Tod im Wedding

Roman Rausch schickt den "Türken-Schlitzer" in den Berliner Wedding

Von Pepe DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Pepe Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Das kulturelle Dilemma der Kinder der Gastarbeitergeneration ist wahrlich kein einfaches Thema. In Bezug auf seine tatsächlichen Auswirkungen auf das Bewusstsein vieler junger Deutsch-Türken ist es noch recherchetechnisches Neuland. Dass Roman Rausch seinen Serienkiller ausgerechnet in die sozialen Abgründe eines türkisch geprägten Weddinger Kiez hinabsteigen lässt, ist daher auch sicher keine dankbare Wahl gewesen. Und er findet dafür auch keine gelungene Lösung: Zu stereotyp kommen die Charaktere der türkischen Väter, der türkischen Töchter und der deutschen Berliner "Schnodderschnauze" daher, deren Perspektive diese Geschichte bestimmt.

Ebendiese "Schnodderschnauze", verwahrt in der Karl-Bonhoeffer Nervenklinik, sitzt mit dem ehemaligen Polizeipsychologen Dr. Staudt in einem sterilen Verhörzimmer und spielt ein Spielchen, dem des Dr. Hannibal Lecter in "Das Schweigen der Lämmer" nicht unähnlich ist. Und doch hinkt der Vergleich mit der genial erdachten synergetischen Beziehung zwischen der jungen FBI-Agentin Starling und dem gebildeten sowie grausamen Lecter. Denn "Meet the monster" ist nur ein Dialog über 64 Seiten. Eine lange Kurzgeschichte.

Natürlich entwickeln sich die Dinge im Verlauf dieser Geschichte um den "Türken-Schlitzer" völlig anders. Das müssen sie. Aber dass ein Drogenabhängiger, der nach eigenen Angaben ein Leben zwischen extremer Sucht und völligem Delirium führte, nach einem Jahr Entzug einen solchen Wandel durchgemacht hat und ein Wunder an Kombinationsgabe geworden ist, ist wenig glaubwürdig.

Außerdem kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass deutsche Polizeiarbeit im Rahmen einer Mordermittlung anders ablaufen würde. Weniger riskant; weniger spektakulär.

Der Plan der Kriminalpolizei, der sich auch dem Leser schlussendlich erschließt, erscheint doch recht fadenscheinig. Die Simulation von Kompetenz ist - frei nach Bert Brecht - einfach nicht ausreichend, soll heißen nicht gut genug. Es ist fraglich ob die Berliner Beamten so keck auf Vorschläge eines überführten Serienmörders eingehen würden. Wohl eher nicht.

Dennoch hat der Text seine guten Seiten: Der Dialog zwischen dem inhaftierten Killer und dem resignierten Psychologen weist doch einige amüsante Facetten auf und wenngleich das Ende vorhersehbar ist, bereitet der kontinuierlich stattfindende Kontrollwechsel im Gespräch Vergnügen und amüsiert. Aber es sind ja auch nur 64 Seiten.


Titelbild

Roman Rausch: Meet the Monster. Krimi.
Edition Nautilus, Hamburg 2007.
63 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783894015688

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