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 literaturkritik.de » Nr. 12, Dezember 2011 » Literaturwissenschaft » Von Mitarbeitern
 
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Die Moderne als Kompensationsprojekt – ein Sammelband würdigt die literarischen Experimentalanordnungen zur Bewältigung der Lebensanforderungen im frühen 20. Jahrhunderts.

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Dass der Kapitalismus alle gesellschaftlichen Institutionen verflüssigen würde, war den Vätern des Sozialismus sehr bewusst. Welche Ausmaße das annehmen würde, haben allerdings erst die Zeitgenossen des frühen 20. Jahrhundert verstanden, die sich in einer Situation wiederfanden, in der nichts von dem, was sie gelernt hatten, noch Bestand hatte. Die Radikalität und Rasanz der Veränderung provozierte zahlreiche Strategien, wie ein Leben in der modernen Gesellschaft möglich sein könne. Die Literatur diente dafür als Experimentalraum. Im kulturellen Raum wurden zahlreiche Versuche unternommen, neue Orientierungen und Horizonte der Moderne zu gestalten, die die Herausgeber gesichtet wissen wollen.

Der von Walter Delabar, Simon Huber, Behrang Samsami und Ines Schubert herausgegebene Band unternimmt den Versuch einer ersten literarischen und kulturellen Bestandsaufnahme. Im Band finden sich Untersuchungen zur Funktion des Vergnügungsbetriebs und zum Sport im frühen 20. Jahrhundert, zur Bedeutung des Unfalls in der Literatur der Moderne, zur Attraktion des Fliegens und des Reisens in den 1920er- und 1930er- Jahren, zur Inszenierung der Olympischen Spiele 1936 und zum Problem von Liebe und Ehe in der Migration. Hinzu kommen Beiträge zur Idee der Kleinstadt und zur Lebensweise Vagabondage.

Das Projekt soll fortgesetzt werden.

Die Beiträger und Beiträge:

Uta Schaffers und Sofie Decock: Reise-Schreiben im Fortgang der Moderne. Annemarie Schwarzenbachs Orient- und Afrikaschriften

Maite Katharina Hagen: Haus Vaterland macht alles gründlich, Im Hause Vaterland gewittert’s stündlich…! Reflexion des Berliner Nachtlebens im Feuilleton der Weimarer Republik

Simon Huber: „Luftfahrt ist not!“ Fliegen als Schule der Moderne bei Ernst Jünger, Heinrich Hauser, Hans Bertram und Marga von Etzdorf

Anne Fleig: Der Sport im Spannungsfeld zwischen Antrieb und Bewältigung der gesellschaftlichen Modernisierung

Behrang Samsami: „,Kann sie glücklich sein mit einem Ungläubigen?‘“ – Liebe und Ehe als Integrations- und Bewältigungsstrategie in Kurban Saids frühem Migrationsroman „Das Mädchen vom Goldenen Horn“ (1938)

Tobias Hockenbrink: Verkörperte Zukunft. Zum Verhältnis von Identität und Gemeinschaft im nationalsozialistischen Spektakel Olympische Jugend.

Walter Delabar: Der zahme Tod. Einige Anmerkungen zum Unfall als integralem Bestandteil des Modernisierungsprozesses

Kay Ziegenbalg: Zur Entlastung des Individuums im sozialistischen Roman. Karl Schröder: Familie Markert (1930)

Christiane Nowak: Die Verteidigung der Kleinstadt? Rudolf Huch und die Heimatkunst um 1900.

Walter Fähnders: Projekt Vagabondage. Die Vagabunden, die Vagabundenliteratur und die Moderne. Mit einem unveröffentlichten Text von Emil Szittya.

Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert grundsätzlich nicht die Bücher von regelmäßigen Mitarbeiter / innen der Zeitschrift sowie Angehörigen der Universität Marburg. Deren Publikationen können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.

Titelbild

Walter Delabar / Simon Huber / Behrang Samsami / Ines Schubert (Hg.): Das riskante Projekt. Die Moderne und ihre Bewältigung.
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2011.
231 Seiten, 24,88 EUR.
ISBN-13: 9783895288333

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Letzte Änderung: 17.11.2011 - 10:57:06
Erschienen am:17.11.2011
Lesungen: 1429
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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