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 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2010 » Politik und Geschichte
 
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Husarenritt durch die Militärgeschichte

Rolf-Dieter Müller überblickt fünf Jahrtausende kriegerisches Geschehen

Von Jürgen SchmädekeRSS-Newsfeed neuer Artikel von Jürgen Schmädeke

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Auf 376 Seiten durchquert Rolf-Dieter Müller, Professor für Militärgeschichte an der Berliner Humboldt-Universität und Mitarbeiter des militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr in Potsdam, mehr als fünf Jahrtausende kriegerischen Geschehens, von den altorientalischen Ursprüngen in Mesopotamien bis zu heutigen Konflikten ohne und mit UNO-Mandat im Irak (dessen Kernland das einstige Mesopotamien ist) und in Afghanistan. Man könnte das einen Husarenritt nennen, ein (wie die Wikipedia definiert) „waghalsiges, kühnes Unternehmen“, das doch geglückt beendet wird. Das lässt sich im ganzen auch von dieser Synthese militärgeschichtlicher Forschung sagen. Dabei führt Müller den Leser stufenweise durch die Zeit in den Kapiteln

- Cives et miles: Militär und Kriegsführung in der Antike;
- Von der Bauernarmee zum Berufskriegertum: Das Zeitalter der Ritter;
- Die gekaufte Sicherheit: Das Zeitalter der Söldner und Kriegsunternehmer;
- Stehendes Heer und Kabinettskrieg: Die Zähmung des Krieges;
- Massengesellschaft und Volkkrieg: Die Enthemmung des Krieges;
- Das Zeitalter der Weltkriege: Der „Große Krieg“;
- Der Zweite Weltkrieg als Totaler Krieg;
- Die Teilung der Welt und das Dilemma der Sicherheit: Das Zeitalter des Kalten Krieges;
- Die Rückkehr der Ritter? Sicherheit im Zeitalter der Globalisierung.

Vorangestellt hat Müller (der auf die Nennung seiner eigenen wichtigen Arbeiten vor allem zum Zweiten Weltkrieg im Literaturverzeichnis – bescheiden? – verzichtet) grundsätzliche Überlegungen zur Militärgeschichte als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft und zur Ausbildung von militärischen Strukturen und Handlungsmustern in der Geschichte. Am Ende reflektiert er die Frage, welches Leitbild der Soldat in der globalisierten Welt haben könne, und zieht einen gewagt erscheinenden Vergleich: Nicht der „bewaffnete Sozialarbeiter“ oder die „Perspektive der Rüstungsforschung zur Entwicklung von Kampfrobotern“ werde Zukunft haben, sondern das US-Programm des „Land Warrior“ mit einer „Hightech-Bewaffnung und Ausrüstung, die so teuer ist, dass sie nur für wenige Soldaten zur Verfügung gestellt werden kann“: „So wie der Ritter als hochspezialisierter, guttrainierter Berufskrieger in einer durchaus differenzierten Armee des Mittelalters als Einzelkämpfer zum Leitbild einer ganzen Epoche geworden ist, kann auch der moderne Soldat seinen Stolz entwickeln.“ Darauf angesichts vorwiegend terroristischer Konflikte wie mit den Taliban und Al Qaida oder in Nahost und Afrika zu setzen, könnte allerdings ein neuer Husarenritt sein, diesmal in eine ungewisse Zukunft.

Titelbild

Rolf-Dieter Müller: Militärgeschichte.
UTB für Wissenschaft, Stuttgart 2009.
396 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN-13: 9783825232245

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Letzte Änderung: 03.02.2010 - 14:19:15
Erschienen am:20.03.2010
Lesungen: 3579
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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