ich werde in einer allfälligen Neuauflage des Buches dies klar stellen.    
7. Herr Käsler irrt, wenn er meint, das Haus Bergasse 5 mit dem Gasthaus zum „Silbernen Brunnen“  gehöre wie die Pension Baltic zur Josefstadt, dem 8. Wiener Gemeindebezirk. Tatsächlich gehört die Berggasse nicht zum 8., sondern zum 9. Bezirk, dem „Alsergrund“.
8. Schließlich gehe ich mit dem Hinweis auf Webers Freude am Biergenuss  auf alte studentische Bierrituale ein, die Max Weber, er war Heidelberger Burschenschafter,  geübt hat. So weit ich weiß, sind diese noch von keinem Max Weber-Spezialisten analysiert worden, zumindest nicht genau.  Ein Ritual, das Max Weber großen Spaß gemacht haben dürfte, ist des „Brummen eines Bierjungen“, eine Aktion, die zu einem „Bierduell“ führt.  Max Weber hat einige dieser Bierduelle gewonnen.
9. Auch die Verwendung des Wortes „Hundsfott“ bei Max Weber wird in der diversen Literatur über Max Weber nicht interpretiert. Ich habe versucht, darzutun , dass das Wort „Hundsfott“ im so genannten „Landesvater“, wie er in Studentenverbindungen „gestochen wird“, vorkommt. Es heißt da: „Solange wir uns kennen, wollen wir uns Bruder nennen, ein Hundsfott, der dich schimpfen sollt“.                      
10. Ebenso habe ich Max Webers Beziehung zum Duell etwas näher beleuchtet, als es sonst in der Literatur über Max Weber, einen Duellanhänger,  üblich ist. Auch ich habe einen Studenten, der mich beleidigt hat, zu einem Duell gefordert, nämlich auf eines mit Fahrrädern.
11. In aller Bescheidenheit meine ich, dass mir mit meinem Büchlein eine interessante Verbindung zwischen Max Weber, dem alten Gasthaus und  dem früheren Institut für Soziologie gelungen ist.  

                  In Verehrung

                                 Roland Girtler

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BarbaraSperr schrieb uns am 09.11.2013
Thema: Bernd Nitzschke: Sag mir, wo die Blumenkinder sind. Wo sind sie geblieben?
Karl Maria Brandauer spielt in Antonin Svobodas Film über Wilhelm Reich endlich den Mann, in den er sich schon in den 1960er Jahren verknallte

Sehr geehrter Herr Nitzschke,
ich lese gern was Sie schreiben, als politisch engagierte Kollegin. Aber Ihrer euphorischen Darstellung von Reich muss ich widersprechen. Um es überspitzt zu sagen - Das Gegenteil von etwas ist nicht unbedingt die Wahrheit. Und: Reich ist nicht Snowdon, da tun Sie Snowdon Unrecht.
Reichs Übergriffe, sein Missbrauch von Patientinnen ist unethisch.
Mit kollegialen Grüßen
Barbara Sperr

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Bernd A. Laska schrieb uns am 29.10.2013
Thema: Gunnar Kaiser: Es ist möglich
Zu Antonin Svobodas Film über Wilhelm Reich

Die Rezension ist gut gemeint, sehr gut gemeint, aber...  Schade!

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Benedikt Zeller schrieb uns am 23.10.2013
Thema: Michael Kurzmeier: Die Eiswüste der Großstadt
Im Roman „Nicht im Traum“ von Robert Kleindienst gelingt es nicht, beide Handlungsorte glaubhaft zu verbinden

In Michael Kurzmeiers Kritik „Die Eiswüste der Großstadt“ wird über ein Werk gesprochen, das den tragischen Verlust eines geliebten Menschen und die Unmöglichkeit des Wiedereintritts in einen verlorenen Raum, eine verlorene Zeit mit all ihren zum Teil gravierenden Auswirkungen auf den Protagonisten Simon Selander thematisiert.

Gleich zu Beginn der Kritik befindet Kurzmeier, dass es sich bei Kleindiensts Roman um keinen Roman handelt und schlägt  stattdessen – da es sich seines Urteils nach um einen unscheinbaren, langweiligen Text handelt – die Einordnung in die literarische Gattung Erzählung oder Novelle vor, was bei immerhin 224 Buchseiten doch ein wenig fragwürdig erscheint. Aber schon sind wir bei den Adjektiven angelangt: Es
sollte einem Literaturkritiker eigentlich klar sein, dass nichtssagende Füllwörter wie „langweilig“ oder „schlecht“ über die Qualität eines Werkes bei kritischer Betrachtung nichts aussagen sowie keinen nachvollziehbaren Informationsgehalt vermitteln. Solche Adjektive finden sich jedoch mehrfach in Kurzmeiers Kritik, wenn etwa die Rede ist von einer schlechten Erzählweise, schlechten und langweiligen Kapiteln des Mittelteils, schlechter Figurenzeichnung, einem langweiligen Text usw. Eine differenziertere Herangehensweise an einen Text wäre durchaus wünschenswert. Darüber hinaus verabsäumt es Kurzmeier auch, die für ihn langweilig oder schlechten Passagen, die seiner Kritik zufolge den Roman dominieren, inhaltlich zu belegen. Zwar zitiert er etwa zwei im Roman kurz aufeinanderfolgende Satzteile, die seiner Meinung nach „unfreiwillig komisch“ wirken (nämlich wie Selander auf der Toilette „einen Harnstrahl entfernt“ von seinem größten Feind Steiner steht und nach Nerv tötendem Warten schließlich „das erlösende Rauschen der Spülung“ hört) und unterstellt damit dem Autor, eine gewisse Willfährigkeit an den Tag zu legen. Allerdings lassen sich diese (für den Roman genau genommen redundanten Stellen) auch einfach nur als vom Autor komisch intendiert und damit durchaus beabsichtigt gewählt lesen.

Die Personen im Roman werden von Kurzmeier als „unglaubwürdige, klischierte Charaktere“ abgekanzelt, als „Sammelsurium der Flachen (sic!) und unoriginellen Figuren. Nicht genug damit – diese „schlechte Figurenzeichnung verhindert auch konsequent jegliche Atmosphäre oder gar Spannung in der Erzählung“. Zitate, die Kurzmeiers Kritik greifbar machen würden, fehlen auch diesmal. Weshalb die Personen im Roman – etwa Selanders Schwester, die als Eisbärenforscherin in Spitzbergen lebt und arbeitet oder Selanders Freundin Helen, die sich dem Protagonisten mehrmals vergeblich zu nähern versucht - für Kurzmeier unglaubwürdig sind und dem Klischee entsprechen (nämlich welchem?), lässt der Kritiker unausgesprochen.

Laut Kurzmeier ignoriert der Autor vollständig, welchen „komplexen Gefühlen sich Selander nach einer solchen Tat“ – also der geleisteten Sterbehilfe seiner todkranken Frau - zu stellen hat. Das irritiert: Handelt doch eben der Roman bei genauer Leseweise davon, dass Selanders Leben aus den Fugen geraten ist, er während des gesamten Romans in Traumwelten abgleitet (etwa gleich im zweiten Kapitel, wo er – wohl in Analogie zu Orhpeus und Eurydike – einer/seiner Frau in die Gruft folgt), weiter davon, wie er mit dem Tod seiner Frau umgeht, Beruhigungsmittel und Antidepressiva schluckt, unter Albträumen und Absenzen leidet, sich das Weiß der Schneelandschaft als Weiß des Krankenhauszimmers und schließlich der Sterberaums lesen lässt und selbst das Schlafwandeln als Ausdruck einer inneren Zerrissenheit deutbar ist.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass in Kurzmeiers Kritik die positiven Seiten des Romans leider viel zu kurz kommen, diese allerdings keinesfalls die vielen und nicht immer nachvollziehbaren Mängel der Kritik kompensieren könnten.

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