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 literaturkritik.de » Nr. 6, Juni 2010 » Deutschsprachige Literatur
 
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Die Paar Probleme

Über „Ungleiche Paare. Die Leidenschaft der Gegensätze“ von Dietmar Bittrich

Von Frauke SchlieckauRSS-Newsfeed neuer Artikel von Frauke Schlieckau

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ ist ein altbekannter Allgemeinplatz, an dem auch bei genauer Betrachtung jedoch oftmals viel Wahres zu sein scheint. Denn man weiß ja schließlich nur zu gut, „Gegensätze ziehen sich an, bis sie mit voller Wucht aufeinander prallen“. Dass sich dennoch in der Geschichte der Menschheit immer wieder ungleiche Paare zusammenfinden, liegt an der Tatsache, dass das Unbekannte verständlicherweise den größeren Reiz ausübt. Schließlich zwingt einen der Mensch, der ganz anders ist als man selbst, nicht nur unweigerlich zu einem Perspektivwechsel, sondern scheint zumindest vermeintlich auch oftmals den Horizont zu erweitern.

Der Gedanke, die eigenen Unzulänglichkeiten könnten durch einen charakterlich, gesellschaftlich oder optisch gegenteilig dispositionierten Partner aufgehoben werden, spielt ebenfalls oftmals eine Rolle. Geht die ungleiche Kombination in die Brüche, können sich beide dann wieder bei der seelenverwandten besten Freundin oder dem besten Freund ausweinen, der einen versteht, gerade weil er eben genauso ist wie man selbst. Was übrig bleibt ist, im Gegensatz zu den langweiligen gleich-gleichen Beziehungen, zumeist aber zumindest eines: Eine gute Geschichte.

Wer darauf Wert legt, etwas zu erzählen zu haben und die Langweile scheut, wird wahrscheinlich so wie Dietmar Bittrich, der Autor von „Ungleiche Paare. Die Leidenschaft der Gegensätze“ immer wieder nach einer ungewöhnlichen Kombination für sein Privatleben suchen, kann sich aber zumindest nach der Lektüre von Bittrichs Buch damit trösten, dass er dabei kein Einzelfall ist.

In „Ungleiche Paare“ verknüpft Bittrich seine eigenen Jugenderfahrungen mit unkonventionellen Beziehungen humorvoll, manchmal böse, sehr direkt aber keineswegs kitschig, mit einer Kulturgeschichte des ungleichen Paares. Sich selbst schont er dabei genauso wenig wie seine Gespielinnen, zeigt mit den Anekdoten aber am praktischen Beispiel auf, dass erstens auch Liebesgeschichten zwischen ungleichen Partnern immer wieder den gleichen Gesetzen folgen und dabei zweitens auch bestimmte Paarungen immer wiederkehren: Der Bad Boy und das reiche Mädchen, das junge Mädchen und der Tattergreis, der junge Mann und die reife Frau, die Deutsche und der exotische Fremde oder der Mönch und die Verführerin – es sind klassische Kombinationen zu denen einem nicht nur sofort mindestens jeweils ein Film einfällt, in dem das Thema aufgearbeitet wird, sondern auch umgehend ein bis zwei Beispiele aus der aktuellen Klatschpresse präsent sind. Dass Bittrich mit den Verweisen auf prominente Zeitgenossen sparsam umgeht, kommt dem Buch zu Gute, auch wenn man sich manchmal doch wünscht, dass „Die Kulturgeschichte des Paares“ die Titel und Klappentext fälschlicherweise versprechen, hinter dem überwiegend privaten Teil nicht zu sehr zurückstehen müssten, sondern stattdessen noch mehr beleuchtet würden.

Titelbild

Dietmar Bittrich: Ungleiche Paare. Die Leidenschaft der Gegensätze.
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2010.
252 Seiten, 17,00 EUR.
ISBN-13: 9783455402575

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Letzte Änderung: 12.05.2010 - 12:29:54
Erschienen am:12.05.2010
Lesungen: 2901
© bei der Autorin und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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