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Dietmar Aßenmacher schrieb uns am 02.02.2010
Thema: Jan Süselbeck: Fotoalbum für Wehrsport-Fans
Nils Fabiansson hat Schauplätze von Ernst Jüngers Kriegstagebuch "In Stahlgewittern" aufgesucht

Nein, so einfach, Herr Süselbeck, kann man es sich dann doch nicht machen, gerade wenn man unter "literaturkritik.de" veröffentlicht. Ich werde mir das Buch von Fabiansson kaufen, da mich der Autor Jünger interessiert. Ob es gut ist, werde ich zu beurteilen wissen. Ihre mit dieser Buchrezension verknüpfte Einschätzung Ernst Jüngers ist allerdings heutzutage mehr als fragwürdig, unwissenschaftlich und ignoriert v.a. die neuere Forschung. Wenn man sich ein differenziertes - d.h. für mich wissenschaftliches - Bild von Ernst Jünger und seinen Werken machen will, dann lese man z.B. die Biographie von Helmuth Kiesel (Parthenon). Dort wird auch auf weitere Literatur zu diesem nicht immer zu Unrecht umstrittenen (und vielleicht auch deshalb so interessanten) Autor hingewiesen. Es wäre sinnvoll, Herr Süselbeck, wenn Sie Ihre Aussagen mit dieser oder einer anderen Veröffentlichung von Niveau abglichen. Auch eine kritische und genaue Lektüre z.B. der "Stahlgewitter", die der Autor, wie Sie sicher wissen, mehrmals veränderte und letztendlich "entnationalisiert" hat, wäre wahrscheinlich nicht schädlich. Kiesel: "Insgesamt ist festzustellen, daß Jünger die Stahlgewitter mit der dritten Bearbeitung von 1932/33 politisch entschärft und dem nationalistischen Mißbrauch ein Stück weit entzogen hat." (S. 227) Herr Süselbeck, die inhaltlichen Einschränkungen Ihres Artikel macht Lust auf das Lesen von Fabianssons Begleitbuch! Ich glaube, dies war nicht Ihre Absicht. Und nein! Ich bin kein Wehrsportfan!

Mit durchaus UNMILITÄRISCHEN, ja geradezu pazifistischen Grüßen

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Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 02.02.2010
Thema: literaturkritik.de Redaktion: Am Anfang war die Öffentlichkeit – Reinhard Brandts „Beitrag zur Tierphilosophie“ beantwortet die Frage, ob Tiere denken können

Eigentlich sollte man hier nichts anmerken, ohne das Buch selbst gelesen zu haben. Allein nach der Rezension möchte ich dennoch etwas 'denken'.
Zunächst dieses: Denken-Können wird erst bewiesen durch dessen Anwendung. Stellt er sich auch der Frage, ob das Säugetier Mensch denken kann?
Dann: Erst die entsprechende Gestaltung der Hirnrinde ermöglicht die 'Multiplikation' der darunter liegenden Hirnteile = das Denken (im menschlichen Sinne).
Wenn ich den obigen Text richtig verstehe, wird in dem Buch auch über tierische Fähigkeiten nachgedacht, die durch (Selbst)Dressur entstehen und uns Denkfähigkeiten der Tiere vorgaukeln - gemeint ist aber damit, dass Tiere so wie wir denken können.
Ich wehre mich immer wieder
dagegen, wenn man tierisches Denken mit dem unseren vergleicht.
Niemand käme auf die Idee zu fragen: Können Elefanten fliegen oder von Laubfröschen zu erwarten, dass sie die Zahl der von ihnen gefressenen Insekten addieren ...
Allein diese Fragestellung erinnert mich daran, dass Hagenbeck einst ein afrikanisches Dorf und dessen Bewohner in seinem Zoo ausstellte. Oder an die Frage, ob Eingeborene (Sklaven) überhaupt Menschen seien.
Tiere 'denken' - genauso wie wir - gemäß ihrer körperlichen Gegebenheiten. Vieles davon verstehen wir bis heute nicht. Nach meinem Gefühl steckt hinter dieser Fragestellung irgendwas von Hochmut gegenüber einer einfach anderen Spezies.
Es ist dieser Hochmut,dem wir so vieles, was heute darauf hinweist, die Menschheit könne sich einmal selbst vernichten, zu verdanken haben.  Allein die so oft zitierte Abrodung der Regenwälder und deren Folgen ... (Können Menschen denken?)
Und hier höre ich lieber auf ...
Ingeborg Gollwitzer

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Norbert Kuge schrieb uns am 30.01.2010
Thema: Re: Norbert Kuge: Unlösbare Konflikte?
Matthias N. Lorenz über „Literatur und Zensur in der Demokratie“ der BRD

Zum Leserbrief von Herrn Dr. jur. Thomas Henne:
In der Sache habe ich aufgrund dieses Briefes an meinem Artikel eigentlich nichts zu korrigieren, will aber doch auf den Vorwurf eingehen, dass mein Satz, "Mephisto" habe mit Erlaubnis der Erben Gustav Gründgens` doch noch erscheinen dürfen, unzutreffend sei.
Der Verlag Spangenberg wollte im Rahmen seiner Werkausgabe von Klaus Mann auch den Roman "Mephisto" herausbringen. Peter Gorski, der Adoptivsohn Gründgens`, verlangte über seinen Rechtsanwalt eine Unterlassungserklärung, der Roman dürfe nicht erscheinen. Das lehnte der Verlag jedoch ab und daraufhin ließ Gorski vor dem Hamburger Landgericht die Klage einreichen. Die Diskussionen und die ergangenen Urteile etc. bis zum
Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1971 zur Verfassungsbeschwerde des Verlages überspringe ich und komme zur Publikation des Romans. Das Urteil von1971, das die Veröffentlichung untersagt, besteht bis heute. Trotzdem wurde das Buch im Dezember 1980 im Rowohlt-Verlag als Taschenbuch veröffentlicht, nachdem durch einen Raubdruck 1980, die Theateradaption des Stoffes durch Ariane Muonchkine und Aufführungen des Stückes zuerst in Frankreich und dann deutschsprachige Aufführungen in der BRD sowie die Vorbereitung der Verfilmung des Romans, der Boden für eine Veröffentlichung vorbereitet war. Zumal auch die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Urheber des Raubdrucks einstellte. Spangenberg entschloss sich für das schrittweise Vorgehen, weil ein gerichtliches Vorgehen gegen die Veröffentlichung wegen des Urteils und trotz der verstrichenen Zeit nicht ausgeschlossen war. Hier setzt mein Satz mit der "Erlaubnis" an.
Peter Gorski hat auf ein gerichtliches Vorgehen gegen die Veröffentlichung verzichtet. Die Gründe dafür sind nicht bekannt und auch unerheblich. Vielleicht hätte ich zur eineindeutigen Klarstellung "stillschweigende Erlaubnis" schreiben  sollen. In der Sache ist das aber unerheblich. Herr Dr. Henne konzediert ja ebenfalls, dass Gorski auf eine weitere gerichtliche Auseinandersetzung verzichtete. Er kommentierte, "mehr nicht", ich interpretierte das als "Erlaubnis". Nun mögen sich die Götter streiten.

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Priv.-Doz. Dr. jur. Thomas Henne schrieb uns am 29.01.2010
Thema: Norbert Kuge: Unlösbare Konflikte?
Matthias N. Lorenz über „Literatur und Zensur in der Demokratie“ der BRD

Sehr geehrte Damen und Herren,

konnte Klaus Manns "Mephisto" "erst Jahre später mit Erlaubnis der Erben Gustav Gründgens' doch noch erscheinen" ? Die Rezension liefert diese Behauptung - unzutreffenderweise.

Um das zu begründen, beziehe ich mich im folgenden nur auf die Rezension; das Buch von Lorenz liegt mir noch nicht vor.

Es ist richtig - die juristischen Verfahren um Klaus Manns "Mephisto" endeten 1971 mit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Doch war danach nicht das Buch verboten – das von Gründgens’ Adoptivsohn in einem Zivilrechtsstreit erstrittene Urteil wirkte notwendigerweise nur zwischen den Parteien, und die in Bibliotheken vorhandenen Exemplare des Mephisto
blieben wie zuvor: eingelagert und ausleihbar. Auch von Behinderungen beim Bezug ausländischer Ausgaben des Mephisto ist nichts bekannt; insbesondere in der DDR wurden auch zu dieser Zeit mehrfach Ausgaben gedruckt, die ohne Probleme in die Bundesrepublik Deutschland eingeführt werden konnten. Denn: Es war Berthold Spangenberg und seinem Verlag verboten, das Buch in der Bundesrepublik zu publizieren. Es war ein Publikations-, kein Buchverbot.

Daß nicht das Buch, sondern nur die Publikation durch einen bestimmten Verleger verboten war, ist auch für die spätere und heutige Zugänglichkeit des Buches von entscheidender Bedeutung: Keine der erwähnten Gerichtsentscheidungen ist je aufgehoben worden – läge ein Buchverbot vor, wäre es wohl bis heute gültig.

Waren es also die Erben, die dankenswerterweise die Publikation Jahre später ermöglichten, wie in der Rezension angegeben wird ?

1979/80 erschien Klaus Manns Buch (inklusive (!) der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts) als Raubdruck. Die Urheberschaft ist offiziell nicht geklärt; weil diese Ausgabe aber auf grauem Ökopapier gedruckt ist, sind Vermutungen möglich. Der Münchener Verleger von Klaus Manns "Mephisto" hat damals den späteren  grünen Europaabgeordneten Cohn-Bendit als Initiator des Raubdrucks vermutet.

Nicht die Justiz war durch den Raubdruck zu einem Umdenken gezwungen, sondern der Münchener Verleger, der nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bislang keine Schritte gegen das Publikationsverbot in der Bundesrepublik unternommen hatte. Der illegale, weil urheberrechtswidrige Raubdruck sorgte für eine Publikation am Verleger vorbei. Daher gab der Verleger die Rechte für eine Taschenbuchausgabe an einen anderen Verlag. 1980 publizierte der Rowohlt-Verlag den „Mephisto“ als in jeder Hinsicht legale Taschenbuch-Lizenzausgabe, denn die zivilprozessuale Rechtskraftwirkung der früheren Entscheidung bezog sich eben nur auf das Verhältnis des Verlegers Spangenberg zu Gründgens’ Adoptivsohn. Letzterer hätte nochmals vor Gericht ziehen können – doch diesmal unterließ es. Mehr nicht; von einer "Erlaubnis" kann man also nicht sprechen.

Ausführlicher dazu mein Aufsatz: Klaus Manns Mephisto und die Publikationsverbote der deutschen Gerichte. Zur gerichtlichen Karriere des Romans und seines Münchener Verlegers Berthold Spangenberg, in: Dirk Heißerer (Hg.), Thomas Mann in München, München 2004, S. 27 ff.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Henne

Homepage: http://web.uni-frankfurt.de/fb01/henne

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Michael Maar schrieb uns am 21.01.2010
Thema: Norbert Kuge: Standardwerke für heutige und zukünftige Proustleser
Die „Marcel Proust Enzyklopädie“ und Michael Maars „Proust Pharao“ zählen zum Besten, was derzeit zu haben ist

Sehr geehrte Redaktion -

als betroffener Autor das Lob einzustreichen und den Tadel abzuwehren ist dankbar unelegant. Dennoch verwundert mich der vom Rezensenten gemachte Vorwurf, bis auf zwei der Essays meines Proust-Bändchens seien alle schon publiziert gewesen, und letztlich sei auch von diesen beiden einer nur neu aufgelegt. Das trifft auf meine früheren Essaysammlungen wie "Leoparden im Tempel" zu und ist auch durchaus nicht anrüchig, auf "Proust Pharao" aber gerade nicht. Drei Stücke sind völlig neu (der Titelessay, der über Thomas Mann und der über Céleste), einer war davor im weltweit populären "Merkur" veröffentlicht, und die drei, die auf Früheres zurückgreifen, sind
komplett überarbeitet und erweitert. Also: Danke für die Lorbeeren, aber die darin versteckten Disteln muß ich Ihnen herauspflücken.

Mit besten Grüßen
Ihr
Michael Maar

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Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 20.01.2010
Thema: Willem Warnecke: Bits of philosophic history repeated
Michael Tomasello erläutert „Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation“

Schon an den vielen 'Reklamationen' in dieser Rezension kann man sehen, dass es gefählich sein kann, wenn ein Autor sich aus einem riesigen Komplex ein schmales Stück herausschneidet, um es genauer zu betrachten.
Auch nach meiner Kenntnis haben sich vor allem Linguisten über dieses Buch beschwert. Nach meiner Lektüre dieses Buches (ich habe nur die dt. Fassung gelesen, bei der ich gelegentlich Bedenken hinsichtlich der Übersetzung hatte) habe ich Tomasello so verstanden, dass es ihm in erster Linie auf rein praktische Versuche ankam, um  daran verstehen zu lernen, wie Kommunikation grundsätzlich entsteht, wobei er, meiner Überlegung nach, der Deutung von Sprache bzw. dem menschlichen Sprechen, geschickt aus dem Wege geht.
Hier
sehe ich auch die Schwierigkeit, von der Tomasello stand (bzw. auch tatsächlich steht): Wenn er aufgrund einfacher Versuche zu verstehen versucht, auf welche Weise Kommuniaktion überhaupt einmal entstanden sein kann und vermutlich auch ist, nimmt die menschliche Kommunikation = menschliche Sprache eine Sonderstellung ein, die schon aufgrund körperlicher Eigenschaften anders als die, um beim einfachen Beispiel zu bleiben, der Primaten entstanden ist. Die Schwierigkeit entsteht für Tomaselli dann, wenn er, vom einen, praktisch erprobbaren Unterschied Affe/Mensch hin zum Menschen kommt, sich einem gewaltigen Gebirge von Sprachtheorien gegenübersieht: ein Kontinent für sich.
Im übrigen wird - weil sie bislang noch nie befriedigend untersucht worden ist - die Kommunikation Mensch/Hund nur gestreift. Sie liegt, mit der Kommunikation Affe/Mensch verglichen, auf einer ganz anderen Ebene. Ein mehr als reizvoller, weißer Fleck, übrigens.
Vielleicht wäre die Kritik mit Tomaselli nicht derart streng umgegangen, wenn er sich nicht mit einem nur kleinen Schritt auf den anderen Kontinent begeben hätte.
Trotzdem ist sein Buch eine reizvolle Lektüre, eben, weil es sich überwiegend mit sehr einfachen Grundüberlegungen beschäftigt.

Nun ja, Evolution steht derzeit wieder hoch im Kurs. Sie lässt sich als bis heute fortwirkender Prozess auch von niemenden verleugnen oder gar überspringen. das gilt auch für das Individuum Tomasello, der mit ziemlicher Sicherheit auch nicht auf dem derzeitigen Stand seiner Lebensskala verharren wird.

Ingeborg Gollwitzer

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Klaus Kühlwein schrieb uns am 17.01.2010
Thema: Benno Kirsch: Widersacher Hitlers oder wankelmütiger Versager?
Zwei sehr unterschiedliche Bücher über Papst Pius XII.

Sehr geehrter Herr Dr. Kirsch,

ein Autor sollte keine öffentliche Auseinandersetzung mit einem Rezensenten beginnen, wenn ihm die Besprechung seines Buches sauer aufstößt. Es ist schlicht das Recht jedes Rezensen-ten, jede nur denkbar negative Wertung vorzutragen. Der Autor sollte das unwidersprochen hinnehmen.

Anders liegt der Fall, wenn der Rezensent einzelne Wertungsurteile auf falsche Tatsachenbehauptungen baut. Der Verriss eines Buches sollte „korrekt“ sein – darauf hat der Autor ein Recht. Dieses Recht bitte ich mir bei Ihnen aus.

Ich nenne vier falsche Tatsachenbehauptungen, die Sie zum Anlass nehmen, schwere Vorwürfe gegen mich zu erheben.

1.
Bei dem zentralen Problem der Reaktion Pius
XII. auf die SS-Judenrazzia in Rom am 16. Okt. 1943 und deren Deportation nach Auschwitz zwei Tage später schreiben Sie:

[b:]„Für Kühlwein steht das Urteil fest: In den beiden Tagen, die der Deportation der Juden vorausgingen, hat Pius XII. nichts getan, um sie vor ihrem Schicksal zu bewahren.“ [:b]

Tatsächlich beschreibe ich im Buch korrekt jene drei Interventionen Pius XII. zum Stopp der angelaufenen Razzia, auf die die offizielle Pius-Verteidigung stolz verweist (Botschafter v. Weizsäcker, Stadtkommandant Stahel und Mgr. Hudal). Die letztgenannte Intervention stelle ich gemäß der Forschungslage als noch nicht vollständig geklärt dar.
Ich beschreibe die Interventionen keinesfalls widerwillig, sondern anerkennend und in voller Übereinstimmung mit dem historischen Forschungsstand.
Entweder haben Sie die betreffenden Seiten (36ff) gar nicht gelesen oder Sie weigern sich zu akzeptieren, dass ein pius-kritischer Autor auch pius-verteidigende Argumente vortragen kann. Vielleicht nehmen Sie mir aber nur übel, dass ich die beschriebenen Interventionen als diplomatisch untaugliche Versuche werte, eine Katastrophe zu verhindern, die ein anderes Eingreifen erforderte.
Anstatt sich mit meiner historischen und ethischen Wertung zu beschäftigen, zaubern Sie im Nu ein Totschlag-Argument aus dem Hut, das angesichts der Faktenlage nur Kopfschütteln über den Autor erzeugen kann.

2.
Bei einer anderen zentralen Frage haben Sie sich ebenfalls gezwungen gesehen ein Argument vorzuschieben, das man in meinem Buch vergeblich sucht. Konkret beziehen Sie sich auf den Punkt „ » Jüdische « Revolutionäre und ein Auto“ (S. 75ff), wo ich Nuntius Pacelli ausdrücklich gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz nehme. Mir unverständlicherweise schreiben Sie aber:

[b:]„… um Pius XII. beispielsweise als Antisemiten denunzieren zu können.“ [:b]

An keiner Stelle spreche ich davon, dass sich Pius XII. (genauer: Nuntius Pacelli) antisemitisch geäußert oder betätigt habe. Auch jenseits dieser Passage deute ich im Buch niemals auch nur ansatzweise eine solche Einstellung bei Pacelli/Pius XII. an. Im Gegenteil, ich verteidige Pius über das gesamte Buch hinweg gegen den plumpen Vorwurf antisemitisch gewesen zu sein.
Sie zitieren schließlich einen Satz vor mir: „Allerdings war solch fatale Denkungsart überall anzutreffen – gerade auch in theologischen und kirchlichen Kreisen. Pacelli kannte entspre-chende Auffassungen und Thesen sehr genau. In die Kontroverse mischte er sich aber nicht ein.“  Ihr Kommentar dazu: „Was bezweckt Kühlwein damit? Will er damit andeuten, dass Pacelli lediglich keine Beweise für seinen Antisemitismus hinterlassen hat? Und warum zitiert er auf derselben Seite völlig zusammenhanglos aus Hitlers »Mein Kampf«?“

Erlaubt es Ihr Schwarz-Weiß-Blick wieder nicht zu akzeptieren, dass ein piuskritischer Autor gegen ein klassisches Argument der Pius-Kritiker anredet?  
Vielleicht haben Sie aber erneut nicht genau hingeschaut, denn sonst hätten Sie das Hitler-Zitat nicht mit „Mein Kampf“ in Zusammenhang gebracht. Ich zitiere nicht aus „Mein Kampf“, sondern aus einem kleinen „Gutachten“ des völlig unbekannten demobilisierten Soldaten Adolph Hitler, das dieser im Spätsommer 1919 geschrieben hatte. Die antisemitischen Passagen darin sollte als Beispiel dafür dienen, welche unheilvolle „Stimmungslage“ im ersten Nachkriegsjahr weit verbreitet war und welche Saat gerade bei dem jungen Adolph Hitler aufging.

3.
Wie konsequent Sie Ihren Tunnelblick beibehalten nach dem Motto „Was nicht sein darf, kann auch nicht sein“, zeigt sich beim zentralen Argument der Pius-Verteidigung: Die Folgen des offenen Protestes der holländischen Bischöfe Ende Juli 1942.
Damals sahen sich die Bischöfe – angeführt vom Utrechter Erzbischof de Jong – in ihrem Gewissen genötigt, auf allen Kanzeln den Gläubigen ein Protestschreiben gegen die angelaufenen Judendeportationen kund zu tun. Dabei ließen Sie die Erpressung des Reichsstatthalters Seyß-Inquart außer Acht, der ihnen den perfiden Handel anbot: Wenn ihr schweigt, verschone ich eure kath. getauften Juden, andernfalls werden sie mit allen deportiert. Nachdem die Bi-schöfe dennoch protestierten machte Seyß-Inquart seine Drohung wahr.
Sie schreiben dazu über mich:

[b:][k:]„Allerdings versäumt er [Kühlwein] darauf hinzuweisen, dass dieser [de Jong]mit seinem öffentlichen Protest in Kauf nahm, dass nicht nur die Juden, sondern auch die „katholischen Nichtarier“ verschleppt wurden, was dann auch geschah, während die „evangelischen Nichtarier“ durch das Stillhalten ihrer Bischöfe gerettet wurden. Diese Information zu verschweigen ist unredlich.“ [:k][:b]

Sie müssen bei der Lektüre der entsprechenden Passage im Buch sehr abgelenkt gewesen sein. Wie sonst konnten Sie meine ausdrückliche und mehrfache Erwähnung der SS-Vergeltung an den getauften Juden überlesen oder gar nicht erst wahrnehmen (S. 202ff und 212). Auch wenn Sie es nicht glauben können, ich habe gar kein Interesse daran, vor diesem Ereignis die Augen zu verschließen. Es ist wichtig für meine Argumentation gegen Pius XII.
Ich werte nämlich die bischöfliche Inkaufnahme der Vergeltung als ethisch korrektes Verhalten.
Mir ist klar, dass das ein moraltheologischer Frontalangriff auf das zentrale Argument der Pius-Verteidigung ist: Nur durch stille und verdeckte Diplomatie unter Vermeidung einer offenen Konfrontation mit Hitler sei Pius in der Lage gewesen, unzählig Juden zu retten.
Ich behaupte: Dem ist nicht so!

4.
Ich komme zu einer grundsätzlichen Bemerkung, die Sie gleich zu Beginn Ihrer Rezension vortragen:

[b:][k:]„Das zweite Manko ist, dass Kühlwein [scheint] keine genaue Vorstellung von dem zu haben scheint, was er »Holocaust« nennt.“ [:k][:b]

Ich kann es nicht glauben. Sie werfen mir tatsächlich vor, dass ich durch die Buchkonzeption dem Leser eine ungenaue Vorstellung vom Holocaust vermittle, indem ich die Vernichtung des europäischen Judentums ausblende und die Deportation der römischen Juden ins Zentrum rücke. Das konkretisieren Sie im nachfolgenden Satz: „Denn anders als im Untertitel angekündigt, geht es ihm keinesfalls um Pius XII. und die Vernichtung des europäischen Judentums, sondern lediglich um einen Ausschnitt dieses monströsen Vorgangs: der Deportation von rund eintausend Juden aus Rom am 18. Oktober 1943, …“

Ich verwahre mich in aller Form gegen die Beschuldigung, in einer öffentlichen Schrift seinen Lesern den Holocaust verharmlost darzustellen. Sind Sie sich darüber im klaren, dass Sie mir dem Anschein nach nichts weniger als den Straftatbestand der „Volksverhetzung“ nach § 130 Abs. 3 unterstellen?
In Buch beschreibe und bewerte ich hinlänglich an verschiedenen zentralen Stellen die Verfolgung und millionenfache Vernichtung des europäischen Judentums. Das gilt insbesondere für das alles entscheidende Kapitel 6.

Zu Ihren Gunsten nehme ich an, dass Sie sowohl die Holocaust-Bemerkung als auch die anderen falschen Tatsachenbehauptungen im Eifer aus Unachtsamkeit und aufgrund einer so getrübten wie oberflächlichen Lektüre meines Buches formuliert haben.
Es wundert daher nicht, dass Ihnen die Gesamtaussage des Pius-Buches verschlossen blieb und Sie auch keinen Zugang zum metaphorischen Ausklang fanden. Leider!


Zur Hesemann-Rezension
Ich habe mich bislang jeder Kritik am Buch „Der Papst, der Hitler trotzte“ von Herrn Hesemann enthalten. Da Sie jetzt eine Sammelrezension verfasst haben und die lobenden Bemerkungen zu Hesemann als Munition gegen mein Buch verwenden, erlaube ich mir hier auch ein paar Anmerkungen zu Ihrer Hesemann-Besprechung.

Ich kann in Ihrer Hymne auf das Buch von Herrn Hesemann keine stichhaltigen Argumente erkennen, die meine besondere Kritik an Pius XII. widerlegen würde. Sie bestätigen ohne den Funken kritischer Nachfrage Hesemann Fleißarbeit bei der Zusammenstellung vatikanischer Hilfen und Interventionen zugunsten der verfolgten Juden. Selbst das in Ihren Ohren als „eigenartig verklausuliert“ klingende päpstliche Weihnachtswort (1942) verteidigen Sie im Sinne Hesemanns als „uneigentliches Sprechen“, das gleichwohl jeder auf diesem Erdball klar verstanden hätte. 1942 war nicht die Zeit uneigentlichen Sprechens, sondern schon längst die Zeit des eigentlichen Sprechens überfällig.

Auch den mehrfach zitierten Pressemeldungen in Hesemanns Buch über päpstliche Proteste gegen Judendeportationen und Aktionen zugunsten von Juden vertrauen Sie ungefragt. Dabei sollte sich ein aufmerksamer Rezensent fragen, was Pressemeldungen unklarer Herkunft, evtl. aus zweiter oder dritter Hand, in Kriegszeiten und von parteiischen Alliierten eigentlich wert sind.

Sie bestätigen Hesemanns Apologie Pius XII. Dieser Papst sei „der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen. „Nach der Lektüre des Buches fragt man sich sogar, wer besser als Pius XII. geeignet gewesen sein könnte, Hitler entgegenzutreten.“ Darf ein kritischer Rezensent so platt ein geradezu peinlich wirkendes Generalurteil abgeben ohne sich durch die eigenen und zutiefst ehrlichen Worte Pius XII. in seinem Testament irritieren zu lassen? Und dieses sehr selbstkritische, beinah verzweifelte Testamentswort, ist bei weitem nicht die einzige Wehklage Pius XII. über sich selbst.
Auch mitten im Sturm des Weltkrieges bekannte er oft sein Unvermögen eine klare Linie zu finden, sein Zaudern bestimmte Schritte zu tun und seine Gewissensqual, aus der er keinen Ausweg sah. Nein, Eugenio Pacelli war nicht der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das wusste er selbst am besten!

Ich will Papst Pius XII. wahrhaft Gerechtigkeit widerfahren lassen. Man leistet ihm einen Bärendienst, wenn er in geradezu kindlich-naiver Verehrung zum heroischen Helden gegen Hitler stilisiert wird. Er war lange ratlos und unsicher, er hatte sich heillos diplomatisch und moralisch verheddert und er klammerte sich lange wankelmütig, mit wager Hoffnung an den Strohhalm seines Schweigens. Erst unter dem Eindruck des ethischen Supergaus der Judendeportation in Rom brach seine fragile Selbstrechtfertigung zusammen.
Vergeblich hatte Pius XII. versucht mit den alten Mitteln stiller Diplomatie die Katastrophe aufzuhalten. Nachdem vor seinen Augen die Menschen nach Auschwitz deportiert worden waren, wandelte er sich dramatisch in einem Damaskuserlebnis.

Diese Grundthese von mir sehe ich durch Ihre Ausführungen in der Doppelrezension nicht einmal ansatzweise in Frage gestellt.

Wie gesagt, Sie können mein Buch so heftig kritisieren wie Sie Lust haben. Das ist Ihr Recht als Rezensent. Mein Recht ist es jedoch, dass Sie dies in korrekter Weise tun.

Mit besten Wünschen
Ihr Klaus Kühlwein

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Quibono schrieb uns am 14.01.2010
Thema: Peter Mohr: Wörter als Schutzschild
Ulla Hahns vorzüglicher Roman "Das verborgene Wort"

Vielen Dank für diese wohlwollende und in weiten Teilen auch zutreffende Rezension. Nur eines sollte bitte niemand glauben: Auch wenn sich der Lebenshintergrund der heutigen Leser sehr vom Arbeitermilieu der Adenauerzeit unterscheidet und viele zeitgebundene Elemente des Romans tatsächlich der Vergangenheit angehören: Es kommt auch in den heutigen Milieus allem Anschein nach mehr dennn je darauf an, seine Kinder so dusselig wie möglich zu halten. Die dumpfe, barbarische und ablehnende Haltung der meisten Protagonisten - und gerade der Eltern - gegenüber dem geistigen Erwachen der Hauptperson, das giftige Klima aus Neid und Häme, der ekelhafte Hohn des Pöbels, der kübelweise über jede nicht-alltägliche oder gar intellektuelle Regung ausgeschüttet wird, man könnte all das auch ebensogut vor dem Hintergrund der heutigen Zeit schildern.

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Adianis schrieb uns am 09.01.2010
Thema: Rolf Löchel: Wo der Wurm drin ist
Frank Schätzings nur an Umfang gewichtiger Wissenschaftsroman "Der Schwarm"

Diese Kritik trifft genau ins Schwarze und enthüllt so einige Schwächen. Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Buch unvoreingenommen gelesen habe. Rezessionen und Kritiken habe ich erst nach Beendigung des Buches gelesen und muss feststellen, dass dies die erste Kritik ist, die nicht ins theatralische Schwärmen abdriftet.
Die Ideologie des Buches ist ziemlich einfach gestrickt und weiß es sich gekonnt in einem Schleier aus vermeintlich anspruchvollen, wissenschaftlichem Know - How zu vehüllen. So interessant diese fundierten Beiträge auch erscheinen mögen, oberflächlich bleiben sie dennoch. Wenn ich Beiträge zur Meeresbiologie lesen wollte, würde ich mir eine sachliche Lektüre zur Hand nehmen und keinen vermeintlichen Thriller.
Genau diese ständigen Ausflüge in die Wissenschaft machen das Buch ungenießbar und sind sein größtes Handicap. Andererseits ist die Handlung ohne diese ganzen Beiträge, bei näherer Betrachtung, ziemlich fad und platt. Das Buch enthält absolut nichts Neues. Nichts, was nicht schon in jegweiligen anderen Büchern oder Filmen durchgekaut wurde. Sämtliche Klischees werden aufgegriffen: die USA - die unersättliche Weltmacht; Szenen der Katastrophen, Tsunamis; Wale, die plötzlich durchdrehen und gezielt Menschen vernichten, gesteuert von einer aus der "Abyss" kommenden Bedrohung in Form von Eizellern (was wohl die einzige etwas neuere Idee sein dürfte ); eine karrieregeile Superfrau, die bei einem Funken Verlust von Kontrolle, völlig frei dreht etc.
Ideologisch hochwertig ist es absolut nicht. Dazu kommt noch die Vorhersehbarkeit einiger Szenen, besonders gegen Ende des Buches.
Die Handlung und die wissenschaftlichen Ausschmückungen stehen zwar im Kontext, doch stoplern beide Parteien kontinuierlich über den anderen. Folglich geht die Spannung dadurch leider verloren.
Die Figuren werden sehr stark vernachlässigt und das Hauptaugenmerk beschränkt sich lediglich auf die umbedingte umweltpolitische Kritik des Autors.
Viel zu viel Zeit wird auch in die einleitende Handlung investiert und viel zu wenig Gedanken in die Schlussinszenierung. Und der Schluss ist meiner Meinung nach der größte Makel.
Der Autor hat  vielleicht bei einigen Lesern den Nerv getroffen, da er ein sehr aktuelles Thema aufgegreift.
Doch muss man leider feststellen, dass das Buch weder ein spannender Thriller ist, noch sich als fähig erweist, ein Resume oder einen Appell zu postulieren, bei der doch ziemlich um Anerkennung schreienden Kritik in Bezug auf die verschwenderische Lebensweise der Menschen.

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tom appleton schrieb uns am 08.01.2010
Thema: Walter Delabar: Wider die weltweiten Hermann-Hesse-Epigonen
Andrew Brown kann sich in „Schlaf ein, mein Kind“ nicht zwischen Moralin und Selbstsucht entscheiden

"schlaf ein, mein kind" -- ("GÄHN:::!") ist natürlich kein wirklich vielversprechender krimi-titel. da träumt wohl jemand im lektorat.

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Luise F. Pusch schrieb uns am 14.12.2009
Thema: Rolf Löchel: Ich, Marlen(e)
Marlene Krispers Essay über „Das ordentliche Leben der Marlen Haushofer“ ist allzu ichbezogen

Wunderbar, wie Sie die große Marlen Haushofer gegen ihre zudringliche Verehrerin verteidigen. Der letzte Satz ist so schön wie viele Sätze von Haushofer.

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Hein schrieb uns am 13.12.2009
Thema: Anette Müller: Charlie Bone und der Windschatten Harry Potters
Jenny Nimmo bedient sich in "Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder" reichlich bei der berühmten Vorlage

Die Feststellung von Frau Müller hat zwar eine gewisse Berechtigung, aber die Geschichte von Charlie Bone weicht dann doch erheblich von der in den Harry-Potter-Geschichten ab. Hier wird eine eigene Welt entwickelt, in die der Leser eintaucht und die ganz anders ist als Hogwart. Gemeinsam ist beiden Serien - wie auch vielen anderen Geschichten - der Kampf des Guten gegen das Böse. Die Autorin versteht es, durch eine sehr flüssige, gut lesbare Sprache eine Spannung zu erzeugen, der man sich, einmal mit dem Buch angefangen, schlecht entziehen kann. Dass die Ausgangslagen ähnlich sind, liegt sicherlich auch an der Herkunft beider Autorinnen: Sie stammen beide aus dem angelsächsischen Raum, in dem Geschichten über Zauberwelten mit Phantasiegeschöpfen viel stärker verankert ist als bei uns. Beide Geschichten - Harry Potter und Charlie Bone - leben aus der Überlieferung angelsächsischer und irischer Erzähltraditionen. Und beide sind auf ihre Weise sehr gelungen.

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Dr. Eckhard Ullrich schrieb uns am 11.12.2009
Thema: Re: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe
Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“

Natürlich hat eine Rezensentin alles Recht der Welt, gleich in den ersten Absatz ihrer Buch-Belöffelung alles zu legen, was sie im Oberseminar über hochwertige Literatur im Unterschied zu minderwertiger gelernt hat. Im Land, das E von U scheidet, in dem historische Hebammen-Romane sieben Minuten und zwölf Sekunden nach der Veröffentlichung schon sechsstellige Verkaufszahlen vorweisen, während selbst der neue Hardcover-Walser nach Jahresfrist im Ramschkatalog landet, muss die alte Keule immer mal wieder geschwungen werden. Ob filmisch tatsächlich die Steigerung von episodisch ist, wage ich tapfer zu bezweifeln, ob Kraussers Buch so oder so ist, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass allein die krude Wortmeldung eines Stern-Deuters reicht, es interessanter zu machen, als es vielleicht vorher war oder gar sein sollte.
Dr. Eckhard Ullrich
Ilmenau

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Peter Engel schrieb uns am 01.12.2009
Thema: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe
Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“

Wer als Autor nicht weiß, daß der Name Sarah Stern stark jüdisch konnotiert ist, der sollte lieber die Finger vom Verfassen solcher Romane lassen, zu deren Personal eine Frau dieses Namens gehört. Das kann nur daneben gehen. Sollte er sein Nichtwissen lediglich  vortäuschen, dann wäre der Vorwurf der Ignoranz durch den einer unsauberen Spekulation zu ersetzen.

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Helmut Krausser schrieb uns am 24.11.2009
Thema: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe
Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“

Die Rezension von Heide Lutosch über meinen jüngsten Roman ist voller Behauptungen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Der Titel "Einsamkeit und Sex und Mitleid" könnte als Parodie auf den Text der deutschen Nationalhymne gelesen werden. Muß aber nicht. Vielen Lesern fiele das gar nicht auf. Könnte auch metrischer Zufall sein. Wie kann man also behaupten, ich würde hier die LAGE DER NATION erörtern?  
Ein großes Wort für eine Sammlung komischer (warum wird das so selten erwähnt?) trauriger und grotesker Geschichten. Ich wolle GEMEINSCHAFT UND SCHICKSAL? Wie klingt das denn? Hätte ich je irgendwo einen moralischen Zeigefinger erhoben? Es ist weiterhin von esoterisch
verbrämtem Nationalismus die Rede. Als dezidiert antinationalistischer Autor, der aber auch überhaupt nichts mit Esoterik zu tun hat, muß ich diese Äußerung zurückweisen. Je eher die deutsche Nation in Europa aufgeht, desto lieber ist mir das.  Der angeblich pathetische Schlußsatz ist in seiner Überzogenheit nicht mehr pathetisch, sondern schwer ironisch, anders ergäbe er keinen Sinn, gemeint ist natürlich
die Liebe des Autors zu seinen Figuren. Angeblich viermal wird in
diesem Buch einer Frau sexuell etwas angetan, (oder sie wünscht sich das wenigstens) was daraufhin verharmlost wird. Mir fällt auf Anhieb nur eine Stelle ein, wo sich die Beteiligten trotz einer vollzogenenen Vergewaltigung im Schlafsack später ineinander verlieben. Soll vorkommen. Das Buch enthält haufenweise Figuren starker und durchsetzungsfähiger Frauen (die auch den Männern einiges antun) und man muß schon mit einer sonderbaren Brille lesen, um da etwaige misogyne Tendenzen zu entdecken.
Weiterhin wird moniert, daß hier einmal ein deutscher Doktor einem
sprachunbegabten Türken aufs Maul hauen darf. Einige Sätze später wird gefragt, worin in diesem Buch die Satire bestehen soll. Praktisch wird mir hier auch noch Ausländerfeindlichkeit nachgesagt. Als wäre das alles nicht lustig, vielmehr lächerlich genug, wird gefragt, ob der Umstand, daß sich eine Sarah Stern per masochistischer Praktik einen Lustgewinn verschafft, ein schlecht versteckter Antisemitismus oder ein kalkulierter Skandal ist. Seltsamer Skandal, der weder mir noch meinem
Lektor noch sonstwem bisher aufgefallen ist. Ich habe einen Thomas entworfen, dann ihm eine Frau namens Sarah (der heute ungefähr viertbeliebteste Name) an die Seite gesetzt und keinen Moment daran gedacht, daß damit für manche Ohren ein klingender Name entstehen
könnte. Thomas Stern hieß nämlich bis kurz vor Drucklegung noch Thomas Stein, bis man mich darauf hinwies, daß es derzeit einen Prominenten diesen Namens gibt.  Weshalb genau dabei aber irgendetwas antisemitisch gemeint sein könnte, kann ich nicht ahnen. Sarah Stern ist eine sympathische und selbstbestimmte Figur, die sich im wahrsten Sinne des Wortes aus der Banalität ihrer Existenz einen Weg zum Orgasmus freischießt.
Warum ich mich mit dem ungeheuerlichen Vorwurf des Antisemitismus auseinandersetzen muß, in einer Zeit, da ich mit meinem nächsten Buch den (sicher nicht kommerziell erfolgversprechenden)  Versuch unternehme, der Musik des jüdischen, von den italienischen Faschisten verbotenen Komponisten Alberto Franchetti, wieder Gehör zu verschaffen, ist mir ein Rätsel. Wie leichtfertig geht die Rezensentin hier mit meinem Ruf um? Da hört jeder Spaß auf.
Frau Heide Lutosch scheint mehr zu interpretieren als zu lesen. Sie redet von einem pädophilen Lateinlehrer. Der Lateinlehrer ist aber, wie ganz deutlich klar wird, eben nicht pädophil, tut mir leid. Auf die vielen kleineren sachlichen Fehler will ich nicht eingehen. Das Einzige, was mich an dieser Kritik gefreut hat: daß von jemandem bemerkt wurde, wie sich hier ebensoviele Paare finden wie trennen. Dieses Buch ist in der Tat nicht rabenschwarz, sondern von einem durchaus versöhnlichen Ton getragen.

Mit schönen Grüßen

Helmut Krausser

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Dietrich Schlüter schrieb uns am 09.11.2009
Thema: Daniel Weidner: Glauben und Lesen
Neue Literatur aus dem Spannungsfeld von Literaturwissenschaft und Theologie

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich zitiere aus der Rezension von Daniel Weidner: "...Dass ein entsprechender Versuch seitens der Literaturwissenschaft fehlt, zeigt noch einmal die erwähnte Schieflage der Diskussion."

Es gibt diesen Versuch:
Vor acht Jahren (2001)  habe ich in meiner Online-Dissertation das Verhältnis von Theologie und Literaturwissenschaft zu bestimmen versucht, sowohl systematisch als auch praktisch. Es ist bis heute der einzige vollständige Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Literaturtheologie von 1945 bis 2000. Das, was Langenhorst in seinem 'Handbuch' wiedergegeben hat, sind leider nur schmale Ausschnitte aus diesem Diskurs.

Meine Dissertation ist eigentlich nicht schwer zu
finden. Eine Seite dazu habe ich unter www.dietrich-schlueter.de ins Netz gestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Dietrich Schlüter

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Prof. Dr. Hans Otto Horch schrieb uns am 03.11.2009
Thema: Norbert Mecklenburg: Die Zeit der Apologetik ist vorbei
Zu Michael Fleischer Neuauflage von Theodor Fontanes die „Judenfrage“

Norbert Mecklenburgs Darstellung der forschungsgeschichtlichen Problematik ist voll zuzustimmen: Es war (und ist leider gelegentlich immer noch) ein Skandal, mit welchen Pseudo-Argumenten der bestürzendste Aspekt in Leben und Werk eines zu Recht berühmten und in vieler Hinsicht auf die Moderne vorausweisenden Autors wie Fontane verharmlost wird. Als Fleischer 1998 sein Buch im Selbstverlag herausgab, bedeutete dies einen Durchbruch, insofern hier zum ersten Mal vollständig das einschlägige Material zusammengestellt wurde. Freilich gab es im Einzelnen viele kleinere und größere Unstimmigkeiten, auf die ich in meiner ausführlichen Rezension in den Fontane Blättern (67, 1999, S.135-141) hingewiesen habe. Der hauptsächliche Kritikpunkt an Fleischer - bei aller Anerkennung seiner dokumentarischen Leistung - betraf seinen naiven Umgang mit dem Erzählwerk, dessen Komplexität auch nicht annähernd erkannt wurde. Vielleicht hätte Mecklenburg auf dieses Problem von Fleischers Dokumentation in seiner zu Recht anerkennenden Rezension deutlicher hinweisen können.

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Ed Berend schrieb uns am 02.11.2009
Thema: Walter Delabar: Ende einer Recherche
David Peace kündigt den rechtsstaatlichen Konsens auf

Sehr geehrter Herr Delabar, vielleicht ist alles schon zu spät, aber ich habe gestern zum 1. Mal in my life von dem AUTOR David Peace gehört, bei Druckfrisch, Thema: Tokio im Jahre Null. Bin dann im Netz auf die Suche gegangen, und so auf Ihre "alte" Rezension gestoßen. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit Ihnen übereinstimme, und mir manchmal die Bindung von Text und Litaratur fehlt, die allgemeinen Thesen, die Sie in diesem Zusammenhang entwicklen, wie z.B. das Aufkündigen des "rechtsstaatlichen Konsens" durch David Peace's Figuren, erscheint mir sinnvoll. Die innere Verrohung der Gesellschaft im 20. Jahrhundert, die sich in zwei Weltkriegen "Luft" machte, kann man nur durch Monstren oder groteske Figuren (Baal) anschaulich machen. Was Sie vielleicht vergessen haben: der rechtsstaatliche Konsens hilft stets in der Konsequenz nur dem Stärkeren. Die "Zerrüttung der Gesellschaft" ist täglich erfahrbar: der Umgang mit Geschwächten nimmt in seiner äußeren Brutalität immer deutlichere Formen an: Der Autor David Peace wehrte sich im Interview (mit Dennis Scheck), wenn ichs richtig verstanden habe, gegen den off-Text-Vorwurf, er sei ein Düsterer, ein Pessimist. Es ist auch kein Pessimist; er ist Realist. Der Mensch besitzt eine grauenhafte Eigenschaft, die noch schlimmer ist als sein Hang zum Töten: er will immer der/die Gute sein, die reine Unschuld, egal welches Verbrechen er/sie tatsächlich begangen hat.Ich teile die Auffassung von David Peace, daß der Mensch von Natur aus Gutes und Böses in sich trägt; die Frage ist, warum sich manchmal das eine, manchmal das andere mehr durchsetzt. Dieser Menschentypus hat in der Weltgeschichte versagt, es bedarf - über Jahrhunderte gesprochen - eines neuen Menschen.
Danke für Ihre wirklich lesenswerte Kritik.
E.Berend

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G. schrieb uns am 19.10.2009
Thema: Sanja Zec: Wie Romeo und Julia
Die Welt ist eine Hölle in Lolita Pilles "Pradasüchtig"

Vielleicht geht es ja gar nicht in erster Linie um den Inhalt dieses Romans, sondern darum, wie Pille die brutale Realiät eines armen, reichen Mädchens schildert und immer wieder unterbricht, in dem sie Momente reiner Poesie und vollkommener Emotionen dazwischenwirft.

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Mirjam Siecora schrieb uns am 18.10.2009
Thema: Anette Müller: Piratinnen
In Celia Rees' "Piraten!" sind die Frauen die wahren Abenteurer

Ich habe das buch "Piraten!" als Buch für ein Referat bekommen, deshalb habe ich mir mal angeschaut, was andere über das Buch sagen. Inzwischen habe ich es selbst gelesen und ich bin wirklich beeindruckt (:

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Christa Bröker schrieb uns am 16.10.2009
Thema: Re: Peter Mohr: Wörter als Schutzschild
Ulla Hahns vorzüglicher Roman "Das verborgene Wort"

Sehr geehrte Frau Leonhardt,

im Gegensatz zu Ihnen habe ich "Das verborgene Wort" mit großer Anteilnahme gelesen.
Ich denke nicht, dass U. Hahn es GENAU wiedergeben wollte,das Geschehen in den 50-ger Jahren. Dennoch habe ich viel Wahres in dem Buch gefunden. Es ist ein ROMAN und keine Dokumentation.

Mit freundlichen Grüßen
C. Bröker

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Jürgen Neumann schrieb uns am 16.10.2009
Thema: Eckart Löhr: Auf überwachsenen Pfaden zu einem großen Autor
Zum 150. Geburtstag von Knut Hamsun

Mein Gott, Herr Löhr!

Sie glauben gar nicht wie oft ich  all das, was Sie da über Knut Hamsun schreiben fast wörtlich oder ähnlich schon hundertemal gelesen habe. Wenn Sie und Ihresgleichen den wohl genialsten Literaten Skandinaviens nicht fair, sachlich oder - ich wage es von Ihnen garnicht zu verlangen - sachkundig! beurteilen können, dann schreiben Sie doch besser einfach nichts! Haben Sie jemals unvoreingenommen auch nur eines seiner Bücher gelesen?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Und haben Sie sich, unabhängig von vorgegebener Systemmeinung, jemals mit der Geschichte Norwegens im  Weltkrieg Nr. 2 befasst? ... ...
Nun - meine Verärgerung hier nur kurz als Mail ...
Wenn es Ihnen mal
wieder so ist als müssen Sie über Knut Hamsun schreiben sollten Sie vorher vier Bücher als Mindestfundus
zur Erkenntnissbildung lesen:

   1. KNUT HAMSUN  Segen der Erde
   2. KNUT HAMSUN  Die Weiber am Brunnen
   3. TORE HAMSUN  Mein Vater Knut Hamsun (Ausgabe 1987)
   4. RALPH HEWINS Quisling - Verräter oder Patriot ?

und versuchen Sie "Auf überwachsenen Pfaden" so zu verstehen wie es Hamsun unmissverständlich! gemeint hat.

Verstehen Sie meine Worte nur als Ausdruck meiner Verärgerung,
sie sind nicht Ausdruck bösen Zorns.

   Beste Grüße

Jürgen Neumann

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Heinz Peschak schrieb uns am 11.10.2009
Thema: Anne Kramer: Die unverdienten Leichtigkeit des Seins
Wolfgang Engler wünscht uns in „Lüge als Prinzip“ ein besseres Leben im falschen

Sehr geehrte Frau Kramer, bevor ich Ihre Rezension gelesen habe, hörte ich das Gespräch über dieses Buch mit Wolfgang Engler im WDR-Podcast.
Gerade in einer Zeit, in der scheinbar alles drunter und drüber geht, und man sich schier hilflos den "bösen Mächten" des Kapitalismus, den Banken und ihren Versprechungen, den Politikern und ihren "Versprecherern" ausgeliefert sieht, ist es wie eine Offenbarung, daß Wolfgang Englers Buch: "Die Lüge als Prinzip: Aufrichtigkeit im Kapitalismus" erscheint.
Möge es den Verantwortlichen in unserer Gesellschaft Denkanstöße geben, die sie von ihrem verwerflichem Wege auf den geraden, den richtigen zurückführen!
Das gäbe vielen von uns
wieder Hoffnung auf eine lebenswertere Gesellschaft.
Ich drücke dem Autor und Ihnen als Rezensentin im Geiste die Hand und wünsche Ihnen beiden eine gute, ausdauernde Gesundheit.
Ihr Heinz Peschak

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Laura [Schülerin] schrieb uns am 29.09.2009
Thema: Sabine teHeesen: Freude am fremden Volk
Erich Scheurmann in der Maske des Papalagi

Hallo :)
Also ich finde die Kritik überhaupt nicht gerechtfertigt!
Wir lesen das Buch gerade im Deutsch Unterricht (9.Klasse jedoch leider G8), und mir persönlich gefällt dieses Buch sehr. Diese Gegenüberstellung der vielleicht doch nicht ganz realen Welt in Samoa, aber doch die kleinen Fehler in unsrer Alltäglichen Welt. Ich denke, dass dieses Buch einfach daraufhin weißen soll, dass es auch Menschen gibt, die mit dem kleinsten Dingen auf der Welt zufrieden sind, auch ohne rundes Metal & schweres Papier, auch ohne die Zeit, der wir so nachhechten. Ich finde dieses Buch genial, und würde es jedem weiteremfehlen. Ich denke dass jeder sein eigenes kleines "Ich" wiederfindet, und man erst hinterher merkt, was man eigentlich zu
schätzen hat!
Außerdem schreiben wir morgen die Arbeit. :)
Drückt mir die Daumen ;)

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A. Steinhorst schrieb uns am 28.09.2009
Thema: Jan Süselbeck: Der verlorene Sohn
Joachim C. Fests Erinnerungen handeln vom zerrissenen Charakter seines Vaters. Seinem eigenen revisionistischen Geschichtsbild bleibt der Autor trotzdem treu

Danke, Jan Süselbeck, für diese, mich von heftigen Wahrnehmungszweifeln, die mich nicht nur beim Lesen der Fest'schen Erinnerungen befallen hat, sondern vor allem auch danach beim Suchen nach kritischer Logik in den Rezensionen, befreienden Worte.

Nachdem ich bereits den Titel, den Sie sehr genau und richtig recherchierten und widerlegen, als unlogisch und unangemessen (Bibelverweis) empfand, las ich - trotz der großen Kritiker-Lobeshymnen - Ich nicht sehr wachsam weiter.
Ich stimme in allen Ihren erörterten Kritikpunkten überein, und möchte noch Folgendes hinzufügen:
Ermüdende Redundanzen, ja, unbedingt! Ins Unangemessene  - angesichtis der auf ein lästiges Übel reduzierten Greuel der Zeit.
Überzogene Details seiner literarischen Begegnungen, sowie mein heftigster und nachhaltigster Eindruck:
Fehlende Emotionen, große Distanz zum Erlebten (wo ist das Gefühlte?), trotz des Ich-Erzählers eher einem distant narrators gleichend verfasste Schilderungen von traumatischen Lebenssituationen, wie der Kampf im Schützengraben, Flucht, Verschwinden von Freunden, Tod des Bruders, Vergewaltigung der Cousine etc.
Es entsteht der Eindruck eines deutschen Holden Caulfield, das awakening eines Literaten, der, wie ein Simplizissimus durch die Wirren des dritten Reiches, (anstatt des 30 jährigen Krieges), ein augenzwinkernder Spielball des Schiksals, das selbige bravourös meistert.  
In Übereinstimmung mit Bartleby, würde ich diese Memoiren  gerade und insbesondere rather not als literarischen Glücksfall bezeichnen.
Andrea Steinhorst

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Heinz-J. Schönhals schrieb uns am 17.09.2009
Thema: Ursula Homann: Richard Wagner als Vorläufer der Nazis?
Jens Malte Fischer über Wagners Antisemitismus

Eine Verteidigung des Menschen Richard Wagner!
Wagners Antisemitismus muss etwas anderes gewesen sein als der Rassismus Hitlers und der Nazis. Ein echter Antisemit will mit Juden nichts zu tun haben. Wagner hingegen hatte Umgang mit Juden: In Paris verkehrte er mit Heine, Halévi und Meyerbeer, in Deutschland zählten zu seinen Freunden musikliebende und musikausübende Juden. Zwar hat er sich Meyerbeer gegenüber später ungerecht verhalten; erst recht ungerecht waren dann seine aggressiven Pauschalurteile in "Das Judentum in der Musik", und man mag hieraus mit Recht den Schluss ziehen, dass Richard Wagner als Mensch keinen besonders guten Charakter hatte. Ich würde das unter die Rubrik "menschliche Schwächen" einordnen. Heute
begeht man aber den Fehler, den Komponisten wegen dieser menschliche Schwäche zu verteufeln, weil man unsinniger Weise eine Verbindung von ihm zu Hitler zieht. Mit Hitlers Judenhass hatte Wagners Antisemitismus nichts zu tun. Ein Judenhasser hat doch keine jüdischen Freunde! Wagner aber hatte sie: In seinem Hause verkehrten der jüdisch-russische Pianist Rubinstein und der jüdische Dirigent Lévi! Letzterer wohnte sogar bei den Wagners, und Richard bekniete ihn, ja die Uraufführung seines Parsifals zu dirigieren. Handelt so ein Antisemit? Gegenüber Lévi äußerte er einmal massive Kritik an den Hamburger "Bankjuden". Lévi antwortete, er, Wagner, "nubbele“ an seiner Seele (s. Cosima Wagners Tagebücher). Gerade hier wird die spezifische Art des wagnerschen Antisemitismus deutlich: Es ist ein Hass auf den Materialismus, die Reduzierung des menschlichen Strebens auf Geldverdienen und Geldvermehrung, Im Judentum sah er dieses Streben verkörpert, aber im Judentum als einer abstrakte Größe. Gegen jüdische Menschen, soweit sie Jünger und Diener der Kunst waren, hatte er nichts. Im Gegenteil: er mochte sie (siehe Rubinstein, Lévi). Meyerbeer war ihm offenbar kein solcher Jünger und Diener der Kunst!

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Christof Schöch schrieb uns am 25.08.2009
Thema: Frauke Schlieckau: Das Reich der Schatten
Über „Schatten. Ihre Darstellung in der abendländischen Kunst“: Eine Einführung von Ernst H. Gombrich

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich die Rezension zur Neuauflage von Gombrichs "Schatten"-Buch gelesen. Leider enthält sie dem Leser ein paar doch relevante Informationen vor. Gerade bei den angemerkten Schwächen bzw. dem spezifischen Fokus des Buches wäre der Verweis auf Victor I. Stoichitas komplettere und chronologisch weiter gefasste "Eine kurze Geschichte des Schattens" (Wilhelm Fink Verlag, München, 1999) unerlässlich gewesen. Im Übrigen hat sich kürzlich eine Ausstellung im Thyssen-Bornemisza dem Thema "La Sombra" gewidmet (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, 10. Februar bis 17, Mai 2009).

Mit freundlichen Grüßen,
Christof Schöch
(Kassel)

Zwei Referenz-Links:
http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-3273-5.html http://www.museothyssen.org/microsites/exposiciones/2009/LaSombra/

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Stefanie Krause schrieb uns am 25.08.2009
Thema: Frauke Schlieckau: Mythos Romy Schneider
Ein Sammelband von Thomas Koebner und Fabienne Liptay widmet sich der Vielseitigkeit der berühmten Schauspielerin

Eine ausgezeichnete Rezension eines Buches über eine ausgezeichnete Schauspielerin und berührende Persönlichkeit.

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Michael Roloff schrieb uns am 20.08.2009
Thema: Stefan Cernohuby: Grabesstimme
Peter Handkes Monolog „Bis daß der Tod euch scheidet oder Eine Frage des Lichts“ ist eine Herausforderung für Experten

Stefan Cernohuby ist wohl kaum der richtige, „Bis daß der Tod euch scheidet" zu besprechen. Sehen Sie sich mal an, was da bei http://begleitschreiben.twoday.net/topics/Peter+Handke/
zu lesen ist darueber, und die interressanten Rezension in den Zeitungen und Feuilletons,
Ihr Michael Roloff

LINK OF LYNXES TO MOST HANDKE MATERIAL ON THE WEB:

http://www.handke.scriptmania.com/favorite_links_1.html

HANDKE LINKS + BLOGS
SCRIPTMANIA PROJECT MAIN SITE: http://www.handke.scriptmania.com
and 13 sub-sites

the newest:
http://handke-photo.scriptmania.com/
contains the psychoanalytic monograph

http://www.handkelectures.freeservers.com [the drama lecture]
/> http://www.van.at/see/mike/index.htm

[dem handke auf die schliche/ prosa, a book of mine about Handke]

http://begleitschreiben.twoday.net/topics/Peter+Handke/

http://handke-discussion.blogspot.com/
[Disussion of MORAWISCHE NACHT; the psychoanalytic monograph; the  American Scholar caused controversy about Handke, reviews, detailed of Coury/ Pilipp's THE WORKS OF PETER HANDKE,
with three photo albums, to wit:

http://picasaweb.google.com/mikerol/HANDKE3ONLINE#

http://picasaweb.google.com/mikerol/HANDKE2ONLINE#

http://picasaweb.google.com/mikerol/POSTED?authkey=YeKkFSE3-Js#

http://www.handke-trivia.blogspot.com
side essays

http://www.artscritic.blogspot.com

[some handke material, too, the Milosevic controversy summarized]

MICHAEL ROLOFF
Member Seattle Psychoanalytic Institute and Society
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"MAY  THE FOGGY DEW BEDIAMONDIZE YOUR HOOSPRINGS!" {J. Joyce}
"Sryde Lyde Myde Vorworde Vorhorde Vorborde" [von Alvensleben]

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Lothar Struck schrieb uns am 20.08.2009
Thema: Stefan Cernohuby: Grabesstimme
Peter Handkes Monolog „Bis daß der Tod euch scheidet oder Eine Frage des Lichts“ ist eine Herausforderung für Experten

Aha! Ein Buch wird danach beurteilt, ob sich die Anschaffung "lohnt". Als wäre nicht durch die Thematik an sich das Publikum schon abgesteckt. Der Rezensent gibt zu, mit dem Thema  irgendwie überfordert zu sein und delegiert seine Lektüre sozusagen an den Experten. Das ist soweit in Ordnung. Nur welcher Sinn hat dann diese Besprechung, die nur signalisiert: Sorry, nichts für mich - und auch nichts für Euch.

Vielleicht hätte man besser das Buch nicht derart verhunzt besprochen. Sondern geschwiegen.

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Christoph von Wolzogen schrieb uns am 18.08.2009
Thema: Fabian Kettner: Mit einem Fuß im Ewigen
Über einige Neuerscheinungen und Wiederauflagen von und zu Emmanuel Lévinas

Fabian Kettner hat recht, Levinas ist ein schwieriger (difficiler) Autor. Und so kommt es, dass jede Generation "ihren" Levinas neu entdecken und er-finden muss. Es stimmt, Bernhard Waldenfels hat auf die Asymmetrie der Beziehung zum Andern hingewiesen; das tut aber schließlich jeder anständige Levinas-Leser, weil es in "Totalität und Unendlichkeit" (dt. Ausgabe, S. 311) unter dem Titel "Die Asymmetrie des Interpersonalen" steht. Levinas' "Sound" hängt übrigens damit zusammen, dass er ein schwieriges Französisch schreibt, das im Deutschen oft so etwas wie Interferenzen erzeugt. Was man also methodisch (!) von seinen Talmud-Studien lernen kann, ist, dass es nie "die richtige", sondern immer nur eine "bessere" bzw. andere Übersetzung seines Denkens gibt. - Deswegen halte ich die Bedenken gegenüber Levinas' "politischer Philosophie" (die es, wie Kettner wohl weiß, eigentlich gar nicht gibt) marginal gegenüber Kettners Bemerkungen zum Talmud, die den Ausgang jeder künftigen Levinas-Interpretation bilden sollten: "Das Judentum ist die Religion, die seinen [Levinas'] philosophischen Ansprüchen genügt und in der Levinas sein Konzept von Philosophie verwirklicht sehen kann. Denn sie kennt kein Dogma; - Dogmen gehen zurück auf Offenbarung und nicht auf Beweise. Die religiöse Gesetzgebung gründet zwar in göttlicher Weisung - bedarf aber ebenso vernünftiger Erklärung. Und so ist die Thora 'nichts anderes als Fragen und Diskussionen. Sie existiert nicht in Gestalt eines mystischen Wortes.' "

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Eckart Löhr schrieb uns am 13.08.2009
Thema: Eckart Löhr: Auf überwachsenen Pfaden zu einem großen Autor
Zum 150. Geburtstag von Knut Hamsun

Lieber Herr Dr. Wehner, lieber Herr Dr. Süselbeck,

vielen Dank für Ihre interessanten Beiträge. An dieser Stelle möchte ich auch auf zwei Neuerscheinungen (Neuübersetzungen) hinweisen. Dass Daniel Kehlmann in der Neuausgabe von Hunger das Nachwort geschrieben hat mag so mancher bedauern, tut dem grandiosen Buch von Hamsun aber keinen Abbruch.

Hamsun, Knut: „Hunger“. Roman. Aus dem Norwegischen von Siegfried Weibel. Mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann.. Claassen Verlag, Berlin 2009. 236 S., geb., 19,90 €.

Hamsun, Knut: „Pan“. Roman. Aus dem Norwegischen von Aldo Keel und Ingeborg Keel. Manesse Verlag, München 2009. 256 S., geb., 17,90 €.

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Jan Süselbeck schrieb uns am 11.08.2009
Thema: Re: Eckart Löhr: Auf überwachsenen Pfaden zu einem großen Autor
Zum 150. Geburtstag von Knut Hamsun

Ergänzend sei hier auch noch verwiesen auf Leo Löwenthals berühmte Hamsun-Untersuchung. Hier zeigte der Literatursoziologe, der zu den Nestoren der Kritischen Theorie gehörte, bereits 1934 anhand der Romane des Nobelpreisträgers, warum darin faschistisches Denken propagiert werde: „Wenn in den sentimentalen Anteilen des Naturerlebnisses die Brutalität der Wirklichkeit negiert werden soll, spiegelt sich in der Naturbewunderung auch die gesellschaftliche Brutalität. [...] Die Natur ist nicht nur das Paradigma des Leidens, sondern auch des Großartigen, des Heroischen.“ Das Ende dieser Modell-Analyse Löwenthals gipfelt in dem Befund: „Die Ruhe in der Natur, zu der die bürgerlichen Leserschichten mit Hamsun herüberdämmern möchten, ist bloßer Schein; in der Realität erweist sie sich als Industrie- und Kriegslärm der autoritären Herrschaft.“

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Tobias Grüterich schrieb uns am 11.08.2009
Thema: Re: Tobias Grüterich: Bitte nicht verwechseln
Zwei neue Anthologien widmen sich den Aphorismen der Weltliteratur

Sehr geehrte Frau Pusch,

die einzige Aphoristikerin in beiden Anthologien ist Marie von Ebner-Eschenbach.

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Grüterich

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Luise F. Pusch schrieb uns am 10.08.2009
Thema: Tobias Grüterich: Bitte nicht verwechseln
Zwei neue Anthologien widmen sich den Aphorismen der Weltliteratur

Was ist mit Aphoristikerinnen? Gibt es keine? Kommt in beiden Büchern keine vor?
Z.B. Marie von Ebner-Eschenbach oder Hedwig Dohm? Jelinek?
Wenn sie vorkommen, wäre es gut gewesen, das zu erwähnen. Wenn nicht, es zu kritisieren.

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Dr. Walter Wehner schrieb uns am 10.08.2009
Thema: Eckart Löhr: Auf überwachsenen Pfaden zu einem großen Autor
Zum 150. Geburtstag von Knut Hamsun

ausgezeichnet! eine "würdigung", die auch die schattenseiten der biographie nicht ausspart und auf mögliche philosophische wie politische querverbindungen zur ns-ideologie und zur blut-und-boden-literatur hinweist. der autor begründet aber zugleich die ästhetische qualität insbesondere des frühwerks  - literarisches können und begrüßung des faschismus schließen sich nicht aus, hamsun ist da nur ein beispiel, man denke an celine in frankreich, an marinetti u.a. in italien und auch an gottfried benn und seine unsäglichen äußerungen  und aufsätze. den "fall" hamsun als alters- oder psychatrisches problem abzutun, wäre zu einfach (und falsch), benn freute sich in seinen besten jahren bester gesundheit, was ihn nicht hinderte den neuen staat zu begrüßen, seinen fatalen expressionismusaufsatz zu veröffentlichen und sich über das problem der "züchtung" zu äußern. eine überprüfung auch der eigenen  faszination bei der früheren lektüre von hamsun ist nicht nur lohnenswert wegen des werkes, sondern vielleicht auch zur bewußtwerdung, was einen warum begeisterte oder immer noch begeistert.

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