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 literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2013 » Krimi
 
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Seit zwanzig Jahren mit Guido Brunetti in Venedig unterwegs

Donna Leon greift auch in „Reiches Erbe“ auf das bewährte Personal zurück

Von Liliane StuderRSS-Newsfeed neuer Artikel von Liliane Studer

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Inzwischen kennen wir sie alle bestens: Guido Brunetti, seine Frau Paola, die beiden Kinder Raffi und Chiara, den schwerreichen Schwiegervater, die quirlige Sekretärin Signorina Elettra oder den wenig qualifizierten Vice-Questore Giuseppe Patta. Wir freuen uns mit Guido, wenn er sich an den wunderbar gedeckten Tisch mit all den Köstlichkeiten aus Paolas Küche setzen darf, nachdem er zuvor einen schönen kühlen Weißwein getrunken hat. Wir interessieren uns für die kleineren und größeren Sorgen von Raffi und Chiara in der Schule, die ersten Verliebtheiten oder die netten, so vertrauten Streitereien mit den Eltern, die jeweils rasch wieder aufgelöst werden. Wir staunen, mit welcher Unverfrorenheit Signorina Elettra vorgeht, um Daten und Informationen beizubringen, und fragen uns schon ab und zu, in welchen Milieus sich diese junge Frau immer bewegt (und manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir über sie gerne etwas mehr erfahren würden!).

Wie schön ist es, sich lesend in diesem vertrauten Umfeld zu bewegen, sich bei jedem neuen Brunetti-Roman in der großen Brunetti-Familie wiederzufinden, mit Menschen, die man schätzen gelernt hat oder denen man immer noch nicht vertrauen kann. Und dass niemand in diesen zwanzig Jahren wirklich älter geworden ist, lässt uns ein bisschen glauben, dass auch wir es nicht geworden sind. Im neuesten Brunetti-Roman von Donna Leon, dem zwanzigsten, mit dem Titel „Reiches Erbe“ geht es um die Aufklärung des Todes einer alten Frau, der eigentlich keine weiteren Fragen aufwerfen würde, wenn da nicht Brunetti wäre, der ein ungutes Gefühl hat, dem er bekanntlich immer folgen muss – und das, wie sich herausstellen wird, auch in diesem Fall durchaus berechtigt ist. Als Anna Maria Giusti bei ihrer Rückkehr die alte Costanza Altavilla, die für sie immer die Post entgegengenommen hat, wenn sie abwesend war, tot in der Wohnung vorfindet, mit Schürfwunden an Hals und Schultern, will auch sie vorerst an einen natürlichen Tod glauben. Doch da ist auch eine Unsicherheit, die ihr sagt, dass etwas seltsam ist, und so meldet sie sich bei der Polizei. Umgehend wird Brunetti hinzugezogen – der Anruf erreicht ihn bei einem Arbeitsessen mit Patta, und da ist er überaus froh, sich absetzen zu können. Was der Vice-Questore selbstverständlich ungern sieht. Ganz abgesehen davon, dass er keine Notwendigkeit sieht, weitere Untersuchungen vorzunehmen, handelt es sich doch auch seiner Meinung nach um einen ganz normalen Tod nach einem Sturz, wie er dann von der Gerichtsmedizin vorerst bestätigt wird. Nur Brunetti vertraut seinem Instinkt, der ihm etwas anderes sagt, und er beginnt seine Recherchen im Umfeld der alten Frau, die ihn in ein Altenheim führen und zu Menschen, die sich nach Liebe und Anerkennung sehnen und oftmals deswegen schamlos ausgenützt werden. Wirklich schön zu lesen ist in „Reiches Erbe“, wie Brunetti das Vertrauen der alten Menschen gewinnt und dieses Vertrauen nicht ausnutzt.

Donna Leon, die seit 1981 in Venedig lebt und arbeitet und deren Werke nicht in italienischen Übersetzungen erscheinen – so hat sie verfügt –, ist kürzlich 70 geworden. Sie schreibe ihre Brunetti-Serie fort, doch bis der nächste Band erscheinen wird, überlässt sie uns „Himmlische Juwelen“, einen Roman, den sie auf Anregung der Sängerin Cecilia Bartoli geschrieben hat, mit der sie die Liebe zur Barockmusik verbindet. Was vorerst nur ein Beitrag zum Booklet der jüngsten Bartoli-CD „Mission“ mit Musik von Agostino Steffani hätte werden sollen, wuchs sich zu einem Roman aus, in dem Donna Leon Caterina Pellegrini losschickt, die Spuren des vergessenen Barockkomponisten, der viel mehr war als nur Komponist, zu ergründen. Dass auch in „Himmlische Juwelen“ ein Mordfall nicht fehlen darf, versteht sich von selbst.

Titelbild

Donna Leon: Himmlische Juwelen. Roman.
Diogenes Verlag, Zürich 2012.
300 Seiten, 22,90 EUR.
ISBN-13: 9783257068375

Weitere Informationen zum Buch

Titelbild

Donna Leon: Reiches Erbe. Commissario Brunettis zwanzigster Fall.
Diogenes Verlag, Zürich 2012.
317 Seiten, 22,90 EUR.
ISBN-13: 9783257068207

Weitere Informationen zum Buch





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 literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2013 » Krimi
 

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Letzte Änderung: 10.12.2012 - 20:10:08
Erschienen am:10.12.2012
Lesungen: 784
© bei der Autorin und bei literaturkritik.de
Lizenzen zur Nachpublikation

 

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