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 literaturkritik.de » Nr. 2, Februar 2012 » Fremdsprachige Literatur
 
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Radikale Modernisierung

Arthúr Björgvin Bollason hat die schönsten isländischen Sagas ausgewählt

Von Volker HeigenmooserRSS-Newsfeed neuer Artikel von Volker Heigenmooser

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Bei nicht wenigen Verlagen hat man heutzutage das Gefühl, ihnen sei es egal, dass sie mit Büchern arbeiten. Sie könnten genau so gut mit Schrauben handeln. Das Geschäft, der schnelle Euro bei geringen Investitionen ist wichtiger als solides Verlagshandeln. Dieser sehr schwadronierend daherkommende Gemeinplatz findet sein Beispiel in der Ausgabe des Insel Taschenbuchverlags, der „die schönsten isländischen Sagas“ in der Bugwelle der Frankfurter Buchmesse, bei der 2011 Island Gastland war, mitschwimmen lässt.

Daran wäre im Grunde nichts auszusetzen, doch ist man verstimmt, wenn man genau hinschaut. Da stellt man sofort fest, dass auf gut 200 Seiten nie und nimmer fünf ausgewachsene Isländersagas passen können. Und in der Tat, nach längerem Suchen findet man am Schluss des Buchs den Hinweis, dass es sich um „Auszüge“ der Isländersagas handelt. Dort findet man auch den Hinweis, dass es sich um die Übersetzung von Rolf Heller handelt, die 1982 im Insel Verlag Leipzig erschienen ist. Also billig aus der Backlist des übernommenen Ex-DDR-Verlags recycelt. Die Übersetzung des Altnordisten Heller ist gekennzeichnet durch eine radikale Modernisierung, denn sie macht aus dem mittelalterlichen Text einen zeitgenössischen.

Das ist durchaus eine akzeptable Möglichkeit, vor allem im Hinblick darauf, das die alten, lange Zeit maßgeblichen Übersetzungen der „Sammlung Thule“ sehr „altertümelten“. Dies ist sicher legitim, wenngleich immerhin diskussionswürdig. Zu kritisieren ist allerdings, dass die angeblich schönsten Sagas nur in ziemlich verstümmelter Form in diesen Band aufgenommen sind. Ein Charakteristikum der Sagas, die Genealogien der „Helden“ beispielsweise, wurden einfach gestrichen.

In dieser Ausgabe kommt es nur auf den Plot an. Damit tut man dieser großartigen Literatur Gewalt an, weil sie aus einer anderen als aus unserer auf schnellen Konsum konditionierten Zeit stammt. Diesem bedeutenden Mangel hilft auch nicht das schöne Vorwort des kundigen Isländers Arthúr Björgvin Bollason ab, der einen kurzen präzisen Essay zu Herkunft und Bedeutung der Isländersagas verfasst hat.

Titelbild

Arthúr Björgvin Bollason (Hg.): Die schönsten isländischen Sagas.
Übersetzt aus dem Altisländischen von Rolf Heller.
Insel Verlag, Berlin 2011.
237 Seiten, 8,95 EUR.
ISBN-13: 9783458357445

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Letzte Änderung: 06.02.2012 - 15:18:32
Erschienen am:23.02.2012
Lesungen: 1017
© beim Autor und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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