Danke, alles bestens

Rolf Lapperts großer kleiner Roman „Pampa Blues“

Von Lutz HagestedtRSS-Newsfeed neuer Artikel von Lutz Hagestedt

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Benjamin Schilling lebt mit seinem Großvater in Wingroden, irgendwo am Arm der Welt. Denkbar wäre eine Landschaft mit weit aufgespanntem Himmel – Mecklenburg vielleicht, oder Brandenburg. Benjamins Mutter tingelt mit ihrer Band durch die Lande und hat ihm die Sorge um ihren dementen Schwiegervater überlassen. Ben ist mit der Pflege seines Opas praktisch auf sich allein gestellt, denn vom Vater hat er nur einen Brief, den dieser vor Jahren aus Afrika schickte. Ben kann es kaum erwarten, volljährig zu werden: „In neunzehn Monaten bin ich achtzehn, dann wird alles einfacher.“

In seinem Alter zählt jeder Tag, aber die meisten Tage gehen einsam, mühevoll und sorgenreich vorüber. Die Bedürfnisse seines 80-jährigen Großvaters kennt Ben genau, vielleicht besser als dieser selbst: Heiße Schokolade, ein paar Kekse dann und wann und die obligatorischen Medikamente – sowie Zeitschriften, die Karl zu Schnipseln verarbeiten kann. Großvater Karl ist ein dankbarer Pflegefall, und „Danke“ ist auch sein häufigstes Wort. Eines Tages, als Großvater Karl alle Wände seines Zimmers mit Schnipseln beklebt hat, verlegt er sich aufs Malen: „Er nimmt sich viel Zeit für seine postkartengroßen Bilder, als wolle er herausfinden, was eigentlich eine Tasse oder ein Pantoffel genau ist.“

Und es ist rührend zu sehen, wie umsichtig, fürsorglich und liebevoll Ben sich um seinen Großvater kümmert, denn auch in dessen Alter zählt jeder Tag. Schließlich peilt Ben schon einmal den 95. Geburtstag seines Opas an, obwohl der Teenager eigentlich andere Sorgen haben müsste. Und die hat er natürlich auch: Ben ist verliebt.

Von Lena, die plötzlich im Dorf aufgetaucht und unter einem Vorwand geblieben ist, bewahrt er ein paar Strähnen in einem Briefumschlag auf. Und Strähnen und Haare spielen allgemein eine große Rolle in diesem hinreißenden Buch – gilt es doch, ein Rätsel zu lösen. (Aber das lese ein jeder selbst einmal nach.) Eines Tages jedenfalls wächst Ben alles über den Kopf: Er setzt den Großvater aus, natürlich fürsorgend vor einem Pflegeheim, und erliegt den Verlockungen eines fingierten Briefes.

Die Idee einer Babyklappe für Greise ist einer der großartigsten Einfälle dieses an verrückten Ideen reichen Buches von Rolf Lappert, Jahrgang 1958. Eine andere schräge Idee hat Maslow, ehemaliger Golfprofi aus den USA und großer Zampano und Impresario von Wingroden: Er möchte Reporter in das sterbende Dorf locken, indem er ein UFO baut und die Landung von Außerirdischen simuliert. Doch sein Plan geht schief, das UFO muss in einem großen Gefängnishof notlanden.

Der All-Ages-Roman, der soeben mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2012 ausgezeichnet wurde, bietet, so die Begründung der Jury, „auf hohem Niveau großen Lesespaß“. Lässig erzählt er, wodurch Ben ein prima Automechaniker wird und weshalb er ein lausiger Gärtner bleibt. Das Buch bleibt spannend bis zum Schluss und nimmt – dies sei vorweggeschickt – ein versöhnliches Ende. Der Junge, „der seinen Großvater ausgesetzt hat wie einen lästigen Hund“, besinnt sich rasch eines Besseren. Doch als Ben reumütig umkehrt, um Karl wieder abzuholen, ist dieser nicht mehr da…

Titelbild

Rolf Lappert: Pampa-Blues. Jugendroman.
Carl Hanser Verlag, München 2012.
253 Seiten, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783446238954

Weitere Informationen zum Buch





LESERBRIEF SCHREIBEN
DIESEN BEITRAG WEITEREMPFEHLEN
DRUCKVERSION
NEWSLETTER BESTELLEN