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 literaturkritik.de » Nr. 4, April 2008 » Kultur- und Medienwissenschaft
 
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Prägnant und zuverlässig

Bewährte Schauspiel-, Opern- und Konzertführer in einer Kassette

Von H.-Georg LützenkirchenRSS-Newsfeed neuer Artikel von H.-Georg Lützenkirchen

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Reclams Schauspielführer finden sich wahrscheinlich in vielen Bücherregalen. 1953 erschien der kompakte Band erstmals - und im Jahr 2001 erlebte er seine 21. Auflage. Zweifelsohne eine Erfolgsgeschichte: Unter allen Schauspielführern gilt der mit dem Markenzeichen Reclam als einer der auflagenstärksten. Mit jeder Auflage veränderte sich die Auswahl der Autoren und Dramen, was den jeweiligen ,Moden' an den Theatern geschuldet war. Gleich blieb aber die dem Führer zugrundegelegte Dreiteilung: von den Anfängen des Theaters bis etwa 1900; das Theater von 1900 bis 1945 und das Theater nach 1945.

Diese Dreiteilung gibt nun der von Marion Siems herausgegebene Schauspielführer auf. "Reclams neuer Schauspielführer", wie das Werk nun genau heisst, verzichtet auf vorgliedernde Einteilungen und bietet ,nur' noch Autoren und Dramen. Die Auswahl von etwa 300 Dramatikern und rund 600 Stücken, "reflektiert", so teilt das Vorwort mit, "die Spielpläne deutschsprachiger Bühnen." Daneben wurden Autoren und Dramen berücksichtigt, die "weltweit theatergeschichtlich von Bedeutung sind, etwa Seneca, der altindische Dichter Kãlidãsa, der Japaner Yukio Mishima oder der Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka aus Nigeria und Gao Xingjian aus China."

Nun, zumindest die erstgenannten Autoren berücksichtigten auch frühere Auflagen des ,alten' Schauspielsführers. Die Stückauswahl soll der "Bedeutung des gesamten dramatischen Werkes eines Autors sowie seiner Präsenz auf deutschsprachigen Bühnen" gerecht werden. Fällt auch die alte Dreigliederung fort, so folgt nun die Anordnung der Artikel einer Chronologie der Geburtsdaten der Autoren. Erster Protagonist ist also heute wie damals Aischylos, der letzte Eintrag gilt dem 1972 geborenen Marius von Mayenburg und seinem Stück "Feuergesicht". Das ist nicht eben praktisch, zwingt gewissermaßen ins Register. Der Aufbau der Artikel folgt einem einheitlichen Schema: einer kurzen biografischen Skizze folgen die Stücke, jeweils mit den Daten der Uraufführung und der deutschsprachigen Erstaufführung, einer Inhaltsbeschreibung sowie einer "kritischen Würdigung" des Stückes. Zusätzliche 64 Farbfotos von Aufführungsszenen, ein "Register der Personen", das neben den Dramatikern auch die Namen der im Text genannten Bearbeiter und/oder Regisseure umfasst, sowie das "Verzeichnis der Werke" vervollständigen den Band.

Reclams neuer Schauspielführer lässt sich leicht neben die bereits vorhandenen Bände der alten Schauspielführer stellen. Er hat das typische Kleinformat der Reclambände beibehalten. Das symbolisiert die bewährte Tradition, in der man steht. Zu Recht, denn der neue Schauspielführer, an dem 17 AutorInnen mitwirkten, liefert, wie die Vorgänger, "prägnante und zuverlässige" Information.

Im Schuber liefert Reclam neben dem Schauspielführer auch die gleichformatigen Opern- und Konzertführer. Reclams Opernführer ist ebenfalls ein Erfolgsprodukt des Hauses. Der in den 1950er-Jahren von Wilhelm Zentner konzipierte und herausgegebene und nun von Rolf Fath verantwortete Führer liegt bereits in der 38. erweiterten Auflage vor. Er stellt 220 Opern vor, "in chronologischer Folge nach Komponisten geordnet". "Die vornehmste Aufgabe eines Opernführers," so erläutert der Autor im Vorwort, "besteht darin, so ausführlich wie nötig und so knapp wie möglich den Handlungsverlauf einer Oper nachzuzeichnen." Weitergehender "Ehrgeiz, ausführlich über die Musik eines Stückes, die Werkgeschichte, seinen Text und dessen Verfasser zu informieren", muss dahinter zurücktreten. Die Einschränkung des Autors ist nobel, aber sie sollte nicht verschrecken. Denn tatsächlich finden sich genügend Informationen zu den einzelnen Opern, die auch dem Laien Einblicke in eine werk-, musik- oder aufführungsgeschichtliche Einordnung erlauben. Auch diesen grundsoliden Führer vervollständigen 56 Farbtafeln mit Aufführungsfotos, sowie das "Verzeichnis der Komponisten" und das der Opern.

In der 18. aktualisierten und erweiterten Auflage liegt Reclams Konzertführer vor. Erstmals erschien der Führer 1952 in der Verantwortung Hans Renners. Nach dessen Tod übernahm mit der 9. Auflage 1972 Klaus Schweizer die Verantwortung für den Führer. 1998 wurde er mit der 16. Auflage neu konzipiert und auf dieser zusätzlich von Arnold Werner-Jensen mitverfassten Auflage beruht nun die aktuelle Auflage. Das Nachschlagewerk widmet sich der Orchestermusik. Die Werkauswahl beruht auf folgenden Voraussetzungen: "zum einen", erläutert das Vorwort, "auf einer Definition des Begriffs ,Orchestermusik', zum anderen auf den Gepflogenheiten des heutigen Konzertlebens und des Tonträgermarktes." Das bedingt einen einführenden Artikel "Orchester und Orchestermusik".

Die nachfolgenden Werke sind epochenweise geordnet. Den Werken der Barockepoche folgt die Orchestermusik des 18. Jahrhunderts "zwischen Barock und Wiener Klassik". Letzterer ist zudem ein eigenes Kapitel gewidmet, das ins 19. Jahrundert und den "Aufbruch in die Romantik und den Klassizismus" überleitet. Das letzte Kapitel umfasst "das späte 19. und das 20. Jahrhundert". 366 Notenbeispiele sowie ein Namensregister "mit Verzeichnis der besprochene Werke" vervollständigen den informativen Führer.


Titelbild

Reclams Opernführer, Reclams Konzertführer, Reclams Schauspielführer. 3 Bände in Kassette.
Reclam Verlag, Stuttgart 2007.
3255 Seiten, 49,90 EUR.
ISBN-13: 9783150300350

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 literaturkritik.de » Nr. 4, April 2008 » Kultur- und Medienwissenschaft
 

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Letzte Änderung: 03.04.2008 - 14:12:52
Erschienen am:23.04.2008
Lesungen: 1865
© beim Autor und bei literaturkritik.de

 

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