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 literaturkritik.de » Nr. 12, Dezember 2011 » Krimis
 
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Friedensbotschaft

Matt Beynon Rees hat eine Botschaft für die Beteiligten im Nahostkonflikt. „Der Attentäter von Brooklyn“ verbindet politische Botschaft und Krimi miteinander

Von Walter DelabarRSS-Newsfeed neuer Artikel von Walter Delabar

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die Konfliktgeschichte im Nahen Osten ist alt und voller Untiefen. Die Chancen, dass die Region nach langen unruhigen Jahrzehnten endlich zur Ruhe kommt, sind auch nach den jüngeren Ereignissen nicht größer geworden. Dennoch, in den kleinen Schritten, in so etwas wie einer noch so kleinen wirtschaftlichen Entwicklung besteht die wohl größte Chance auf Frieden. Jenseits der Überzeugungstäter jedenfalls scheint die Gruppe derer zu wachsen, die keiner Ideologie folgen, sondern im Überleben ihr wichtigstes Ziel sehen.

Das lässt sich jedenfalls aus dem Krimi des britischen Journalisten und Krimi-Autors Matt Beynon Rees entnehmen, der mittlerweile den vierten Roman um seinen palästinensischen Lehrer und unfreiwilligen Ermittler Omar Jussuf veröffentlicht hat.

Dieses Mal spielt Rees’ Krimi allerdings nicht in Palästina, sondern im New York der Zeit nach 9/11. Omar Jussuf reist zu einer Rede vor der UNO, in der er seine Sicht auf die Entwicklungen und Möglichkeiten in Palästina vortragen soll. Jussuf arbeitet in einem von den palästinensischen Behörden ungeliebten UN-Projekt, das sich zur Aufgabe gemacht hat, eine gute Ausbildung mit einem einigermaßen ausgeglichenen Weltbild zu verbinden.

Das führt zu Streit mit dem Bildungsminister der palästinensischen Regierung, der jede Chance nutzt, um Jussuf zu schaden. Gerade aber in dieser Zerstrittenheit der Palästinenser, die ideologiegeleitet ist, sehen Jussuf wie sein Erzähler den Hauptgrund für die palästinensische Misere. Ein Volk, das lieber diejenigen stützt, die es in einem permanenten Kriegszustand halten wollen, in der ein Extrem das nächste übertrifft, hat wohl keine wirkliche Chance auf eine friedliche Zukunft. Und damit auf alle jene Annehmlichkeiten, die friedliche Gesellschaften bieten: ein Auskommen, Koexistenz mit den Nachbarn und die Gewissheit, dass die Regierung im Grund genommen das Beste für einen will – all das, was man von Palästina eben nicht sagen kann.

Jussuf will nun die Reise nach New York dazu nutzen, seinen Sohn zu besuchen, der hier studiert. Allerdings, der private Besuch führt ihn direkt in einen extremen Fall. Denn in der Bude, die sein Sohn mit zwei Freunden teilt, findet er die enthauptete Leiche eines der jungen Männer. Der Sohn wird daraufhin verhaftet, nach dem zweiten Mitbewohner wird gefahndet.

Ein amerikanischer Polizist palästinensischer Herkunft – auch dazu gibt es eine Vorgeschichte und Familienbande, die nach Palästina reichen – führt die Ermittlungen, und so entwickelt sich eine merkwürdige Verbindung der beiden Männer, die jeweils auf ihre Weise die Ermittlungen weiter führen.

Naheliegend sind die beiden thematischen Bereiche (UN-Rede und Mord) miteinander verknüpft. Jussuf kommt einem Attentatskomplott auf die Spur (nicht gegen den saudiarabischen Botschafter, sondern gegen den palästinensischen Präsidenten), das Ganze eskaliert mit Showdown und Friedensbotschaft, mit denen beides zusammengeführt wird: Privatleben und Politik und deren Untrennbarkeit. Eine Gesellschaft, die Frieden will, muss sich darum kümmern, dass ihre Politik von friedliebenden Leuten gemacht wird.

Dass die Palästinenser vor allem Wohlstand und Frieden suchen und nicht das Himmelreich auf Erden, ist denn auch die Kernbotschaft, die Rees seinem Helden in die Rede schreibt. Und mit der er sich noch unbeliebter macht als zu vor.

Das Ganze ist auf eine liebenswerte Art erzählt, die gelegentlich ein wenig behäbig und naiv zu sein scheint, jedoch zur Hauptfigur und ihrem behäbigen und väterlichen Auftreten passt. Dass sich Jussuf heim zu Küche seiner Frau und zu den warmherzigen Landsleuten sehnt, auch wenn einige von ihnen als Kampagnenfürsten umherziehen, mag man ihm glauben.

Auch die Einblicke in die Szene der Neuamerikaner mit palästinensischer Herkunft sind ganz erhellend. Das Viertel in New York, die Läden, die Einwohner, das Essen, die Konflikte, die aus Palästina mitgebracht wurden, die Reaktionen der angestammten Amerikaner – all das ist unterhaltsam und hat schon (wie so oft) touristischen Charakter. Ob man damit freilich wirklich etwas über diese neuen Zuwanderkonflikte in den USA erfährt, ob hinter jedem Nahostler in den USA der nächste Al Quaida-Terrorist gesehen wird oder die Szenerie auch nur wieder gut gemachtes Kolorit ist, das sich seine Lokalität sucht, bleibt dahingestellt.

Der Krimi lebt nun mal davon, unsere Erwartungen zu erfüllen und uns dann auch noch einiges an Zusatzinfos zu geben: über den Helden, seinen Geschmack, seine Freunde und seinen Lebensraum. Aber dabei sollte man nicht vergessen, dass es sich hier vor allem um Literatur handelt, die vor allem eine Aufgabe hat, zu unterhalten. Ihre Lehren liegen auf einer anderen Ebene als in der zutreffenden Beschreibung eines Stadtviertels in New York.

Titelbild

Matt Beynon Rees: Der Attentäter von Brooklyn. Omar Jussufs vierter Fall.
Übersetzt aus dem Englischen von Klaus Modick.
Verlag C. H. Beck, München 2011.
288 Seiten, 18,95 EUR.
ISBN-13: 9783406612831

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Letzte Änderung: 10.11.2011 - 14:34:58
Erschienen am:10.11.2011
Lesungen: 975
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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