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 literaturkritik.de » Nr. 12, Dezember 2011 » Politik und Geschichte
 
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Verheerender Krieg in Afrika

Uwe Schulte-Varendorff untersucht die deutsche Kolonialpolitik in Kamerun

Von Klaus-Jürgen Bremm

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Lange feierte man ihn in Deutschland noch als einen Helden, der sich auf seinem verlorenen Posten gegen eine Welt von Feinden behauptet habe. Doch ohne den nicht weniger hartnäckigen Widerstand der deutschen Schutztruppe in Kamerun hätte es General Paul von Lettow-Vorbeck wohl kaum geschafft, sich über den Waffenstillstand von 1918 hinaus mit seiner Formation in Nordrhodesien zu halten. Insofern ist auch der Krieg in Kamerun, der die Alliierten immerhin anderthalb Jahre beschäftigte, eine der Voraussetzungen des deutschen Kolonialmythos in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Ebenso wie in Ostafrika war der Konflikt in Kamerun auf keiner Seite der Konfliktparteien ein Krieg der Weißen. Unter Berücksichtigung der Tausenden von Lastenträgern war hier wie dort der prozentuale Anteil der Europäer an der kämpfenden Truppe sogar verschwindend gering und meist auf Offiziere, Ärzte und Kolonialbeamte beschränkt. 6.000 afrikanische Soldaten und fast 13.000 Träger sollen bis zum Schluss unter deutscher Fahne geblieben sein. Aus der angeblichen Treue der Afrikaner zu ihren deutschen Herren glaubten daher rechtskonservative Kreise in der Weimarer Republik ein Argument gegen die Siegermächte in der Hand zu haben. Mehr noch als der Verlust der Schutzgebiete schmerzte die Revisionisten im Reich ganz offenbar die nur zu durchsichtige Behauptung der Alliierten, Deutschland sei als Kolonialmacht unfähig gewesen und müsse schon deswegen seine Kolonien abtreten.

Der Osnabrücker Historiker Uwe Schulte-Varendorff hat nun in seiner kompakten Studie über den Krieg in Kamerun versucht, ein kritisches Bild der Kämpfe in der drittgrößten deutschen Kolonie zeichnen, die erst mit dem Übertritt der Schutztruppe auf das Gebiet der benachbarten spanischen Kolonie Rio Muni im Februar 1916 ihr Ende fanden. Nicht so sehr die operationsgeschichtlichen Details der Kämpfe interessieren dabei den Autor, sondern mehr die rahmengebenden Faktoren wie etwa die Rolle der führenden Deutschen in der Kolonie oder die oft fehlende Berücksichtigung des humanitären Kriegsvölkerrechtes. Dem Kommandeur der Schutztruppe in Kamerun, Oberstleutnant Carl Zimmermann, widmet er ebenso ein ganzes Kapitel wie dem lange unbeachtet gebliebenen Aspekt, wie verheerend sich der Krieg der Europäer auf die Lebensbedingungen der afrikanischen Bevölkerung ausgewirkt hatte. Keineswegs waren die verschiedenen Stämme Kameruns loyale Untertanen des Kaisers, wie Varendorff in einem weiteren Kapitel klarstellt. Von allen Zwangsmaßnahmen des selbstgerechten deutschen Gouverneurs Karl Ebermaier war jedoch der Justizmord an dem Führer der Duala, Rudolf Manga Bell, wohl die abstoßendste Tat. Hatte es dieser hoch gebildete Afrikaner mit Studium in Deutschland doch gewagt, friedlich gegen eine geplante Enteignung seiner Stammesgenossen zu protestieren. Um die als aufsässig eingestufte Bevölkerung einzuschüchtern, wurde Manga Bell gleich zu Beginn des Krieges auf Betreiben Ebermeiers im Schnellverfahren des Verrats schuldig gesprochen und in Duala gehängt.

Angesicht der Opfer und Leiden dieses fraglos nur um der Ehre willen geführten Krieges wirkt es schon skurril, dass die deutschen Herren in der Internierung auf der spanischen Insel Fernando Póo ihre kolonialen Gewohnheiten beibehielten und die zusammen mit ihnen internierten Afrikaner einem scharfen militärischen Drill unterwarfen, der sogar Alarmübungen zur Abwehr einer alliierten Landung vorsah.

Der neue Band aus der bewährten Kolonialgeschichtsreihe des Berliner Chr. Links Verlages ist mit dem üblichen wissenschaftlichen Apparat sowie einer Übersichtskarte und zahlreichen Abbildungen ausgestattet. Der hohe Preis erscheint allerdings für eine Paperback-Ausgabe nicht angemessen.

Titelbild

Uwe Schulte-Varendorff: Krieg in Kamerun. Die deutsche Kolonie im Ersten Weltkrieg.
Ch. Links Verlag, Berlin 2011.
224 Seiten, 29,90 EUR.
ISBN-13: 9783861536550

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Letzte Änderung: 28.11.2011 - 23:11:49
Erschienen am:28.11.2011
Lesungen: 1274
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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