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 literaturkritik.de » Nr. 7, Juli 2005 » Deutschsprachige Literatur
 
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Gelebter Manierismus

Kenntnisreiche Darstellung von Brockes Leben

Von Christoph Schmitt-MaaßRSS-Newsfeed neuer Artikel von Christoph Schmitt-Maaß

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Obwohl er in fast allen deutschen Lyrikanthologien vorkommt, ist der Dichter Barthold Hinrich Brockes (1680-1747) heute weitgehend vergessen. Seinerzeit war er jedoch eine schriftstellerische und politische Größe, an der man in Hamburg kaum vorbei kam. Sein neunbändiges lyrisches Großwerk "Irdisches Vergnügen in Gott" bildet die Textgrundlage für viele Vertonungen des Barock, u. a. durch Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach (Johannes-Passion).

Auch heute noch steht eine umfassende Brockes-Biografie aus, die den vielseitig Interessierten und als Senator Hamburgs Bekannten als bedeutende Persönlichkeit im Übergang zwischen Barock und Aufklärung zeichnen könnte. Eckart Kleßman will mit seiner knapp und anschaulich gefassten Biografie eine erste Annäherung ermöglichen. Verdienstvoller Weise skizziert er Brockes' Bedeutung im intellektuellen Leben der Freien Hansestadt Hamburg, indem er die Zusammenarbeit und Einflüsse auf die Größen seiner Zeit (neben Händel und Telemann vor allem Dichterfreunde aus dem regionalen Umfeld) aufzeigt, aber auch Brockes politisch bedeutsames Wirken nicht vernachlässigt. Daneben machte Brockes sich mit der "Teutschübenden Gesellschaft" (später: "Patriotischen Gesellschaft") als Sprachpfleger und Vermittler der Aufklärung einen Namen.

Brockes vermittelte dichterisch zwischen so unterschiedlichen Standpunkten wie denen Giambattista Marinos und den Physikotheologen (Leibniz, Thomasius). Seine sprachliche Bildhaftigkeit führt Kleßmann detailliert und undogmatisch vor, überhaupt ist die textkonzentrierte Argumentation Kleßmanns positiv hervorzuheben. Auch die gediegene Aufmachung und der Materialreichtum der Abbildungen besticht.

Kleßmann gelingt es, mit sicherer Hand das Bild eines vom Glück weitgehend Verwöhnten zu zeichnen. Das detailliert ausgebreitete Wissen Kleßmanns wirkt kaum je ermüdend, sondern arbeitet Brockes Position im Umfeld der aufklärerischen Tendenzen der Freien Hansestadt heraus, ohne die barocken Fundamente des Senators Brockes zu vernachlässigen. Daran schließt sich zugleich die Frage der längst überfälligen kritischen Herausgabe der Werke Brockes an, die den Zeitkontext zwischen Barock und Aufklärung erhellen könnte.

Titelbild

Eckart Kleßmann: Barthold Hinrich Brockes.
Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt.
Verlag Ellert & Richter, Hamburg 2003.
124 Seiten, 14,90 EUR.
ISBN-10: 3831901007

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Letzte Änderung: 01.07.2005 - 11:41:20
Erschienen am:06.07.2005
Lesungen: 4019
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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