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 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2009 » Fremdsprachige Literatur » Rezensionen
 
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Reisen in die Vergangenheit

Mikolaj Lozinski schickt den Protagonisten seines Romans "Reisefieber" auf den Weg nach Paris

Von Manuela Lück

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Amos Oz schrieb einmal: "Die längste Reise eines Menschen im Universum ist die Reise zu einem anderen Menschen." Dies könnte auch das Motto dieses Romans sein, zu dessen Beginn und an dessen Ende eine Reise nach und von Paris steht. Es ist die Reise eines Sohnes in seine Kindheit und in das Leben seiner Mutter Astrid, an deren Ende sein Erkennen und der Beginn seiner Zukunft stehen.

Daniel, ein Enddreißigjähriger in New York lebender Journalist, der seinen Beruf vor kurzem aufgegeben hat, um einen "modernen Roman" zu schreiben, macht sich, nachdem er vom Tod seiner Mutter erfahren hat, sofort auf den Weg nach Paris, wo die Mutter seit vielen Jahren gelebt hatte. Am Ende dieser Reise, nach zahlreichen schmerzhaften Erinnerungen und dem Wissen um seine Herkunft, ist Daniel erwachsen geworden und kann beginnen zu leben.

Der Romans skizziert in kleinen Szenen, Erinnerungsfetzen, Rückblicken und Fragmenten die komplizierte Liebe von Mutter und Sohn zueinander, ihre Innigkeit, aber auch Daniels Eifersucht und seine Wut. Diese Wut ist es, die beide voneinander entfernt und erst im Tod wieder zueinander finden lässt. Diese erkaltete Wut ist es auch, die Daniel unsensibel und teilnahmslos wirken lässt. In Paris angekommen, versucht er mit Hilfe seiner Tante etwas über seine Mutter und ihr Leben zu erfahren. Daniel muss feststellen, dass die Geschichten und Details, die er herausbekommt, nur bedingt etwas mit dem Bild zu tun haben, das er von seiner Mutter hat. Der Versuch, so das Leben seiner Mutter zu rekonstruieren, muss unvollständig bleiben, denn am Ende zählt nur sein eigenes, in ihm gespiegeltes Bild seiner Mutter. Lozinski erhielt für diesen Roman, den er als 25-Jähriger schrieb und der erstaunlich reif und ernsthaft wirkt, den Koscielski-Preis.

Die einzelnen Szenen, die mal Erinnerungs- mal Gegenwartsfragmente sind, werden wechselweise aus der Perspektive des Sohnes und der der Mutter geschrieben. Diese Fragmente erinnern mehr an Szenenbilder und verweisen in ihrer Ästhetik an Lozinski zweite Passion, die Fotografie. Diese beinahe filmisch zu nennende Erzählweise ist detailliert und emotional zugleich, ohne zu Tränen zu rühren.

Lozinski erzählte während einer Lesung im Polnischen Institut Berlin am 3. Dezember 2008, dass die Grundidee des Romans auf einer wahren Begegnung beruhe, die er gemacht habe, als er in Paris lebte. Allerdings muss man, wenn man der Selbsteinschätzung des Autors glauben darf, etwas länger auf das nächste Buch, das sich mit der polnisch-jüdischen Gedächtnistraditionen auseinandersetzt, warten, denn er "schreibe sehr langsam", sagte Lozinski. Man kann als beeindruckter Leser nur hoffen, das das Warten bald ein Ende hat.


Titelbild

Mikolaj Lozinski: Reisefieber. Roman.
Übersetzt aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann.
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008.
208 Seiten, 17,95 EUR.
ISBN-13: 9783421042873

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Letzte Änderung: 09.02.2009 - 11:15:24
Erschienen am:09.02.2009
Lesungen: 3263
© bei der Autorin und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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