Leserbriefe

Leserbrief-Archiv

Leserbriefe seit 2003

Wenn Sie einen Leserbrief zu einem unserer Artikel schreiben wollen, klicken Sie bitte unter diesem Artikel "Leserbrief schreiben" an. Leserbrief und Artikel werden dann miteinander verlinkt. Um einen Leserbrief zu schreiben, der sich nicht auf einen bestimmten Artikel bezieht, verwenden Sie bitte dieses Formular.


Dr. Uwe Schweikert schrieb uns am 26.04.2016
Thema: Heribert Hoven: Döblin dekonstruiert Shakespeare
Über eine Neuauflage von „Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende“

Herr Hoven schreibt, Döblin habe erst lange nach seinem Tod (er starb 1957) im S. Fischer Verlag eine Gesamtausgabe erhalten. Das trifft nicht zu. Bereits seit 1960 erschien eine bis 2007 auf insgesamt 36 Bände (z.T. in mehreren verbesserten Auflagen) angewachsene Gesamtausgabe im Walter Verlag. In den 1990er Jahren erschienen fast alle dieser Bände auch als Taschenbuch bei dtv. Erst seit dem Rückkauf der Rechte im Jahr 2008 wird die Gesamtausgabe bei Fischer weitergeführt. Wer für sich in Anspruch nimmt, über Döblin in "literaturkritik.de" zu schreiben, sollte dies wissen.

Antwort schreiben

Lothar Struck schrieb uns am 19.04.2016
Thema: Yvette Rode: Eine Nachwuchsautorin mit Sinn für Humor und Sarkasmus
Porträt der Autorin Ronja von Rönne anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütromans „Wir kommen“

Pardon, aber dieser Text hat mit Literaturkritik nichts zu tun. Er ist maximal Public Relations und das noch nicht einmal gekonnt. "Um mehr über von Rönnes Debütroman, ihre Schreibmotivation und ihre Leidenschaft fürs Schreiben zu erfahren, habe ich mit ihr ein Interview geführt", heißt es im Text. Im übernächsten Satz steht dann schon: "Obwohl von Rönne nicht zu viel über ihren Roman erzählt...". Um mehr über den Roman zu erfahren, hätte es einzig der Lektüre bedurft. Stattdessen wird man mit Eindrücken und Auszügen von Verlagstexten konfrontiert. Sind für solche Texte nicht andere Medien geeigneter?  Vielleicht die "Bunte" (der Franz Xaver Kroetz neulich auch schon ein Interview gegeben hatte)? Am Ende wird es noch peinlicher und erinnert dann eher an "Bravo": "Außerdem wird deutlich, wie wichtig ihr ihre Fans sind. Wer regelmäßig ihren Blog und ihre Facebookseite besucht, weiß, dass von Rönne der Kontakt zu ihren Fans wichtig ist." Fazit: Dieser Beitrag gehört nicht auf eine Seite wie literaturkritik.de.

Antwort schreiben

Jan lukas Häberle schrieb uns am 05.04.2016
Thema: Sandra Friehlinghaus: Der unsichtbare Sinn des Romans
Robert Gwisdeks erster Roman „Der unsichtbare Apfel“ verwirrt seine Leser mit Kreisen und Dreiecken

Guten Tag,
Ich habe das Buch: der unsichtbare Apfel gelesen und glaube, sie haben da andere Perspektiven ausser acht gelassen. Mir persönlich war anfangs auch alles unklar, doch man lernt erst beim 2ten ider 3ten mal durchlesen die wirkliche psyche und die wirklichen emotionen. Der charm des Buches zeigt sich auch darin, dass man zum einen, immer wieder vor neue rätsel geführt wird, die, anders als sie meinen, lösbar sind, und zum anderen, dass man immer wieder kleine geheimnisse herausfindet, zum beispiel versteht man igors ersten kontakt mit dem kreis nicht, da er ab der mitte anfängt, rückwärts zu laufen. Meiner Meinung nach ist dieses Buch auf jeden Fall einen Blick wert und den Autor aufgrund seiner Famosität zu diskriminieren halte ich
für grotesk und inprofessionell.

Antwort schreiben

K. Franz schrieb uns am 23.03.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Dirk Kaesler: Fortschreitende Bürokratisierung
Max Webers Studien "Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Altertums" in mustergültiger Edition erschienen

Ja, solche Buchpreise, die sich nur einige wenige Bibliotheken leisten können (oder müssen), verhindern erfolgreich die Verbreitung interessanter und verdienstvoller wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in einer größeren Öffentlichkeit. Gut, dass es Zeitschriften wie literaturkritik.de gibt, die genau das Gegenteil wollen!

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben

Dr.Wilfried Tröder schrieb uns am 23.03.2016
Thema: Dirk Kaesler: Fortschreitende Bürokratisierung
Max Webers Studien "Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Altertums" in mustergültiger Edition erschienen

Wer soll denn so ein Buch für diesen Wucherpreis kaufen, egal, wie klug es geschrieben sein mag!
Dr. Wilfried Tröder, Bonn

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben

Venanz Nobel schrieb uns am 22.03.2016
Thema: Galina Hristeva: Wider die Barbarei früherer Zeiten
Christian Wilhelm Dohm über Flüchtlinge, Juden, Deutsche und die Glückseligkeit im Staat

Brav wird das Zitat in Anführungszeichen gesetzt, dass Juden „keine rohe und verwilderte Zigeuner, keine unwissende und ungesittete Flüchtlinge“ seien. Doch ist es wohldurchdacht, im Jahre 2016 daraus schon im nächsten Satz ganz ohne Ironie oder Reflektion zu folgern, das sei «Dohms gut durchdachtes und rhetorisch klug präsentiertes Projekt zur Integration der Juden»? Fusst also die Integration der Juden auf der Verwilderung der Zigeuner?

Antwort schreiben

Irene Ittekkot schrieb uns am 21.03.2016
Thema: Sascha Seiler: Glauben und Flucht
In „Unorthodox“ beschreibt Deborah Feldman ihr Leben als chassidische Jüdin und die Flucht vor den religiösen Fesseln

Als Ergänzung zu dem hier rezensierten Buch "Unorthodox" wäre das Buch "All who go not return" von Shulem Deen nachdrücklich zu empfehlen (leider noch nicht ins Deutsche übersetzt). Deen stammt ebenfalls aus einer chassidischen Gemeinschaft in Williamsburg und beschreibt uneitel und unpolemisch sein eingeschränktes Leben dort und seinen langsamen Lösungsprozess. Eine leise Trauer über den Verlust der Gemeinschaft und der Familie ist durchaus zu spüren, aber in erster Linie die Freude an der Befreiung aus der anerzogenen Unmündigkeit.

Antwort schreiben

Gudrun Gerber schrieb uns am 06.03.2016
Thema: Hans-Harald Müller: „Gib dem Herrn die Hand, er ist ein Flüchtling“
Zum Tod von Hans-Albert Walter (1935–2016)

Seit fast 40 Jahren gehören die vier Bände Exilliteratur von Hans-Albert Walter zu den am häufigsten "begriffenen" und benutzten Büchern meiner Bibliothek. Regelmässig schaute ich voller Erwartung, und in letzter Zeit mit Herzklopfen, ob der noch ausstehende Band 1,2 erschienen war. So war es auch heute. Noch ganz vertieft in das Kapitel "Trugbilder-Die geleugnete Niederlage", erfahre ich vom Tod von Hans-Albert Walter. Ich bin bestürzt und traurig und weiss nicht, wie ich meine Wertschätzung, Hochachtung und Bewunderung angemessen ausdrücken könnte.
Gudrun Gerber

Antwort schreiben

Karl Tantau schrieb uns am 22.02.2016
Thema: Jan Süselbeck: Die Chiffre der planetarischen Technik
Keine Stunde Null in Todtnauberg: Soziologische Studien helfen dabei, die antisemitischen Symbole der ‚Seyns‘-Philosophie Martin Heideggers zu entschlüsseln

Eine ganz kurze Suche im Internet führte mich zu Hans Blumenberg, „Beschreibung des Menschen“, stw 2091, Frankfurt 2014, aber bei Suhrkamp schon 2006 erschienen. Blumenberg schreibt auf S. 18/19: „Im Juni 1931 spricht Husserl auf seiner ersten und voraussichtlich einzigen Vortragsreise in Deutschland über Frankfurt und Berlin nach Halle zum Thema ‚Phänomenologie und Anthropologie‘. Damit unternahm er eine verzweifelte und bis zur Erschöpfung gehende Anstrengung, der größten Gefährdung entgegen zu treten, die bis dahin seiner Phänomenologie erwachsen war. Er sah sie in einer sich auf den phänomenologischen Ansatz berufenden Philosophischen Anthropologie. Man erwartete wohl allerorts, dass er sich der endogenen Veränderung seines Konzeptes von Philosophie nun entgegen werfen würde. Anders ist nicht zu erklären, dass in Berlin nicht weniger als 1600 Zuhörer ins Auditorium Maximum strebten. Der Berliner Börsen-Courier vom 12. Juni 1931 überschreibt seinen Bericht in jeder Hinsicht hyperbolisch: ‚2500 Philosophen in der Universität.‘ Das Berliner Tageblatt vom 11. Juni spricht von Scharen von Zuhörern, die umkehren mußten, und begründet eine makabre Fama späterer Zeiten über den Sportpalast mit dem journalistischen Schlenker, mit diesem Philosophen hätte man tatsächlich einmal den Sportpalast füllen können . Dorthin muss die Erinnerung Husserl also nicht versetzen.“ Natürlich verstößt Süselbeck gegen die Warnung Blumenbergs „Husserl dorthin nicht zu versetzen“. Soviel zu der „laut Hachmeister selbstredend erfundenen, von Heidegger halluzinierten Sportpalastrede". Ich habe nicht mehr getan, als bei Google Sportpalastrede und Husserl einzugeben, aber ein sorgfältiger Rechercheur wie Hachmeister und sein gläubiger Adept Süselbeck brauchen halt Argumente für den schlechten Charakter Heideggers. Es gibt noch viele, viele solche Stellen in den beiden Süselbeck-Artikeln über die schwarzen Heft. Vielleicht teil ich ab und zu noch mehr mit.
Mit freundlichen Grüßen Karl Tantau

Antwort schreiben

Klaus Müller-Salget schrieb uns am 31.01.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

Klaus Müller-Salget: Einige Klarstellungen

Zu 1. Dass Frisch ein 'verfemter Autor' sei, habe ich nicht behauptet; von erheblichen Ressentiments war die Rede. Man frage die Fachleute.

Zu 2. Mein Vorwurf bezog sich auf die (auch hier wieder verschwiegene) fast hundertprozentige Identität von Elsaghes "Epilog" und seinem Beitrag zu Kortes "Text + Kritik"-Heft, - auf die weder hier noch dort hingewiesen wird.

Zu 3. Was in Fabers Brief an Marcel steht, ergibt sich aus den auf "Marcel hat recht:" folgenden Zeilen. Die angebliche nachträgliche Autorisierung der Amerika-Schelte in den Athener Aufzeichnungen ("'19. Juli' ff.") würde genauso den Widerruf betreffen ("weil
unsachlich").

Zu 4. Dass die Bezüge auf Oedipus den Inzest Faber-Sabeth "rechtfertigen" (Elsaghe, S. 252), bleibt indiskutabel.

Zu 5. Dass Stiller seine Nichtidentität mit Jim White eingesteht und die Geschichte nur erzählt, weil er angeblich "genau das gleiche" erlebt hat (was ja nur im übertragenen Sinne verstanden werden kann), entzieht der Identifizierung des 'anderen Jim' mit dem historischen "Mexican boy" den Boden. (Auch ist dieser 15jährige den Berichten zufolge nicht in der Höhle umgekommen.)

Zu 6. Zunächst wieder eine Zitatverkürzung; mein Satz lautet: "'Andorra' ist kein Stück über den Holocaust und kein Stück über den Antisemitismus, sondern ein Stück über kollektive Vorurteile." (was anschließend begründet und problematisiert wird). - Meine Überlegungen zu den Problemen der Barblin-Handlung füllen im Original zwei Seiten; Elsaghe zitiert nur eine (in dieser Form unbegründete) Schlussfolgerung, um den Eindruck zu erwecken, ich sagte Barblin nach, "dass sie 'offenbar' doch nichts dagegen habe, von dem stinkigen Soldaten penetriert zu werden" (so in der Replik). Das Vergnügen an solchen Formulierungen überlasse ich gerne Herrn Elsaghe. - Mit "Zitataufblähungen" waren Elsaghes Interpolationen in Frisch-Zitate gemeint, z.B. über den Soldaten: "Peider stinkt, 'wie ein Bock' sozusagen" (Elsaghe, S. 143).

Zu 7. Die Figur Cortez wird in "Cortez und Montezuma" systematisch abgebaut, was Rohner verschweigt.

Zu 8. Meine Mutmaßungen über den erratisch auftretenden Namen "Johanna" datieren aus einer Zeit, als ich die korrekte Lesart im Typoskript noch nicht kannte. Sie sind hinfällig.

Zu 9. Meine Frage wird nicht beantwortet.

Zu 10. Meine Berufung auf Wahrheit erhebt keinen monopolistischen Anspruch, sondern richtet sich lediglich gegen die Verfahrensweisen des Berner Ordinarius. Ich bin nicht pikiert, sondern entsetzt über seinen Umgang mit Texten.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (4)Antwort schreiben

Dr. Andreas Graf schrieb uns am 30.01.2016
Thema: Martin Lowsky: Glücklicher Vater, glücklicher Sohn
Über Hanns-Josef Ortheils Reiseroman „Die Berlinreise“

Lieber Martin,
vielen Dank für deine wunderbare Rezension dieses Ortheil-Buches, das ich für ein großartiges und einmaliges Wunder- und Kunstwerk halte. Vieles ließe sich darüber sagen. Ich möchte hier aber auf die Authentizitätsfrage eingehen, da sie bei diesem Buch tatsächlich sehr nahe liegt. Sie wird ja schon durch das Vorwart, das die Echtheit bekundet und weitergehende Eingriffe des erwachsenen Autors von sich weist, angesprochen. Herausgeberfiktionen haben in der deutschen Literatur ein lange Tradition, man muss da nicht erst auf "Werther" zurückgreifen. Insofern ist die Frage, ob es sich bei dem angesprochenen Vorwort Ortheils nicht um eine solche handeln könnte, bei einem quasi-autobiographischen
"Roman"(?) geradezu schon immanent angelegt.
Was du aber zu dieser Frage im drittletzten Abschnitt deiner Rezension schreibst, kann so nicht stehen bleiben. Um es deutlich zu sagen: Alle Argumente, die dort vorgetragen werden, sind in keiner Weise stichhaltig. Keine der angestellten Überlegungen ist dazu angetan, die Frage nach der Fiktionalität oder Nichtfiktionalität einer Klärung zuzuführen. Warum?
Der letzte Satz des Absatzes beruht auf einem Missverständnis: Denn selbstverständlich ist das Buch lektoriert worden - nur käme kein Lektor auf die Idee, gelungene und authentische kindersprachliche Wendungen, die eben genau diejenige Authentizität garantieren,die ein fiktionalisierender Erzähler anstrebt, einfach besserwisserisch zu streichen bzw. in Erwachsenensprache zu verwandeln. Das wäre zu einfach gedacht.
Jeder gewiefte Autor - und Ortheil hatte schon über ein Dutzend Romane publiziert, bevor er sich das 12-Jährigen-Tagebuch vornahm, war also ein so was von gewiefter Autor - würde natürlich, wenn es denn eine Vorlage gibt, die bearbeitungswürdig und -fähig ist - genau diese Echtheits-merkmale schätzen und vorsichtig pflegen. Alles andere, scheint mir, wäre vollkommen unsinnig - vor allem, wenn man, wie gesagt, ein solches Vorwort dazu verfasst.
Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass, wenn das Original des 12-Jährigen denn existiert, der erwachsene Ortheil daran fiktionalisierende Manipulationen vorgenommen hat, etwa um die Geschichte dichter, historisch klarer oder auch weniger naiv zu machen. Aber natürlich würden diese Manipulationen das "kindliche" Element nicht ausschalten, sondern im Gegenteil subtil und möglichst raffiniert und gekonnt unterstützen bzw. untermauern. Kurz gesagt: Ich denke nicht, dass man die Fiktionalitätsfrage mit werkimmanenten oder anderen Überlegungen klären kann. Man müsste bei Gelegenheit, vielleicht im kleinen Kreis, mal Ortheil persönlich fragen. Aber ob er dann, als Autor, seine Autorenkniffe öffentlich ausbreitet? Wer weiß das schon...
Mit freundlichem Gruß,
Andreas Graf, Köln

Antwort schreiben

Pauline schrieb uns am 11.01.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Roman Kern: Sozialkitsch
Es kostet Überwindung, Mankells Hörstück "Zeit im Dunkeln" durchzustehen

Ich find die ürprüngliche Rezension sehr gut, da sie meiner Meinung exakt das wiedergibt, was im Buch erzählt wird. Es ist nun mal sehr langweilig und schleppend, und wenn das so von Mankell gewollt war, sehr gut beschrieben, aber es ist das schlecheste Buch, was ich je gelesen habe.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben

Matthias schrieb uns am 10.01.2016
Thema: Markus Engelns: Der Klassiker
Ein erster von drei verschiedenen Zugängen zu „Batman“

Batman-Year One ist Mazzuchellis letzte Arbeit an Superhelden & die einzige für DC, nicht aber die einzige überhaupt. Für Marvel hatte er als Fill in Artist angefangen, daraufhin den Daredevilrun übernommen, um dann mit Daredevil-Born Again seine Zeit bei Marvel zu beenden.

Antwort schreiben

Fida Elisabeth schrieb uns am 30.12.2015
Thema: Björn Bertrams: Ein Buch zu viel
David Foenkinos liefert einen rundum misslungenen Roman über Charlotte Salomon und heimst damit Preise in Frankreich ein

Ich kann Ihrem schlechten Urteil über David Foenkinos nichts abgewinnen. NEIN, bin überrascht, solch schlechte Kritik zu diesem fabelhaften Buch, das mich über 2 Tage in seinem Bann hatte, zu lesen! Ich hingegen fühle beim Lesen dieser knappen, klaren Zeilen die Energie, die in Charlotte Salomons Leben vorherrschte. Ihren Drang, alles Wichtige in ihrem Leben zu Papier zu bringen - und das unter emormem Druck, der auf ihr gelastet haben muss. Zeitdruck. Ich war gefesselt, bin noch immer hingerissen und habe das Gefühl,Foenkinos hat sich hier vollkommen eingelassen. Respekt!!!

Antwort schreiben

Armin Trus schrieb uns am 20.12.2015
Thema: Hans-Joachim Hahn: Auschwitz ohne Folgen
Philologische Sandkastenspiele: Andreas Meier verteidigt Martin Walsers Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit

Es dürfte der Redaktion bei Auswahl des Rezensenten sicher bekannt gewesen sein, dass Herr Hahn den seinerzeit (1965) im Kursbuch erschienenen Artikel "Unser Auschwitz" von Martin Walser in seinem Buch "Repräsentationen des Holocaust" auf eine höchst eigenwillige Weise gedeutet hat. Hahn (hierin ähnlich wie Matthias Lorenz) versuchte schon 2005 gar nicht erst, das eigentliche Anliegen Walsers - hier: das Unbehagen an der justitiellen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit - zu erkunden, - nein, er legte sich Walsers Text(e) derart zurecht, dass es ihm passt und dass herauskommt, was herauskommen soll: Walser als Verdrängungsapostel, wie er im Buche steht.
Mir stellt sich indes die Frage: Muss eine Redaktion, die etwas auf
sich hält, einem derlei Ausgerichteten die Rezension eines Buches anvertrauen, dessen Anliegen es ist, für wohlverstandene Aufklärung zu sorgen.

Antwort schreiben

Dillinger schrieb uns am 17.12.2015
Thema: Patrick Wichmann: Kaum mehr als ein Steinbruch
Johannes Dillinger trägt Material zur „Uchronie“ zusammen

Man sollte als Autor eigentlich nicht auf Rezensionen antworten. Wenn sie aber von derartig geringer Qualität sind, muss man reagieren.
Der Herr Rezensent scheint wie ein schlechter Student wesentliche Teile des Buches, nämlich die Einleitungskapitel und den Schluss, nicht gelesen zu haben. So erklärt sich, dass er die Fragestellung und Zielsetzung des Buches so völlig missversteht. Es geht mir keineswegs darum zu belegen, dass Uchronie nützlich ist, wie der Rezensent unterstellt. Ziel des Buches ist eine Geschichte der Uchronie. Ich frage, wie uchronische Gedankenspiele in der Vergangenheit genutzt wurden. Aus dieser Rückschau ziehe ich am Ende u.a. den Schluss, dass Uchronie, wenn sie sorgfältig auf eine genau überlegte Fragestellung
angewandt wird, in der Geschichtswissenschaft methodisch sinnvoll eingesetzt werden kann.
Das Buch ist der erste große Überblick über Uchronie von den Anfängen bis zur Gegenwart in Geschichtswissenschaft, Belletristik, Film und Design. Der Rezensent ist überfordert von der Fülle des Materials, die das Buch bietet. Er hält das Buch für unstrukturiert, da er die strikte Einteilung in große Kapitel und Unterkapitel übersieht. Das ist erstaunlich: Man kann das im Inhaltsverzeichnis nachlesen. Aus seiner eigenen wirren Lektüre entsteht beim Rezensenten offenbar auch der Eindruck, dass nicht klar zwischen Geschichtswissenschaft und Belletristik unterschieden wird. Das sind nun aber die Themen der ersten beiden großen Kapitel, die separat besprochen werden. Bei der oberflächlichen Lektüre entgehen dem Rezensenten die vielfältigen Erläuterungen zu den chronologischen Abläufen, dem historischen Kontext und den inneren Zusammenhängen in jedem dieser Kapitel. Einige Kernargumente z.B. über den Interrelationen zwischen Uchronie und Krisenerleben, Uchronie und Ideologiekritik, Uchronie und Aufklärung entgehen dem Rezensenten. Daher ist seine Behauptung, dass das Buch keine Schlüsse aus seinem Material ziehe, auch schlicht falsch. Das Schlusskapitel hätte Verständnishilfen für sehr eilige Leser wie den Rezensenten geboten. Ebenso unzutreffend ist die Unterstellung, die Ursprünge von uchronischen Gedanken würden nicht untersucht. Sie befremdet, da der Rezensent ja selbst einräumen muss, dass das Buch das Phänomen von den Anfängen der Geschichtswissenschaft an verfolgt. Die Motive einzelner Autoren – seien sie Belletristen oder Historiker – für den Beschäftigung mit Uchronie gibt das Buch immer wieder konkret an.
Was wäre geschehen, wenn der Rezensent das Buch sorgfältiger gelesen hätte? Das uchronische Argument, dass die Rezension dann von besserer Qualität gewesen wäre, ist plausibel.
Johannes Dillinger

Antwort schreiben

Alexander Nitzberg schrieb uns am 15.12.2015
Thema: Jörg Auberg: Logistiker des Terrors
In seinem Roman „Das Fahle Pferd“ stilisiert sich Boris Sawinkow als professioneller Techniker der terroristischen Gewalt

Im Roman ist und bleibt George vollkommen autark. Natürlich trifft er sich regelmäßig mit einem Vertreter vom "Komitee", aber entscheidend ist doch, daß er konsequent sämtliche seiner Forderungen verweigert! Er gibt ihm unzweideutig zu verstehen: Ich führe meinen eigenen Kampf und lasse mir von niemandem etwas vorschreiben. Der "technische" oder gar "unternehmerische" Aspekts des Terrors läßt sich im Text des Romans an keiner einzigen Stelle belegen. Er stammt aus dem Nachwort von Jörg Baberowski, welches gerade deshalb so fragwürdig ist. "Unternehmer" impliziert vor allem auch finanziellen Profit, etwas, das dem Ich-Erzähler George zutiefst fremd ist. Zuletzt der Vorwurf des "antisemitischen" Blicks auf die Geheimdienstspitzel. Dieser Vorwurf ist absurd: Zahllose enge Freunde (z. B. Ilja Ehrenburg) und Kampfgenossen Sawinkows waren bekennende Juden. Fast die gesamte Parteispitze der Sozialrevolutionäre bestand aus Juden (Asef, Gerschuni, Gotz etc.), die Mitstreiterin Dora Brilliant (die im Roman als "Erna" vorkommt)war Jüdin. In vielen seiner politischen Schriften engagiert sich Sawinkow ausdrücklich gegen den Antisemitismus und verurteilt die Judenpogrome aufs Schärfste. Am 15. Februar 1921 schreibt er im Essay "Weiteres über die Pogrome": "Ich als Russe leide mit den Juden mit ... Ich kämpfe für das jüdische Volk, das so viel Leid ertragen mußte". Besonders intensiv werden jüdische Schicksale innerhalb der Sozialrevolutionären Partei in Sawinkows zweitem Roman "Als wär es nie gewesen" geschildert. Dennoch ist es eine historische Tatsache, daß zahlreiche Juden Mitarbeiter des Zarengeheimdiensts waren (allen voran der agent provocateur Jewno Asef). Warum ist es nun antisemitisch, in einem Roman einzelne Geheimdienstspitzel auch als Juden zu bezeichnen? Der Verfasser der älteren Übersetzung des Romans, der Anarchist Aage Madelung, schreibt dazu in einer Anmerkung ("Leo ... Das fahl Pferd, Kopenhagen, Leipzig 1909): "Wenn es hier heißt, daß die Spione jüdischen Typus haben, so liegt dies an der bedauerlichen Tatsache, daß recht viele Judenrenegaten in den Dienst der Regierung oder Polizei treten".

Antwort schreiben

Günther Fetzer schrieb uns am 15.12.2015
Thema: Michael Eschmann: Das Buch als Schwert des Geistes
Ein von Ernst Fischer und Reinhard Wittmann herausgegebener Sammelband beleuchtet die Geschichte des deutschen Buchhandels zur Zeit des Nationalsozialismus

Mit einer solchen Rezension ist man als Herausgeber/Autor gestraft. Sie vermittelt den Eindruck, als gehe es in dem Band hauptsächlich um die Bücherverbrennung: Drei Viertel des Artikels handeln davon.

Die brillanten Beiträge von Reinhard Witmann und Ute Schneider über die literarischen und die Wissenschaftsverlage werden nicht einmal thematisch genannt.

Günther Fetzer

Antwort schreiben

Jan F. schrieb uns am 09.12.2015
Thema: Nils Demetry: Legende vom Glück ohne Ende
Kalifornische Ideologie in Pixars Animationsfilm „Alles steht Kopf“

Beim Lesen deines Textes und der abschließend gestellte Frage der Anforderungen in der heutigen – und im Film erzählten – Zeit fiel mir der soziologische Begriff der „reflexiven Moderne“ nach Beck und Giddens ein.

Durch den Umzug und die neue Jobsituation für Rileys Vater sieht sich die ganze Familie dem „embedding“ ausgesetzt: also dem Wegfall normativer Parameter wie den Erfolgssymbolen Einkommen, Karriere und Status. Für Rileys besonders weitreichend ist außerdem der Verlust des sozialen Umfelds. Auf die Entfernung reißt der Kontakt zu ihrer besten Freundin dann auch schließlich ganz ab.  

Interessant finde ich dann, wie Beck in Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne quasi auf deine Frage
seinerseits mit Gegenfragen schließt.

Wegen der permanenten Risiken für das Individuum stellt er nämlich plakativ die Frage nach dem Subjektsein in einem neuen und labil geschichteten Kontext: „Die Konse- quenz ist, daß die Menschen immer nachdrücklicher in das Labyrinth der Selbstverunsicherung, Selbstbefragung und Selbstvergewisserung hineingeraten. Der (unendliche) Regreß der Fragen: ‚Bin ich wirklich glücklich?‘, ‚Bin ich wirklich selbsterfüllt?‘, ‚Wer ist das eigentlich, der hier ‚ich‘ sagt und fragt?‘“

Ob man jetzt einverstanden ist mit den sich stellenden Anforderungen, ist kein relevanter Gedanke nach Beck: „Die Entscheidungen über Ausbildung, Beruf, Arbeitsplatz, Wohnort, Ehepartner, Kinderzahl usw. mit all ihren Unterunterentscheidungen können nicht nur, sondern müssen getroffen werden.“

Was heißt das jetzt für Riley? Sie findet ja schließlich – auch in der Tradition typischer Coming-of-Age-Stories – ihr persönliches Glück: sie spielt wieder Eishockey, lernt dort einen Jungen kennen und ihre Eltern finden endlich Zeit, sie anzufeuern – ich hoffe, meine Erinnerung trügt nicht. Vielleicht ist die Schlussszene nicht mehr als eine dramaturgische Momentaufnahme, im Kontext des Genres aber sicher das Bild des Aufbruchs in eine bessere Zeit.

Wie die Entwicklung der ökonomischen Familiensituation aussehen wird, bleibt konkret unbeantwortet, meine ich. Ein gutes Zeichen ist vielleicht, dass der Vater Zeit und Muße besitzt, zum Eishockeyspiel seiner Tochter zu gehen.

Kleiner Gedanke noch zu deiner aufgeworfenen Frage der (unbewussten) sexuellen Orientierung Rileys: Ist nicht auch heute noch das Eishockeyspielen in weißen heterosexuellen Gesellschaften wie der nordamerikanischen ein vermehrt männlich kodierter Sport?

Antwort schreiben

Yahya Elsaghe, Melanie Rohner schrieb uns am 06.12.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

1. Nachdem sein einziger Versuch, Frischs angeblich noch immer ubiquitäre Anfeindungen an der Häme der Tagespresse nachzuweisen, sich als ganz und gar unhaltbar erwiesen hat, nimmt KMS nun wieder bei den von uns offenbar umsonst monierten Mitteln Zuflucht: anekdotischer Evidenz und Rekurs auf Autoritäten. Warum soll denn ausgerechnet einem Stiftungsrat die Entscheidungshoheit darüber zukommen, welchen Status Frisch in der Schweiz hat? (Benennt man nach verfemten Autoren Plätze und Schwimmbäder?)

2. Der Vorwurf der Selbstvermarktung bezog sich sehr wohl auf die Publikationen zu anderen Autoren („auch wenn sie mit dem Thema […] nichts zu tun haben“). Dass man „grundsätzlich“ auf einschlägige Vorarbeiten zurückgreifen dürfe, hat
KMS ja kulanterweise selber eingeräumt. Die betreffenden Aufsätze sind in der Bibliographie samt und sonders aufgeführt.

3. Woher will KMS denn wissen, was in den vernichteten und nur eben erwähnten Briefen stand oder dass sie etwas mit der antiamerikanischen Tirade zu tun hatten? Die Scheltrede auf The American Way of Life setzt lange vor der Erwähnung der beiden Briefe ein und muss nach deren Vernichtung autorisiert sein („19. Juli“ ff. versus „9.–13. VII.“).

4. KMS liest nach wie vor unbeirrt und unbelehrbar an der Argumentation vorbei: Ausphantasiert wird ein Inzest von Vater und Tochter, geadelt durch eine dicht geschlossene Reihe von Reminiszenzen an den Oedipus-Mythos, d. h. an einen Inzest von Mutter und Sohn. Der wiederholte Einwand, dass Faber ja nicht wusste usw., träfe auf diesen Mythos geradeso zu, der dennoch oder gerade deswegen, so jedenfalls das psychoanalytische Argument, einen verbotenen Wunsch artikuliert.

5. Stiller gibt Knobel gegenüber einzig zu, nicht identisch zu sein mit Jim White, dessen Geschichte er gerade nacherzählt haben will: „‚Ich weiß nicht, […] welcher von den beiden Freunden eigentlich den mörderischen Streit begonnen hat, der Ehrlichere vermutlich, und jedenfalls ist nur einer aus der Kaverne gestiegen, der Stärkere vermutlich. Sein Name ist bekannt, sogar mit metallenen Lettern auf einen Denkstein geschrieben. Jim White. In einer Publikation, die heutzutage den Touristen verkauft wird, heißt es etwas genauer: James Larkin (Jim) White, a young cowboy who made his first entry trip in 1901. Von dem Freund hingegen, der immerhin als Begleiter erwähnt wird, heißt es bloß: a Mexican boy. Sein Name ist verschollen, und ich denke, dieser Verschollene wird sich auch nicht mehr melden!‘ / Knobel scheint etwas verwirrt zu sein. / ‚– sind Sie denn Jim White?‘ fragt er. / ‚Nein‘, lache ich, ‚das gerade nicht!‘“
Wie auch immer KMS diesen Passus verstanden oder missverstanden haben mag: Eine ‚Aufklärung‘ vonseiten Stillers darüber, dass „die historischen Figuren“ „mit den Doppelgänger-Jims“ „nichts zu tun“ hätten, ist hier beim besten Willen nicht zu finden; das ist „‚Dichtung‘ statt Interpretation“. Der Fall ist genau das Gegenteil: Stiller gibt Knobel zu verstehen, woher er seine Geschichte hat und dass es sich bei den Jims seiner Erzählung um James Larkin (Jim) White und einen „Mexican boy“ handelte.

6. KMS, der nun doch „nicht behauptet“ haben will, „dass das Stück sich weder um die Shoah noch um den Antisemitismus drehe“, in seiner Rezension: „‚Andorra‘ ist kein Stück über den Holocaust und kein Stück über den Antisemitismus.“
KMSs „Überlegungen zur Problematik des 6. Bildes“ — „den Soldaten […] als Vergewaltiger zu kennzeichnen, kann nicht recht überzeugen“ — seien „unseriös verkürzt und entstellt“ worden. Inwiefern? Sie wurden doch in extenso (in einer der beanstandeten „Zitataufblähungen“) Wort für Wort wiedergegeben? Oder nicht?

7. „Noch weiß niemand in der Welt von diesem indianischen Kaiserreich, niemand außer Cortez; er begreift seine einmalige Chance, geht hin und verbrennt insgeheim seine eigenen Schiffe. Jetzt bleibt ihnen nichts anderes als der Mut ins Ungewisse, der Marsch in das goldene oder tödliche Geheimnis jenseits der Berge. Und dieser Marsch, der die Geschichte der Menschheit für immer verändert, wird angetreten mit dreihundertfünfzig Mann, mit dreizehn Pferden, mit vierzig Armbrusten, mit sechzehn Hakenbüchsen, mit sechs kleinen Mörsern, mit einem begrenzten Vorrat an Blei und Pulver – und mit Marina, einem indianischen Mädchen, das in der Umarmung mit Cortez so viel Spanisch erlernt, daß es die Dolmetscherin wird zwischen zwei Kontinenten, zwischen zwei Kulturen, wovon die eine an der andern verbluten soll –.“ Dass hier auch Faszination für Cortez hineinspielt, ist offensichtlich. Solche Stellen blendet KMS systematisch aus.

8. Das Verdienst der Vermutung, dass die Lesart „Johanna“ nicht unbedingt erst auf die Fahnenkorrektur zurückgehe, sei KMS unbenommen. Auch die Vermutung, dass es ein Setzfehler sein könnte, ist originell; wobei sie allerdings in einen seltsamen Widerspruch gerät zu einem anderweitigen Kommentar, in dem KMS keine Volten scheut, um dem Namen „Johanna (‚Gott gibt Gnade‘)“ einen theologischen Tiefsinn abzupressen: „die auf ‚Jehova‘ verweisende erste Silbe […] oder […] die patriarchale ‚Ordnung‘ […] wiederherstellen“; „diskrete Hinweise auf die je andere und je anders begründete Haltung […] gegenüber der göttlichen Autorität“; „Joachim und (Jo)Hanna sozusagen die Eltern der Jungfrau Maria“ (ein Prachtbeispiel für die Mentalität, die der erratischen Namensform zugrunde liegt, ob es sich dabei nun um eine Autorkorrektur oder einen fort- und fortgeschriebenen Druckfehler handelt: nämlich für die bedenkliche Nonchalance, mit der jüdische Figuren christlichen Narrativen integriert werden).

9. Handelte es sich „nicht doch“ um eine rhetorische Frage?! — „Wenn man eine Begründung ablehnt, müsste man sich wohl doch der Frage stellen, warum Frisch denn O. und Faber an Krebs sterben lässt, warum er von Anfang an das Buch als ‚Bericht eines sterbenden Technikers‘ geplant hat.“ Non liquet. Was soll der Arbeitstitel denn mit der besonderen Todesursache zu schaffen haben, die darin ja ungenannt bleibt? — Jenseits der oberlehrerhaft-autorintentionalistischen Frage nach dem, was der Dichter sagen wollte, ging es uns innerhalb eines diskursgeschichtlichen Frageinteresses um die Resistenz der Krankheit gegen alle Versuche, ihr à la KMS eine höhere oder tiefere Bedeutsamkeit zu verleihen. Das Gewagte und Unerhörte ihrer Sinnleere, die das Argument von ‚Illness as Metaphor‘ um Jahrzehnte antizipiert, bezeugen gerade auch solche verbissenen Anstrengungen, sie mehr oder auch weniger scharfsinnig wegzuinterpretieren.

10. Es spricht wiederum für sich und bedarf keiner Entgegnung, wenn KMS, sichtlich pikiert durch die gelegentliche und bisher unwiderlegte Kritik an seinen eigenen „Überlegungen“, zu guter Letzt auch noch den monopolistischen Anspruch erhebt, es gehe ihm allein um „die Wahrheit“, im Gegensatz nämlich zu uns, die wir unseriös mit Unwahrheiten hantierten.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (4)Antwort schreiben

Gerhard Weber schrieb uns am 13.11.2015 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Walter Erhart: Die unwahrscheinliche Geschichte des Neil Young
Erzählt zu seinem 70. Geburtstag

Bin erst auf Seite 25, doch der Beginn des Buchs ist vielversprechend. Mich irritiert allerdings die Angabe des Geburtstages von N.Y. unter dem 18.11.1945 auf Seite 20.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben

Friedhelm Rathjen schrieb uns am 13.11.2015
Thema: Walter Erhart: Die unwahrscheinliche Geschichte des Neil Young
Erzählt zu seinem 70. Geburtstag

Ich gratuliere zu diesem animiert geschriebenen Text und ebenso zu dem überaus lesenswerten Buch, dessen Einleitung er ist. Besonders erfreulich an dem Buch fand ich bei der Lektüre, daß das Werk Neil Youngs und die Entwicklung dieses Werks im Vordergrund stehen und das Leben nur knapp soweit bemüht wird, wie es für diese Darstellung nötig ist. Erfreulich auch, daß das Werk - Album für Album und Song für Song - nicht allein anhand der Texte diskutiert wird (was in der Rockmusik immer auf Abwege führt, da es in der Rockmusik primär gar nicht auf die Texte ankommt), sondern zum Thema gemacht wird, wie die Songs klingen und was dieser Klang aussagt. Also eine klare Empfehlung an alle Neil-Young-Interessenten: dieses Buch sollte man gelesen haben.

Bei einer hoffentlich kommenden zweiten Auflage wären allerdings etliche ärgerliche Druckfehler zu beheben, von denen ich gnädig annehme, daß sie durch Schlaumeier im Reclam-Lektorat hineinverschlimmbessert wurden. Wer das Adverb "psychedelisch" fälschlich "psychodelisch" mit o schreibt, kann sich zwar notfalls auf den Duden berufen, signalisiert damit aber recht eindeutig, von der behandelten Materie nicht viel zu verstehen, und das wird noch schlimmer, wenn diese o-Schreibweise sogar dem Titel von Neil Youngs Album "Psychedelic Pill" aufgepropft wird. Einen herzhaften Lacher entlockt hat mir hingegen die Verschreibung des nicht genug zu rühmenden (und von Neil Young deshalb vielfach gerühmten) Bert Jansch, der in diesem Buch doch tatsächlich als "Bernd Jansch" auftritt!

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben

Wolfram Malte Fues, Prof. Dr. phil. schrieb uns am 10.11.2015
Thema: Sascha Seiler: Verschwörungstheorie mit Hintergründen
Hubert Seipels „Putin. Innenansichten der Macht“ offenbart trotz seines sein arg einseitigen Narrativs tiefe Einblicke in die aktuelle russische Politik

Was soll das? Jemandem, der aus gegebenem Anlass auf die konsequente ökonomische und institutionelle Macht-Politik von EU und Nato gegenüber Russland seit 1991 hinweist, Verschwörungs-Theorien zu unterstellen, statt wenigstens probehalber mal die Denkrichtung der Einheits-Meinungs-Medien umzukehren? Offenbar soll nicht gedacht werden, was nicht bedacht werden darf. Auch eine Form von Totalitarismus.

Wolfram Malte Fues
Prof. Dr. phil.

Antwort schreiben

Christine Wurm schrieb uns am 29.10.2015
Thema: Michael Duszat: Dissertation als Komposition?
Katharina Müllers Studie über Michael Haneke ist ein Experiment, das an seinen hohen Ansprüchen scheitert

Ich bin gerade auf Ihren Text gestoßen, weil ich die Autorin recherchiert hatte. Der Grund: Ich war gestern bei einem Vortrag von ihr. Thema war nicht Haneke, aber ich war schwer irritiert von dem Vortrag, von der Vortragenden und vor allem von sehr vielem, was ich vermisst habe.

In Ihrem Text zu dem Buch finde ich etliche Dinge, die ich mir über die Vortragende zusammenreimen musste, formuliert. Mir war der gestrge Abend ein Rätsel, jetzt verstehe ich, warum. Und dass es ausschließlich an der Frau Müller liegt.
Jetzt muss ich sagen, eigentlich eine Frechheit, einem Publikum zwei Stunden zu stehlen (einige sind auch gegangen). Genauso frech oder dumm wie die Antwort auf Hanekes Frage. Sie hatte keine Antwort für ihn, das ist das ganze
Geheimnis.

Eine sehr gute Analyse haben Sie da geschrieben.

Antwort schreiben