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 literaturkritik.de » Nr. 6, Juni 2010 » Kultur- und Medienwissenschaft
 
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Die Urmatrix

Pünktlich zur DVD-Ausgabe von Rainer Werner Fassbinders SF-Fernsehspiel „Welt am Draht“ erscheint das Drehbuch

Von Rolf LöchelRSS-Newsfeed neuer Artikel von Rolf Löchel

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Gemeinsam mit der von „Arthaus“ bewerkstelligten DVD-Veröffentlichung von Rainer Werner Fassbinders Fernsehspiel „Welt am Draht“ erschien zur Berlinale 2010 beim Verlag Mathes & Seitz die Druckfassung des Drehbuches. Wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte, behandelt der Fernsehzweiteiler bereits 1973 die erkenntnistheoretische Thematik, für die Jahrzehnte später der Film „Matrix“ so gerühmt wurde. Doch war auch Fassbinder keineswegs der erste, der sich dem Thema mit den Mitteln der Science Fiction näherte. Vielmehr handelt es sich bei seinem Werk um die filmische Adaption eines Zukunftsromans, den Daniel Francis Galouye fast ein Jahrzehnt zuvor unter dem Titel „Simulacron III“ veröffentlicht hatte.

Nun ist also auch das Drehbuch von Fassbinders Verfilmung allgemein zugänglich. Vielleicht von noch größerem Interesse als dieses ist allerdings der Anhang. Nicht wegen der dort wieder abgedruckten „[b]iographischen Reportage“ aus einer „Playboy“-Nummer von 1982, in der Drehbuch-Autor Fritz Müller-Scherz allerlei Anekdotisches zum Besten gibt, von dem er sagt, es sei alles selbst „erlebt und empfunden“, aber „trotzdem eine wahre Geschichte“. Hochinteressant sind vielmehr die fünf, sechs Seiten, die „[e]inige allgemeine Überlegungen“ enthalten, die der Regisseur selbst vor Inangriffnahme des Projekts anstellte. Sie sind nicht nur im zeittypischen Idiom der frühen 1970er-Jahre verfasst, sondern atmen auch deren Geist. Ein Geist der Revolte, der sich herzlich wenig für erkenntnistheoretische Probleme schlechthin interessierte, sondern „die Frage des richtigen Bewusstseins“ viel spannender fand. Sie ist es, die Fassbinder mit dem Film stellen und beantworten wollte, wobei er „ideologisch“ auf Hegels „Herr-Knecht-Parabel“ rekurrierte.

DVD, Drehbuch und eben diese Überlegungen ermöglichen es nun nachzuvollziehen, was sich von Fassbinders ursprünglichem Vorhaben umsetzen ließ, und was nicht.

Titelbild

Rainer Werner Fassbinder / Fritz Müller-Scherz: Welt am Draht.
Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2010.
208 Seiten, 16,80 EUR.
ISBN-13: 9783882216912

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Letzte Änderung: 27.05.2010 - 11:19:45
Erschienen am:31.05.2010
Lesungen: 2146
© beim Autor und bei literaturkritik.de
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