In Beiläufigkeiten verzettelt

In seinem Krimi "Der verschwundene Gast" lässt Friedrich Ani lässt einen Verschwundenen suchen

Von Pepe DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Pepe Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Es gibt Geschichten, die machen es einem schwer. Lesen sich gar stockend und zäh. Man bricht ab, pausiert und beginnt von gutem Willen beseelt von vorne. Bei der Geschichte um den stoischen, von jeglichem Geschehen unbeeindruckten Kommissar Tabor Süden und seiner Suche nach einem verschwundenen Herrenausstatter ist auch das vergebens.

Fast schon könnte man behaupten, Süden verweigere in dieser Geschichte ebenso stoisch die Mitarbeit. Würde ihm nicht jener unterschwellige Zynismus fehlen, der für einen beliebten US-Serienermittler der frühen Neunziger so charakteristisch war - er wäre Anis Neuauflage von Inspektor Columbo. Doch da können auch die renitente Hauptkommissarin Sonja Feyerabend oder die Erzählung um die privaten Traumata von Tabor Süden nichts mehr retten. Zwar muss man der Geschichte zugestehen, dass das vorhersehbare Ende um eine überraschende Nuance erweitert wurde, aber der Plot weiß kaum zu fesseln.

Die Figuren sind es sicher nicht, die daran Schuld tragen. Den einen oder anderen Antagonisten lernt man schnell zu verabscheuen, und wäre Kommissar Süden ein überzeugender Ermittler, so wäre er am passenden Platz. Doch ebenso wie sein Gang während eines nachdenklichen Spazierganges nimmt die Geschichte einfach nicht an Fahrt auf.


Titelbild

Friedrich Ani: Der verschwundene Gast. Krimi.
Edition Nautilus, Hamburg 2007.
62 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783894015664

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