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 literaturkritik.de » Nr. 7 / 8, Juli 2000 (2. Jahrgang) » Schwerpunkt II: Utopie » Dystopien und Gentechnik
 
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Das genetische Verhängnis

Oktavia Butler reduziert menschliches Verhalten auf genetische Determinierung

Von Toni Äutzche

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die Oankali haben drei Geschlechter und können sich nur fortpflanzen, wenn sie sich mit anderen Lebensformen kreuzen. Außerdem sind sie die Herren der Erde und eine Erfindung der schwarzen US-Amerikanerin Octavia E. Butler, deren bekannte "Xenogenesis"-Trilogie nun unter dem Titel "Die Genhändler" in einem Band erhältlich ist. Butler, eine anerkannte Größe unter den SF-AutorInnen, ist mit ihren starken afroamerikanischen Heldinnen nicht nur in der Fan-Gemeinde des Genres sondern auch unter Feministinnen bekannt geworden. Keine geringere als Donna Haraway setzte sich wiederholt mit ihr auseinander, wobei sie ein besonderes Augenmerk auf "Dämmerung", den ersten Band der "Xenogenesis"-Trilogie richtete. Die Protagonistin, eine von Butlers schwarzen Heldinnen mit dem sprechenden Namen Lilith, wird nach einem verheerenden Atomkrieg von Außerirdischen, den Oankali, dazu gezwungen, die Überlebenden darauf vorzubereiten, sich mit ihnen zu paaren und so eine neue Spezis zu schaffen. Im gleichen Zuge wird den Menschen die Fähigkeit genommen, sich untereinander fortzupflanzen.

Doch vermeidet Butler die Schwarzweißmalerei der bösen Fremden und der guten Menschen. Die Oankali frönen zwar der Arroganz der Macht, doch die wenigen überlebenden Menschen begegnen ihnen mit ausgeprägter Xenophobie und unerträglichem Rassismus. Das Verhalten der Menschen untereinander ist trotz der Erfahrung des Atomkrieges nach wie vor von äußerster Aggressivität geprägt. Schuld daran sind die menschlichen Gene, wie die Fremden als perfekte biologische Gentechniker wissen. Die Menschen können einfach gar nicht anders als fremdenfeindlich sein und sich selbst vernichten. Hierin liegt die bedenklich Botschaft des Buches: Wir sind nicht viel mehr als Marionetten unserer Gene, die für unser gesamtes Sozialverhalten verantwortlich sind.

Nach Ende des ersten Bandes tritt Lilith, die bisherige Protagonistin, an den Rand des Geschehens, erlahmt die Handlung und hat sich die Problematik erschöpft. Man kann das Buch also getrost nach 300 Seiten zuklappen, oder, wenn man denn will, besser gleich die Einzelausgabe des ersten Teiles zur Hand nehmen.

Titelbild

Octavia E. Butler: Die Genhändler. Die Xenogenesis-Trilogie. 3 Romane in e. Bd. Aus d. Amerikan. v. Barbara Heidkamp.
Wilhelm Heyne Verlag, München 1999.
892 Seiten, 15,30 EUR.
ISBN-10: 3453148975

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Letzte Änderung: 20.11.2003 - 19:10:22
Erschienen am:01.07.2000
Lesungen: 3689
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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