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 literaturkritik.de » Nr. 7 / 8, Juli 2000 (2. Jahrgang) » Schwerpunkt II: Utopie » Politische und Staatsutopien
 
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Hilflos im Zitatendschungel

Dieter Redlichs Versuch über Philosophie, Utopie und Politik in der Antike

Von Reinhard BrandtRSS-Newsfeed neuer Artikel von Reinhard Brandt

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die "Theory of Justice" (1971) von John Rawls beschäftigt sich mit den beiden Polen von rechtlicher Freiheit und Gleichheit einerseits und ökonomisch-sozialer Ungleichheit andererseits. Ohne letztere stirbt eine Gesellschaft, mit ihr geht sie das Risiko ein, Freiheit und Gleichheit auszuhöhlen. Wie also ist mit der Ungleichheit umzugehen? Das Problem von Rawls bildete schon den Hintergrund von Jean-Jacques Rousseaus "Discours sur l´orgine et les fondements de l´inégalité parmi les hommes" (1755), der nun seinerseits das Fundamentalwerk von John Locke, die "Two Treatises of Government" (1690) aufnahm und fortführte. Locke nimmt wie alle neuzeitlichen Naturrechtstheoretiker Freiheit und Gleichheit als Grundrechte an; die soziale Ungleichheit gründet für ihn in der Geldwirtschaft. Die beiden Komponenten werden in ihrer abstraktesten Form schon von Aristoteles in den beiden Gerechtigkeitsarten, der arithmetisch-egalitären und der geometrisch-ungleichen Verteilung von Gütern in der "Nikomachischen Ethik" (ca. 335 - 323 v. Chr.) unterschieden.

Wie nimmt Redlich diese im Titel seines Buches "Die Idee der Gleichheit aus dem Geist der Aristokratie" angesprochene Thematik auf? In der langen Einleitung und Einführung steht der Leser hilflos vor einem schwer zu durchdringenden Zitatendschungel von Ernst Bloch, G. W. F. Hegel, Peter Weiss und - höchst ungleich über allen thronend - Karl Marx und Friedrich Engels; daraus hervortönend die Sirenenwörter Logik und Dialektik, gesellschaftlicher Widerspruch und konkrete Utopie, einfache und dialektische Negation - glücklich, wer das alles versteht, zumal der Verfasser zu diesen Glücklichen kaum gehören dürfte.

Im Hauptteil der Studie werden antike Texte aus der epischen Frühzeit bis in den Späthellenismus in Auszügen gebracht, die um das Problem der gesellschaftlichen Ordnung kreisen. Die Illustrationen stammen überwiegend aus parallelen Entwürfen der frühen Neuzeit.

Kein Bild

Dieter Redlich: Die Idee der Gleichheit aus dem Geist der Utopie. Philosophische Theorie, utopische Fiktion und politische Praxis in der griechischen Antike.
Peter Lang Verlag, Frankfurt 1999.
310 Seiten, 41,40 EUR.
ISBN-10: 3906762947

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Letzte Änderung: 20.11.2003 - 19:10:22
Erschienen am:01.07.2000
Lesungen: 15061
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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