Zu dieser Ausgabe

Die Erstveröffentlichung der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm jährt sich am 20. Dezember 2012 zum 200. Mal. Diesem Anlass misst man in Marburg besondere Bedeutung bei. Dort studierten Jacob und Wilhelm Grimm. Letzterer bekam dort im Jahr 1819 von der Philipps-Universität die Ehrendoktorwürde verliehen. Doch auch andere Städte im „Grimm-Country“ Hessen sind vom Jubiläumsfieber erfasst: So findet vom 17.-21. Dezember in Kassel eine geradezu monumentale Tagung mit sage und schreibe 50 Vortrags-Sektionen statt.

Unsere in Marburg erscheinende Zeitschrift „literaturkritik.de“ beteiligt sich an den Feierlichkeiten ebenfalls, mit einigen Essays und Rezensionen zum Thema: Was kann man heute mit den Märchentexten der Grimms überhaupt noch anfangen, was aus ihnen lernen? Was ist von der Erstauflage von 1812 zu halten, die in diesem Monat so gefeiert wird? Waren die Grimms in Wahrheit Plagiatoren, die nicht nur mündlich tradierte Stoffe übernahmen, sondern sich ohne Skrupel in bereits gedruckten Texten bedienten, um diese ,fortzuschreiben‘? Wussten Sie, dass die Märchen in erster Linie gar nicht unbedingt für Kinder gedacht waren, sondern im Sinne der Romantik vor allem eine ,nationale’ Kultur Deutschlands konstruieren helfen sollten, auch wenn die verwendeten literarischen Stoffe teils aus Frankreich stammten?

Soviel ist sicher: Offensichtlich leben diese alten Geschichten nicht nur in den Kinderzimmern fort. Sie werden in den unterschiedlichsten Medien sowie in der Gegenwartsliteratur weiter tradiert: Die Schriftstellerin Karen Duve etwa hat sich in ihrem Buch „Grrrimm“, zu dem Sie in der vorliegenden Ausgabe eine Besprechung finden, die Vorlagen der „Kinder- und Hausmärchen“ abermals angeeignet und in ganz eigenen Versionen nacherzählt: „Gegen Duves Splatterversion“ der Märchen seien „die Originale literarischer Kuschelrock“, urteilte eine der bisherigen Kritiken zum Buch.

Darüber hinaus verabschiedet sich unsere Zeitschrift mit einer kleinen Rubrik zum 70. Geburtstag Peter Handkes und wieder einmal über 100 Artikeln und Rezensionen aus dem Jahr 2012: Die Redaktion wünscht Ihnen gute, lektürereiche Festtage sowie einen schönen Jahreswechsel. Auch 2013 werden wir weiter für Sie da sein, soviel ist schon einmal sicher!

Herzlich
Ihr
Jan Süselbeck





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