Lauter Geburtstage

Vorbemerkung zum Darwin-Schwerpunkt und zu dieser Ausgabe

Von Thomas AnzRSS-Newsfeed neuer Artikel von Thomas Anz

Lauter Geburtstage! Vor 200 Jahren, am 12. Februar 1809, wurde Charles Darwin geboren, ungefähr fünfzig Jahre vorher Friedrich Schiller. Literaturkritik.de eröffnet daher den Schwerpunkt der Februar-Ausgabe 2009, mit der die Zeitschrift auch an ihren eigenen Geburtstag vor zehn Jahren erinnert, mit einem Aufsatz, in dem sich die Überlegungen Karl Eibls zu neuen Konzepten einer Evolutionstheorie der Kultur auf beide beziehen: auf Schiller und auf Darwin.

Die aus den gegebenen Anlässen außerordentlich umfangreiche und spät erscheinende Ausgabe vermittelt ganz unterschiedliche und zum Teil kontroverse Perspektiven zu Darwin und zum Darwinismus. Der Literaturwissenschaftler Winfried Menninghaus empfiehlt eine Lektüre Darwins aus der Perspektive der philosophischen und historischen Ästhetik. Sie kann zeigen, dass die Ästhetik dem Naturwissenschaftler damals viele neue biologische Einsichten ermöglichte - und dass diese Einsichten wiederum ein noch ungenutztes Potential haben, die ästhetische Theoriebildung weiter zu entwickeln. Der Mediziner Joachim Bauer versucht, Darwin und den Darwinismus vom Kopf auf die Füße zu stellen, und nimmt dabei an, dass nicht Konkurrenz und Kampf, sondern Kooperation und Bindung die primären biologischen Prinzipien sind. Mehr auf die Hände und ihre Freiheit zu achten lehrt uns der Linguist Ludwig Jäger. Er prüft Theorien über die Entwicklung einer ursprünglichen Gebärdensprache zur neueren Lautsprache und der audiovisuellen Vermischung beider unter evolutionsbiologischen wie mediengeschichtlichen Gesichtspunkten.

Einen Eindruck davon, wie heftig heute wieder über Darwin und den Darwinismus gestritten werden kann, geben die Beiträge von Katja Mellmann über problematische Arten der Literaturwissenschaft, sich die Evolutionsbiologie anzueignen, sowie die Reaktion auf eine Rezension von Josef Bordat, die uns kurz vor Redaktionsschluss aus der medizinischen Fakultät der Universität München erreichte.

Allen, die zum Gelingen dieser Geburtstagsausgabe beigetragen haben, sei herzlich gedankt. Eine angeregte Lektüre wünscht unseren Lesern im Namen der ganzen Redaktion

Thomas Anz






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