Franziska Gräfin zu Reventlow, geb. am 18. Mai 1871 in Husum; gest. am 26. Juli 1918 in Locarno/Schweiz.
Sie war das fünfte von sechs Kindern des preußischen Landrats Ludwig Graf zu Reventlow und dessen Frau Emilie, geb. Gräfin zu Rantzau, im Schloss vor Husum geboren; ein Bruder war der später ebenfalls schriftstellerisch, aber auch politisch tätig werdende Ernst. Durch ihren Freundeskreis, der sich als „Ibsen-Club“ zusammenfand, wurde sie früh mit der modernen gesellschaftskritischen Literatur und den Schriften Nietzsches bekannt. Als ihre Eltern 1892 den heimlichen Liebesbriefwechsel mit ihrem lübischen Freund Emanuel Fehling entdeckten, wurde sie zur „Besserung“ bei einer Pastorenfamilie auf dem Land, in Adelby bei Flensburg, untergebracht. Von dort floh sie 1893 zu Bekannten nach Wandsbek und überwarf sich dadurch für immer mit ihrer Familie. In Wandsbek lernte sie ihren späteren Verlobten, den Hamburger Gerichtsassessor Walter Lübke kennen, der ihr im Sommer desselben Jahres einen Aufenthalt in München als Malstudentin finanzierte. Sie heirateten 1894. Die Ehe erwies sich für Reventlow jedoch nur als ein Sprungbrett in die Freiheit. Als sie sich 1895 erneut nach München begab, um ihr Malstudium dort fortzusetzen, zerbrach die Ehe (Trennung 1895, Scheidung 1897), und Reventlow führte ein eigenständiges, wenn auch von dauernder finanzieller Not und von Krankheit und mehreren Fehlgeburten gekennzeichnetes Bohèmeleben in München. Nicht wenige Einkünfte verdankte sie schließlich, wie in der Bohème üblich, der Schnorrerei und den Spenden ihrer männlichen Bekanntschaften. Im Oktober 1910 verließ sie München und lebte die folgenden Jahre in Ascona, wo ihre „Schwabinger Romane“ entstanden. Während Fanny Reventlows eigentliche künstlerische Ambitionen in der Malerei zu keinem nennenswerten Œuvre geführt haben, hat sie durch ihre schriftstellerischen Nebentätigkeiten ein einzigartiges Beispiel humoristisch-satirischer Literatur um 1900 und ein wertvolles kulturgeschichtliches Zeugnis der Schwabinger Bohème hinterlassen. Ihre Romane und Novellen werden bis heute verlegt und gelesen. In Der Geldkomplex (1916) schließlich – nach der Titelseite „Meinen Gläubigern zugeeignet“ – lieferte Reventlow (wiederum in Briefform) eine schwankhaft-komische Reflexion auf die pekuniäre Dimension des Bohèmelebens und zugleich eine Parodie auf die Psychoanalyse.
Angaben nach edition ebersbach, Dezember 2008
Artikel über Reventlow in literaturkritik.de:
Schatztruhe mit leerem Fach. Johanna Seegers hat Rezensionen, Porträts, Aufsätze und Nachrufe über Franziska zu Reventlow aus mehr als 100 Jahren zusammengetragen Von Rolf Löchel Ausgabe 12-2008
Ganz schön - und doch gemogelt!. Die neue fünfbändige Ausgabe der Werke der Gräfin Fanny zu Reventlow im Igel-Verlag, Oldenburg Von Jürgen Gutsch Ausgabe 01-2005
Kein Geld haben ist keine Kunst. Der Briefwechsel Franziska zu Reventlows und Bohdan von Suchockis Von Rolf Löchel Ausgabe 10-2004
Die Gräfin zahlt mit wahrer Münze. Franziska zu Reventlow therapiert ihren "Geldkomplex" im "Roman, meinen Gläubigern zugeeignet" Von Alexandra Pontzen Ausgabe 02-2002
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