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 literaturkritik.de » Nr. 4, April 2011 » Krimis
 
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Und wieder geht es gut für den Verbrecher aus

Richard Stark liefert mit „Sein letzter Trumpf“eine neue Folge der wunderbaren Parker-Reihe

Von Georg PatzerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Georg Patzer

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Schon wieder Parker. Der Mann ist einfach nicht zu fassen. Raubt und mordet, wie es ihm gerade passt. Der Plan muss natürlich stimmen: Wie kommt man rein, wie kommt man an das Geld, wie kommt man wieder raus. Und natürlich klappt nicht immer alles, wie es soll. Dann greift Parker auch skrupellos zur Waffe. Manchmal aber hat auch er ein weiches Herz. Meistens bringt ihm das aber nur Ärger ein.

Wie in diesem Fall. Auf der Flucht verunglückt das Auto, Parker überlebt, aber der schwerverletzte Howell schafft es nicht heraus, er ist eingeklemmt. Parker, statt ihn zu erschießen, nimmt das Geld und verschwindet, denn Howell war immer ein guter Mensch, der nie versucht hat, ihn zu betrügen: „Die werden mit dir handeln wollen“, sagt Parker: „Interessiert mich nicht“, antwortet Howell, „nicht, wenn du draußen frei rumläufst. Hab ich endlich mal Zeit zum Lesen.“ Und so geht Parker einfach: „Bis in zwanzig Jahren“, ist sein Abschiedsgruß.

Bei seinem nächsten Job soll er ein großes Schiff überfallen, auf dem Glücksspiele laufen. Ein schwieriger Coup, denn es gibt kaum Fluchtwege, und das Geld liegt hermetisch verschlossen im Schiffsrumpf. Aber Parker ist findig: Eine Komplizin fährt in einem Rollstuhl mit (in dem das Geld dann abtransportiert wird), ein anderer spielt den missgelaunten Kongressabgeordneten, der eigentlich gegen Glücksspiel ist und das Schiff genau untersuchen will. Natürlich wird er hofiert: Vielleicht kann man ihn davon überzeugen, dass Glücksspiel doch kein Teufelszeug ist.

Wie so oft in den Parker-Romanen von Richard Stark läuft es nicht so glatt. Je mehr Leute von dem Coup erfahren, desto mehr mischen sich ein, zum Schluss auch noch der Polizist, der Howell gefoltert und dann erschossen hat. Natürlich geht, wie immer bei Stark, alles gut aus. Aber gut heißt: für den Verbrecher, für Parker. Denn die Parker-Romane sind stark amoralisch, die Sympathie des Lesers ist sofort auf seiner Seite. Starks Trick dabei ist, alles aus Parkers Sicht zu erzählen, dem Berufsverbrecher einen normalen (Verbrecher)Beruf zu geben: Er ist ein Selbständiger, der zwar keine Steuern zahlt, aber hohe Unkosten hat und Berufsrisiken, für die keine Versicherung der Welt aufkommt. Und Mitarbeiter, auf die er sich auch nicht immer verlassen kann.

„Sein letzter Trumpf“ ist wieder ein Meisterwerk in einer Reihe von lauter Meisterwerken eines Krimiautoren, der kein einziges Wort zu viel verschwendet. Sachlich, direkt und mit einem gnitzen Humor beschreibt er eine Berufswelt und einen gradlinigen Charakter, wie sie in der deutschen, leider allzu geschwätzigen Kriminalliteratur noch nie vorgekommen sind.

Titelbild

Richard Stark: Sein letzter Trumpf. Roman.
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein.
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2011.
283 Seiten, 17,90 EUR.
ISBN-13: 9783552055360

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Letzte Änderung: 14.03.2011 - 15:49:59
Erschienen am:14.03.2011
Lesungen: 1542
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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