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 literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2010 » Literaturwissenschaft » Frühe Neuzeit
 
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Vorstellung einer literarischen Epoche

Kai Bremer hat eine überzeugende Einführung zur Literatur der Frühen Neuzeit geschrieben

Von Gabriele GuerraRSS-Newsfeed neuer Artikel von Gabriele Guerra

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

In der bekannten, studentenorientierten Einführungsreihe „Literaturwissenschaft elementar“ von Wilhelm Fink (UTB) ist nun ein Buch erschienen, das sich mit dem Komplex der Frühen Neuzeit beschäftigt. Dem Autor Kai Bremer, der an dem Institut für Germanistik der Universität Gießen lehrt, ist es darin gelungen, einen klaren Überblick über diese Zeit zu geben, sowohl aus literaturgeschichtlicher, als auch literaturwissenschaftlicher und methodologischer Perspektive.

Es ist Ziel des Autors, Themen, Motiven und Figuren für die Zeit zwischen 1500-1720 (die hier vorgeschlagene Periodisierung scheint hier übrigens viel adäquater als andere zu sein, die die Frühe Neuzeit bis zum Wiener Kongress ausdehnen) detailliert und zugleich komprimiert darzustellen. Bachelor-Studierenden, für die die Reihe gedacht ist, werden von dem Buch ebenso profitieren wie Forscher und Dozenten, denen es als praktischer und weitsichtiger Überblick dienen kann. Dass der Autor beabsichtigt, „Strukturelemente und Gemeinsamkeiten, Entwicklungen und Veränderungen der frühneuzeitlichen deutschen Literatur zu benennen“, weist auf Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Zeit hin, wobei allerdings der vereinheitlichende, zusammenfassende Duktus verständlicherweise überwiegt.

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel, die chronologisch und thematisch eingeordnet, und als Aufbaumodule für die Lehre vorgestellt werden. Im ersten Kapitel geht es vorwiegend um die literaturwissenschaftlichen Epochenbestimmungen der Frühen Neuzeit und deren Wirkungsgeschichte; dagegen handeln die drei folgenden Kapitel von der kultur-, ideen- und literaturgeschichtlichen Entwicklung der literarischen Produktion zwischen Reformation und Barock. Diese Kapitel zeugen von einem möglichst offenen Literaturbegriff: Neben „schöner“ Literatur (zu der selbstverständlich auch Dramen und Dichtungen zählen) wird Literatur einbezogen, die auf mentalitäts- und sozialgeschichtliche geprägte Anlässe zurückführbar ist, wie etwa Katechismen, Predigen, höfische Genealogien. Diese Vielfalt wird mit Recht unter dem Signum der Rhetorik verhandelt und erhält vor allem für die Reformationszeit ihre Bedeutung als Gebrauchsliteratur im buchstäblichen Sinn.

Die chronologische Dreigliederung umfasst die Epochen von Reformation, Späthumanismus und Barock, innerhalb derer viele Analysebeispiele für eine detailreiche, konkrete Darstellung sorgen. Kai Bremer gelingt somit innerhalb seiner systematischen, großlinigen Deutung der Frühen Neuzeit eine detailreiche Darstellung, ohne seinen Leser einem unnötig verwirrenden Sammelsurium zu überlassen.

Titelbild

Kai Bremer: Literatur der Frühen Neuzeit.
UTB für Wissenschaft, Stuttgart 2008.
255 Seiten, 18,90 EUR.
ISBN-13: 9783825231644

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Letzte Änderung: 11.03.2010 - 14:09:00
Erschienen am:14.12.2009
Lesungen: 982
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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