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 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2009 » Deutschsprachige Literatur
 
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Eine Schneeflocke beschreiben

Carola Grubers fantasiereiche Ausflüge in die Welt des Schreibens

Von Christina LangnerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Christina Langner

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Eine sehr ungewöhnliche Umschlaggestaltung, eine, die auf jeden Fall auffällt - und das sollte sie, denn der "poetenladen", in dem Carola Grubers "66 mögliche Geschichten" - so der Untertitel von "Alles an seinem Platz" - erschienen sind, wird nicht jedem ein Begriff sein. Schade! Sehr schade! Und man kann nur hoffen, dass sich das ändert: Die Liebe zum Wort, zum Schreiben, zur Poesie, zum Buch ist deutlich spürbar. Begonnen beim Verlagsnamen "poetenladen" - wunderbarerweise auch noch in der "Blumenstraße" in Leipzig angesiedelt -, weiter über die Covergestaltungen hin zur Auswahl der Autoren und ihrer Texte. Eine kleine Insel im Mainstream des Literaturbetriebs.

Die Illustration von Miriam Zedelius zeigt ein geöffnetes Fenster. Als Betrachter schaut man hinaus aus diesem Fenster auf einen Stuhl, einen Tisch, darauf ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Eine Einladung, sich zu setzen und einfach drauf los zu schreiben. Vielleicht darüber, was man beim Blick in die Wohnung entdeckt? Auf jeden Fall ist das gar nicht so einfach, aber Anregungen dazu, ausdrücklich keine Rezepte, finden sich eben in Carola Grubers kleinem poetischem Sammelsurium.

Die Autorin ist noch sehr jung. 1983 in Bonn zur Welt gekommen, studierte Carola Gruber Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Hildesheim, Berlin und Montreal. Seit 2008 promoviert sie in München. Einige Auszeichnungen - darunter der Sonderpreis "Jugend Schreibt" der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (2002) - und zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sprechen für ihr Können.

"Alles an seinem Platz" ist ihr erstes Buch. 66 fantasiereiche Ausflüge in die Welt des Schreibens, die beim Lesen Lust machen, den Anleitungen selbst einmal zu folgen: "Hundert Liebesgeschichten erfinden, die alle gleich enden, natürlich schlecht ...", "eine Geschichte in Form eines Kochrezepts verfassen ...", "eine geschichtliche Zäsur planen, ein Ereignis, das durch die Nachrichten gehen, möglichst viele Menschen affizieren und deren Lebensgefühl verändern wird ...", "sich eine Welt ausdenken, in der alles ganz schlicht ist. Es gibt nur ein Rot, ein Gelb, ein Blau ..." oder: Beschreiben Sie doch mal eine Schneeflocke.

Dabei gelingt es Gruber immer wieder neue Welten zu erschaffen, einfach "nur" durch das Schreiben. Da ist viel Ruhe in diesem kleinen Büchlein, viel Abstand von dem alltäglichen Einerlei, einfach nur dadurch, dass der Blick auf eben dieses Einerlei ein ganz anderer, ein sehr intensiver, ein dabei gleichwohl zeitaufwendiger, dafür aber lohnender ist. Viel Erfolg Carola Gruber!


Titelbild

Carola Gruber: Alles an seinem Platz. 66 mögliche Geschichten.
Poetenladen, Leipzig 2008.
82 Seiten, 13,80 EUR.
ISBN-13: 9783940691064

Weitere Informationen zum Buch

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Letzte Änderung: 09.02.2009 - 11:15:25
Erschienen am:19.01.2009
Lesungen: 2248
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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