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 literaturkritik.de » Nr. 3, März 2010 » Krimis
 
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Happy End für einen Killer?

Max Allan Collins gönnt seinem Lieblingshelden Quarry einen friedlichen Lebensabend

Von Walter DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Walter Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Für einen Profikiller ist ein besinnlicher Lebensabend so ziemlich das Letzte, was wahrscheinlich ist. Das hat verschiedene Gründe, von denen das literarische Gerechtigkeitsgefüge nur einer ist (der Böse muss für seine Taten büßen, der Gute soll am Ende belohnt werden, mit Geld, Frauen und seiner Ruhe). Aber sympathisch sind sie doch, diese professionellen bösen Buben, vor allem dann, wenn sie sich so wohltuend von den unkontrollierten und hormongesteuerten Jungspunden abheben, die neuerdings (die Zeiten werden immer schlechter) das Gewerbe versauen.

Nun, in diesem Fall haben wir es mit einem altgedienten Fossil zu tun: Max Allan Collins’ Quarry hat sich schon in fünf Romanen seit seiner Geburt vor vierzig Jahren bewährt. Nun ist seine sechste Episode dran. Der Herr Profikiller ist nicht nur gealtert – auch der Ruhestand, in den er sich vor einigen Jahren zurückgezogen hat, ist massiv gefährdet, weil nämlich sein vieles Geld mit diversen Börsenturbulenzen den Bach runtergegangen ist. So bleibt ihm am Ende nichts anderes als zu arbeiten, und zwar als Geschäftsführer einer Ferienanlage im fernen Minnesota. Dort ist es immer sehr schön, im Sommer ist was los, im Winter ist es sehr kalt und vor allem menschenleer.

Quarry langweilt sich also, vertreibt nur mit Mühe seine Zeit, setzt Bart und Speck an und fühlt sich überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut. Damit aber sind alle Zeichen auf Start gestellt. Und in der Tat, kaum berichtet, geht es auch schon los.

Denn Quarry begegnet zufällig in einem kleinen Supermarkt einem alten Kollegen, der dort Dinge einkauft, die er eigentlich nie kaufen würde. Neugierig geworden (er hat ja sonst nichts vor), folgt ihm Quarry und findet heraus, dass er zufällig Zeuge einer Entführung geworden ist. Das Opfer: Eine junge Frau eines reichen Vaters, die die Medien und sonstwas aufmischt.

Weil er sowieso nichts anderes vor hat und er weiß, dass die junge Frau die Entführung nicht überleben wird, versenkt er die beiden Entführer im eiskalten See, gibt die tadelige Dame dem Vater zurück und lässt sich das ganz gut bezahlen.

Damit könnte die Geschichte ein Ende haben – hat sie aber nicht, denn der Vater legt nach. Er bietet dem Killer im Ruhestand einen Job an, der mit einer Viertelmillion dotiert sein soll. Das Opfer: Eine Bibliothekarin, von der selbst der Auftraggeber meint, dass sie es nicht verdient habe zu sterben. Quarry überlegt, und sagt zu. Womit sein eigenes Elend eigentlich beginnt.

Denn was passiert? Er verliebt sich in sein Opfer, weil die Dame wirklich sehr schön und liebenswert ist, weil sie offensichtlich Schutz braucht (ein Dreckskerl mit Geld und Einfluss hat seine Aggressionen nicht im Griff und versteht das Wort „nein“ nicht) und sie es wirklich nicht verdient hat zu sterben und weil er sich unvorsichtiger Weise aus der Deckung begibt und mit ihr zu sprechen beginnt. Sprechen aber ist, wie wir wissen, aller Liebe Anfang.

Nun sind Auftraggeber nicht amüsiert darüber, wenn ihre Opfer von den Auftragnehmern beschützt statt umgebracht werden, und so findet sich Quarry mit einem Mal in Schwierigkeiten wieder. Denn sein Auftraggeber ist keineswegs ein freundlicher oder auch nur harmloser Mensch, sondern er hat enge Verbindungen zur Unterwelt (weshalb er ja auch Quarry nach dem ersten Deal hat wiederfinden können).

Quarry muss also befürchten, dass er seinen Auftrag nicht erfolgreich wird suspendieren können, und er muss damit rechnen, dass allein schon der Versuch damit enden würde, dass nicht nur die schöne Bibliothekarin, sondern auch er selbst auf die Abschussliste geraten. Unangenehmer Gedanke, generell, nicht nur für einen Frischverliebten.

Aber – und das aber muss hier folgen – wir haben es bei Quarry nicht mit irgendwem zu tun, sondern mit einem langjährigen erfolgreichen Profikiller, der auch im Herbst seiner Karriere noch hinreichend gewitzt ist, sich erfolgreich aus der Schlinge zu ziehen – und seine Geliebte gleich mit.

Das Ganze wird erzählt in einem schnoddrigen Ton und einem rasanten Tempo, bei dem weder an Ironie noch an Spott gespart worden ist. Collins beschränkt sich auf das absolut Notwendige, gibt dabei seinem Gefallen an schönen Frauen ausreichend Raum und lässt keine Gelegenheit aus, die Welt, ihren Lauf und dessen Absonderlichkeiten sehr vergnüglich und kurzweilig mit herben Kommentaren zu überziehen.

Titelbild

Max Allen Collins: Der letzte Quarry.
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Maike Stein.
Rotbuch Verlag, Berlin 2009.
192 Seiten, 9,90 EUR.
ISBN-13: 9783867890847

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Letzte Änderung: 17.02.2010 - 14:11:16
Erschienen am:25.02.2010
Lesungen: 622
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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