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 literaturkritik.de » Nr. 3, März 2003 » Fremdsprachige Literatur
 
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Bitter ist der Tod

P. D. James Krimi "Tod an heiliger Stätte"

Von Petra PortoRSS-Newsfeed neuer Artikel von Petra Porto

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ein Kriminalroman wie aus dem Lehrbuch. Das Setting: Ein elitäres Priesterseminar an der Küste East Anglias, einsam und schwer zugänglich. Ein Mord an einem der Seminaristen, den lediglich eine sehr beschränkte Anzahl von Personen begangen haben kann. Die möglichen Täter versammelt. Ein Polizist (Commander Dalgliesh vom Scotland Yard), der den Mord aufklären soll. Und weitere Todesfälle, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

Hinzuzufügen sind noch die persönlichen Probleme der Kriminalbeamten, die den Fall untersuchen sollen, der Hinweis auf die dunklen Vergangenheiten verschiedener Tatverdächtiger, aus denen sich jeweils beinahe eine eigene Geschichte entspinnt, und ein kleines bisschen Gesellschaftskritik. Fertig.

Dennoch ist "Tod an heiliger Stätte" mehr als nur das Zusammenspiel von Gemeinplätzen der Kriminalliteratur - und gleichzeitig auch weniger. Die Autorin versteht es zwar dank langjähriger Erfahrung, den Leser in den Windungen ihres Plots zu fesseln, ihre Figuren sind auch mehr als nur wandelnde Klischees - und trotzdem ist der Roman nicht bis ins Letzte gelungen.

Gelegentlich sollten Nebenfiguren einfach Nebenfiguren bleiben dürfen. Sie mit Geschichten aus der Vergangenheit und dunklen Geheimnissen aufzuladen, ohne dass sie eine wirkliche Rolle zu spielen haben, macht einen Roman nicht dichter, sondern nur dicker. Den Täter dagegen bis zum Schluss vollkommen unbeachtet zu lassen, ihm kaum einen Charakterzug zu verleihen, so dass er schließlich lediglich in einer der unvermeidlichen "Beichtreden" nach seiner Entdeckung über seine Motive sprechen darf, ist ein faux-pas. Ein wie ein Deus-ex-machina aus dem Abseits der Geschichte auftauchender Täter ist ein billiger Ersatz für einen durchdachten Plot, der es dann auch vertragen würde, wenn es gelegentliche Hinweise zur Aufklärung gäbe, die sich nicht größtenteils auf die letzten fünfzig Seiten eines beinahe zehnmal so langen Romans konzentrieren.

Überhaupt, die Länge. Über den Leser ergießt sich eine wahre Hinweisflut. Seitenweise Berichte über die anglikanische Kirche, präraffaelitische Gemälde und den Zustand der englischen Polizei. Fäden, die ins Nichts laufen. Die Tatsache, dass ein Autor gut recherchiert hat, muss sich nicht unbedingt darin zeigen, dass er sämtliche seiner Informationen an den Leser weitergibt.

Das Besondere an guten Kriminalautoren ist es, dass sie eine immer ähnliche Geschichte auf immer neue Art und Weise erzählen können, so dass sie nie langweilig wird. "Tod an heiliger Stätte" ist über weite Strecken ein von einer guten Kriminalautorin geschriebener Roman. Und gerade deswegen ist es umso enttäuschender, wenn das Ende der Geschichte dem Anfang nicht gerecht wird.

Titelbild

P. D. James: Tod an heiliger Stätte. Roman.
Übersetzt aus dem Englischen von Christa Seibicke.
Droemersche Verlagsanstalt, München 2002.
543 Seiten, 22,90 EUR.
ISBN-10: 3426195763

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Letzte Änderung: 20.11.2003 - 19:12:48
Erschienen am:01.03.2003
Lesungen: 2228
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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