Buch-Suche
Online-Abo Newsletter RSS HauptportalBuchhandlungVerlagHilfe  
Erweiterte Suche Suche starten ?
Startseite
Inhalt 05-2013
Archiv
Abo-Service
Druckfassung
Leserbriefe
Kulturjournal
Mitarbeit/AGB
Impressum
Anmelden
Partner
Germanisten-
verzeichnis

des DAAD und DGV
 
Online-Abonnement
Infos und Bestellung
Abonnentenliste
Suche & Download
von ca. 10 000 Rezensionen
Kulturjournal
 
Portale
Hauptportal
Verlag
Hier erscheinen die gedruckten Ausgaben von literaturkritik.de, Bücher und Online-Publikationen.
Buchhandlung
Tipps, Informationen und Angebote.
Forschung & Lehre
Literaturkritik in Deutschland
Online-Lexika
zur Literaturkritik und Literaturwissenschaft
 
Neues

Neues seit 7 Tagen

Neues von uns bei:
Twitter
Facebook

Eingegangene Bücher
Kritiker-Bestenliste
Bestsellerliste
Tipps der Redaktion
Veranstaltungen
Links
Newsletter bestellen
Das Kanon-Spiel
Filmkritik
Sonderausgaben:
- Bibel als Literatur
- Freud: Werke
- Was ist schön?

Themen
(Auswahl)

2009

2010

Gefühle I
Gefühle II
Thomas Mann und die Emotionen
Spannung
Literaturkritik - Reich-Ranicki zum 90.
Krieg und Medien
100 Jahre Expressionismus
Tolstoj
Verlage u. Literaturkritik im Netz

2011

Psychoanalyse
Thomas Bernhard
Interkulturalität
Bob Dylan
Schönheit
Kleist I
Kleist II
Kapitalismus
(als E-Book bei Amazon)

2012

Gewalt und Tod I
Gewalt und Tod II
Karl May
Günter Grass
Comics
Moderne
Hermann Hesse
Stimmungen, Gefühle
Religion, Literatur und Kultur
Grimms Märchen


Für Online-Abonnenten

Online-Bibliothek kanonischer Texte

Rezensionen finden im Internet

Online-Lexikon Literaturwissenschaft

Oliver Pfohlmanns Kleines Lexikon der Literaturkritik

Infos

Unsere Rezensenten

Recherchier- und Redigierdienst

Werbung

Wir über uns

Pressestimmen über uns

 
 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2009 » Krimis
 
 ZURÜCKBLÄTTERN   VORBLÄTTERN 

Italiana

Bernhard Jaumanns unterhaltsamer Italienkrimi "Die Augen der Medusa"

Von Walter DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Walter Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Italienkrimis leben nicht zuletzt von den Klischees, die im übrigen Europa über Italien und insbesondere die Italiener kursieren: Diese essen gern und häufig, trinken gut und ebenso gerne, schwatzen ohne Ende und sind laut und leidenschaftlich, regen sich schnell auf, sind dabei aber nicht ganz ernst zu nehmen, und sehr menschlich. Außerdem sind sie irgendwie alle mafiös, lassen sich aber andererseits auch nicht so schnell unterkriegen, so dass man ihnen sogar Berlusconi und die Lega Nord nachsieht, auch wenn das niemand verstehen kann. Das ist alles erträglich, weil das Essen, der Wein und das Wetter in Italien immer gut sind.

Nichts davon wird gänzlich wahr sein, aber ein bisschen davon schon, und gerade deshalb funktionieren die Krimis, die ein italienisches Ambiente vorzeigen können, oft so wunderbar. Und wo es zu Verstößen gegen die Erwartungen kommt, sind sie immer mit einer Art ironischem Verweis auf die Klischees versehen. Das alles ist ein Spiel.

Ein äußerst hübsches Italien-Spiel hat nun Bernhard Jaumann arrangiert. Als ob Heinrich Manns "Kleine Stadt" die Untiefen des 20. Jahrhunderts schadlos überstanden hätte, gerieren sich die Einwohner eines merkwürdigen kleinen, eigentlich schon ausgestorbenen Ortes namens Montesecco. Es gibt die Guten und die nicht ganz so Guten, und der Böse kann eigentlich nicht wirklich der Böse sein, weil alle ihn kennen und das schon seit Jahren. Wie sollte er sich in so kurzer Zeit so radikal geändert haben? Und außerdem mag er keinen Schinken, hat er nie gemocht, weshalb sollte er also auf einmal Pizza mit Schinken essen? Kaum glaubhaft.

Der Auftakt des Ganzen ist grandios. Ein bekannter italienischer Staatsanwalt erliegt auf dem Weg ins abgelegene Montesecco einem Attentat, mitsamt seinen Begleitern und der gepanzerten Limousine wird er mit einem Granatwerfer in die Luft gejagt. Der Attentäter, statt das Weite zu suchen, sucht im Ort Zuflucht, und bei näherem Betrachten haben wir es hier nicht mit einem Trupp mafiöser Berufskiller zu tun, sondern mit einem Heranwachsenden namens Minh.

Der verschanzt sich in seinem Büro, hält ein paar Polizisten als Geiseln und stellt umfängliche Forderungen per Email. Die heutigen jungen Leute sind nicht nur besonders brutale Terroristen, sondern auch noch hervorragende Computerfachleute. Vor allem mit dem Internet kennen sie sich vorzüglich aus, wie Minh bereits früher bewiesen hat (und was sich als Schlüssel der Geschichte erweisen wird).

Schnell wird der Ort in einen Belagerungszustand versetzt. Spezialeinheiten und die italienischen Medien rücken an, um über das Attentat und die Belagerung zu berichten. Das verschlafene Örtchen erlebt einen letzten aufregenden Winter, denn aschenkalt und landestypisch sehr zugig ist es auch noch in Montesecco.

Während sich nun die Staatsmacht und der Attentäter mit großer Armierung gegenüber stehen und es ein vorläufiges Patt gibt, werden die Anwohner von Montesecco immer unruhiger.

Minh soll der Attentäter sein? Unmöglich. Der Junge, dessen Vater unbekannt ist (das Produkt einer wunderbaren Nacht), ist einer der Ihren, immer ein wenig seltsam zwar, aber so brutal, dass er erst einen Staatsanwalt (samt Begleiter), dann eine Geisel ermordet und schließlich seine Mutter anschießt - nein, das glaubt hier niemand.

Aber weder Medien noch Polizei wollen irgendetwas von den Ahnungen und Vermutungen der vielleicht doch ein wenig schlichten Ortsansässigen wissen - denn zweifelsohne hat jeder, der auch nur minimalen Grips im Kopf hat, Montesecco bereits vor Jahren den Rücken gekehrt, um bestenfalls noch in den Sommermonaten für ein paar Wochen in die gute alte Heimat zurückzukehren. Nicht einmal eine Pfarre gibt es noch am Ort (aber dafür ein einigermaßen großes Pfarrhaus, wo die Kommandozentrale der Eingreiftruppe eingerichtet wird).

Wer hier geblieben ist, kann nicht zu den Intelligentesten unter der Sonne gehören (die zum Zeitpunkt der Handlung gerade mal nicht scheint). Aber dafür gehören sie zu den Hartnäckigeren unter den eh schon renitenten Italienern. Und wenn sie sich in den Kopf gesetzt haben, dass einer der Ihren kein Terrorist ist, dann setzen sie alle Hebel in Bewegung, um das auch zu beweisen.

Zum Beispiel, indem sie einen Tunnel graben und einige Wände zwischen Häusern durchbrechen, um zum Ort des Geschehens zu kommen (ohne dass es die Polizei und der Attentäter merken). Gesagt, getan. Ein paar eingewanderte Tunnelbaumeister werden engagiert, ein paar Wände werden durchbrochen, und das mit einer Energie, die man diesem Völkchen nicht wirklich zugetraut hätte.

Dass am Ende eine Auflösung steht, die wirklich nichts zu wünschen übrig lässt, ist so gesehen nur noch das Tüpfelchen auf dem wunderbar angerichteten Lesegericht.


Titelbild

Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa. Roman.
Aufbau Verlag, Berlin 2008.
296 Seiten, 19,95 EUR.
ISBN-13: 9783351032432

Weitere Informationen zum Buch





LESERBRIEF SCHREIBEN
DIESEN BEITRAG WEITEREMPFEHLEN
DRUCKVERSION
NEWSLETTER BESTELLEN

 ZURÜCKBLÄTTERN   VORBLÄTTERN 
 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2009 » Krimis
 

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12697


Letzte Änderung: 09.02.2009 - 11:15:59
Erschienen am:09.02.2009
Lesungen: 3843
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

 Seitenanfang 
+++ literaturkritik.de +++ Rezensionsforum für Literatur und Kulturwissenschaften +++
+++ Startseite | Inhalt 05-2013 | Archiv | Buch-Suche | Abo-Service | Druckfassung | Leserbriefe | RSS-Newsfeeds | Kulturjournal | Ankündigungen | Links | Mitarbeit/AGB | Werbung | Impressum +++