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 literaturkritik.de » Nr. 4, April 1999 (1. Jahrgang) » Belletristik
 
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D wie Dilemma

Vom Untergang eines Präsidenten

Von Verena Feistauer

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Der jüngste Sohn des Schweizer Präsidenten liegt im Sterben. Gleichzeitig ist der König von Spanien auf Staatsbesuch. Pfiff, Chef der Sicherheitspolizei, ändert eigenmächtig das Vormittagsprogramm für die beiden First Ladies: eine Kinderklinik soll besucht werden - jene, in der der Sohn stirbt.

Die List des Sipo-Chefs glückt: Marie, Pfiffs ehemalige Verlobte und jetzige Gattin des Präsidenten, weigert sich, das Sterben des Kindes öffentlich zu machen. Der Präsident wiederum, der "große Kater", ist im Begriff, seinen Sohn zu opfern: von Anfang an durchschaut er Pfiffs perfiden Plan, ohne dagegen vorgehen zu können. Ein Dilemma wie im Schachspiel: entweder verliert er Frau und Familie oder seinen Posten - oder beides. Wehren kann er sich nicht mehr: Matt in drei Zügen.

Nur zwanzig Stunden umfaßt der Kern des Romans. Die minutiöse Schilderung dieser Zeit, in die der Sturz des "großen Katers" fällt, wird nur durch dessen Erinnerungen und Reflexionen unterbrochen: an seinen vergeblichen Versuch, Herders Lexikon von A-Z auswendig zu lernen, an seine Schulzeit im Kloster Maria Einsiedeln, wo er Pfiff kennengelernt hat, an die Katze, der er das Leben rettete und so zum "Kater" wurde.

Thomas Hürlimann gelingt mit "Der große Kater" eine spannende Erzählung um Macht, Intrige, Image und (verlorene) Liebe. Der Roman besticht nicht zuletzt durch seine enorme Dichte und seine mitreißende Sprache. Ein fesselndes Buch.

Titelbild

Thomas Hürlimann: Der große Kater.
Ammann Verlag, Zürich 1998.
235 Seiten, 19,40 EUR.
ISBN-10: 3250600253

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Letzte Änderung: 20.11.2003 - 19:09:33
Erschienen am:01.04.1999
Lesungen: 9833
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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