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 literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2005 » Fremdsprachige Literatur
 
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Der Mensch lebt von Geschichten

Zur Hörbuchfassung von Leon de Winters Roman "Malibu"

Von Dörte Hartung

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

"Der Mensch lebt von Geschichten", heißt es im Roman "Malibu" von Leon de Winter, der bereits vor einem Jahr auch als Hörbuch erschienen ist. Und der bekannte niederländische Autor erzählt hier wirklich eine ganz besondere Geschichte.

Viele verschiedene Handlungsstränge und Personen werden von de Winter in den Roman eingeflochten: Da ist die Hauptfigur Joost Koopman, ein Niederländer, der in den USA als Drehbuchautor arbeitet. Noch bevor er mit seiner Tochter ihren 17. Geburtstag feiern kann, hat sie einen Unfall, an dessen Folgen sie kurz darauf stirbt. Gleichzeitig trifft man auf Philip van Gelder, einen Freund Koopmans, der ihn in eine Spionagegeschichte des israelischen Geheimdienstes verwickelt. Hinzu kommen noch Koopmans Cousine Linda, der Bodybuilder Errol "God" Washington, der den Tod von Koopmans Tochter verursachte, und die dunkle Figur Omar, die von Koopman bespitzelt werden soll. Zunächst, so scheint es, haben die einzelnen Handlungen nicht viel miteinander zu tun, dann aber verflechten sie sich sehr schnell. Joost Koopman verarbeitet den Verlust seiner Tochter nur schwer, unter anderem, weil er einer Organspende - der Herzentnahme - bei seiner Tochter zugestimmt hatte. Mitten in der Zeit tiefer Trauer und Verzweiflung tritt sein alter Freund Philip auf Koopman zu, mit der Bitte, einen islamistischen Terroristen niederländischer Herkunft zu bespitzeln. Damit nicht genug, meldet sich auch noch Koopmans Cousine Linda nach 30 Jahren im Leben des Trauernden zurück und konfrontiert ihn mit einer unglaublichen Geschichte - der angeblichen Reinkarnation seines Großvaters.

Ohne Pause und völlig atemlos reihen sich die Geschehnisse im Roman, der eine Mischung aus Tragödie und Thriller ist, aneinander. Doch schafft es Leon de Winter geschickt, keinen der Handlungsstränge zu verlieren und sie gekonnt miteinander zu verknüpfen. Als kühnes Spiel mit schicksalhaften Zusammenhängen, Metaphysik und surrealen Abenteuern beschreibt eine Rezensentin den Romaninhalt in der "Süddeutschen Zeitung". Und tatsächlich erscheint es etwas surreal und abstrakt, wenn der Tod, das Problem der Organspenden, ein Spionagefall des Mossad, verbliebene Gelder der im Zweiten Weltkrieg getöteten Juden sowie eine Wiedergeburtstheorie über Joost Koopman und über den Hörer der Geschichte hereinbrechen. Vor allem aber die Trauer um die verstorbene Tochter wird sehr eindringlich von Leon de Winter beschrieben und gleichermaßen von Gunter Schoß vorgelesen. Erscheinen die anderen Geschehnisse dem Hörer teilweise etwas weit entfernt, so ist dieses Ereignis reeller als alles andere dargestellt.

Der Aufbau erinnert an bereits erschienene Romane de Winters, wie "Zionoco" und "Der Himmel von Hollywood". Harte Schnitte zwischen den Kapiteln und ausführliche Rückblicke bestimmen die Erzähltechnik. Auch ist wieder ein Niederländer jüdischer Herkunft Hauptfigur des Romans - ein sich ständig wiederholender Aspekt in den Werken de Winters, dem nicht nur der kürzlich in Den Haag ermordete Filmemacher Theo van Gogh kontrovers gegenüberstand, indem er dem Autor vorwarf, sein Jüdischsein zu vermarkten.

Tatsächlich werden die praktizierte jüdische Religion und Lebensweise in vielen Werken angesprochen - meist in Retrospektiven der Hauptfiguren - sie stehen jedoch nicht permanent im Vordergrund.

Mit "Malibu" hat der 50-jährige Niederländer wieder einen außergewöhnlichen Roman verfasst, der auch als Hörbuch fesselnd ist. Der Schauspieler Gunter Schoß liest den Text mit sehr viel Ruhe, was der Spannung nicht sehr zuträglich ist. Die fünf CDs von jeweils etwa 77 Minuten bringen Hörgenuss, sofern sich der Hörer auf die Erzählstrategie einzulassen weiß.

Wer den Stil Leon de Winters mag, für den ist das Hörbuch ein Muss, für alle anderen Literaturliebhaber aber auch eine spannende Geschichte, die eine Abwechslung zum Selber-Lesen bietet.

Titelbild

Leon de Winter: Malibu. 5 CDs.
Audio Verlag, Berlin 2003.
388 min, 29,95 EUR.
ISBN-10: 3898132501

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 literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2005 » Fremdsprachige Literatur
 

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Letzte Änderung: 05.01.2005 - 13:18:41
Erschienen am:01.01.2005
Lesungen: 3568
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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